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Eingefahren?????Abgefahren!!!!!!!

Man hat sein Hausgewässer, die dort vorkommenden Fischarten und die darauf abgestimmten Angelmethoden. Nichts wird dem Zufall überlassen, man geht raus, wenn man die besten Bedingungen hat, so dass man auch mit den entsprechenden Fängen rechnen kann. Anders im Angelurlaub, wo einem nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung steht und man schon deshalb so gut wie immer am Wasser zu finden ist - Egal ob die Bedingungen stimmen oder nicht. Vor dem Fernseher kann man ja auch zu Hause sitzen.

Zander fängt man mit Kunstködern, die man tief und langsam führt, Barsche verführt man mit lebhaften kleinen Ködern, Hechte mit großen Ködern im Mittelwasser oder an der Oberfläche, Karpfen und Schleien lieben die ruhigeren Gewässerabschnitte, auf Rotaugen muss man anfüttern, Forellen in Bächen sind schnurscheu, Boilies sind ein selektiver Karpfenköder, das Grundblei sollte so leicht wie möglich sein, Rapfen fängt man mit schnell geführten Ködern an der Oberfläche........

Es gibt vieles, über das wir gar nicht mehr nachdenken, sondern es einfach als gegeben hinnehmen. In den Angelzeitschriften wird über eine neue (und/oder alte, wieder gefundene) Methode berichtet, viele Angler nehmen sich dies zu Herzen. So wird auf einmal auf Karpfen von vielen Anglern mit der gleichen, soeben veröffentlichten Methode gefischt. Kein Wunder, das dann auch viele Fische mit dieser Methode gefangen werden.

Die Frage für mich ist immer: Werden sie gefangen weil die neue/alte Methode so gut ist, oder weil viele Angler gerade mit dieser Methode angeln???

Ein weiteres Beispiel:

Auf einem Angelkutter an der Ostsee wird auf den ersten Driften nichts gefangen. Die Angler schauen was die Kollegen als Köder und Beifänger montiert haben. Da, der erste Angler drillt. Gebissen hat der Dorsch auf den schwarzen Beifänger. Noch passiert nichts weiter, aber als der Kollege schnell den nächsten Dorsch fängt, fangen die ersten anderen an, auch schwarze Beifänger zu montieren - und fangen auch ihre Dorsche. In kürzester Zeit montieren nun fast alle Angler schwarze Beifänger.

Abends beim Bierchen lässt man dann den Tag Revue passieren. Und oft kann man hören: Außer schwarze Beifänger ging heute kein anderen Köder. Da stellt sich mir doch gleich die rage: Wie auch, wenn fast niemand mehr mit anderen Farben fischte?? Lag es nun an der Farbe der Beifänger, dass die Dorsche bissen, oder driftete der Kutter einfach über eine fängige Stelle und andere Farben hätten auch gefangen (wenn denn einer damit gefischt hätte??). Oder lag es vielleicht sogar nur daran, dass man mit dem neuen, jetzt schwarzen Beifänger wieder konzentrierter angelte und deswegen die Bisse auf einmal wieder mitbekam??

Selbstverständlich ist es sicher richtig, wenn man an seinem Hausgewässer zu den entsprechenden Zeiten die erprobten Methoden einsetzt. Warum aber viele Angler zu Hause bleiben, wenn die äußeren Umstände nicht stimmen, statt einfach mal was anderes auszuprobieren ist doch eine interessante Frage.

So habe ich zum Beispiel beim Zanderblinkern mit dem 40 - Gramm - Effzett im Fluss, also auch tief und langsam geführt, im Winter schon mehrmals Rapfen gefangen. Die schienen sich um die Anglerweisheit, dass man Rapfen auf hoch und schnell geführte Köder zu fangen hat, keinen Deut zu kümmern.

Auch Karpfen hatte ich schon oft mitten in der Strömung gefangen, obwohl direkt nebenan das schönste, ruhige Kehrwasser war - weil ich es eigentlich auf Barben abgesehen hatte.

Wie oft fing ich unterhalb eines Futterplatzes, den ein Kollege schon mehrere Tage anfütterte dies schöneren Karpfen als der Kollege direkt am Futterplatz. Wie oft schon fing ich Zander - gerade im Winter, an der Oberfläche, statt wie empfohlen am Grund. Und wie oft erhielt ich Bisse, wenn ich einen Spinner, der sich beim Wurf verhakt hatte, einfach schnell einkurbelte, statt wie gewünscht langsam am Grund rotieren ließ.

Und ich bin mir sicher, dass es vielen von Euch genauso geht. Sind wir da einfach zu eingefahren, zu wenig experimentierfreudig???

