|
Artikel als .pdf herunterladen (1743 KB) !?
Unterwegs mit DinTur zu neuen Zielen
Ein Tourtagebuch über drei Wochen – aufgeschrieben von Peter Gesien
Juni - 26 - 2005
Berlin, Schönefeld... Pünktlich um 21.30 Uhr hebt die Boing 737 der Norwegian Airlines gen Oslo ab. An Board sind unter anderem Pete und Franky, deren Ziel Steinkjer ist, von wo sie einen Tag später um die Mittagszeit von Stefan, dem Guide und Servicemann der Anlage „Zansibar Inn“ in Lauvsnes abgeholt werden. Dem gewesenen Servicemann muss man richtigerweise sagen, denn seit einigen Tagen ist er es nicht mehr...Abgelöst von Larsen, einem Bekannten von Volker Dapoz, wartet Stefan nun sehnsüchtig auf den Beginn der dreiwöchigen Rundtour gen Nordnorwegen, die er praktisch als Dienstreise als zukünftiger Mitarbeiter für Dintur Deutschland anzusehen hat. Dafür haben die Dintur- Leute vor Ort in Norwegen alle notwendigen Kontakte und Absprachen getroffen...Und damit Stefan nicht alleine durchs Land ziehen muss, sind wir an seiner Seite... Um zu filmen, zu fotografieren und um ihm die Zeit nicht langweilig werden zu lassen. Flug, Nachtauffenthalt in Oslo und auch die Weiterfahrt von Trondheim nach Steinkjer mit dem Zug verlaufen im übrigen problemlos, mal abgesehen vom noch glimpflichen 40-Euro-Aufpreis für unsere 16 Kilo Übergepäck…
Juni - 27 - 2005
Als wir in Lauvsnes eintreffen, schüttet es von Oben... So wie seit fast drei Monaten, wie wir kurz darauf erfahren. Auch deshalb hat Stefan ein wenig die Nase voll und will endlich woanders hin, verbunden mit der Hoffnung auf ein klein wenig besseres Wetter. Die Hoffnung auf eine Ausfahrt mit Larsen können wir rasch begraben...Also wird umgedacht... Schnell die Spinnruten aus dem Rutenarreal geholt, das Larsen für uns vor zwei Wochen schon im Voraus mit seinem Auto nach oben genommen hatte, und los geht’s... Also schlittern wir auf wilden Pfaden hinunter zum Fluß, wo Stefan eine gute Stelle für Bachforellen weiß.
 |
| Nicht groß, aber voller Temperament: Bachforellen Bachforellen weiß. Es pieselt unentwegt. |
Aber das juckt uns nicht... Wir sind in Norwegen, haben eine Rute in der Hand und sind glücklich...Das noch umso mehr, als sich ruckzuck ein paar buntgetupfte Gesellen ins nasse Gras befördern lassen. Larsen friert sie sich ein, er schwärmt von ihnen als Räucherware.
Juni - 28 - 2005
Ohne langes Federlesen beschließen wir, ganz früh von Lauvsnes aufzubrechen, um das erste Ziel des an uns noch am Vorabend von Hörmi übermittelten Schreibens in Angriff zu nehmen. Unterwegs halten wir in Namsos, um den dortigen Lidl-Markt um einige Lebensmittel zu erleichtern. Nach dreistündiger Fahrt erreichen wir die Insel Vikna und somit den auf der Ostseite gelegenen Hauptort Rörvik. Ohne groß suchen zu müssen, finden wir die nagelneue Anlage im Hafen. Weit leuchtet die gelbgestriche Fassadenfront der Anlage. Als wir eintreffen, erwartet man uns schon. Um uns herum geschäftiges Treiben einer Sanitär-Firma, die dem Filetierraum den letzten Schliff verpasst. Sogesehen sind wir die ersten Gäste und können und eines der acht noblen Appartments aussuchen.
Auch die Boot können sich sehen lassen: Gleich vis a vis von der Anlage liegt die bekannte Hansvik-Bootswerft. Von hier kommen die neuen 17 Fuß Boote 40 PS Viertakter und Simrad- Kartenplotter-Echo-Kombi. Der Clou sind jedoch die drehbaren Einzelsitze und die Rutenhalter.
