Praktisch erlebt: Der Unsinn der Sportfischerprüfung....
Praktisch erlebt: Der Unsinn der
Sportfischerprüfung....
Es gibt ja immer noch Leute - vor allem aus Verbänden und Vereinen, die mit Kursen Geld verdienen - die Meinung, dass eine Prüfung eine unerlässliche Voraussetzung zum Erwerb einer Angelerlaubnis sein muss.
Auch wenn das verschiedene Länder durch praktischen Tun schon widerlegt haben. Wie Schleswig Holstein oder Mecklenburg Vorpommern mit dem Touristenangelschein, den man ohne Prüfung bekommt. Oder auch Brandenburg, wo man ohne Prüfung auf Friedfische angeln darf.
Gerade im Süden - auch speziell bei uns in Baden - Württemberg - gibt es ja mit die strengsten Prüfungen, die man auch nur nach Kursbesuch mit Pflichtsstunden überhaupt erst absolvieren darf.
Da sollte man als normaler Mensch dann ja denken, dass dann auch jeder Absolvent in der Lage sein sollte, waidgerecht zu angeln..
Soweit die Theorie........................
Und nun der
Der Unsinn in der Praxis...
Am Sonntag war das Wetter ausnahmsweise mal genehm zum angeln, etwas Zeit hatte ich auch, also Spinnrute geschnappt und ab an den Neckar...
Dort "fing" ich dann versehentlich beim gufieren die Schnur eines versteckt sitzenden Ansitzanglers. Das lösen der Schnur funktionierte (mit einigen Hindernissen), ich schnappte mein Gerät um den Kollegen zu begrüßen und eine Zigarettenpause zu machen.
Bei der normalen Frage nach dem Fang kam die Antwort:
"Ich war jetzt 4 oder 5 mal angeln, ich glaube hier gibts keine Fische"...
Ich dachte zuerst er meinte an der Stelle hier - die Aufklärung erfolgte:
Nein, nein, er sei ein absoluter Neuling und habe erst seine Prüfung frisch abgelegt und war überhaupt erst 4 oder 5 mal alleine angeln..
Und - um diesbezüglichen Äußerungen im folgenden schon auszuweichen:
Ein gestandener Mann kurz vor seinem 40sten Geburtstag, selbständig...
Ein kurzer Blick auf Gerät und Angelplatz machte mir schon klar, dass er bei dem Kurs zur Prüfung vielleicht vieles zu Umweltschutz und Fischkrankheiten gelernt haben konnte, aber wohl kaum etwas vom praktischen angeln. Was im Sinne des "waidgerechten angelns" (von den Befürwortern ja immer als Argument für Kurs und Prüfung angeführt) besser ist, darüber darf man ruhig spekulieren.
Ich hatte mich ja schon über die Montage der Grundrute gewundert, als ich diese versehentlich "gefangen" hatte - dazu später mehr.. Als ich mir jetzt ansah, wo die Posenrute platziert war, war mir auch schnell klar, dass es mit dieser Montage und an diesem Platz mehr als schwer werden dürte, einen Fish an den Haken zu bekommen.
Damit die Pose nicht abgetrieben wird, hatte der Kollege diese praktisch auf der Steinschüttung festgelegt. Die Pose selber war ein schwereres Durchlaufmodell (eh nicht so prall zum Angeln in der Strömung). Montiert war das Ganze an einer 30 Gramm - WG Telerute, relativ kurz, daran eine Rolle mit geflochtener Schnur. Der Karabinerwirbel war verkehrt herum montiert, die Bebleiung so, dass die halbe Pose aus dem Wasser schaute. Dazu waren an den auf dem Vorfach montierten Bleischroten ein nettes Getüddel, so dass bei dem Knoten jeder Biß eines mehr als handlangen Fisches fast unweigerlich zum Abriss geführt hätte.
Ich konnte nun zwar nichts an dem Angelgerät ändern, aber zumindest eine (mit den vorhandenen Mitteln) vernünftige Montage knüpfen, ihm die sinnvolle Anköderung der Masden zeigen (statt einfach quer drchzustechen..) und ihm auch zeigen, wie und wo er seine Montage ausbringen soll. Das montieren unter zeigen vernünftiger Knoten und dem erklären des warum und wieso dauerte ca. 5 Minuten...
