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Uschis Angelerlebnisse Teil 1
Wie ich zum Angeln kam
Als Achim und ich uns kennen lernten, erzählte er mir, dass zu seinen Hobbies auch das Angeln gehöre. Als Kind hatte ich auch ab und zu nach Stichlingen geangelt und zwar mit einem Stöckchen, an dem ein Faden mit einer Büroklammer hing. Damit konnte man tatsächlich Fische fangen. Es klingt vielleicht etwas ungläubig, aber mehr Ahnung hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt vom Angeln nicht.
Himmelfahrt 2001 fragte er mich, ob ich Lust hätte mit ihm zum Angeln an den Gevattersee in Minden zu fahren. Klar hatte ich Lust. Aber er wollte die ganze Nacht am Wasser bleiben, was ich nicht so schön fand. Nachts ist es ja bekanntlich kälter als tagsüber und da ich sehr leicht friere behagte mir der Gedanke absolut nicht. Aber wenn man sich gerade erst kennen gelernt hat, will man sich auch nicht die Blöße geben. Also stimmte ich auch dem zu.
Wir fuhren gegen Mittag los. Als ich sah, was Achim alles ins Auto packte, verschlug es mir die Sprache. Rutentasche, Angelstuhl, Gerätekasten, Angelschirm, Angelkleidung (wozu eigentlich extra Angelkleidung?), Kühlbox mit den verschiedensten Ködern und – natürlich – Getränken. Und für die Nacht noch eine Liege und ein Schlafsack.
Tags zuvor war ich schon reichlich aufgeregt, was mich beim Angeln erwarten würde.
Ein paar Wochen vorher hatte mir Achim schon die verschiedensten Stellen gezeigt, an denen er die Erlaubnis zum Angeln hatte. (Das man nicht einfach überall angeln durfte, war mir bis dahin auch neu). Am Gevattersee angekommen, suchten wir uns erst einmal eine passende Stelle aus, d.h. eine Stelle, wo er seine Angelruten gut auswerfen und ich meine Campingliege hinstellen konnte.
Nachdem alles aufgebaut war kümmerte er sich um seine Angelruten und ich stellte mir meine Liege in die Sonne. Seit Tagen war es endlich einmal so warm, dass wir in Badesachen herumlaufen konnten. Während ich meinen Bikini anzog, steckte Achim seine Angelruten zusammen. Ab und zu warf ich einen Blick hinüber, um zu sehen, was er da machte.
Als er seine „Angelkiste“ aufmachte um weitere Dinge herauszuholen, staunte ich noch mehr. Was für komische Dinge sich doch darin befanden!
Als die Ruten zum Auswerfen fertig waren, grinste er mich an und fragte, ob ich die Köder (dicke, fette Maden!!!) an den Angelhaken machen wollte. Igitt! „Nein danke. An Maden habe ich keine so gute Erinnerung, wie du weißt“, antwortete ich. Das Kaninchen meiner Tochter hatte sich einmal verletzt und unter seinem Bauch wimmelte es später nur so von Maden.
Nachdem er die Maden auf den Haken gesteckt und seine Ruten ausgeworfen hatte, dachte ich, das sich sogleich ein Fisch darauf stürzen würde. Aber es dauerte und dauerte und es tat sich nichts.
Nach einer Weile fragte ich ihn: „Gibt es hier überhaupt Fische?
„Aber klar. Warts nur ab“, kam als Antwort.
„Und warum hast du noch keinen gefangen?“ fragte ich weiter.
„Es muss erst einer anbeißen. Vielleicht haben sie ja jetzt noch keinen Appetit“ meinte Achim.
Komisch!? So lange würde ich nicht warten, bis einer dran geht, dachte ich . Ich streckte mich wieder auf meiner Liege aus und nahm meinen Roman zur Hand.
Es war so gegen 16 Uhr, als ich plötzlich einen Schwan auf dem See entdeckte. Wir hatten uns etwas zum Essen mitgenommen und ich lockte ihn mit einigen Brotstücken an. Zuerst war er misstrauisch, aber dann kam er doch angeschwommen. Als er seine Brocken gefressen hatte, schwamm er majestätisch von dannen. Das Brot muß ihm wohl gut geschmeckt haben, denn nach einer Stunde war er wieder da. Ich fütterte ihn mit dem Rest und bald zog er wieder weiter.
