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Hardangerfjord 2002-Der wahre Bericht, Teil 2


Der Sonntag vormittag war gekommen. Wir haben die Zeit erst einmal genutzt und ausgiebige Augenpflege betrieben. Schließlich waren wir seit Freitag früh um 4 auf den Beinen und viel Schlaf hatte es zwischenzeitlich nicht gegeben. Wir frühstückten ausgiebig und haben uns nochmals das Haus intensiv angesehen. Das Erdgeschoß bestand aus 2 Zimmern. Ein Abstellraum, in dem sich eine 150 Liter Gefriertruhe befand sowie ein Kaminzimmer. Die Außenwände waren im Erdgeschoß genau wie der Kamin aus gro0en Natursteinen gemauert. Das war bestimmt eine Heidenarbeit. In den Sitzbänken waren die Rettungswesten für 6 Personen sowie das bereits genannte Echolot untergebracht.

Eine Holztreppe führte von dort in den ersten Stock. Dort gab es einen Wohnraum mit offener Küche, Ein Schlafzimmer und ein Bad. Satellitenfernsehen (82er Bildröhre!) mit 176 Programmen war vorhanden. Ich hatte eigentlich nicht erwartet, in Norwegen TV Algerie empfangen zu können. Ebenfalls konnte man von dort den Wintergarten betreten, der gleichzeitig als Speisezimmer fungierte. Eingerichtet war alles, welch Überraschung, im nordischen Stil. Man konnte fast meinen, der Inneneinrichter hat ein Faible für jenes skandinavische Möbelhaus, dessen erste Silbe nach einem spitzen Ensetzensschrei klingt und deren zweite Silbe nach einer seltenen neuseeländischen Papageienart benannt wurde. Es hat alles super gepasst und man konnte sich da so richtig wohl fühlen. In der Küche hat es an nichts gefehlt. Porzellan, Gläser und Besteck für 12 Personen, Kaffeemaschine, Heisswasserkocher, Dunstabzugshaube, Kühl-/Gefrierkombination, Umluftherd mit Cerankochfeld und, wichtig für die mitreisende Dame, eine Geschirrspülmaschine. Sonst müsste die einem Angler Angetraute ja im Urlaub ständig selbst Spü....AUA. Sorry für den kleinen Exkurs, Caren kam gerade vorbei, schaute mir über die Schulter und las den letzten und nun für immer unvollendeten Satz.

Nur die Töpfe sollten mal runderneuert werden. Irgend jemand hatte die gußeisernen Töpfe wohl in der Spülmaschine gereinigt. Die sahen nicht mehr toll aus. Und auch die beschichteten Töpfe waren durch intensiven Gebrauch metallener Gegenstände reichlich malträtiert. Da konnte man(n) den wahren Küchen-Experten erkennen. War bestimmt eine Frau (AUA AUA "Nein Schatz, wird nicht wieder vorkommen. Bestimmt nicht") Äh, Caren kam gerade nochmals vorbei. Der zweite Stock bestand aus einem Bad und zwei weiteren Schlafzimmern. Alle Schlafzimmer hatten ein Doppelbett und, oh Wunder, einen richtigen Schrank. Übrigens, das Haus ist ein Nichtraucherhaus und daran haben wir uns auch gehalten.

Die Aussenterasse war auch sehr schön angelegt und mit Gartenmöbeln für 8 Personen versehen. Nur das Grundstück an sich. Olav hatte schon am Vortag zugegeben, daß er im letzten Jahr froh war, daß der Bau fertig war. Und er leider bislang keine Lust hatte, die ganzen Baustellenutensilien vom Grundstück zu entfernen. Naja, kein toller Anblick, aber wie es sich zeigte, sind wir eh immer morgens aufgebrochen und erst gegen Abend zurückgekehrt. Und da wird es ja bekanntlich dunkel und man sieht nichts mehr. Ausserdem hatte das Zeug auch Vorteile, von denen sowohl Caren, als auch ich profitierten. Beim Rundgang durch die Hütte fiel mir auch das Gästebuch in die Hände. In der Hoffnung, dort etwas über das Angeln zu erfahren, blätterte ich dieses bei einer letzten Tasse Kaffee und einer Zigarette durch. Sehr viele Einträge waren logischerweise noch nicht vorhanden. Jedoch die vorhandenen waren sehr aufschlussreich. Ich zitiere aus dem Gästebuch:

* "Ausser Makrelen haben wir leider nichts gefangen..."

* "Auch wenn uns das Anglerglück nicht hold war..."

* "Vielen Dank für die Vermittlung der Hochseefahrt. Auch wenn kaum etwas gefangen wurde, so war es doch ein schönes Tag."

* "Wir hatten einen kapitalen Dorsch von 70cm."