Natürlich sind wir jetzt heiß aufs Fischen; und so beschließen wir, noch am späten Nachmittag einen ersten Test zu unternehmen. Durch die ruhige Lage Rörviks ists natürlich ein Stück zu fahren, um aufs Offene zu gelangen. Mit den Booten aber Null Problemo...Der Motor ist genial auf den Rumpf abgestimmt...So kommt das Gefährt richtig in Schwung-27 Knoten...Toll! Schließlich war der Wind aber soweit abgeflaut, dass wir uns bis fast ganz vor die letzten Schären wagten. Von hier aus waren es vielleicht nur 50 Kilometer Luftlinie zu Stefans sonstigen Fanggründen vor Lauvsnes. Aber wie das so ist, wenn man völlig neu ist in einem Revier, dann muss man sich erst mal einangeln...Doch so viel Zeit haben wir leider nicht...Hier nicht und auch bei den meisten der in den nächsten Tagen folgenden Zielen. Doch unsere Fische fangen wir dennoch...Keine Riesen, aber in guten Mittelgrößen...Zwei Fische nehmen wir mit, um sie uns am Abend im Backofen auf Tomate und Käse zu überbacken. Hmmmm...
Juni - 29 - 2005
Heute vormittag faulenzen wir und machen Fotos von der Anlage und der Umgebung.
Außerdem soll abends Fußball kommen... Confed-Cup... Leider interessiert die Norweger nur das Endspiel, so dass wir die Zeit bis zum Abend Luft zum Fischen hätten...Also Sprit an der nahegelegenen Esso-Boots-Tanke gebunkert und mit Chefchens Bruder am Lenkrad eine Ausfahrt gemacht. Auch hier wählten wir wieder den Ausgang gen Süden durch die Brücke... Genau den Weg, den das große Hurtigruten-Boot allabendlich auch nimmt...
Hier sollen laut Aussage des Anlagenbesitzers (der im Übrigen Mitte 40 ist und als Fischer alljährlich sich am Run auf den Lofot-Dorsch monatelang mit seinem Fangkutter beteiligt) immer wieder mal recht gute Heilbutts gehakt worden sein... Untergrund ist Sand... Klaro... Abends spielen dann die Miniköhler Scheibe und die Möven fahren voll drauf ab...
Juni - 30 - 2005
Und weiter geht’s... Und zwar auf die Insel Vega, nicht weit entfernt von Rörvik. Um nach Vega zu gelangen, nehmen wir die Fähre, die wir wie bestellt erreichen. Überhaupt muss man sagen, dass wir auf der gesamten Tour etliche Fähren nehmen mussten, aber stets war der der Preis ok. Auf Vega erwartet uns ein Berufsschullehrer von der Insel. Er plant direkt im kleinen Bootshafen neben der Fähre eine Art Robuer, die Fundamente stehen schon. Und uns erwartet an diesem echt heißen Nachmittag auch so einiges.
|
| | Werbung
|
| |
|
Das Wetter hatte inzwischen voll auf Sommer umgestellt, so wie in den nun folgenden zwei Wochen ... Kaum eine Wolke würden wir bis dahin noch zu Gesicht bekommen... Was für eine Prophezeiung! Zunächst quälten wir uns im heißen Auto quer durch Vega. Der Lehrer war in seinem Element, jeder Winkel der Insel wurde nun observiert und wir erfuhren Dinge, die in keinem Prospekt stehen. Vega ist eine Perle, eine Perle für diejenigen, die die Ruhe suchen, diejenigen, die jagen wollen, Forellen und Saiblinge fischen wollen oder auch auf dem Meer den Räubern nachstellen wollen. Auch archäologisch scheint die Insel sehr interessant zu sein: Von hier aus sollen die Wikinger zu ihren großen und weit ausgedehnten Seeexpeditionen aufgebrochen sein. Schroffe Felsen im Süden der Insel, dagegen weite Flächen im Norden. Kontraste pur... Man zeigt uns Sandstrände, Häfen im Westen und letztlich ein feines kleines Restaurant, in den einer der bekanntesten Köche Norwegens den Kochlöffel schwingt...Die königliche Familie fliegt wohl des Öfteren per Helikopter hier ein, um mal fix außerhalb zu dinieren.