Eigentlich war es wunderbar still am See, aber plötzlich fingen ein paar Frösche zu quaken an. Zuerst fand ich es ja interessant, aber als es immer lauter wurde, gingen sie mir doch ganz schön auf die Nerven. Besonders der, der ganz in unserer Nähe sein Konzert anstimmte.
Inzwischen war es schon Abend geworden und Achim hatte immer noch keinen Fisch gefangen.
Tagsüber, als sich die Sonne auf der Wasserfläche spiegelte, konnte ich die Schnur im Wasser schlecht sehen. Aber als es etwas dämmrig wurde, schaute ich immer wieder gespannt auf die Ruten. Warum tat sich denn nichts? Stundenlang schaute er auf die Rutenspitze oder Pose im Wasser ohne den kleinsten Zupfer auszumachen. Und so etwas soll entspannend sein? Das konnte ich nicht glauben. Für mich wäre das nichts, dachte ich.
Endlich waren die Frösche still, da hörte ich plötzlich ein Rascheln in meiner Nähe. Oh, Gott, hoffentlich sind hier keine Ratten! Auch Achim hatte das Geräusch gehört und als er mein ängstliches Gesicht sah, stand er auf und sah nach. Aber es war keine Ratte. Es war nur ein kleiner niedlicher Igel, der genüsslich an den hohen Gräsern fraß und sofort verschwand, als er uns bemerkte.
Sobald die Sonne untergegangen war, wurde es kälter und auch feucht. Eigentlich war es ja verboten ein offenes Feuer anzuzünden, aber mir war inzwischen so kalt, dass ich zitterte. Also suchten wir uns trockene Äste, um damit ein kleines Lagerfeuer zu machen. Während Achim erneut seine Ruten auswarf, schichtete ich die Äste auf. Dann zündeten wir sie an. Es war wunderschön, richtig romantisch, wie die Flammen in der einbrechenden Dunkelheit tanzten und uns wärmten.
Ich legte mich auf die Liege und deckte mich noch mit einer Decke zu. Aber bald fing ich wieder an zu frieren. Das mache ich nicht noch einmal mit. Das nächste Mal muss er eben alleine fahren. Und überhaupt tut sich hier ja gar nichts. Von wegen Fische fangen, ging es mir durch den Kopf.
Vorsichtshalber hatte ich mir noch ein paar dicke Sachen eingepackt. Die zog ich nun auch noch über. Weil es recht feucht wurde, spannte Achim seinen großen Angelschirm über die Liege. Das half ein bisschen. Es war schon fast 22 Uhr als endlich eine der Ruten anschlug. Nun war ich ganz aufgeregt! Der erste Fisch hing am Haken. Aber noch bevor die Schnur ganz aus dem Wasser war, meinte Achim, dass es ein Aal sei. Ein Aal? Einen Aal wollte ich nicht. Achim sollte endlich einmal einen Fisch fangen. Aber es war tatsächlich ein Aal. Er war ca. 65 cm lang und Achim freute sich sehr über seinen Fang. Als er ihn im Kescher hatte, wand sich der Aal wie eine Schlange. Der Haken hing ihm noch im Maul. Er wurde auch nicht ruhiger, als Achim ihn mit einem Gegenstand betäubt hatte.
„Warum machst du das?“ fragte ich ihn entsetzt.
„Den werde ich jetzt töten. Aber vorher muss der Fisch betäubt werden“, antwortete er mir.
Töten? Er wollte den Aal töten? Oh, Gott, nicht auch das noch! Ich schaute zur Seite, denn das konnte ich nicht ansehen. Außer einer Fliege oder einer Mücke hatte ich noch kein Tier getötet und würde es auch in Zukunft nicht können.
Nachdem Achim den Aal in eine Plastiktüte gepackt hatte, legte er ihn in der Kühlbox. Ich erschrak heftig, als ich etwas später ein Rumpeln in der Kühlbox vernahm.
„Was war das?“ fragte ich.
