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Mein erstes Belly Boaten
Und einige Gründe warum gerade Belly Boat.
Nun, wieder mal wälzte man die monatliche Ausgabe einer Angelzeitschrift und suchte nach Neuigkeiten. Da ist man nun schon seit 1971 am angeln, war mal Jugendkönig geworden, hat einige totale Neuerungen in der Angelwelt mit gemacht und ist darüber reichlich grau an den Haaren geworden. Ich musste mir echt eingestehen das ich nach etwas "Neues" suchte aber noch nicht wusste "was" ?
Eins war mir schon klar, es musste etwas sein das ich alleine bewerkstelligen kann. Denn man wird ja älter und man kann nicht mehr so große Sprünge und Bewegungen machen wie ich noch junger Spund war.
Wie der Zufall es so will, sah ich dann in der Angelzeitschrift etwas "Neues". Das Belly Boat angeln oder auf gut Deutsch das Bauch-Boot-Angeln.
Natürlich kam das wieder mal von den Amerikanern. Es sah schon lustig aus auf den Fotos, wie ein Fliegenfischer, bis zum Bauch in so einem Schlauchring hing und seine Fliegenrute schwang. Aber er war dort im Wasser wo man vom Ufer aus nicht hinkam.
Das hat was dachte ich mir und verschlang lesenderweise den Bericht in der Zeitschrift.
Klasse dachte ich mir, alles kann ich alleine bewältigen.
Ich kann alles alleine bewältigen, bekomme alles ins Auto und ich kann an Stellen fischen die für mich als Watangler unerreichbar waren.Auch bräuchte ich keinen 2ten oder 3ten Mann der mir behilflich ist beim Schlauchbootzusammenbau, geschweige denn beim zum wasserlassen des Schlauchbootes. Und Slipgebühren fallen auch schon mal weg. Aufpumpen, Rute, Schwimmflossen und noch die Rettungsweste umhängen und ruckzuck bin am oder im Wasser.
Toll, DAS war es !! Genau das habe ich gesucht!
Die nächsten 2 Monate war ich damit beschäftigt, wie ich ein BB denn nun bekomme. Ich erschrak, als ich im Internet die ersten Adressen fand, über die horrenden Preise. Also dachte ich mir, so einen Ring baust Du dir selber, das kommt bestimmt billiger. Haha, weit gefehlt! Alleine schon der gute und reißfeste Stoff, für den Schlauch, kostet hier mehr als wenn ich mir gleich ein BB in den USA bestellte hätte.
Da kam mir wieder der Zufall zur Hand und ich entdeckte den nächsten Bericht über´s BB-Angeln. Dort hieß es das man mit einem Ring-BB Schwierigkeiten hätte anständig damit "in" und "aus" dem Wasser zu kommen, gerade wenn noch Wellen dazu kämen. Die wenigen "Erfahrenen" hier aus Deutschland würden daher die neue "U-Boat-Version" empfehlen, die sogar noch höhere Tragkraft hätte als ein Ring.
Jetzt stand mein Entschluss fest. Ich bestelle mir so ein U-Boat aus den USA. Nachdem ich tief in die Geldbörse greifen musste, für die Bestellung, kam mein Belly Boat nach 14 Tagen Lieferzeit mit der Post an. Zwischendurch hatte ich mir auch schon Taucherflossen besorgt, die für Schuhe/Stiefel passen. So, das passierte alles im Februar 2000 und es war noch reichlich kalt draußen.
Also startete ich erst im April 2000 meine BB-Taufe. Ein herrlicher milder und etwas sonniger Tag auf Fehmarn war das, als wir in Gahlendorf unsere Klamotten fertig machten. Wir, das waren mein Bruder, sein Neffe Julian und ich. Die Jungs wollten am Strand dann etwas Watfischen und mir bei der BB-Taufe zusehen.
Nach den vielen Trockenübungen, zu Hause im Wohnzimmer, war es nun ein unvergleichliches Gefühl in Echt und wirklich in dem BB platz zu nehmen und damit auf dem Wasser zu fahren.
