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Eine Art von Sport
Ich hatte diese Art der Sonntagmorgenbeschäftigung irgendwie satt. Aufstehen, Rechner einschalten, XXX-Seiten aufrufen und Rumferkeln. Also entstand letzten Herbst der Gedanke Sonntags etwas vernünftigeres zu tun.. Die Hechtsaison stand kurz bevor, und unser See war nicht all zu weit. Das seit Jahren lädierte Bein war auch wieder soweit genesen dass ich mich an größere Blinkeraktionen rantrauen konnte. Der See meiner Wahl hat einen Umfang von ca. 5 Kilometern, und meine Strategie war die, jedes Mal Angeln nur einen Köder zu verwenden.
Erster Tag: Salmo Bullhead. Sehr früh aufgestanden und zum See gefahren...
Nach zirka 500 Metern an der vierten Stelle der erste Biss. Ein schöner Portionsbarsch . Nächster Wurf, nächster Barsch. Noch paar Mal geworfen, aber nur noch einen Barschwinzling gefangen. Nach 2 Kilometern und vermutlich 300 Würfen später fängt der Rücken an zu schmerzen. Ich denke schon an Aufgabe.
Plötzlich wieder Biss, und wieder ein schöner Barsch. Und gleich drauf noch einer. Dann ist Schluss. Der Rücken schmerzt nur noch.
Eine Stelle noch, dann geh ich nach Hause. Wurf, Wiederstand, Anhieb und die Rolle kreischt auf. Bremse zu, aber egal. Die Flucht des Fischs lässt sich erst nach ca. 100 Metern stoppen. Wels.?? Hier gibt's keine Welse.. Was dann?
Nach ungefähr einer Stunde seh ich den Fisch zum ersten mal. Ein Karpfen hat meinen Wobbler genommen. Nach weiteren 15 Minuten kann ich den Fisch landen. 22 Pfund und der Fisch meines Lebens. Mir tut alles weh...
Zweiter Tag: Balzer Colonel mit Gummifisch. Fünf Kilometer gelaufen, hunderte Würfe gemacht, kein Biss. Nur die Rückenschmerzen haben etwas später angefangen.
Dritter Tag: DAM Effzett. Ein untermaßiger Hecht gleich am Anfang. Wieder hunderte Würfe, aber nichts mehr gefangen. Es scheinen sich irgendwie Muskeln am Rücken aufzubauen. Drei Kilometer schmerzfrei.
Vierter Tag: Salmo Pike. Nach ungefähr Drei Kilometern einige zaghafte Zupfer.
Wechsel auf einen Reflex-Spinner und wieder ein untermaßiger Hecht. Der Rücken hält immer länger durch.
Fünfter Tag: Mepps Black-Furry-Doppelspinner-Eigenbau. Fünf Kilometer gelaufen, Hunderte von Würfen, und nicht ein Biss.
Sechster Tag: Barsch-Eigenbaukonstruktion. Wieder fünf Kilometer, wieder hunderte Würfe, wieder kein Biss. Aber zwischenzeitlich ohne Schmerzen um den See rum.
Siebter Tag: Gummifisch, ca. 25cm.. Brutal wie kräftezehrend so ein schwerer Köder auf die Dauer ist. Nach Vier Kilometern hab ich ihn zum Glück abgerissen. Körperlich am Ende hab ich dann noch einen Rasselwobbler montiert da ich die letzten paar Stellen noch abangeln wollte. An der allerletzten Stelle, da wollt ich eigentlich nur mal vorbeischauen, doch noch paar Würfe gemacht. Jeder Wurf mit kiloweise Kraut. Letzter Wurf, wieder Kraut, trotzdem Anhieb.
Das Kraut bewegt sich und zieht ab wie irre. Kein Kraut, Fisch. Das Gaff liegt natürlich unerreichbar ein paar Meter weit weg. Rechts von mir ist eine etwas flachere Stelle an der eine Handlandung grad so Möglich erscheint. Nach 5 Minuten Drill kann ich den Hecht in die Bucht dirigieren. Er schlägt wie irre, flutscht mir 2 Mal aus der Hand. Beim dritten Versuch kann ich Ihn endlich sicher greifen. Raus damit, und schnell paar Meter vom Ufer weggetragen.
Dann ein Befreiungsschrei. Der zufällig vorbeilaufende Spaziergänger schaut mich etwas ängstlich an und geht schnell weiter. Jeahhh, 85 cm und so ungefähr 9 Pfund schwer. Für unsere Verhältnisse schon recht groß. Ich bin nass. Der Kittel bis zum Ellbogen von der Landung, und die Hose hat dabei wohl auch was abgekriegt. Ich pack mein Zeug zusammen und lauf los Richtung Auto. Unterwegs traf ich noch unsere Karpfenspezies bei denen ich noch etwas angegeben habe.
Achter Tag: Rasselwobbler.. Grins. Fürchterliches Wetter. Regen und Sturm. Nach dem halben See umgedreht und die gleiche Strecke mit einem Mann's Gummifisch zurück.. Nix gefangen, aber ziemlich nass geworden.
Neunter Tag: Moritz-Effzet-Nachbau. Verblüffend wie gut der Blinker läuft. Steht seinem Vorbild in nichts nach.. Half aber wenig. Wieder kein Biss.
Zehnter Tag: Salmo-Bullhead, Salmo-Pike, Rasselwobbler. Der See ist stellenweise zugefroren. Je nach Hoffnung auf Barsch, Hecht, oder nach Wassertiefe die verschiedenen Wobbler eingesetzt. Aber es war mir kein Fisch mehr vergönnt Die Saison war beendet. Der See würde jetzt vollends zufrieren.
Zusätzlich. Alle möglichen Köder. Zusätzlich zu meinen Epplesee-Aktionen war ich noch 3 Mal am Neckar, und 1 Mal um unseren Ausee rum. Am Neckar konnte ich noch eine Forelle fangen, sonst war nix zu holen.
Fazit: Alles in allem wohl so ca. 60 Kilometer zurückgelegt. Grob geschätzt 4000 Würfe gemacht. Ein Hecht, ein Karpfen, eine Forelle und vier Barsche gefangen.
Aber: Meine Kondition ist die beste seit Jahren, meine Muskulatur an Rücken und Armen hat sich verbessert, und das wichtigste... mein lädiertes Bein hält.
Also: Fische fangen ist nicht alles beim Angeln.
Siegfried Woyke
www.alb-angler.de
Anglerboard-Magazin April 2003 |