Das ausloten, so dass man den Köder an der "Schnittstelle" zwischen Flussgrund und Steinschüttung anbieten konnte, inklusive dann ausbringen des Köders und Fang des ersten Rotauges nochmal maximal 5 Minuten.
Das gleiche galt für die Neumontage an seiner Grundrute (schöne Reisespinnrute, daran eine Freilaufrolle mit Monoschnur). Als ich seine Montage gefangen hatte, wunderte ich mich - wie schon geschrieben - über die Montage. Ein kleines Durchlaufblei auf der Schnur, vor dem Wirbel eine Perle aus dem Karpfensortiment mit Einhänger zum "Schnurschonen"; dann der eigentliche Wirbel (dafür ohne Einhänger). In diesen wiederum war mit dem Karabiner (also verkehrt rum) ein weiterer Wirbel eingehängt, an dessen Ende dann das Vorfach geknüpft war. Um dem Strömungsdruck standhalten zu können, war mittels eines weiteren Wirbels ein Seitenblei in die vorher beschriebene "Wirbelmontage" eingehängt - wie ein Festblei also...
Dass man damit weder vernünftig angeln geschweige denn einen Biss mitkriegen kann, erschliesst sich jedem Angler, der etwas Erfahrung hat. Und dieser nette (und durchaus intelligente), aber eben komplett unerfahrene, wenngleich durch bestandene Prüfung rechtlich zum Angeln legitimierte Kollege hatte eben keinerlei Erfahrung.
Trotz des Kurses und der bestandenen Prüfung waren seine Montagen aus Unkenntnis so, dass immer die Gefahr eines Abrisses beim Biss jedes größeren Fisches bestanden hätte. Dass zudem jede anglerische Grundlage bezüglich sinnvollen Montagen und auch sinnvollem Gerät fehlte, mag daran liegen, dass bei uns die Kurse im Namen der Vereine/Verbände von Angelgerätehändlern durchgeführt wurden.
Der Kollege hatte eine tolle Rutentasche, einen kleinen Koffer mit "Allroundzubehör" von spinnfischen bis feedern, dazu zwei für den Neckar bei uns ungeeignete Ruten, dazu noch für die Ruten unpassende Rollen, aber immerhin eine mit geflochtener Schnur befüllt.
Man hatte etwas den Eindruck, als ob da ein Gerätehändler seine Restposten aussortiert hätte und so die Leute aus dem Kurs "erstausgerüstet" hat....
Er hat von mir in vielleicht 20 Minuten Praxis am Wasser mehr über waidgerechtes Angeln gelernt, als vorher in über 30 Stunden Pflichtkurs vor der bestandenen Prüfung.
Nicht umsonst finden ja bei uns im Board immer wieder Diskussionen um das Thema Prüfung und Kurs vor dem Erhalt des Angelscheines statt.
Auch und gerade im Lichte dieses Erlebnisses jetzt am Wochenende wird mir wieder mal klar und deutlich bewusst, warum ich mich immer gegen diese sinnlosen Kurse und Prüfungen ausspreche, und statt dessen für praktische Erfahrung am Wasser unter Anleitung erfahrener Angelkollegen plädiere...
Siehe dazu auch:
http://www.anglerpraxis.de/ausgaben-...ernativen.html
Und im Forum vom Anglerboard hat sich dazu auch schon eine lebhafte Diskussion entwickelt:
Praktisch erlebt: Der Unsinn der Sportfischerprüfung....