Man kennt ja an seinem Hausgewässer auch die Hot Spots, wo die Fische zu bestimmten Zeiten fast mit Sicherheit zu fangen sind. Das beschränkt sich ja aber immer auf wenige optimale Tage im Jahr. Fressen die Fische etwas in der übrigen Zeit nichts?? Fast könnte man es glauben, da man unter nicht optimalen Bedingungen auch an den Hotspots keine Bisse erhält.

Oder angeln wir nur zu dieser Zeit am falschen Platz mit der falschen Methode??? Gerade beim Spinnfischen ist mir dies oft aufgefallen. Man will Zander angeln gehen, hat die entsprechenden Blinker, Spinner und Gummiköder dabei und klappert nacheinander die bekannten Hotspots ab, immer schön dicht und langsam am Grund geführt. Und wieder mal einer dieser Tage, an denen einfach nichts zu gehen scheint. Beim nächsten Wurf verheddert sich der Bleikopfspinner, man holt einfach schnell wieder ein, um ihn wieder klar zu machen und wieder weiterangeln zu können. Mitten im Fluss in der Strömung furcht der Spinner auf dem schnellen Weg zurück zum Ufer an der Oberfläche, als es plötzlich schwallt und gleichzeitig ein Ruck durch die Rute fährt. Und ich einen Zander, wenn auch gerade nur massig, fangen kann.

Der nächste Wurf, mit dem nun entwirrten Spinner geht also versuchsweise noch mal mit schnellem Zug an der Oberfläche statt am Grund. Nix, und die nächsten 10 Würfe auch nix. Also wieder wie gewohnt am Grund weiterangeln, war eben wahrscheinlich ein einzelner Zander, der sich da an die Oberfläche verirrt hatte. Und nun kams, wie es kommen musste. Wieder verhedderte sich der Bleikopf mit dem Spinner, wieder schnell einholen und wieder ein Zander, etwas größer, aber er ist mir beim Landen doch glatt wieder abhanden gekommen.

Nun wollte ich es aber wissen. Nun drehe ich den Bleikopf so um den Spinner, wie es eben manchmal beim Werfen passiert und zog den Spinner immer schön schnell und dicht unter der Wasserrobefläche. Und siehe da, tatsächlich konnte ich noch 4 weitere Zander landen.

Im Winter steht der Barsch tief an Spundwänden oder an den Steinschüttungen. Man kann sie dort gut mit kleinen Twistern, schön lebhaft am Grund gezupft, fangen. Dazu genügt ja feinstes Gerät, macht einen Heidenspaß der zudem im Erfolgsfalle mit äußerst wohlschmeckenden Filets ergänzt wird. Das Wetter passte, Hochdruck, Sonne, Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt und das schon seit 5 Tagen. Eigentlich bei mir im Fluss ein Garant für eine ausgiebige Mahlzeit an schönen Barschen. Also nix wie los zu den Stellen, wo ich unter diesen Bedingungen immer gefangen hatte.

Ihr könnts Euch denken, wieder mal nix. Statt dessen sah ich ca. 200 Meter unterhalb in einem Kehrwasser mal kurz Wasser aufspritzen, danach immer wieder mal Unruhe. Naja, können Rapfen sein, die da jagen. Da die Barsche eh nicht wollen, packte ich ein und wollte eben ein paar der Rapfen fangen. Um nicht zu nahe an die Stelle rangehen zu müssen, montierte ich ein 15 Gramm - Kugelblei, dahinter einen Einzehhaken mit einem Twister dran,. Diese Montage konnte ich weit werfen und schnell an der Oberfläche einholen, wie es die Rapfen mögen. Während des Montierens sah ich immer wieder Unruhe an der Wasseroberfläche, kein richtiges Platschen, aber immer wieder sah man an der Wasserbewegung, dass da Fische unterwegs sein mussten.

Na also, das musste doch klappen. Aber Pustekuchen, selbst nach 30 oder 40 Würfen kein einziger Biss oder gar Nachläufer. Puste war das Stichwort, erst mal eine Zigarette drehen. Ich warf noch aus, quer zu Strom, schloss den Rollenbügel und ließ den Köder einfach mit zwischen die Beine geklemmter Rute absinken und Richtung Kehrwasser ans Ufer treiben. Normalerweise reicht die Zeit, die der Köder braucht, um ins Kehrwasser zu kommen gerade aus, damit die Zigarette fertig ist. Diesmal nicht. Kurz vor der Stromkante gab es einen Schlag in der Rute - aber der Fisch hing nicht.

