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Malediven November 2005
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| Unsere Gruppe: Robert (Dorschrobby) / Kai (Sailfisch) / Andreas (Big White) |
Vorlauf
Bereits im Februar war ich zum Fischen auf den Malediven. Ich hatte mich einer Reisegruppe mit insgesamt acht Personen angeschlossen. Leider ging bei dieser Reise nicht alles glatt. Menschliche und angeltechnische Defizite bei einigen Mitreisenden ließen die Reise nur bedingt zu einem Erfolg werden. Der angestrebte "Sättigungseffekt" nach einem Big Game Trip wollte sich danach nicht einstellen. Im Gegenteil, bereits unmittelbar nach der Reise diskutiere ich mit Robert und Andreas, beides Mitreisende bei dem Februartrip, das riesige Potential der Fischerei auf den Malediven. Wir waren uns einig, daß wir die vorhandenen Möglichkeiten noch nicht einmal annähernd ausgereizt haben.
Binnen kürzester Zeit läuft alles darauf hinaus noch mal auf die Malediven zu fliegen. Diesmal aber nur zu dritt, um den angesprochenen Problemen vorzubeugen. Schließlich nehme ich Kontakt zu Martin Joswig, Inhaber des First Reisebüro St. Wendel auf, welcher sich auf derlei Angelreisen spezialisiert hat. Wir werden uns schnell einig. Martin ist nicht nur ein perfekter Organisator solcher Trips, er kennt auch jede Angelmethode, das dazugehörige Material etc. Manchmal macht einem seine Detailkenntnis schon fast Angst. Da kommt man sich ja wie der totale Trottel vor. Er ist wohl nicht umsonst der erste zertifizierte IGFA-Captain in Deutschland. Auch von einigen Clubkollegen im Big Game Fishing Club Deutschland, namentlich Joachim Volz und Jürgen Oeder, erhalte ich wertvolle Tips und Anregungen. Im Übrigen ein Schnack hier, ein Telefonat da und eine Email dort, die Infos werden immer mehr. Nicht zuletzt können wir von unseren eigenen Erfahrungen von der Februarreise partizipieren. Im Übrigen ist Andreas ein absoluter Big Game Crack. Seine Materialsammlung – ich spreche immer vom Big Game Museum Bremen – ist schwer beeindruckend, wie auch sein Fachwissen. Robert eifert dem nach und hat sich übers Jahr hinweg eine stattliche Ausrüstung an Lures, Ruten und Rollen zugelegt. Ich bin da eher der Amateur unter den Profis.
Die erste Hiobsbotschaft erreicht uns als wir die Flüge buchen. Im Winter fliegt Condor nicht – wie erwartet – von Frankfurt, sondern von München. Damit verlängert sich der Anreiseweg doch beträchtlich. Wir sind aber auf Condor angewiesen, weil wir ansonsten nicht die 30 kg zusätzliche Freigepäck erhalten, welches Martin Joswig seinen Condorkunden zur Verfügung stellen kann. Wir diskutieren die Anreise, Bahn? Gepäck vorausschicken und Bahn? oder Auto? Bei näherem Überlegen verbleibt nur die Lösung mit dem Auto anzureisen. Das Gepäck ist anderweitig nicht transportabel. Andreas (Bremen) kommt bei mir (Kassel) vorbei und wir fahren gemeinsam nach München. Robert kommt von Heidelberg dazu. Beim Einchecken dann gespannte Gesichter. Wir sind uns darüber im klaren, daß wir unsere Freigepäckgrenzen von insgesamt 150 kg noch weit überschritten haben. Tatsächlich dürften wir bei über 200 kg gelegen haben. Die freundliche Condormitarbeiterin beim Einchecken kommt auf 8 kg Übergepäck. Die Rutenrohre wiegen vermeintlich zwischen 2,5 kg und 4 kg. Tatsächlich sollte das Gewicht wohl beim Vierfachen gelegen haben. Dankbar für die kleine Ungenauigkeit bezahlen wir die Übergepäckgebühr gleich auch für den Rückflug. Um 20:20 Uhr starten wir pünktlich gen Malediven!