Unsere Nachtunterkunft war alles andere als luxuriös. Eine alte Schule, die wohl heute eher als Jugendcamp fungiert, musste diesmal reichen. Aber es war ja nur für eine Nacht... Und Hörmi hätte nur wieder spottend gesagt: „Weiß gar nicht, was ihr wollt...genau richtig für euch, eben ne Ossi-Penne“
Dafür war dann der Abend umso aufregender. Man erwartete uns am Hafen zum Bootsangeln. Warmer Kaffee und Becksbier zeugten von der Gastfreundschaft der Norweger, die wir überall erleben durften. Wir sagten, dass wir ein paar gute Bilder brauchen...Am besten eines mit einem Heilbutt...Na, das Thema hatten wir dann den ganzen Abend...Der alte Lehrer guckte ganz verschmitzt und erklärte uns dann, was man hierzulande glaubt: Um einen Heilbutt zu fangen, braucht man Glück...Und das hat ein Fischer nur dann, wenn er die Nacht vor der Ausfahrt „Hal“ hatte... Zu deutsch: Richtig guten Sex mit seiner Frau... Deshalb schaute er uns ein wenig bemitleidend an und meinte, es wäre sinnvoller, es auf Dorsch zu versuchen... Und da er auch um die Wichtigkeit unseres Besuches für das Fortkommen seiner neuen Unternehmung wusste, hatte er einen Deal mit den hiesigen Lachsfarmern getroffen...Er hatte diesen Abend die Erlaubnis, dicht in die Nähe der Lachsfarm zu fahren. Dass uns das nicht unbedingt schmeckte, könnt ihr euch ja denken. Aber was tut man nicht alles wegen ein paar guter Fische...Erster Stopp, Ablassen der Rute bei Stefan und Bingo! ... Zappler! Wie nicht anders zu erwarten, hatten sich zwei kleinere Köhler kamikazeartig auf Pilker und Beifänger gestürzt. Aber da Stefan „sackten“ ließ, gabs nur kurz danach einen heftigen Schlag in seiner Rute: Ein guter Dorsch hatte im Mittelwasser, nur 5 Meter unter dem Köhlerschwarm lauernd, sich auf den Pilker oder auch auf das, was vielleicht noch an diesem von eben dranhing, gestürzt.
 |
| Die Accurate mit der Fugi-Beringung und die Avet Mx machten ihren gewohnt guten Job. |
Der Lehrer grinste; er wusste in etwa, was passieren würde, wenn man an dieser Stelle den Pilker ablassen würde. Das Spiel wiederholten wir zwei, drei Mal und holten schnell ein paar gute Fische an Bord. Darunter waren auch ein paar gute Seelachse bis 15 Pfund. So, da wir davon genug hatten, wollten wir nun andere Plätze befischen, aber obwohl das Echolot des Bootes defekt war, fuhr der Skipper mit Augenmaß und jahrzehntelanger Erfahrung die richtigen Plätze sicher an, so dass auch hier gute Fische gefangen wurden. Fazit: Ein viel versprechendes Revier. Noch in diesem Herbst soll das Haus fertig werden.
