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Bau von Gießformen für Pilker aus Silikon
Viele Meeresangler wollen sich ihre Pilker selber machen, sei es um Verluste durch Hänger kostengünstig zu ersetzen oder um den Lieblingspilker, der nicht mehr im Handel ist, nachzubauen.
Seitdem ich die „Pilkergieß-Treffen“ in Bayern organisiere, bekomme ich immer wieder mal Anfragen, wie man denn das Ganze genau macht.
Aus diesem Grund hab ich mich entschlossen, eine kleine Artikelserie zu schreiben, in der die Herstellung einer Form, das Gießen und die Pulverlackierung von Pilkern Schritt für Schritt erklärt werden.
Da ich das Ganze nicht professionell betreibe, können die Artikel natürlich keinen Anspruch auf 100%ige Vollständigkeit erheben, kleinere Fehler könnten sich natürlich auch eingeschlichen haben.
Der erste Schritt zum selbst gegossenen Pilker ist der Bau einer Form.
Folgende Materialien bieten sich für den Bau der Form an:
Metall – Aluminium oder Stahl
Metallformen haben den Vorteil, dass sie nahezu unbegrenzt haltbar sind, allerdings ist die Herstellung sehr aufwendig und mit den Mitteln, die dem Heimwerker zur Verfügung stehen nicht zu realisieren – außer man hätte eine CNC Fräsmaschine.
Metallformen kommen daher eher zum Einsatz, wenn man sich diese fertig kauft.
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Hitzebeständiges Silikon
Der Formenbau aus Silikon ist mit Hausmitteln recht einfach zu bewerkstelligen, die Lebensdauer der Formen ist zwar nicht so hoch wie bei Verwendung von Metall, bei guter Pflege der Form sind aber meist mehrere Hundert Abgüsse möglich.
Nachteil ist der relativ hohe Preis des hitzebeständigen Silikons (ca. 35,- bis 40,- Euro pro Liter)
Der Bau von Silikonformen soll in diesem Artikel näher beschrieben werden.
Gips
Gips ist ebenfalls sehr einfach zu verarbeiten und zudem sehr günstig.
Nachteil ist allerdings die sehr begrenzte Lebensdauer der Form. Außerdem muss beim Guss beachtet werden, dass Gips Feuchtigkeit anzieht – heißes Blei in Kombination mit Nässe führt zu zum Verdampfung der Flüssigkeit. Je nach Menge der Feuchte kann das bis zu einer kleinen Explosion der Schmelze führen – d.h. das flüssige Blei kann durch die Gegend spritzen. Vor dem Giessen muss hier also die Gipsform sorgfältig getrocknet werden.
Nun aber zum Bau einer Form aus hitzebeständigem Silikon.
Materialliste:
| • | Hitzebeständiges Silikon - gibt’s entweder in gut sortierten Bastelläden (wird auch für Zinnfiguren verwendet) oder man sucht im Netz. |
| • | Einige Holzbretter aus dem Baumarkt, am besten verwendet man beschichtete Spanplatten (an der glatten Oberfläche haftet das Silikon nicht)Die benötigten Abmessungen der Platten werden noch erläutert |
| • | Einige Schrauben |
| • | Trennmittel, z.B. Vaseline (gibt´s im Baumarkt oder Autozubehör-Handel – wird auch zur Pflege von Türgummis verwendet) |
| • | Knetmasse, z.B. Plastilin |
| • | Den, bzw. die Original-Pilker |
| • | Eventuell Nitroverdünnung oder Aceton |
Werkzeug:
| • | Akkuschrauber |
| • | Bastel- oder Teppichmesser |
| • | Stock zum Anrühren des Silikons |
Sicherheitshinweise:
Das Silikon ist zwar nicht hochgiftig, zumindest der Härter ist aber als Gesundheitsschädlich gekennzeichnet.
Es sollten daher die folgenden Sicherheits-Ratschläge berücksichtigt werden:
| • | Nur in gut belüfteten Räumen oder im Freien arbeiten |
| • | Beim Umgang mit Chemikalien nicht Essen, Trinken oder Rauchen |
| • | Handschuhe tragen |
| • | Schutzbrille tragen |
Vorbereitung des Original-Pilkers
Viele professionell hergestellte Pilker sind mit Pulverfarben lackiert oder zumindest grundiert. Die Pulverbeschichtung ist aber relativ dick (bis zu einem knappen Millimeter)
Würden wir den Pilker jetzt abformen, hätten unsere Abgüsse später ein deutlich höheres Volumen als das Original – das heißt, das Gewicht wäre auch höher.
Um dies zu vermeiden, sollte zu allererst die Lackschicht vom Pilker ab.