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| Im Landeanflug |
Angekommen im Reich der Sonne
Um 9:40 Uhr Ortszeit landen wir in Male. Der Himmel ist bewölkt. Mit dem Wetter steht und fällt der Urlaub. Es ist bekannt, daß der November mit zu den regenreichsten Monaten auf den Malediven gehört. Er steht aber am Ende, hinter September und Oktober. Ich hatte gehofft, daß Ende November der Regen nachläßt. Mohamed der Bootseigner holt uns am Flughafen ab. Mit einem Wassertaxi fahren wir Richtung Hafen in Male, wo uns die Mashibaru, unser Dhoni, erwartet.
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| Flughafen und die Hauptinsel aus der Luft |
Der Kapitän, Ibrahim, und der Maat, Mohamed, sind uns bereits vom Februar her noch bekannt. Shameoon, der 2. Maat, und der Koch, Salim, sind uns bis dato noch unbekannt, wir verstehen uns aber sogleich gut mit "den Neuen", insbesondere der Koch wird den gesamten Trip über zu einer absoluten Stimmungskanone, auch sein hervorragendes Essen hat nachhaltig zur guten Stimmung die gesamte Zeit über beigetragen.
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| Immer ein reich gedeckter Tisch mit leckerem Essen, dafür war Salim der Garant! |
Wir wollen noch einige Popper im Angelgeschäft in Male kaufen, wo man sie günstiger bekommt als anderswo auf der Welt. Leider macht das Geschäft Freitags erst gegen 14 Uhr auf, so daß wir warten müssen. Wir überbrücken die Zeit, in dem wir unser Material auspacken und die Ruten montieren. Es gibt einiges zu tun. Zu allem Überfluß regnet es; mir kommen erste Zweifel ob die Wahl des Zeitpunktes die richtige war.
Schließlich kaufen Robert und ich noch einige zusätzlich Popper, während Andreas sich weiterhin der Montage der Ruten widmet. Gegen 17 Uhr verlassen wir den Hafen. Wir übernachten zwischen den Atollen. Beim Nachtfischen mit "Chicken" fängt Andreas den ersten kleinen Grouper unseres Trips. Auf Grund von Regen brechen wir aber das Nachtfischen frühzeitig ab. Meine Wetterbedenken verstärken sich. Allerdings waren wir auch hundemüde.
Um 6 Uhr am nächsten Morgen wird der Anker gelichtet. Strahlender Sonnenschein, in mir kommt Hoffnung bezüglich des Wetters auf. Zwischen den Atollen schleppen wir große Oberflächenlures, Moltcraft und Ilander. Bis zum Mittag zeigt sich kein Fisch (von den fliegenden Fischen mal abgesehen). Kurz vor dem Mittagessen sichten wir zwei aus dem Wasser ragende Flossen. Zunächst gehen wir davon aus, daß es sich um zwei Sailfische handelt. Als wir näher darauf zufahren, erkennen wir, daß es sich um einen größeren Hai (genaue Art nicht erkennbar) handelt. Interesse an unseren Ködern hat er nicht. Was angesichts fehlender Stahlvorfächer auch besser für uns war.
Gegen 12:30 Uhr machen wir unseren ersten Poppinghalt. Die 20 cm langen und 115 g schweren Popper werden mit Ruten zwischen 2,60 und 3 m über die Riffkante geworfen. Größte Stationärrollen werden benötigt, deren Schnurfassung mindest 250 m geflochtener Schnur mit einer Tragkraft von über 20 kg betragen sollte. In der knallen Sonne ist das Popperfischen wohl eine der anstrengendsten Arten des ultraharten Spinnfischens. Während das Dhoni parallel zur Riffkante fährt, werden die Popper immer wieder über diese geworfen, um sodann so schnell wie möglich wieder eingekurbelt zu werden. Bereits nach dem 2. Wurf treibt es einem den Schweiß auf die Stirn. Spätestens beim 10. Wurf kommen dann erste Zweifel, "Wofür eigentlich die ganze Schinderei?" Wenn aber dann der erst Giant Trevally den Popper attackiert, dann weiß man wieder wofür. Die Einschläge der GT´s sind gewaltig. Kann ein Fisch gehakt werden, so reißt er von der mit ca. 3 – 5 kg vorjustierten Rolle die Schnur herunter, als ob jemand den Freilauf eingeschaltet
hätte. Von Hand aus bekommt man kaum noch Schnur von der Rolle, die Fische scheint das wenig zu stören.
