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Feedercrashkurs auf Winterbrassen

Für diese Hechtpsrung-Sendung sind wir an die Berliner Spree gefahren, um uns dort mitten im Winter mit Marco Beck und Bernd Bohatzsch zum Brassenangeln zu treffen. Wir haben die Friedfisch-Profis nicht nur gebeten, Euch einen guten Winter-Fangplatz vorzustellen. Die Beiden sollten Euch außerdem unterschiedliche Formen des Bibberspitzen-Angelns erklären. Es gibt da nämlich ganz schöne Unterschiede. Aber lasst Euch nicht irritieren, beide Methoden sind - je nach Einsatzgebiet - sehr erfolgreich ...
Wer im Winter angeln will, muss sich ganz schön was überlegen um noch an seinen Fisch zu kommen. Sogar die Weißfisch-Experten haben nur noch wenige Chancen auf richtig fette Beute. Doch zum Glück leben wir in einer zivilisierten Welt, in der der Strom aus der Steckdose kommt. Produziert wird er natürlich in Kraftwerken, und die brauchen nun mal Kühlwasser. Deshalb stehen diese Kraftwerke auch fast immer an einem Fluss oder Kanal. Das Kühlwasser, das dem Gewässer entnommen wird, wird natürlich wieder dorthin zurückgepumpt, allerdings um etliche Grade wärmer als vorher. Da der Stoffwechsel der Fische mit der Umgebungstemperatur zusammen hängt, und der Fisch an sich es eher wärmer mag, sind hier die Angelbedingungen noch akzeptabel, wenn anderswo schon gar nichts mehr geht. Aber Achtung! Sinn macht die Sache nur, wenn Ihr es flussabwärts, dort wo das warme Wasser hinfließt, versucht. Einen echten Nachteil hat die Sache allerdings: Naturliebhaber kommen kaum auf Ihre Kosten. Denn die Bebauung rings um Kraftwerke oder andere Industrieanlagen, die Kühlwasser brauchen, sind architektonisch nicht gerade preisverdächtig. Dafür ist dann aber auch die Verkehrsanbindung meist tadellos.
Unsere beiden Experten zogen an diesem Platz die Grundangel vor. Der entscheidende Vorteil gegenüber der Stippe: man braucht viel weniger Gerät mit ans Wasser zu transportieren und hat trotzdem gute Aussichten, viele Fische zu fangen.

Marco versuchte es auf die ganz feine Art mit einer Winklepicker-Rute. Diese Art des Grundangelns ist auf den Nahbereich (bis ca. 25 m) ausgelegt. Die Bibberspitze erweist sich dabei als genauso sensibel, wie sauber austarierte Posen beim Stippen. Bei der Winklepicker-Angelei verwendet Marco geflochtene Schnur, damit der Anhieb immer sicher durchkommt. Die letzten 10 m bis zum Haken bestehen aber aus einer monofilen 15er bis 23er Schnur. Im Drill größerer Fische sorgt sie durch ihre Elastizität dafür, dass der Haken nicht ausschlitzt. Geangelt wird dann mit dem Futterkörbchen.
Die Montage ist ganz simpel: das Körbchen läuft in einer Schlaufe, in die vorne eine kleine zusätzliche Schlaufe zum Einhängen des Vorfachs geknotet wird. Dieses ist ca. 50 cm lang (Hakengröße 12 - 16). Ihr könnt Euch das mal direkt auf der Site von Sensas anschauen Wenn Euch viele Fehlbisse den Angeltag zu vermiesen drohen, müsst Ihr mit der Vorfachlänge spielen. Die Krux: ist das Vorfach zu lang, seht Ihr die Bisse nur sehr schwer und kommt mit dem Anschlag oft zu spät. Ist es zu kurz, fallen die Zupfer wesentlich deutlicher aus. Nun besteht die Gefahr, dass Ihr den Anhieb zu früh setzt.