Dies kann man mit viel Mühe mit Schmirgelpapier bewerkstelligen, oder man legt den Pilker 1-2 Tage in eine möglichst aggressive Verdünnung ein, z.B. Nitroverdünnung oder Aceton. Die Verdünnung weicht die Pulverschicht so weit auf, dass man sie wie eine Orangenschale abziehen kann.
Bau der Form
Zunächst einmal müssen wir uns über den Aufbau und Größe der Form Gedanken machen.
Dazu legt man den oder die Original-Pilker auf ein Blatt Papier und skizziert den Aufbau der Form grob vor.
Folgende Punkte sollte man beachten:
| * | Die Pilker sollten leicht schräg stehen, damit beim Guss das Blei sauber einlaufen kann. |
| * | für den Anguss berücksichtigen |
| * | eine Mindestwandstärke von ca. 1cm berücksichtigen |
| A | Hier mindestens 1cm Rand vorsehen |
| B | Hier kommt später der Anguss in die Form |
| C | Sollten sich später beim Gießen an der höchsten Stelle des Pilkers Luftblasen bilden, müssen wir hier ein Entlüftungsloch anbringen |
Nun geht es darum, sich einen Kasten zu basteln, in dem die Gussform hergestellt wird.
Die Innenabmessungen des Kästchens müssen dabei den im letzten Schritt ermittelten Außenabmaßen der Gießform entsprechen.
Zum Bau des Kastens verwende ich beschichteten Spanplatten aus dem Baumarkt, da an der Beschichtung das Silikon nicht klebt.
Auf die Grundplatte, die größer sein muss, als die Außenabmessungen der Form werden Leisten angeschraubt. Die Höhe der Leisten muss mindestens so gewählt werden, dass die Dicke des Pilkers und oben und unten mindestens je 1 cm übrig bleibt.
Skizze der Form von der Seite:
| A | Pilker – die Trennlinie zwischen den beiden Formhälften habe ich gestrichelt eingezeichnet. |
| B | 1. Formhälfte |
| C | 2. Formhälfte |
| D | Hier mindestens 1 cm Rand lassen |
Vorbereiteter Kasten:
Als nächster Schritt folgt das Einbetten der Original-Pilker im Kasten.
Dazu werden die Pilker mit Knetmasse im Boden des Kastens fixiert. Die Oberfläche der Knetmasse bildet dann später die Oberfläche der ersten Formhälfte.
Dabei folgende Punkte beachten:
| * | Die Pilker bis zur Hälfte in die Knetmasse drücken. |
| * | Knetmasse sauber bis an den Pilker streichen |
| * | Hinterschnitte produzieren! Was mit Hinterschnitten gemeint ist, wird hoffentlich aus den folgenden Skizzen deutlich. (Der Pilker ist im Querschnitt dargestellt) Bei den beiden oberen Darstellungen würde sich der Pilker später beim Gießen nur schwer aus der Form lösen lassen. |
| * | Die Ösen des Pilkers sollten knapp mit Knetmasse bedeckt sein, der Grund hierfür wird später noch klar |
| * | Um den Pilker herum Dellen in die Knetmasse drücken. |
Durch diese Dellen erhalten wir an der fertigen Form eine Art von Pass-Stiften, die dafür sorgen, dass die beiden Formhälften nicht gegeneinander verrutschen können.
Die Dellen können mit einem beliebigen stumpfen Gegenstand eingedrückt werden, z.B. einem Pinselstiel, Bleistift ...
Nun sind wir soweit, das Silikon für die erste Formhälfte einfüllen zu können. Dazu das Silikon und den zugehörigen Vernetzer (Härter) gemäß den Herstellerangaben vermischen.
Das flüssige Silikon in die Form geben. Um Luftblasen im Silikon zu vermeiden, ist es sinnvoll zuerst eine dünne Schicht auf die Pilker geben. Aus dünnen Schichten entweichen Luftblasen wesentlich leichter. Anschließend das Silikon soweit auffüllen, dass über der höchsten Stelle des Pilkers noch ca. 1 cm Silikon steht. Die dicken Wandstärken wirken sich positiv auf die Lebensdauer der Form aus – dünne Wandstärken brennen deutlich schneller durch. Nach dem Auffüllen des Silikons sollte man noch ein wenig mit einem harten Gegenstand seitlich leicht an den Kasten klopfen – im Silikon eingebundene Luftblasen steigen dann leichter an die Oberfläche.
Das Silikon der ersten Formhälfte muss nun aushärten – am besten über Nacht.