Robert muß dieses Mal nicht bis zum 10. Wurf warten, bereits beim 3. Wurf wird sein Popper von einem GT attackiert. Zum ersten mal hören wir das Kreischen der Rolle, das Adrenalin schießt durch die Adern. Nach hartem Drill landet Robert den ersten GT unserer Reise, 13 kg! Glückwunsch dazu!
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| Robert mit schönem "EröffnungsGT" |
Kurz darauf ist auch meine Rute krumm! Langsam bekommt man wieder ein Gefühl für die Stärke dieser Fische, welche mit heimischen Fischen nicht vergleichbar sind. Auch Andreas kann seinen ersten GT bei diesem Halt landen. Schlußendlich landen Robert und ich bei diesem ersten Popperhalt jeweils drei GT, Andreas einen.
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| Ich mit einem schönen GT |
Erste Trollingerfolge
Nachdem wir die Trollinglures wieder ausgelegt haben, informiert uns Ibrahim darüber, daß er mit einem anderen Boot, was sich in dem Gebiet befindet wo wir hinwollen, Kontakt aufgenommen hat. Es seien reichlich Sails vorhanden und das Popperfischen sei Spitze! In Anbetracht dessen, daß wir im Frühjahr nur 2 Sailstrikes hatten, bin ich eher skeptisch und verbuche die Nachricht unter "Aufbaumeldung", schließlich haben wir bereits über acht Stunden geschleppt und noch keinen Biß gehabt! Zwei Stunden schleppen wir weiter, bevor wir unser Zielgebiet erreichen, Bisse weiter Fehlanzeige!
Ibrahim erklärt, wir mögen jetzt auf Saillures umstellen. Salim der Koch geht mit einem Fernglas bewaffnet aufs Oberdeck, auch der Rest der Crew hält Ausschau nach Sails. Dann vermelden sie erste Sailsichtungen. Ich habe noch nichts gesehen, Andreas und Robert geht es ähnlich. Wir stehen am Heck des Bootes und betrachten unsere Lures, welche in V-Formation geschleppt werden. Plötzlich ruft Robert: "Da, da zwischen den Lures, da ist was!" im selben Augenblick erkennen ich die Heckflosse eines Sails die das Wasser durchschneidet. Nur Sekundenbruchteile später heult Andreas 30iger Tiagra zum ersten mal auf.
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| springender Sail |
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| Einer unserer Sails kurz vor der Landung! |
Anschlag gesetzt, der Fisch ist gehakt. Drei, vier Mal schraubt sich der Sail aus dem Wasser, leider gelingt es ihm den Haken wieder abzuschütteln. Nun geht es Schlag auf Schlag, Strike auf Strike. Robert verliert den zweiten Sail, kurz danach verliert Andreas seinen 2. Sail. Schließlich gelingt es mir den ersten Sail auf die Planken zu legen. Mit 32 kg ein ordentliches Exemplar.
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| Der erste Sail unseres Törns! |
Kurze Zeit danach kann Robert seinen ersten Sail im Leben überlisten. Mit 30 kg ein sehr guter "Einstiegssail"! Spektakulär war der Fang insofern, als daß Robert den Biß nicht beim Schleppen bekommen hat, sondern als er den Köder einziehen wollte, um Platz zu machen für einen anderen Biß.
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| Roberts Sail! Unser zweiter Streich! |
Gegen 16:30 Uhr Poppern wir noch einmal. Bis auf einen Biß tut sich allerdings nichts. Gleichwohl sind wir hochzufrieden. Vier Strikes und zwei Sails gelandet, Anglerherz was willst Du mehr! Abends werden die Bremsen justiert und neue Köder geriggt. Die Stimmung ist hervorragend.
Fazit: Ein genialer Tag, in Anbetracht der Erfahrungen vom Februar kann ich mir kaum vorstellen, daß es noch besser werden kann.