 |
| Gut 25 Pfund hat der hier auf den Gräten |
Juni - 31 - 2005
Gleich früh nehmen wir die erste Fähre um 8 Uhr, weil heute ein echter Hammerritt auf uns wartet...Wir müssen uns gut 300 km Luftlinie nach oben vorarbeiten... Klingt nicht viel, aber wenn man erst mal 100 km zur E6 nur quer durchs Land vor sich hat, ist das schon ganz schön zermürbend. Zum Ende der Tagesetappe werden es gut 500km sein. Ziel ist Koppelv, rund 40 km nördlich von Bodö gelegen, aber weit, weit tief am letzten Zipfel des Sorfolda - Fjordsystems...Bekannt vor allem wegen der Möglichkeit des Fischens in der Koppelva, einem klassischen Lachsfluß der Region. Unterwegs dorthin kommen wir durch die Stadt Mosjoen, dort, wo der - na sagen wir mal, zweite Mann von Dintur Norwegen sein kleines Büro hat: Terje Kolsvik...Er koordinierte im wesentlichen unsere Tour. Wir verabreden uns auf einen Kaffee und gönnen uns so eine Stunde Pause...Konversation wie immer und überall auf der Tour ausschließlich auf Englisch...das lässt einen manchmal ins Grübeln nach uralten Vokabeln kommen, schadet der Auffrischung der grauen Zellen keinesfalls. In der Stadt geht’s heiß her... Es ist Mittsommernacht und auf dem Markplatz tanzen heiße Girls in wenig Klamotten nach heißen Rhythmen auch noch mittags um 12... Aber wir müssen weiter, und so erreichen wir gegen 17 Uhr unser nächstes Domizil: Ein feines, sehr gut ausgestattetes Ferienhaus mit viel Platz zum Relaxen und Natur genießen... Von der Terrasse bietet sich ein wunderschöner Panoramablick...Gegen 20 Uhr erscheinen dann zwei Männer...Opi, der Chef der Anlage und sein 50jähriger Schwiegersohn, der mit uns auf Englisch redet und übersetzt.
Des Nachts, als das Wasser auf dem Fjord sich beruhigt, nehmen wir Massen von kreisartigen Ringen auf dem Fjord wahr. Wir tippen auf Kleinköhlerschwärme, die hier getrieben von anderen Wesen, regelrecht auf der Oberfläche explodieren.
Juli - 1 - 2005
Am nächsten Morgen können wir gestärkt durch ein exklusives Frühstück in der daneben gelegenen kleinen Hotelanlage dann zum Haupt-Akt des Tages übergehen: Eine extra für uns arrangierte Kutterfahrt steht auf dem Programm... Natürlich sind wir skeptisch...Was soll hier schon zu fangen sein, so tief drin im Fjord...Schließlich sind wir rund 25 Kilometer vom offenen Westfjord entfernt. Am kleinen Hafen empfängt uns ein älteres Ehepaar, das den Kutter vor ein paar Jahren gekauft hat und nun die eine oder andere Erlebnisfahrt mit Gästen durch die imposante Fjordwelt unternimmt. Die Schiffsdame reicht uns lecker selbstgebackenen Kuchen sowie frisch gebrühte Norgeplürre (die Norweger können einfach mit Kaffee nix Vernünftiges anfangen)... Schon bald danach fängt sie an, die große Ladeluke zu einem Tisch umzudekorieren und kredenzt darauf Schüsseln, Teller und Gläser...Wir guckten uns verdutzt an...Wir dachten, wir sollten hier versuchen, den einen oder anderen Fisch zu fangen?...Aber immer nur essen??? Na klar war auch das Angeln in Mittelpunkt - und so waren schnell die ersten kleineren Dorsche und Seelachse an Board gehievt...Zwischendurch kommt der erste deftige Gaumenschmaus auf die Tischdecke...Eine große Schale mit Garnelen wartet darauf von uns gepult und dann verspeist zu werden...Dazu gibs frisches Weißbrot sowie Zitrone und Majo...Umspült mit einem trockenen, aber kühlen Weißwein eine herrliche Zwischenmahlzeit...
Unterdessen berichtet unser „Dolmetscher“, dass Gruppen den Kutter auch für Mehrtagesfahrten bis raus auf den Westfjord nutzen können.
Schließlich hat das Schiff unter Deck gemütlich und freundlich eingerichtete Kojen... Und das zu einem wirklich moderaten Preis incl. Essen an Bord.
Uns gelingt es neben der ausgelassen Stimmung auch etliche Fische zu fangen, wovon hier nur zwei Exemplare stellvertretend gezeigt werden sollen. Vor allem die Makrelen und deren Größe versetzen uns in Staunen: deren reichliches Vorkommen soweit nördlich hatte wir vorher nicht für möglich gehalten. Sie sind an der leichten Spinnrute echte Kämpfer!