Thomas Finkbeiner
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Kommentare
schöner Artikel, Respekt für die Mühe. Ich, Ossi, habe das Angeln seit 1970 im Alter von 8 Jahren erlernt und musste nie einen Kurs belegen. Jetzt bin ich 48 Jahre alt und kann es besser als je zuvor. Bei mir landen circa 98 % der Fische wieder im Teich. Heute habe ich an einem Gewässer zuerst eine halbe Stunde Müll gesammelt, einige Angelplätze frei geschnitten und habe dann geangelt. Ich habe 13 große Plötzen gefangen - vier davon musste ich an 15er Hauptschnur und 12er Vorfach ausdrillen und sogar keschern, weil sie um die 30 cm lang waren. Ohne meinen "privaten" Arbeitseinsatz, hätte ich vielleicht 16 Plötzen fangen können. Wäre es das wert gewesen? Ich denke: "Nein". Ich hatte ein gutes Gefühl bei allem, was ich getan habe. Also: Ich sage: "Lasst uns zum Wesentlichen kommen bzw. zurück kommen. Unser Hobby muss Sinn und Wert haben." Es soll in der Öffentlichkeit kein Grund sein, die Nase zu rümpfen. Und: Wenn jemand Müll am Gewässer einsammelt, sollten keine Madendosen, Maisbüchsen, Styroporbehälte r für Würmer und Knicklichttütch en dabei sein. Macht es einfach so wie früher: Der unerfahrene Angler sollte zwei Jahre mit einem erfahrenen Angler mitlaufen (dürfen). Das funktioniert und man muss nicht gleich ein Professor sein, um eine Prüfung zu bestehen.
Petri Heil - Peter.
Welcher Verein / Verband / usw. wird freiwillig auf die lukrativen Einnahmen verzichten, welche durch die unsäglichen Kurse und dem entsprechenden Anhang in die Kassen fließen ?
Oder - wie´s bei mir damals war - Mitgliederzahle n durch vergünstigte Aufnahmegebühre n wenn der Kurs beim Verein XY besucht wurde - mindestens konstant zu halten ?
Hier im deutsch/französischen \\\"Grenzland\ \\" habe ich den direkten Ausblick vor Augen wie´s laufen könnte ... wohlgemerkt \\\"könnte\\\" ... wenn der deutsche Amtsschimmel und seine Reiter nebst anhängendem Klüngel etwas entspannter agieren würden.
Da bieten französische Angelvereine die \\\"ecole de peche\\\", also die \\\"Fischersch ule\\\" für die Kids an - und zwar für Lau, Nix, Kostenlos, Lulu ...
Und da wird den Junganglern - die natürlich sowieso keine wie auch immer geartete Prüfung benötigen - nicht der Stoff des Biologieunterri chts aus der Sekundarstufe II verklickert, sondern praktisch (!) beigebracht wie man angelt und mit seinem Fang umzugehen hat.
Erstaunlicherwe ise ist dort auch der Vorstand für Jungangler nicht gottähnliches und unerreichbares Wesensgebilde, sondern aktiv um die Kids bemüht mit Rat und Tat.
Und ebenso erstaunlicherwe ise bemüht man sich bei unseren Nachbarn zielstrebig um Gewässerpflege und Ordnung - und zwar so erfolgreich, dass mir dort bislang im Gegensatz zum heimisch deutschen Hausgewässer weder die beliebte Kampftrinker-Leistungsklasse -Prollfraktion noch der angelnde Bevölkerungsant eil mit Migrantionshint ergrund begegnet, welcher ungeachtet von Schönzeiten und Mindestmaßen alles mitnimmt was groß genug ist um auf einen 20er Haken zu gehen.
Und auch im Gegensatz zum typisch deutschen \\\"Gastangler ? Oh Gott !\\\" Verhalten bekommt man sogar in Angelgeschäften auf der deutschen Seite ein Faltblatt mit ausführlichen Gewässer- und Streckenbeschre ibungen, Ansprechpartner n und Hilfestellung vor Ort im französischen Grenzgebiet.
So lange sich diese Dinge hier in Deutschland nicht ändern, die Postenkleberei und Selbstbeweihräu cherung der Vereinsvorständ e mitsamt all dem Neid und der Missgunst nicht in der Versenkung verschwindet wird es auch keine Anpassung von prüfungsrelevan ten Themen und erst recht keine Änderungen am modus operandi der Prüfung selbst geben.
Mat
Der Kurs zur Fischerprüfung soll eigentlich nur eine grobe Anleitung sein und zum waidgerechten Fischen führen.
Nachdem man die Führerscheinprü fung bestanden hat, kann man immer noch nicht richtig und sicher mit dem Auto fahren. Jeder, der irgendeine Prüfung bestanden hat, macht Anfängerfehler und da hilft nur Praxis, Praxis und noch einmal Praxis - und evtl. ein verständnisvoll er Lehrer.