Alles Käse, oder was? 6 Tage am Kasfjorden Ende Juli 2010, Teil 2
Alles Käse, oder was? 6 Tage am Kasfjorden Ende Juli 2010, Teil 2
Der gestern aufbereitete Tag zählte ohnehin nicht zu den 6 regulär angestezten
Angeltagen, sondern war ja nur Anreise/Ankunft. Im Gegensatz zu manch älterem
Bericht von rückblickend zusammenfassender Strickart wollte ich aber diesmal zur
Abwechslung den Verlauf möglichst originalgetreu Tag für Tag wiedergeben. Also,
der hoffentlich besser nachvollziehbaren Reihe nach.
1.
Angeltag:
So einer hätte es jedenfalls werden sollen, weil so
hatten wir das eigentlich nach meiner Ankunft noch tags zuvor hinlänglich geplant, dass wir in die Boote steigen. Tja,
nur leider hatte sich das gestern noch weiter landeinwärts gesichtete
Dreckswetter inzwischen merklich über unserem Küstenabschnitt breit gemacht.
Noch vor dem Frühstück vorsichtshalber einen widerwilligen Blick in den
tagesaktuellen Online-Wetterbericht riskiert und da stand dann als
tagesfüllendes Unterhaltungsprogramm was von Reeeeegeeeeeen und liten kuling von
um die 11-12 m/s...
In Anbetracht der Tatsache, dass wir schon am
Vorabend (der noch vergleichsweise ruhig war) kaum aus dem Kasfjord heraus
gefahren waren, weil weiter draußen trotzdem ´ne Welle von ca. strammen 1,50 m
mit Schaumkronen stand, haben wir das mit dem Rausfahren mal lieber stecken
gelassen...
Stubenhocken oder Wandertag? Vormittags hatte ich mich noch
auf die Socken gemacht, aber als es dann zum späten Vormittag bis in den
geschützten Kasfjord hinein richtig loszuwedeln und auch noch einen Zacken
schärfer zu siffen begann, habe ich dann doch die trockene Stube mit einem
Käffchen am Hals vorgezogen.
Moosdschungel
Einmal zu Fuß bis zum Fjordausgang...
...bis Bremnes und dann Kehrtwendung...
...fix zurück...
Ein Blick aus dem Stubenfenster: Cats & Dogs are coming down
Beim dem sich anschließenden Stubenhocken war dann nunmehr genügend Zeit, die momentan im Revier das Angelgeschehen bestimmende Großbeißwetterlage am runden Tisch bzw. Laptop genauer in Erfahrung zu bringen. Volker und Steffen waren ja schon ein paar Tage mit weiteren Gästen zugange und auch nicht zum ersten Mal im Revier.
Vor, ich meine, zwei Jahren lief es bei den beiden schon beim Erstbesuch gerade in Sachen Heilbutt unverschämt gut, weil auf Anhieb gleich an einer ganzen Reihe von gleichmäßig über die Wasserfläche verstreuten Plätzen. Auch ich hatte schon eine Videosequenz aus dem letzten Jahr von Bekannten zu Gesicht bekommen, auf der eine ganze Bucht vor Futterfisch, Walen und Möwen derart großflächig kochte, dass man es vom bloßen Erzählen kaum glauben mochte.
Das aktuelle Resümee lautete vorläufig etwas verhalten bis schleppend. Futterfischmassen und Jagdszenen spielten sich seit der Vorwoche überhaupt nicht mehr ab. Butt wurde bis zu handlichen Größen von ca. 30 Pfund erbeutet, blieb aber eher überschaubar. Zwar gab es noch regelmäßig Kontakte zu deutlich größeren Flachmännern, doch endeten diese leider mehrfach aus diversen Gründen ohne Fisch im Boot. Dafür wurden aber in den beiden Wochen zuvor, weiter draußen , in Richtung Andfjorden unverhofft zwei richtig heftige Granaten von Sommerdorsch aus um die 170 m Wassertiefe beim Rotbarschangeln gewuppt, einmal 25 kg und einmal 27 kg bei ca. 1,40 m...
So hibbelig man beim Vernehmen solcher Zahlen und vor allem beim Sichten der auf den Läppis gespeicherten Bilder wird, beim Blick aus dem Fenster und dem Hinweis auf die insgesamt dann vergleichsweise doch eher mühsame Fischerei, war man sogleich mit dem passenden Dämpfer versorgt. Fazit für diesen "1. Angeltag" - es konnte nur besser werden
2. Angeltag:
So, über Nacht wurde es dann allmählich wieder
ruhiger und beim allmorgendlichen Blick aus dem Schlafzimmerfenster huschten
sogar ein paar Sonnenstrahlen vorm Nontind vorbei.
