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Ausgabe Januar 2018

Messerserie: Victorinox, eine scharfe Sache selbstgebaut..

Die Messerserie

Victorinox - eine scharfe Sache selbstgebaut

 

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Köche und Messer – eine „naturgegebene Beziehung“.

Nicht anders sieht es aus bei Anglern und Messern.

 

Und rund um Messer gibt es fast so viel zu diskutieren wie rund ums Angeln. Welcher Stahl, welche Härte, welche Klingenform, welcher Griff, welches Griffmaterial, wie schärfen, wie säubern, wie pflegen, und, und, und......

 

Und – auch wie beim Angeln – prallen da verschiedene Meinungen (oft) heftig aufeinander. Und es gibt viel Wissen, aber auch viel Halbwissen, viele Gerüchte, viele Meinungen.

 

Da lag doch in meinen Augen nichts näher, als eine kleine Serie zu schreiben, die sich mal mit Messern beschäftigt. Als Schwabe ist man gerne sparsam. So eine kleine Serie mit zwei oder drei Artikeln mit Informationen aus einem halben Nachmittag „zu unterfüttern“ war der Plan.

 

Nun ja, ging gründlich in die Hose.........

 

Traditionelles Handwerk

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Senior und Junior Maurer - Begeistert von Schärfe.. 

 

Nach meinen Besuch bei der Firma Messer Maurer in Heilbronn, seit drei Generationen der „Schärfe“ verpflichtet, stellte sich schnell raus, dass das ein zu umfangreiches Thema werden wird. Und es stellte sich raus, wie wenig selbst ich als Koch über Messer und vor allem übers richtige Schleifen weiß.

 

Daher – und um „Zeit zu gewinnen“ für eine vernünftige Bearbeitung, läuft jetzt alles etwas anders. Denn ein traditionell handwerklicher Betrieb (Messerschmiedmeister) hat natürlich nicht einfach so Zeit, die Masse an Informationen zu bündeln, so dass ich die in einem Artikel lesbar verarbeiten kann. Da muss man sich nach der Zeit richten, die zur Verfügung steht. Daher wird es zwar eine Serie geben, aber nicht zwangsläufig in aufeinander folgenden Ausgaben, sondern so wie wir die Zeit dazu finden.

 

Schleifen für die USA

Als mir der Juniorchef, Jürgen Maurer, einen „kurzen Überblick“ über das gab, was handwerkliches Messerschleifen bedeutet, war schon klar, dass das ausführlicher wird. Einen Begriff wie „Rakelmesser“ hatte ich bis dato nämlich auch noch nicht gehört. Denn „Messer schleifen“ hört eben nicht beim Filiermesser auf, es wird alles „scharfgemacht“, auch Industriemesser wie „Rakelmesser“. Damit wird beim Blechbedrucken nach dem Abrollen vor dem nächsten Farbauftrag die Restfarbe von der Walze „geschabt“. Eine diffizile Geschichte. Wenn man es aber so gut beherrscht wie Jürgen Maurer, gibt es da auch tatsächlich Kunden aus den USA, welche ihre Rakelmesser nur zum Schleifen nach Deutschland schicken.....

 

Victorinox – eine scharfe Sache selbstgebaut

ACHTUNG! 

Der nachfolgend geschilderte Originalmontagestand von Vcitorinox ist nur noch bis zum 30.09.2007 in Deutschland bei der Firma Messer Maurer.  Danach geht er zurück in die Schweiz. Am 29.09 (Samstag) besteht am langen Samstag (geöffnet bis 24 Uhr) bis auf weiteres bei Messer Maurer in Heilbronn die letzte Möglichkeit in Deutschland sich selbst sein Original Victorinox Messer selber zu bauen!!

 

Und jetzt kommen wir zum eigentlichen Thema dieses ersten Teils. Denn nach den ersten vielfältigen und ausführlichen Infos war klar, dass wir erst mal „klein anfangen“ müssen und uns dann Stück für Stück vorarbeiten.