Das Futter selbst besteht aus einer handelsüblichen Feeder-Futtermischung mit ein paar Maden als Extra-Leckerli. Die gleichen Maden, die auch an den Haken kommen. Hinsichtlich der Futterkonsistenz gilt es vor allem zwei Dinge zu beachten. Erstens darf es beim Auswurf nicht aus dem Körbchen rutschen. Zweitens sollte es sich relativ schnell auflösen, so dass wirklich alles Futter austritt, wenn der Anhieb kommt. Sonst verteilt Ihr das Futter zu weit am Angelplatz und die Fische schlagen sich überall den Bauch voll, nur nicht dort, wo Ihr Euren Köder platziert.
Die feine Angelei mit der Winklepicker-Rute war gerade vor dem Kraftwerk sehr erfolgreich. Marco konnte etliche Brassen, Güstern und Rotaugen anlanden. Bernd wollte auf größere Distanz angeln. Klar, dass man hier mit dem feinen Geschirr nicht mehr zurechtkommt. Also griff der Meister zur Feeder-Rute. Die könnt Ihr durchaus auch in der Brandung auf Platte und Dorsch einsetzen. Dennoch weist sie eine sensible Spitze auf, so dass sie die feinen Bisse der Friedfische im Kanal anzeigt. Ein echter Feeder-Vorteil: die Reserven, die in der Rute stecken, ermöglichen selbst den Drill kapitaler Karpfen. Und weil man mit größeren Futterkörbchen werfen kann, muss man auch nicht so oft einholen, um neues Futter nachzulegen. Bernd fischte übrigens mit einem der neuen mikroporösen Körbchen von Zebco. Diese saugen sich mit Lockstoff voll, wenn man sie darin einlegt. So locken diese genialen Teile selbst noch Fische an, wenn sich der eigentliche Inhalt schon längst im Wasser aufgelöst hat.
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Im Gegensatz zu Marco, der die Rute flach auf zwei Rutenablagen im 90-Grad-Winkel zum Wasser ablegte, zeigte Bernds Feederspitze in Richtung Köder. Um die Bisse zu registrieren, stellte er die Angel steil in nur einem hohen Halter ab. Der Winkel Boden/Rute beträgt dabei optimalerweise 60 Grad. Diese Ablegetechnik hält die Schnur weitgehend aus dem Wasser und hilft im Kampf gegen die Uferströmung ungemein.
Bernds Feeder-Montage hob sich von Marcos Winklepicker-Montage hauptsächlich in einem Punkt ab: während Marco den Fischen relativ viel Zeit zum Abziehen ließ (durch eine große Schlaufe, in der der Futterkorb frei laufen konnte), gab Bernd den Fischen weniger Zeit. In seiner Schlaufe bremsten einige Bleischrote das Körbchen, bevor es an das Ende seiner Schlaufe gezogen werden konnte. Die Besonderheit dabei: die Bleischrote können in der Schlaufe verschoben werden. So habt Ihr die Chance, Euch auf das Beißverhalten der Zielfische einstellen, ohne lang zu fummeln. Je vorsichtiger die Fische beißen, desto mehr Zeit solltet Ihr Ihnen geben - d.h. die Bleie nach vorne Richtung Haken schieben, so dass die Fische mehr Schnur abziehen können.
Das Körbchen füllte Bernd in drei Schichten: zuerst mit seiner Futtermischung, dann mit einer Ladung Maden, die dann wieder durch etwas Futter eingeschlossen wurden. So lösen die kleinen Krabbler das Futter aus dem Körbchen und bevölkern nach einer Weile die Futterspur. Das mikroporöse Körbchen trägt reichlich Aroma flussabwärts, weshalb die Fische schneller auf die Futterspur und den Köder aufmerksam werden.
Auch diese Methode war bei unserem Ausflug sehr erfolgreich. Wenn auch kein kapitaler Fisch dabei war, so konnte Bernd dennoch einen ganzen Haufen Weißfische keschern. Der grundlegende Unterschied liegt bei den beiden Arten des Grundangelns also nicht im Fangerfolg, sondern in der Reichweite: auf kurze Distanz empfiehlt sich eine feine Winklepicker-Rute, während Ihr an weiter entfernt stehende Fische besser mit einer Feeder-Rute rankommt.
Hechtsprung
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