Huch........ gar nicht so einfach erst mal raus zubekommen wie man mit den Flossen an den Stiefeln, die Kurve auf dem Wasser kriegt. Aber nach wenigen Minuten Übung war das intus. Irgendwie hatte ich auch gleich, die für mich richtige Paddelbewegung raus und ich entfernte mich so auf 200-250m vom Ufer. Den Untergrund sah ich schon nicht mehr, alles war nur noch Dunkel unter mir im Wasser. Also denke ich werde ich mal den Blinker schwingen und versuchen wie es sich denn nun angelt auf und mit so einem BB.
Tja jetzt merkte ich das ich viel zu viel Klamotten anhatte und ich mich nur noch bewegen konnte wie ein dick eingepackter Teddybär. Auch wusste ich nicht wohin mit meiner Rute, wenn man sich nur mal am Kopf kratzen wollte war die Rute schon im Weg.
Das waren jetzt alles 100% Lerneffekte für mich, denn ich kannte ja niemanden den man hätte fragen können, wie er das bewältigt. Na ja, ich bekam dann meine Rute fest, an irgendwelchen Klettverbänden die am BB waren. Nun wollte ich mal probieren wie ich mich an einem Pfahl festmachen kann. Es sind diese Pfähle am Ostseestrand, wo immer die Fischernetze oder Reusen angebunden sind. Damals dachte ich noch so über das Sichern vorm Abtreiben!!
Ich also ran an so einen Pfahl und will meine Festmachleine dort anbringen. Pah.... denkste, ich bekam die Leine gar nicht erst rum um den Pfahl. Ich wollte noch näher ran an den Pfahl, da sah ich das der über und über mit kleinen Muscheln oder Seepocken unterhalb der Wasserlinie besetzt war. Oh Gott und da schuppert gleich mein BB dran ?? NEIN weg von dem Pfahl !!
Viel später kam mir dann der Gedanke mit dem Klappanker.
So nach einer Stunde Übungen und Erfahrungen sammeln auf dem Wasser und natürlich auch mal den Blinker schwingen, merkte ich das ich irgendwie tiefer im Wasser hing als zu Anfang der BB-Taufe. Der Gedanke das mein BB nicht mehr dicht hielt oder ich schon ein Loch im Schlauch hätte, beunruhigte mich sehr und ich paddelte Richtung Strand. Jetzt war mein Herzschlag aber ne Nummer höher !
Die Jungs erwarteten mich schon am Strand und Julian hilft mir beim "aussteigen" aus dem BB. Das war etwas was ich auch noch mehrmals üben musste, denn ich hatte hierbei einen nassen Arm bekommen. Wieder war der Lerneffekt sehr hoch, als ich meinem Bruder von dem "Luftverlust" auf meinem BB erzählte. Denn er sagte zu mir: Aufgeblasen wurde das BB in der warmen Luft und bei Sonnenbestrahlung, auf dem Wasser wurde der Schlauch dann von kaltem Seewasser umspült und dadurch hat sich die Ausdehnung der Luft im Schlauch verändert.
Klar !! Warme Luft dehnt sich aus und kalte wird im Volumen weniger!!
Das sollte mir eine Lehre sein, für künftige Aktionen mit dem BB.
Also wirklich, bei meiner ersten BB Ausfahrt habe ich einige Probleme zu bewältigen gehabt, so das ich an diesem Tag das BBoaten erst mal beendete. Klar aller Anfang ist schwer und der Lernfaktor war hoch an diesem Tag meiner BB-Taufe. Aber ich habe von Anfang an, die Sicherheit niemals aus den Sinn gelassen ! Wie z.B. eine Rettungsweste anlegen, das BBoaten nicht zu übertreiben, das Wetter beobachten und immer Spaß bei der Sache zu haben.
Der Spaßfaktor wird noch enorm erhöht wenn man nicht allein zum BB-Angeln geht, und in gleichem Masse erhöht sich auch die Sicherheit wenn man mit mehreren Kollegen auf dem Wasser paddelt.
Eine Erfahrung blieb mir noch verwehrt, das ist die wie ich einen Fisch zum Anbiss überrede und ihn dann im Drill habe, ganz abgesehen davon wie ich einen Fisch "lande" oder "anboate" ?
Aber das wird eine ganz andere Geschichte.
Euer MikeFish
Anglerboard-Magazin April 2003 |