* ...

Mein Röcheln ob dieser Aussichten lies Caren zunächst erblassen. Sie war zumindest jedoch beruhigt, als ich zum Telefon griff und gleich Olav anrief, um mich nach der Hochseefahrt zu erkundigen, die mein Interesse geweckt hatte. Um es vorweg zu nehmen, ich habe diese Fahrt nicht mitgemacht. Der Fischer verlangte von den Teilnehmern (Mindestzahl 6) pro Stunde NOK 400,-- (das sind umgerechnet knappe schlappe 57 Euro!!!). Pro Person!!! Anscheinend stammte er aus einer alten Freibeuterdynastie, der er jetzt zumindest ein halblegales Image verpassen wollte. Soll er nur, allerdings habe ich ihm diese Imagekampagne nicht finanziert.
 
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So, der Kaffee war nun alle, der Aschenbecher voll, der Tag noch jung und die Sonne bahnte sich langsam aber stetig ihren Weg durch die dicken Wolken. Wir machen uns angelfein und wollten das Revier mal ein wenig mit dem Boot erkundigen und auch mal einen Pilker baden. Flugs das ganze Gerödel ins Auto gepackt und ab zur Marina. Die Sachen im Boot verstaut und hurtig den Motor mit dem Seilzug gestartet, der auch schon 20 Minuten später ansprang, sodaß ich in meinen Schwimmoverall schwitzte wie ein Tier und los ging es. Was haben wir daraus gelernt?

  1.  Bei diesem Motor niemals nicht den Choke ziehen, da säuft er gnadenlos ab. Später zeigte sich, daß er beim Starten spätestens nach 2. Ziehen willig ansprang (ohne Choke).   
  2.  Ausserdem wusste ich nun, daß mein Overall dicht war; es lief kein Tropfen Schweiß raus. Und die Sonne hatte eine erstaunliche Kraft, wenn sie sich einmal ihren Weg durch die Wolken gebahnt hatte.   


Nach intensivem Studium der Seekarte fuhren wir den Storsundet entlang und entschlossen uns, unser Glück bei den Stellen bei der Insel Heroy zu versuchen. Eigentlich habe ich mich dazu entschlossen, da Caren noch niemals zuvor geangelt hatte (Man merke sich diese Aussage! Sie wird im weiteren Verlauf noch eine Rolle spielen) und von daher ob der Platzwahl ziemlich anspruchslos war. Die nächsten 3 Stunden verbrachten wir in der Tat beim Pilker baden. Es ging aber auch rein gar nichts. Doch halt, ein Biss. Die Rute bog sich, die Bremse kreischte- leider nicht. Ich schätze das Gewicht meines Gegners auf ein gutes Pfund und hatte damit, wie sich beim Anblick des Kuckuckslippfisches zeigte, noch ziemlich dick aufgetragen. Also suchten wir einen anderen Hot Spot auf.

hardanger_feb_01.jpg


hardanger_feb_02.jpg


Der hatte es aber dann so richtig in sich: Gleich beim ersten Ablassen beide einen Hänger. Also lösen und Boot etwas verlegen. Ablassen und kurze Zeit später gemeinsam Sch.... brüllen. Ihr könnt Euch denken warum. Also lösen und Boot verlegen. Diesmal etwas mehr. Ablassen, diesmal alleine, weil Caren keine Lust mehr hatte und Augenblicke später den Norwegern in Intensivkurs in deutschen Sprachgut geben: "Verdammte ranzige Hottentotten sch.... Ich Idi....Das gbt´s doch gar nicht...wie kann ich denn nur so blöd sein usw." Jetzt wisst Ihr sicher, warum. Nun hatte ich selber nach insgesamt guten 45 Minuten Tauziehen mit dem Meeresgrund die Lust verloren. War ja auch der erste Tag, ich wollte auch nur das Revier erst mal betrachten und Caren sollte nicht gleich zu Anfang jegliche Lust verlieren. Also ab zum Hafen. Dazu kam noch daß ich in dem schwimmenden Bratschlauch fast gar war. Auf der Heimfahrt sah ich etwas sehr interessantes, was meine Aufmerksamkeit erregte und ich beschloß,

  a)  dem ganzen auf den Grund zu gehen   
  b)  und den Bericht demnächst fortzusetzen.   