„Das ist der Aal.“ antwortete Achim.
„Aber ich dachte er wäre tot. Aber dann lebt er ja noch, wenn er sich bewegt.“ sagte ich.
„Doch. Er ist tot. Das sind nur die Nerven“, gab mir Achim zur Antwort.
Einige Zeit später war es ruhig in der Kühlbox. Ich machte die Augen zu und versuchte ein wenig zu schlafen, aber plötzlich bimmelte das Glöckchen an der anderen Rute.
„Bitte Petrus, lass es dieses Mal ein Fisch sein!“ betete ich still vor mich hin. Aber es war nur eine „Fehlermeldung“, wie Achim sagte. Jedenfalls war nichts am Haken, als er die Rute reinholte. „Wahrscheinlich ist eine Fledermaus in die Schnur geflogen“ sagte Achim.
Das wird ja immer schöner. Jetzt sind hier auch noch Fledermäuse. Bin ich hier in einem Gruselfilm?
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Gegen Mitternacht war das Feuer abgebrannt. Ich hatte trotz meiner dicken Socken solche kalten Füße, dass ich mir noch ein weiteres Paar überzog und Achim sie mir dann auch noch mit seinen Händen wärmte. Inzwischen konnte ich kaum noch die Augen aufhalten, so müde war ich. Aber weil ich so sehr fror, konnte ich nicht sofort einschlafen. Erst als meine Füße ein wenig wärmer waren, klappte es.
Nach einer guten Stunde war ich jedoch wieder wach. Das kurze Schläfchen hatte mir zwar gut getan, aber ich hatte Achim gegenüber ein schlechtes Gewissen, denn schließlich durfte er nicht schlafen, da er ja auf seine Ruten achten musste. Für seine Ausdauer und Geduld bewunderte ich ihn sehr. Noch bevor ich richtig wach war, hörte ich, dass der Frosch neben uns immer noch quakte. Die anderen waren inzwischen still, aber „unser“ setzte sein Konzert unbeirrt fort.
Gegen 5 Uhr morgens schlug die Rute wieder an. Hoffentlich hat jetzt endlich einmal ein Fisch gebissen, dachte ich bei mir. Aber wieder hatte Achim „nur“ einen Aal am Haken. Obwohl wir in der Mitte des Sees einige kapitale Fische springen sahen, biss leider keiner an. An diesem Tag war ich ganz schön enttäuscht, dass Achim keinen Fisch gefangen hatte. (Aale zählten bis dahin für mich nicht zur Kategorie Fische)
Als wir gegen 8 Uhr die Heimfahrt antraten, war ich ganz schön gerädert. Vielleicht fahre ich ja wieder einmal mit, ging es mir durch den Kopf. Aber wenn wir dann wieder über Nacht bleiben, packe ich mir eine Wärmflasche ein!
Zuhause legte Achim die Aale erst einmal in den Kühlschrank um sie dann später auszunehmen. Dann kuschelten wir uns ins Bett um den verlorenen Schlaf nachzuholen. Als ich ausgeschlafen hatte, wollte ich die Aale schon einmal abwaschen. Ich legte den ersten in die Spüle... und hätte fast einen Herzstillstand erlitten, als er sich plötzlich bewegte. Durch meinen Schrei wurde Achim wach. Er kam und fragte, was passiert sei.
Kreideweiß im Gesicht sah ich Achim an und sagte: „Der lebt immer noch!!!“
„Nein, der ist tot. Das sind die Nerven. Ein Huhn, dem man den Kopf abgeschnitten hat, flattert ja auch noch herum. Ich nehme sie gleich aus. Mach vorher bitte noch ein Erinnerungsfoto.“
Das tat ich. Anschließend schaute ich Achim zu, wie er gekonnt die Aale ausnahm.
„Iiiihhh, so etwas Ekeliges könnte ich nicht tun!“ sagte ich
Achim meinte darauf nur: „Mußt du aber. Wer Fische fängt, muss sie auch ausnehmen.“
Dass Angeln SO interessant und spannend sein kann, hatte ich bis dahin nicht gedacht.
Ursula Kluck
Uschis Angelseiten: www.unsereseite.de/uschi
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