Nun wollte ich das natürlich wissen. Also erst mal die Zigarette angezündet, dann aber der gleiche Wurf und statt einholen wie vorher wieder das abtreiben lassen. Ich hatte etwas zu weit geworfen, der Köder trieb also unterhalb der Stele an der ich den ersten Biss bekam, an die Stromkante. Dennoch wieder ein Schlag in der Rute, und wieder blieb der Fisch nicht hängen. Die Viecher waren also da (ich ging noch immer von Rapfen aus), sie bissen auch auf den Köder, bleiben aber nicht hängen. Was tun?? Den Köder verkleinern, so dass sie hoffentlich beim nächsten Biss hängen blieben.
 
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Und so war es dann auch - wenngleich der Drill für die vermuteten Rapfen doch deutlich untypisch ausfiel und zudem das Gewicht mit Sicherheit nicht einmal dem Durchschnittgewicht der bei uns vorkommenden Rapfen nahe kam. Konnte es auch nicht, denn es war einer der Barsche, die eigentlich am Barsch Spot weiter oben fangen wollte. Na gut, dann eben hier. Ummontiert auf kleine Twister, um sie wie oben und zu der Jahreszeit üblich schön am Grund tanzen lassen zu können - und ich bekam keinen einzigen Biss!!. Nur wenn man den Köder im Mittelwasser auf die Stromkante zutreiben ließ, bissen die Barsche.

Ein ähnliches Erlebnis hatte ich auch schon beim Fliegenfischen auf Döbel. Die man normalerweise dort immer mit Nassfliegen, Hauptsache schwarz, buschig und nicht zu klein beim raustreiben aus dem Hauptstrom ins Kehrwasser fangen kann. Und auch schöne Brocken dabei von über 3 Pfund. So stand ich mit der Wathose im Fluss und servierte ein ums andere Mal schön wie gewünscht - ohne einen Biss zu bekommen. Auch hier war wieder Zeit für eine Zigarette, wieder wurde die Rute zwischen die Beine geklemmt, während ich die Zigarette drehte. Aus dem Augenwinkel beobachtete ich das abtreiben des Köders, wieder ohne Biss, und die Schwimmschnur trieb nun ins Kehrwasser, wo sie sich langsam streckte und zur Ruhe kam. Nun sollte bei "ruhender" Fliege ja eigentlich kein Biss mehr kommen, also konnte ich mir jetzt die Zigarette auch anzünden. Kaum loderte die Flamme auf, als ich schon einen Schlag in der Rute merkte, der Fisch hing nicht.

Na gut, stehen die Fische halt im Kehrwasser, also direkt anwerfen und die Fliege zuerst absinken und ruhen lassen und dann langsam einzupfen. Gedacht, getan, aber kein Biss. Erst als ich wieder wie vorher die Fliege im Strom servierte und ins Kehrwasser abtreiben ließ, kam wieder Biss, nachdem die Fliege am Grund zur Ruhe gekommen war. Ein schöner, knapp 2 Pfund schwerer Döbel, nahm in dem Moment die Fliege, da ich darauf vorbereitet war, saß auch der Anhieb und ich konnte den Fisch landen. Und danach noch drei weitere der gleichen Kategorie.

Die Frage ist doch bei solchen Erlebnissen, was lernen wir daraus??? Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, einfach scheinbar "widersinnige" Sachen immer wieder auszuprobieren. Meist natürlich an Tagen, an denen man sonst nicht angeln gehen würde, weil die Bedingungen eigentlich nicht passen. Aber auch an den Tagen wo alles passt und ich schnell meine Fische hatte. Ich fischte ab er nicht nur mit "widersinnigen" Methoden, sondern auch vermehrt an Plätzen, die eigentlich nicht zu den Hot Spots zählen. Und lernte so meinen Fluss immer besser kennen. Lernte neue Plätze zu schätzen, neue Taktiken und Methoden, neue Köder und hatte so insgesamt viel mehr von meinem Hausfluss.

Selbstverständlich wird der, der immer zur geeigneten Zeit die Hot Spots mit den meist erfolgreichen Methoden befischt, seine Fische fangen. Aber inzwischen würde mir etwas fehlen, würde ich nicht experimentieren. Zu oft habe ich schöne Fische an bisher noch nicht von mir beangelten Plätzen mit eigentlich unüblichen Methoden gefangen. Und der "Jagdtrieb" ist meist eher "befriedigt", wenn man abseits des üblichen auch Erfolg hat. Aus diesen Erfolgen sollte man aber nicht einfach "generelle" neue Methoden/Taktiken kreieren, wie es die Angelzeitschriften immer gerne tun. Sondern sie als das nehmen, was sie sind: Eine Bereicherung der Angelerlebnisse.

Thomas Finkbeiner




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