 

Taschenmesser kennt und nutzt wahrscheinlich so gut wie jeder Angler, „Schweizer Taschenmesser“ dürfte auch fast jeder als Synonym für Qualität in diesem Bereich kennen. Und wenn man Schweizer Taschenmesser sagt, meint man eben meistens die Original Schweizer Offiziermesser der Firma Victorinox. Und bei Messer Maurer steht ein Original Montageplatz von Victorinox, an dem man (natürlich unter kundiger Anleitung) selber sein Taschenmesser bauen kann. Und, sofern gewünscht, vom Seniorchef dann auch gleich gravieren lassen kann(Namen oder Monogramm).  

 

 

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Es ist für mich persönlich einfach immer wieder toll, wenn sich ein Handwerker für seine Arbeit begeistern kann. Und als ich an den Montageplatz gesetzt wurde, die ersten Achsen platzierte und eine „Platine“ in die Hand gedrückt bekam, merkte man Jürgen Maurer diese Begeisterung an.

 

Nicht nur ausführliche Erklärungen, auch die „kleinen“, aber immens wichtigen Unterschiede zur „Fernostbilligware“ wurden anschaulich erläutert. Z. B. warum die Messer von Victorinox so stabil sind: Weil die Platinen eben nicht einfach ein plattes Stück Alu sind, sondern auf Grund langer Erfahrung und Entwicklung bestimmte Stärken und bestimmte Verformungen haben. So wird höchstmögliche Stabilität bei geringster Platinenstärke und geringstem Gewicht ermöglicht.

 

Auch die Konstruktion der Federn, welche den einzelnen Werkzeugen die „Spannung“ geben, zeugt von der Erfahrung und der Liebe zum Detail. In geschlossenem Zustand lassen Sie unter keinen Umständen die „Messerspitze“ rausschauen (womit man sich die Hosentasche ruinieren würde), und im offenen Zustand sorgen Sie für einen sicheren Halt der Klingen oder Werkzeuge.

 

Diese Federn sind kleine Meisterwerke, so entwickelt und konstruiert, dass sie leichtgängiges öffnen mit höchster Passgenauigkeit der Werkzeuge vereinen. Pro Feder kann man 1 – 3 Werkzeuge einsetzen. Dann kommt wieder die nächste Platine, dann die nächste Feder mit den nächsten Werkzeugen.

 

Beim einsetzen jeder Platine, Feder und Werkzeuge muss dann die Feder, die nur an einem Punkt an einer Achse eingesetzt wird, so mit dem jeweiligen, passgenauen Werkzeug verspannt werden, dass nachher leichtgängiges Öffnen ohne Spiel möglich ist.

 

Und man sollte – bei aller Begeisterung die Jürgen Mauerer beim erklären aufbringt – immer daran denken, das Messer(klingen) scharf sind, Achsen oben spitz und der eigene Finger relativ verletzlich..... Vorsichtiges arbeiten ist angesagt!

 

Hat man die gewünschte Palette an Werkzeugen montiert, kommt die äußere Platine drauf. Die überstehenden Messingachsen werden abgezwickt und glattgefeilt. Dann wird durch „kaltnieten“ das Ganze zusammengeheftet. Und nun wurde einem auf einmal auch klar, warum oben und unten auf den Achsen jeweils noch ein kleiner, konischer Ring(Rosette) platziert wurde: Damit sich, nach dem Vernieten mittels einem speziellen Hammer, die Werkzeuge in der Praxis voll belastbar sind. Auch bei häufigem Gebrauch bleiben die Werkzeuge lange Zeit spielfrei. Und lassen sich trotzdem, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, leicht öffnen und schließen.

 

Und ganz am Schluss kommt dann die Abdeckung(Beschalung) drauf. Als Farbe gibt es  nicht nur das klassische Rot, sondern eine ganze Palette weiterer Farben. Ich habe mich natürlich für ein durchsichtiges „Anglerboardblau“ entschieden, ist ja klar.