Die Mittagsmahlzeit, die wir dann gegen Ende der sechsstündigen Tour einnehmen, zeigt mal wieder die Urbanität der Norweger: Sie essen fast alles vom Fisch...Und zwar alles, was wir als Abfall wegschmeißen würden...Auf Einzelheiten möchte ich hier nicht näher eingehen...Jedenfalls hat es mit Dorschzungen, Fischhirnen und mit Leber gefüllten Luftsäcken und, und, und zu tun... Wir werden jedoch vom Extremen verschon...Uns zuliebe kommt ein typisches Sommergericht auf den Tisch: Halbierte Filets von mittleren Köhlern, einfach nur in Salzwasser gedünstet, dazu Pellkartoffeln und eine Soße aus angeschmorten Fischleberwürfeln...Schmeckt wirklich gut...
Unterwegs dann ein Anruf vom Bruder des Opas...Er ist Fischer und hatte offenbar mit seinen 72 Jahren letzte Nacht ordentlich „Hal“...Unmittelbar im letzten Fjordzipfel zog er morgens einen guten 25 kg schweren Heilbutt aus 20 m Tiefe nach oben...Wir müssen uns sofort nach Ankunft davon überzeugen, dass man uns keinen Bären aufbindet...Dann sind einfach nur Baff, als wir den Fisch aus nächster Nähe betrachten ...Und das am A... des Fjordes...Hut ab!!!
Am Abend wandern wir bewaffnet mit Spinnruten die Koppela entlang...Aber die Lachse sind spät dran dieses Jahr...Zwar sehen wir einige Exemplare, aber anbeißen wollen die nicht... Naja, jedenfalls haben wirs probiert. Die Mücken beißen an diesem Abend bedeutend besser...
Juli - 2 - 2005
Wieder heißt es Sachen verstauen und Ruten montiert oben drauf...Im Kleinbus von Stefan kein Problem. Heute steht eine kurze Etappe auf dem Programm. Nur ein kleines Stück klettern wir auf der E 6 und biegen dann links gen Küste ab. Dabei kommen wir an zwei Objekten von Dintur vorbei, Straumfjorden und Dyping, beide liegen in Buchten des sich weit ins Land streckenden Sagfjordes. Wir aber wollen bis vor an den Westfjord, nach Hellnessund. Gegen Mittag treffen wir dort ein. Es ist Sonntag und kein Mensch weit und breit zu sehen. Die Zeit, bis man uns die Unterkunft zeigt, vertreiben wir mit Spinnangeln vom Kai aus, wo es gleich wieder rappelt...Zappler und Makrelen. In Hellnessund finden sich zwei verschiedene Anlagen, eine neugebautes Ferienhaus mit 3 Appartments, das sogenannte „Westfjord Brygge“ . Bei unserer Ankunft ist es mit einer lustigen Schar angelnder Bajuvaren belegt, so dass wir mit dem etwas bescheideneren „Hellnessund Brygge“ Vorlieb nehmen müssen.
Die Boote beider Anlagen können sich absolut sehen lassen: Die Bayern brettern in neuen Kasboll-Booten mit 50 PS an uns vorbei, während wir mit den anderen 30PS-Booten auch gut unterwegs sind. Hier können wir uns für zwei Nächte einrichten, so dass wir das Revier auch anglerisch ein wenig auf Herz und Nieren prüfen können.
Am Nachmittag starten Stefan und ich zu einer Erkundungstour...Von unserer verglasten Terrasse auf dem Gelände einer Fischfabrik erspähen wir zwischen den unzähligen Schären ominöses Weiß: Kleine Buchten mit Sandstränden!!! Es ist brütend heiß und so muss das Badetuch auf Verdacht mit ins Boot. Schon nach ein paar hundert Metern wird es gewiss: Hier muss die „Blaue Lagune“ gedreht worden sein.