Nach dem Aushärten kann nun die 1. Formhälfte, die Originalpilker und die Knetmasse aus dem Kasten entfernt werden. Die Formhälfte wird nun (um 180° gedreht) wieder in den Kasten gegeben. Die gesamte Oberfläche der Formhälfte muss nun mit dem Trennmittel (Vaseline) eingeschmiert werden. Dieser Arbeitsgang muss äußerst sorgfältig durchgeführt werden. Wenn hier eine Ecke vergessen wird, klebt das Silikon der 2. Formhälfte bombenfest an der ersten Formhälfte fest und die ganze Arbeit war umsonst.
Anschließend werden die Originalpilker wieder in die Formhälfte gelegt und genau wie bei der ersten Formhälfte wieder Silikon eingefüllt.
Nach dem Aushärten des Silikons wird das Ganze aus dem Kasten entfernt und die beiden Formhälften werden vorsichtig von einander getrennt. Die Originalpilker werden nun voraussichtlich in der 2. Formhälfte fest hängen. Wir hatten ja bei der Herstellung der 1. Hälfte die Ösen der Pilker kpl. mit Knetmasse abgedeckt, so dass die Ösen nun in der 2. Formhälfte kpl. im Silikon eingebettet sind. Wir müssen hier das Silikon mit dem Bastelmesser vorsichtig aufschneiden, damit die Ösen aus dem Silikon herauskommen. Der Vorteil ist nun, dass wir in der 2. Formhälften schöne Taschen haben, in die wir später beim Giessen die Ösen einlegen können.
Sollte dies nicht geklappt haben, kann man den Bereich der Ösen mit dem Bastelmesser etwas aufweiten und beim Gießen zur Fixierung der Ösen die Superknete von Hakuma verwenden.
Als letzten Schritt müssen nun nur noch mit dem Bastelmesser die trichterförmigen Guts-Öffnungen geschnitzt werden. Die Öffnung am Pilker sollte gute 2 mm betragen.
Wenn das Loch zu klein ist, läuft beim Guss das Blei nicht sauber in die Form, ist das Loch zu groß, muss am Rohling nur unnötig viel gefeilt werden.
Für das Gießen muss man sich jetzt nur noch 2 Brettchen in der Größe der Form besorgen.
Zwischen diese wird die Silikonform mit Schraubzwingen geklemmt.
Doch dazu mehr im nächsten Teil dieser Artikelserie: Gießen von Pilkern
Tipps:
Die folgenden Tipps sollen Euch davor bewahren, dieselben Fehler wie ich zu machen:
| * | Das Silikon mit dem Härter sehr gründlich verrühren – es dauert eine Weile, bis sich der dünnflüssige Härter im Silikon auflöst. Wenn man hier nicht gründlich arbeitet, erhält man in der fertigen Form Bereiche, die nicht sauber ausgehärtet sind, d.h. die ganze Arbeit wäre für die Katz |
| * | Vor dem ersten Guss die Form unbedingt mehrere Tage ruhen lassen. Auch wenn das Material bereits nach einigen Stunden hart ist, sind die chemischen Prozesse im Material noch nicht abgeschlossen. In dieser Phase hat das Silikon bei weitem noch nicht seine Hitzebeständigkeit erreicht. Wir hatten mal bei einer Form für ein Naturköderblei gleich am nächsten Tag das Gießen angefangen – die Form brannte durch. |
| * | Darauf achten, dass die Wandstärke der Form mindestens ca. 1 cm beträgt. Das Silikon hat eine relativ schlechte Wärmeleitfähigkeit, d.h. die Hitze des eingegossenen Silikons wird nur langsam an die Umgebung abgegeben. Sind die Wandstärken zu dünn, erfährt das Material an dieser Stelle eine starke Temperaturbelastung und die Lebensdauer der Form geht in die Knie. Bei Formen für schwergewichtige Pilker oder Naturködebleie sollte man eher noch etwas dicker arbeiten – viel Blei – viel Hitze |
| * | Den Original-Pilker nicht mit Vaseline einschmieren – das Silikon haftet auch so nicht am Blei. Da man die Vaseline nie 100% gleichmäßig aufstreichen kann, würde man eher Schlieren in der Form bekommen. (und damit auch an den Abgüssen) |
| * | Macht die Pass-Stifte nicht zu dünn – sie brechen dann leicht ab. 5mm sollten sie mindestens im Durchmesser haben. |
| * | Sollten sich bei den ersten Güssen immer an der selben Stelle Luftblasen bilden, muss man ein Entlüftungsloch anbringen. Dazu an der höchsten Stelle der Luftblase mit einem feinen Bastelmesser einen dünnen Kanal in die Form schneiden. Dieses Entlüftungsloch sollt nur ca. 1mm Durchmesser haben, dann kann die Luft entweichen, das Blei ist aber zu dickflüssig und kann nicht durch. |
Im nächsten Teil werden wir dann in unserer Form die ersten Pilker gießen.
Bis zur nächsten Ausgabe und viel Spaß beim Basteln
Robert
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