Hecht im Herbst
Hecht im Herbst
Einige Jahre liegt dieser Herbsttag nun schon zurück. Aber ich erinnere mich noch als wäre es gestern gewesen.

Es war an einem Morgen Mitte Oktober und an die sommerliche Herrlichkeit erinnerte nur noch das recht warme Wasser der Flüsse und Seen.
Vorbei war die Zeit der lärmenden Badegäste. Vorbei die Zeit, der bis in die Nacht feiernden Halbstarken.
Ihre Hinterlassenschaften, in Form von Flaschen, Einweggrills, kaputten Luftmatratzen und Gummis, die sicher nicht zum Angeln bestimmt waren, räumten willige Vereinsmitglieder am letzten Wochende weg.
Nun hatte auch ich "meinen" See wieder für mich. Ich liess den Blick schweifen.

Viel verändert hatte sich nicht. Das Wasser war klar wie immer und die kleinen Weissfische zeigten ihre Lebensfreude durch Sprünge an der Oberfläche.
Hier und da stiegen Blasen auf. Ein Hinweis auf Karpfen, Brassen und Schleien auf Futtersuche.
Aber ihnen galt mein Interesse heute nicht. Ich wollte den Räubern nachstellen. Hechte und Barsche gibt es hier in grosser Zahl und ein Tag ohne Biss ist eher die Ausnahme als die Regel.
Aus alter Gewohnheit kam als erstes ein leichter Spinner ans Band.
Damit "kämmte" ich den nahen Uferbereich ab, denn nicht selten revieren hier früh am Morgen grosse Barsche.
So verging die erste halbe Stunde und die anfängliche Nervosität wandelte sich in die normale stoische Ruhe, die Anglern so eigen ist.
Da sich nichts tat, erstmal Köderwechsel. Die leichte Rute wanderte ins Futteral. Dafür nahm ich die "schwere" Hechtspinne zur Hand.
Mit einem Effzett in 65mm Länge beharkte ich in der darauf folgenden Stunde das Mittelwasser des Sees und wanderte dabei am Ufer entlang.
Das Blätterdach der alten Bäume färbte sich langsam rot. Einige Muschelschalen lagen vor meinen Füssen im flachen Wasser und ein Krebs sortierte sie eifrig. Was wollte er wohl damit?
Von ganz weit oben schallten die heiseren Rufe der Kraniche herunter. Sie flogen Richtung Südwesten, um in Andalusien zu überwintern.
Das ist ein sicheres Zeichen für die bevorstehende kalte Jahreszeit.
Ein leichtes vibrieren der Schnur weckte mich aus meinen Gedanken. Den Anhieb verpennte ich natürlich.
Doch halt, da war das Zittern wieder. Anhieb . .saß.
Mein Gegenüber liess sich mit wenig Widerstand heranleiern und entpuppte sich als Barsch, der des Mitnehmens nicht wert war.
So ein Barsch, in Butter krossbraun gebraten, erwärmt das Herz eines jeden Fischgourmets.
Inzwischen hatte ich die tiefere Seite des Sees erreicht. Ich verstaute den Blinker in der Box und befestigte einen Gummifisch mittlerer Grösse am Einhänger des Stahlvorfaches.
Wurf folgte auf Wurf.
Einige Stränge Kraut konnte ich landen. Es würde noch eine Weile dauern bis es restlos abgestorben war.
Wieder und wieder lupfte ich den Gummifisch von Grund und liess ihn an gespannter Schnur wieder abtrudeln. Dann endlich erfolgte der ersehnte Einschlag.
Der Ruck löste den Anhiebreflex aus ohne dass ich drüber nachdenken musste.
Der Drill erwiess sich als schwierig zwischen den Krautfahnen, die teilweise bis zur Oberfläche reichten.
Mein Gegner schien von der besseren Sorte zu sein. Der Drill dauerte nun schon fünf Minuten und noch immer war von ihm nichts zu sehen als hier und da ein Schwall, der aus der Tiefe zur Oberfläche kam.
Dann sah ich ihn zum ersten Mal. Es war ein Hecht und ein recht grosser dazu.
Die Bremse jaulte noch einige Male auf. Dann war sein Kampfgeist gebrochen.
Irgendwann wird auch der grösste Kämpfer müde.
Ich führte ihn heran und er glitt in den nassen Ufersand. Strammer Bursche mit etwas mehr als einem Meter Länge.
Ich legte ihn kurz auf die Wiese für ein Foto.

Dann glitt er zurück in sein Element.
Die Zahl der Weissfische nimmt in den letzten Jahren dermassen Überhand, dass es mir sinnvoll erschien den Räuber zu schonen.
Die Uhr ging mittlerweile auf elf und ich packte zusammen, wollte ja zuhause noch einen Kaffee trinken vor dem Sonntagsmahl. . . .
PT
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Kommentare
anschaut ist er aus großer Tiefe hochgepumpt worden.