Der Wetterbericht hatte dann auch stetig abnehmenden Wind und ab Nachmittag freien Blick auf den gelben Planeten gelistet.
Also, ab aufs Wasser. Dort sah es aber am
Fjordausgang irgendwie noch gar nicht nach Wetterbesserung aus. Zumindest aber
konnten wir diesmal von den Wellen her aus dem Kasfjord heraus fahren,
verkrümelten uns gleichwohl zunächst einmal landeinwärts in den Windschutz von
Gapoy, einer größeren Insel im Kvaefjord.Dort standen dann leicht verstreut kleinere Trupps von Seelachsen und Wittlingen als Futterfisch und zwischenmang immer wieder auch ein paar halbstarke Dorsche, sodass vorerst keine Hektik auf dem Boot auszubrechen drohte. So sind wir dann den lieben Vormittag parallel zum Inselufer in Tiefen von 15 m bis 60 m hoch und runter gedriftet. Um den Dorschnachwuchs zu schonen, hatten wir schon bald je 2 Pfund Seelachs am Giant Deadbait eingeklinkt, weil zumindest der Untergrund so verkehrt gar nicht war. Bis auf einen Nachläufer bei Volker, der im Mittelwasser mal kurz "zustubste" , passierte dort allerdings nicht das, worauf wir es trotz aller Verlegenheitsumstände anzulegen versucht hatten.
Als der Himmel dann tatsächlich aufzureißen begann, sahen wir uns in Gedanken fast schon, natürlich den Besserung verheißenden Wetterbericht vor Augen, weiter draußen in den uns aussichtsreicher erscheinenden nördlichen Fjordbereichen herumfuhrwerken .
Fürs erste haben wir uns jedoch etwas seitlich von Gapoy weg verlegt und es in etwas tieferen Bereichen von um die 100 m versucht. Dort standen dann die Dorsche gestapelt kurz über Grund, von denen wir mit großen Gufis bei der ersten Drift Fische von im Schnitt um die 8-10 Pfund erwischten, also keine Mickerlinge, aber auch keine Riesen. Es standen da auch deutlich größere Fische mittendrin (im Boot von Steffen war zumindest ein metriger Fisch dabei), aber diese nach und nach herauszupicken, dazu sind wir nicht mehr gekommen.
Unser Abwarten, dass nun auch der Wind, der laut Vorhersage zunächst noch mit guten 5 m/s angegeben war, weiter abflauen möge, um den Ritt nach weiter draußen zu wagen, geriet zusehends zur Endlosschleife, denn die scheinbar im Godfjord fest installierte Düse aus Süd/Südwest drehte nach und nach wieder auf geschätzte 7-8 m/s hoch, sodass wir die großen Gummilappen auch an 400 g-Köpfen schon bei der zweiten Drift nicht mehr vernünftig in Grundnähe halten konnten...
Also, wieder dichter unter Land gefahren und noch ein paar erfolglose Driften mit den aufgestöpselten Seelachsen im Flachwasser nachgelegt bei weiter zunehmendem Wind und, als ob da jemand den Schalter umgelegt hätte, das Dreckswetter retour im Gepäck.
Um es abzukürzen: Wir bekamen sämtliche
Wolken und auch den letzten Rest vom Regen zurück um die Nasen gewedelt, von
Wetterbesserung mit Sonne und let bris am Nachmittag keine Spur.
Auf dem noch mit ein paar Zwischenstopps
garnierten Heimweg stieg auf dem Boot von Steffen dann aus heiterem Himmel doch
noch ein guter Butt beim Hochleiern ein, der anschließend an die 10 Minuten ohne
Sichtung gedrillt wurde, bis er ausstieg...
Danach war für diesen Tag
Feierabend auf dem Wasser.
Nach dem Abendmahl habe ich interessehalber noch einmal die Wetterseite
aufegrufen, und die gaukelten allen Ernstes noch immer ein laues Lüftchen und
was von Sonne pur vor. Naja dachte ich, vielleicht trifft das Vorhergesagte ja
wenigstens mit ein paar Stunden Verspätung ein. Jedenfalls wollte ich dem mal
ein wenig auf den Grund gehen oder besser gesagt auf einen Ausguckberg sprinten.
Mit 412 m habe ich mir den relativ leichtesten ausgesucht, den für alte Leute , nämlich den Nupen.
Tja, querfeldein mit 7
kg Gepäck habe ich immerhin ein reichliches Stündchen gebraucht, um selbstredend
ziemlich fettisch oben anzukommen, nur, um festzustellen, dass der Wetterbericht
sich wohl gewaltig geirrt haben muss und von (Mitternachts)Sonne war vor lauter
Wolken natürlich weit und breit nichts zu sehen...
Oben auf dem Gipfel
ein permanentes Sturmgeheule bei gefühlten +2 Grad und handfeste
Standschwierigkeiten mit unkontrollierbaren Seitwärtsbewegungen wie sonst nur
von den Wetterfuzzies auf dem Harzer Brocken überliefert.