Wahoo-Point
Gegen 6:30 Uhr beginnen wir mit dem Trolling. Wir wollen versuchen, daß auch Andreas einen Sail landen kann. Wir sehen einige Sails springen, sie interessieren sich aber nicht für unsere Lures. Wir laufen ab, um einen guten Popperplatz anzufahren. Wir schleppen dabei drei Wobbler und zwei Oberflächenlures. Wir sind noch nicht lange unterwegs, da kreischt die erste Multi. Andreas kann einen 9,5 kg schweren Wahoo landen.
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| Andreas mit einem ordentlichen Wahoo! |
Es soll nicht der letzte unseres Trips gewesen sein. Kurz danach, Biß auf den außen laufenden Wobbler. Andreas geht ran und hat sofort gewaltigen Widerstand. Noch während er drillt, Biß auf den Oberflächenlure, ich übernehme. Bremse zum Bremspunkt hochgeschoben, den Fisch interessiert das nicht, er zieht unvermindert ab. Leider verlieren wir beide Fsiche im Drill. Wenig später ein gewaltiger Biß an meiner 30iger Tiagra. Für ca. 10 sec heult die Rolle auf und ein Fisch nimmt gewaltig Schnur. Noch bevor wir die Rute greifen können ist alles vorbei, abgerissen. Ibrahim und Salim berichten übereinstimmend einen Marlinstrike gesichtet zu haben. Verdammte Sch...
Ich begebe mich nach vorne, um diese Zeilen zu schreiben. Am Heck, Strike, Robert drill, weiterer Strike, Andreas übernimmt, ich begebe mich nach hinten, um den dritten Strike zu übernehmen. Alle drei im Drill, einfach genial.
Bei Andreas reißt die Hauptschnur. Wie sich später herausstellt war mein Fisch in seine Schnur gezogen. Das ist zwar ärgerlich, kann aber passieren. Robert kann einen 10,5 kg schweren Wahoo landen. Mein Gegner setzt sich immer weiter ab, der Bremspunkt interessiert ihn nicht. Nach ca. 5 Minuten habe ich den Fisch gestoppt und beginne langsam Schnur zurück zu gewinnen. Nach weiteren 15 Minuten hartem Drill verliere ich den Fisch. Es könnte ein Thunfisch oder ein großer GT gewesen sein. Zu Gesicht haben wir ihn leider nicht bekommen.
Nach kurzer Weiterfahrt Dreier-Strike! An diesem Punkt ist wirklich was los. Robert und Ich können jeweils einen Wahoo landen (8 + 9,5 kg).
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| Robert und ich mit zwei schönen Wahoos! |
Bei Andreas geht der Fisch nach 10 Minuten Drill verloren. Der Haken hat sich aufgebogen. Darf nicht passieren, kommt aber trotzdem vor.
Ich will die Statistik weiterschreiben, dies ist aber nicht möglich. Hinten Fünfer-Strike, sprich alle Ruten krumm.
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| Drei Mann bei einem Drill! |
Zwei Bisse gehen verloren; im Ergebnis werden drei Wahoo gelandet, Robert 9 Kg, Andreas 8 Kg und meiner hat stolze 14 Kg.
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| Erfolgreiche Wahoojäger! |
Ibrahim sichtet einen größeren Fisch an Steuerbord, wir umkreisen ihn. Kurze Zeit später erkennen wir einen schönen Sail. Er schwimmt parallel zum Boot. Dann taucht er ab und attackiert unseren in der Mitte laufenden Lure. Er kann aber nicht richtig gehakt werden.
Nächster Strike, Andreas legt eine ca. 20 g schwere Mülltüte auf die Planken. Wir fahren jetzt weiter zur Popperstelle. Neben einigen GT´s fängt Andreas den ersten Red Snapper unserer Tour. Mein Popper wurde von einem Hai angegriffen. Ein gewaltiger Schwall und ein schwarzer Schatten ist aber alles, was ich erkennen kann. Nicht so die erfahrene Crew, die den Angreifer zielsicher als Hai identifiziert.
Beim anschließenden Trolling erhalten wir noch einen starken Biß, vermutlich ein Thun. Weiterhin wird noch ein Sail gesichtet, der die Köder attackiert aber nicht gehakt werden kann.