Zurück im Hafen das Boot vertäut, das ganze Gerödel wieder ins Auto und wieder ab zum Haus. Dort das ganze wieder in das Kaminzimmer gelegt und die leichte 40gr. Rute gegriffen. Meine Frau wollte mich an diesem Tag nach den bisherigen aufregenden Angelerlebnissen nicht mehr begleiten. Nun gut, eine Uhrzeit war schnell vereinbart, damit auch pünktlich das Abendessen auf dem Tisch stehen konnte (Exkurs: Hehe, Caren ist gerade zum Einkaufen weg. Und bis sie wieder kommt, ist dieser Teil schon veröffentlicht). Motor gestartet und 51 Sekunden später war ich unten auf dem Holzverladeplatz. Da herrschten mittlerweile Zustände wie auf einem Kutter. Dicht an dicht und Fisch auf Fisch. Makrelen über Makrelen, aber was für welche. Daß dort gut Fisch gefangen wurde habe ich ja auch vom Boot aus schon gesehen, ,aber mit so etwas habe ich nicht gerechnet. Ganze am Ende der Anlage fand ich dann noch ein Plätzchen wo auch ich mich dem zu erwartenden Fischsegen entgegenstemmen konnte. Twisterkopf angeknotet, den schwarz-roten Twisterschwanz draufgeschoben und voller Hoffnung gen Wasser gebracht.

Eine Stunde später nach etlichen Köderwechseln war ich immer noch voll- voll Panik, dass ich nichts fangen würde. Mittlerweile hatte ich die ganze Palette durch und war wieder bei der Ausgangsmontage angelangt. Da gesellte sich ein Norweger zu mir, der mir erst einmal zeigte, wie groß Pollacks eigentlich werden können.

Sein erster Wurf: Großer Fisch.

Sein zweiter Wurf: Ein noch größerer Fisch

Sein vierter Wurf: Die bislang größte Makrele, die ich je gesehen habe.

Ich behielt aber die Nerven und brach nicht in Tränen aus. Kurze Zeit später war es dann soweit: Er hatte was richtig großes dran. Er drillte den Fisch aus, wusste aber nicht direkt wie er den Fisch hochbringen sollte, da mittlerweile der Ebbstrom eingesetzt hatte und der Wasserstand doch ganz schön zurück gegangen war. Aus seinem Kofferraum ragte ein Kescher heraus, den ich dann holte. Um den Fisch zu keschern, legte ich mich flach auf den Boden und mit langgestrecktem Arm konnte ich den Fisch erreichen und ihm helfen den Fisch zu landen. Er fand dies ganz nett und so kamen wir ins Gespräch. Er nahm sich auch meiner bis dato absoluten Erfolglosigkeit kann und zeigte mir, wie ich den Twister führen musste, damit es auch mit dem Fisch klappt: schwereren Kopf , lange sinken lassen und dann ruckartig die Rute soweit wie möglich immer wieder zurückreissen und dazwischen mit affenartiger Geschwindigkeit einkurbeln. So konnte ich noch an diesem Abend innerhalb kürzester Zeit 3 Pollacks überlisten. Diese hatten eine Länge von 2x75cm und 1x 74 cm. Dazu kamen noch ein paar Makrelen, die sich auch plötzlich für den Twister interessierten.

Ein Blick auf die Uhr zeigte mir, daß es nun Zeit war, zu meiner mich liebenden Angetrauten zu fahren und das Abendessen zu geniessen. Dort angekommen stellte ich zweierlei fest. Zum einen gab es keinen Filetierplatz und zum anderen hatte die Aussenbeleuchtung die Lichtstärke eines Teelichts. Somit blieb nur eines übrig: Ich baute mit in Eigeninitiative einen eigenen Filetierplatz. Zunächst erst einmal eine stärkere Birne in die Fassung gedreht und dann das vorhandene Material nutzen. Das Haus hatte so eine Art Schieferdach und von diesem Zeug lagen noch einige Stapel herum. Eine große Steinplatte wurde dann zum Filetierplatz ehrenhalber ernannt, welcher noch einige Arbeit bekommen sollte. In diesem Moment war ich recht froh, daß das Baustellengerümpel noch da lag. Ohne dieses hätte ich entweder die Küche nutzen oder auf den Knien liegend filetieren müssen. Der Abend schloß dann nach getaner Arbeit mit einem Bierchen und einem guten Schluck edler Destillierkunst.

Was mir aber in der Hektik des Filetierens entgangen war, war die Tatsache, dass mir ein paar Abfälle unbemerkt zu Boden gefallen waren. Diesen unerwarteten Happen fraßen ein paar sog. Norwegische Waldkatzen, die uns dann am nächsten Morgen mit erwartungsvollen Blicken begrüßten. Meine Frau war begeistert, da sie ein absoluter Katzenfan ist. Ausserdem ist sie selber Besitzer eines norwegischen Waldkaters. Es handelte sich dort um 3 Junge mit ihrer Mutter sich täglich bei uns sehen liessen. Man kam aber nicht näher als 2 m an sie heran. Caren hatte Ihre Katzen und ich meine Fische. So dachte ich zumindest damals noch.



Karlheinz Symanowsky



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