Nach einer relaxten Stunde zieht es uns dann wieder aufs Wasser zu den Fischen. Also versuchen wir es mal an einer Kante, die sehr flach von 40 auf 70 Meter abfällt. Die 200 gr. Pilker sausen in die Tiefe...Schon bald kommen die ersten Kontakte und mittelprächtige Fische kommen an Board, daneben auch ein paar stramme Schellfische...“Idealer Plattengrund...“ geht es mir durch den Kopf und ich überlege, ob die Pilkerei wohl die richtige Methode sein würde für die Brüder... Eh ich zu Ende denken kann, stemmt sich ein Fisch, der am Grund den Pilker nimmt, vehement gegen meine Kurbelei...Komisch, das ist kein Dorsch, der hätte sich schon durch sein stoßartiges Rucken zu erkennen gegeben...Zwischendurch bäumt sich der Gegenüber ganz schön auf, die 200gr. Beastmaster Innerguide hat schön zu tun... Dann ist es Gewissheit: Eine Platte, zwar nicht riesig, aber gut maßig...Unser Abendbrot ist gesichert...Alles andere geht wie schon die Tage zuvor schonend wieder ins nasse Element.
So wir haben auf der Tour fast alle Lumben durchbekommen. Nach einem kleinen Stich in den vorgestülpten Luftsack, haben wir diesen vorsichtig zurückgeschoben...Kurz danach sind die Jungs dann wieder fidel nach unten abgetaucht...Bei anderen Fischen hilft es im Übrigen auch, vorsichtig die überflüssige Luft durch Streichen am Bauch nach außen zu befördern...
Am Abend fahren wir dann noch einmal zu dritt hinaus... Erst probieren wir an gleicher Stelle, auch mit Naturködern...Weitere Platte??? Fehlanzeige...
Wir fahren weiter raus... Stefan hat auf der Karte schon längst alle Unterwasserberge der Ecke erfasst und überträgt sie in den Wegepunkte-Bereich. Schön, so ein Kartenplotter an Bord.
Hier rappelt es nun ohne Ende: Zwei Leute angeln, der dritte Mann filmt das Ganze mit. Wie im Rausch knallen wir feiste Pollacks aus 20-30 m Tiefe, die Bisse kommen im unteren Drittel. So bekommen wir schöne Szenen zusammen und probieren alle möglichen Köder aus...Fast alles fängt!!! Wie viel Fisch muss da unten beieinander stehen...
Später, auf der Heimfahrt, schon ein Stück nach Mitternacht kommen wieder die Makrelen... Das Wasser brodelt und so ist es ein besonderer Gaudi, mit der 40 gr. Spinnrute und 30 gr. Minipilkern sich feine Drills mit den weit gereisten Schönlingen zu liefern... Auch das haben wir minutiös auf Band gebracht.
Ans Fotografieren hat nun keiner mehr gedacht...
Juli - 3 - 2005
Auch am nächsten Tag, an dem der Wind nun völlig verschwunden ist und der Butt ein köstliches Mittagsmahl abgegeben hat, brechen wir wieder auf und beginnen in gerader westlicher Richtung mit dem Angeln nur 5 Minuten vom Hafen entfernt. Wir angeln auf Bergen, die bis auf 10 Meter sich erheben...Entlang der Wände knallt es...Mit einem Schlag sind alle drei Ruten krumm: Schön gefärbte Tangdorsche können gelandet werden...Von nun an machen wirs nur noch mit Gummi...55gr. Jigkopf montiert, darauf einen roten Meerestwister geschoben...Ablassen...Peng! Dann Wedgetail in Kaugummi-Rosa... Bingo! Und so weiter...Alles fängt! Wir stoppeln uns vor Richtung offene See. Vor uns liegen in Voller Pracht die bizarren Strukturen der Lofoten. Hier draußen ist es auch nicht anders. Scharen von Pollaks gehen nun auf unsere mittlerweile in 135gr. Storm-Fische getauschten Köder...Großer Köder - Große Fische!!! Immer wieder bestätigt sich diese Aussage...Und es macht selektives Fischen möglich... Ganz wichig im Norden, wenn man förmlich im Fisch steht und nicht an den Schietern verzweifeln möchte.
Den Rest des genialen Tages lassen wir mit Faulenzen am Strand geschehen. Ich genehmige mir ein kurzes Bad. Es ist auszuhalten, vielleicht 17 Grad hat das Wasser in den flachen Buchten. Was für eine herrliche Gegend... Wenn ihr mich fragt: Hier würde ich im nächsten Jahr sofort wieder hin. Denn die Butts sollen hier noch um einiges Größer werden!!!
(Teil 2 folgt)
Peter Gesien
| | Werbung
|
| |
|