 

Dazu kam auch gleich noch eine Anmerkung von Jürgen Maurer:

Nie eine abgegangene Schale wieder ankleben oder eine zerbrochene Schale wieder zusammen kleben.

 

Sondern einfach austauschen lassen.

 

Diese Schalen sind so konstruiert, dass sie einem extra gepolsterten Schraubstock mit Gefühl aufgedrückt werden können. Die Rosetten haben einen ganz feinen „Rand“, der die Schale perfekt hält. Und immer wenn man mit Kleber arbeitet, kann da zu leicht auch was in die Mechanik kommen – oder man muss erst langwierig das Messer reinigen, bevor man dann eine neue Schale montieren kann.

 

Ich habe unter der fachkundigen Anleitung für ein Messer mit 7 Werkzeugen eine gute halbe Stunde gebraucht.

  

Wenn man dann hört, dass im Schweizer Werk am genau gleich ausgestatteten Arbeitsplatz ein blinder Mitarbeiter!! pro Stunde 60 !! siebzehnteilige Messer fertigt, dann weiß ich genau, warum ich Koch gelernt habe und kein vernünftiges Handwerk:

Ich würd mir bei dem Tempo alle Finger brechen!!

 

Und dann kommt ja noch das zweimalige Ölen jeder „Schnittstelle“ zwischen Werkzeug und Feder (also bei 7 Werkzeugen 14 mal) und die „Endkontrolle“ – die wird im Werk allerdings auch von Extra dafür angestellten Damen erledigt.

 

Nach der Montage hat Senior Maurer dann innerhalb kürzester Zeit noch das Messer graviert. Und das Ergebnis meiner harten Arbeit könnt Ihr jetzt hier sehen:

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Anmerkung:

Zu Hause angekommen hab ich mein „altes“ Taschenmesser mal rausgesucht, das mir schon über 20 Jahre gute Dienste leistet – sieht inzwischen mitgenommen aus, funktioniert aber immer noch allerbestens. Das hatte ich mal bei einem größeren Auftrag für meine Kochklamotten als Geschenk erhalten – und siehe da:

Auch ein Victorinox!!

 

Nun bin ich gespannt wie und wie lange sich das neue, selbstgebaute Taschenmesser bewähren wird.

 

Nachfolgend noch eine kleine Fotoserie von meinem „harten Einsatz“ beim Messerbau.

 

Und – als Vorankündigung:

Mit Jürgen Maurer zusammen werdet Ihr immer wieder hier im Magazin Wissenswertes rund um Messer, Stähle, Klingenformen, schärfen, pflegen und reinigen lesen. – vom traditionellen Handwerker mit umfassenden Kenntnissen und nicht „vom Scherenschleifer um die Ecke..“

 

Thomas Finkbeiner

 

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Kontakt:

Messer Maurer,
Fleiner Str. 24,
74072 Heilbronn
e-mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Tel.: 07131 82577
Fax: 07131 82587

Kommentare 

 
0 #1 scout 2007-09-04 09:35
...schöner Bericht. Eine Serie über Messer finde ich eine sehr interessante Sache!
 
 
0 #2 bacalo 2007-09-04 12:22
Schließe mich dem Vorredner an und würde micht über weitere Berichte sehr freuen.
 
 
0 #3 Goeddoek 2007-09-14 10:36
Super ! Das ist natürlich ein Bericht, der einen Messerfreund wie mich glücklich macht. Hoffe nur, dass ich es rechtzeitig schaffe nach Heilbronn zu kommen. Ein Taschenmesser selbst zusammenbauen und so etwas mehr Einblick in die Materie erlangen - das wär's !
 
 
0 #4 Franky 2008-07-28 09:54
Mannomann - das war sicherlich 'ne große Herausforderung für Dich... ;o) Aber es sind ja noch alles Finger dran und kaputtgemacht hast Du auch nix! ;o)
Schöner Artikel über die wohl besten Taschenmesser der Welt!
 


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