Höhenwindbarometer: Wolkenpilz über den Gipfeln von Grytoy
surprise, surprise...
Nupen Endstation
Für Loppa kann ich direkt nichts sagen, weil ich selbst noch nicht da (ich denke
mal Tverfjord) war. Allerdings war ich ja schon mal "gleich um die Ecke",
nämlich Mitte August 2004 in Skjervoy. Womöglich lassen sich die damals
gewonnenen Erkenntnisse im Ansatz vorsichtig verallgemeinern. Den kleinen Exkurs
schaffe ich aber voraussichtlich erst übermorgen, mal schauen.
So, weiter
gehts mit dem...
3. Angeltag:
Die Wetterfrösche
hatten weiterhin das bereits für den Vortag verkündete Kaiserwetter versprochen,
also vielleicht klappt es ja zumindest mit dem Wetter im 2. Anlauf. Beim Blick
aus dem Schlafzimmer konnte ich zu Tagesbeginn jedenfalls schon mal ein halbes
Pfund mehr Sonnenstrahlen auf dem Nontind unterhalb der unverändert präsenten
Wolkendecke ausmachen.
Zunächst gings bei schon merklich abgeflautem Wind noch einmal in den Kvaefjord, weil so richtig zutraulich empfanden wir die Wetterprognose noch immer nicht. Es waren aber immerhin schon viele kleine Wolkenfenster unterwegs, durch die dann immer wieder die Sonne sich für einen kurzen Moment durchmogelte. Ringsrum huschten dann viele leuchtend gelbgrüne Flecken über die Fjordhänge, was im Kontrast zu den noch immer dunklen Wolken farbenprächtig anzuschauen war.
Zur Mittagsstunde dann Erleichterung auf den Booten, weil mit gut eintägiger Verspätung bekamen wir nun unsere Wetterbesserung serviert. Also, Hebel auf den Tisch und an Grytoy vorbei in den Übergangsbereich zum Andfjorden gedüst.
Dort standen dann deutlich größere Seelachsschwärme und schon die erste Drift brachte ein paar gute Dorsche von 10-15 Pfund. Bereits ab ca. 70/80 m blieben bei Volker sogar regelmäßig gute Rotbarsche von 3 - 4 Pfund am nebenher mitgefischten Beifänger hängen. Nicht so jedoch bei mir, denn bei mir blieb von den roten Brüdern keiner hängen, so sehr sie auch den angebotenen 3-Pfund-Seelachs kneifen und zwacken mochten.
Dafür hatte ich an diesem Nachmittag immer wieder unfreiwillig mit nimmersatten Lumbs zu tun, die mehrfach in Größen zwischen 5 und ca. 12 Pfund schon dann auf den Seelachs einhämmerten, wenn man nach dem Ablassen auch nur kurz den Boden berührt hatte... Am späten Nachmittag bekam ich dann nach einem weiteren Köderablassen direkt nach dem Aufschlagen des Seelachses wieder sofort eine Attacke und grämte mich schon über den nächsten Lumb, aber mit einem Mal kam für einen kurzen Moment Druck auf die Rute.... Sofort hellwach hab´ ich mit der Rutenspitze dem Zug gen Wasseroberfläche noch etwas nachgegeben und bin in Position gegangen, doch nach einer guten Sekunde war der Zug auch schon wieder weg... Unmittelbar darauf folgte dann in der Rutenspitze nur noch typisches Nicken der Marke Lumb und mein dann sicherheitshalber dennoch gesetzter Anhieb ging ins Leere. Die Köderkontrolle gab jedoch hinreichend Anlass zum Ärgern, denn es fehlte aufgrund des kurzen zwischenzeitlichen Zuges fein säuberlich abgetrennt die komplette hintere Hälfte vom Seelachs, wie durchgeschnitten... Tja, hinterher ist man immer "schlauer". Doch selbst wenn ich denn nicht von einem weiteren postwendenden Lumbalarm ausgegangen wäre, hätte ich wohl sofort beim ersten leichten Zug durchziehen müssen, was man jedoch bei einem Buttbiss am (größeren) Naturköder gerade nicht machen sollte, eigentlich... Immerhin, ich hatte den ersten unübersehbaren Kontakt zu einem mutmaßlich sehr anständigen Flachmann.
Zum Abend war dann so ziemlich Ententeich auf dem Wasser eingekehrt, weshalb der Angeltag mit Rotbarschstandfischen ausklang, die in bester Beißlaune waren und wiederum in guten Größen bis zu strammen 4 Pfund ins Boot kamen.
Tschau Debilofant
| < Zurück | Weiter > |
|---|










Kommentare