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Bootsangeln im Winter

Manchmal hat man nur dann gute Chancen, schöne Fische zu fangen, wenn man eigentlich gar nicht will. Es ist nicht jedermanns Sache, im Winter mit dem kleinen Boot raus auf das Meer zum Angeln zu fahren. Aber gerade in dieser Jahreszeit ist es lohnenswert, z.B. vor Langeland oder im Lillebelt den großen Dorschen nachzustellen oder vor Bornholm auf hoher See auf Lachse zu schleppen, die sich gerade in den kalten Monaten dort aufhalten.

Die wichtigste Regel dabei ist - noch mehr als im Sommer - Sicherheit, vor allem Kälteschutz! Als Bekleidung ist ein "Floatation Suit" sehr zu empfehlen. Dies ist ein isolierender Overall mit eigenem Auftrieb, der warm und trocken hält und im Seenotfall ähnlich wie eine Schwimmweste funktioniert. Warme Stiefel und Neoprenhandschuhe sind ein Muß, eine zusätzliche Automatik-Rettungsweste dringend anzuraten.

Es hat große Vorteile, wenn das Boot über eine Front- oder Halbkajüte oder eine große Windschutzscheibe verfügt, um wenigstens ein bischen vor dem manchmal eisigen Wind geschützt zu sein. Besondere Vorsicht ist an den Sliprampen geboten (die in Deutschland im Winter leider oft gesperrt sind), wenn das Boot zu Wasser gelassen wird: Ist die Bootsrampe vereist, hilft nur Streusalz oder völliges Wegschlagen des Eises mit einem Spaten oder ähnlichem. Alles andere, auch Sand streuen, ist lebensgefährlich! Zu schnell kommt sonst das Auto/Boot-Gespann ins Rutschen.

Wenn man das Boot im Wasser hat und losfahren will, darf sich keine allzu dicke Eisdecke auf dem ruhigen Wasser des Hafenbeckens gebildet haben (max. ein halber Zentimeter), sonst gibt es böse Schrammen und fatale Dauerschäden am Bootsrumpf. Genauso gefährlich ist Treibeis für das fahrende Boot. Bei solch widrigen Bedingungen sollte man zur eigenen Sicherheit doch besser zuhause bleiben.


Abbildung 1 Eingeschneites Bootsgespann, Bornholm (Wie)


Ideal ist eine an Land und auf dem Wasser überall eisfreie Fläche und wenig Wind, dann kann einem winterlichen Boots-Angeltag nichts entgegenstehen! Es gibt dann immer noch genügend unvorhersehbare Ereignisse, die eine winterliche Seefahrt zum Abenteuer werden lassen, wie z.B. plötzlich einsetzender heftiger Schneefall, herantreibende Eisschollen oder sich rasend schnell bildende Nebelfelder. Gut, daß man sich dann auf die übrige Standard-Sicherheitsausrüstung (Kompass, Seekarte, Echolot, GPS, UKW-Funk, Handy, Nebelhorn/Hupe, Lampe etc.) verlassen kann!

Ist man dann aber endlich beim Angeln, freut man sich über jeden guten Fisch gleich doppelt, den man dem Meer unter verschärften Bedingungen abgetrotzt hat und mit klammen Fingern aus dem Wasser heben kann! Übrigens macht es noch mehr Spaß, wenn man zusammen mit Freunden auf einem weiteren Boot gemeinsam fischt; es sorgt für mehr Unterhaltung und Abwechslung und vermittelt ein sicheres Gefühl, wenn doch einmal Probleme auftauchen sollten.

Beim Angeln selbst gibt es keine großen Unterschiede zur Fischwaid in der wärmeren Jahreszeit: Für das Gerät ist wichtig, dass die Ruten ausreichend große Schnurdurchlaufringe besitzen, damit sie nicht so schnell zufrieren und vollständig vereisen. Sonst wird die Schnur blockiert und im schlimmsten Fall beschädigt (aufgerauht) oder sogar zerstört. Mit monofiler Schnur gibt es im Winter kaum Probleme. Bei geflochtener Schnur sollte es eine mit möglichst enger Flechtung sein, die dann weniger Wasser "aufsaugt", welches in der kalten Luft sofort gefrieren, die Schnur evtl. festfrieren und das zu weiteren Beschädigungen führen würde.


Abbildung 2 Winterliches Hafen-Stilleben, Bornholm (Wie)



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Da es jetzt auf die auch besonders im Winter aktiven Fische wie z.B. Dorsche, Lachse und Forellen geht, braucht man sich um kältebedingte Trägheit der Fische (womit z.B. Karpfen und Weißfische zu kämpfen haben) nicht kümmern. Gerade im Meer herrscht unter der Wasseroberfläche im Moment Hochbetrieb! An Ködern sollte man auf seine altbewährte Palette der bisherigen todsicheren Köder wie Pilker, Blinker & Co. vertrauen. Das fängt immer, wenn hungrige Fische da sind! Einen Vorteil hat nun das kalte Wasser: Es treiben kaum Pflanzenteile oder Algen im Wasser, ab und zu einmal ein zusätzlicher Beifänger an der Angelschnur bringt nicht gleich zusätzliche Hängerprobleme im Pflanzengewirr. Außerdem nutzen wir die Gunst der Stunde und freuen uns über ein entspannteres Schleppfischen, da jetzt nicht alle 5 Minuten der Schleppköder von hängengebliebenen Pflanzenbüscheln befreit werden muß!

Solch ein anstrengendes und kräftezehrendes Angeln in der Kälte ist nichts für einen entspannenden Familienurlaub; aber mit gleichgesinnten Angelfreunden kann es, gut vorbereitet, zu einem unvergeßlichen Erlebnis werden! Es betört die Sinne, die klare, reine Luft zu inhalieren, daß es einem fast den Atem raubt. In der ruhenden und auch auf See manchmal ganz stillen Natur spürt man dann besonders intensiv und mit allen Sinnen hautnah das schönste Hobby der Welt einmal von dieser bemerkenswerten Seite!


Norbert Wiercimok
Anglerboard-Magazin 2003
(Fragen zum Thema an: Anglerboard-Magazin@laksos.de)


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