Abends gibt es ein leckeres Mahl, Wahoo und Red Snapper satt! Fazit: Der Tag war mindestens genauso gut wie der Vortag. Die Stimmung ist weiterhin bestens.
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| Die Crew mit einigen unserer Wahoos! |
Weitere Highlights
Es würde den Umfang dieses Berichtes sprengen, wenn die "Tagebuchform" fortgesetzt werden würde. Im Übrigen wäre es auch für den Leser einen Tortur, weshalb ich Euch an dieser Stelle (nur) noch einige Highlights unseres Trips schildern möchte.
Zu förderst sind dabei unsere Thunfischfänge zu nennen.
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| Thunfische bringen das Wasser zum Kochen |
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| So sehen zufriedene Fänger aus! |
Wir hatten gehofft, daß einige Schwärme von Yellowfins vor Ort seien. Unsere Hoffnungen wurden belohnt. Wie kann man sich das jetzt genau vorstellen, Fischen auf Thunfisch? Grundsätzlich gibt es verschiedene Möglichkeiten den guten und ausdauernden Kämpfern nachzustellen. So kann man versuchen die Thuns beim Schleppen zu erwischen. Bei Gewichten über 30 kg bleibt einem im Übrigen auch kaum etwas anderes übrig als das Trollingmaterial zu verwenden. Uns schwebte indessen eine andere Art des Fisches vor! Wir wollten die Fische mit unserem starken Spinngerät direkt anwerfen. Der Adrenalinschub, den man erhält wenn die Thuns in Wurfweite des Bootes kommen ist unbeschreiblich. Aber eins nach dem anderen. Man sichtet die Thune über weitere Entfernung wenn sie an der Oberfläche jagen. Die Fische sind dann in einem wahren Freßrausch. Ein Indikator für solche Ansammlungen von Thunfischen sind Vögel, welche über dem Schwarm kreisen, um auch den ein oder anderen Happen abzubekommen. Die Größe der an der Oberfläche sichtbaren Schwärme geht von wenigen Quadratmetern bis hin zu riesigen Schulen. Wenn man eine solche Schule entdeckt hat, dann fährt man mit dem Boot darauf zu. Dafür ist das Dhoni, welches wir verwendet haben, mit einer Höchstgeschwindigkeit von knapp unter 10 kn nicht die Optimallösung, aber wie die folgenden Ausführungen zeigen, es geht auch. Teilweise tauchen die Fische, bevor man herankommt. Dafür kann es mehrer Gründe geben, z.B. können die Köderfische, auf die es die Thuns abgesehen haben, verschwinden oder zu Ende sein, aber auch Scheu vor dem herannahendem Boot kann eine Rolle spielen.
Als wir den ersten Schwarm in Wurfweite haben, ist mein Adrenalinspiegel nahe am Siedepunkt. Ich werfe meinen Popper in Richtung springender Thune und kurbele wie ein Weltmeister, aber warum bewegt sich dieser verdammte Popper nicht. Nach kurzer Zeit stelle ich fest, daß der Bügel noch offen ist (muß bei großen Stationärrollen von Hand umgelegt werden). Ich war einfach zu aufgeregt. Bis ich es gemerkt hatte waren die Thune außer Reichweite. Der innere Ärger über das eigene Versagen ist groß, insbesondere weil man nicht zwingend damit rechnen kann, daß noch mal Thune in Wurfweite komme. So tauchen auch einige Schwärme jeweils kurz bevor wir dran sind ab. Das ist äußerst frustrierend, insbesondere dann, wenn man schon einmal dran war und sich nur zu dämlich angestellt hat.
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| Ein Yellowfin kurz vor der Landung! |
Doch plötzlich taucht eine kleinere Schule direkt neben unserem Boot auf. Wir hatten uns gerade gesetzt und wollten einen Kaffee trinken; blitzschnell wird zu den Ruten gegriffen. Roberts Popper ist als erstes im Schwarm. Keine zwei Kurbelumdrehungen später ist das angenehme Geräusch einer kreischenden Bremse zu vernehmen. Ich stehe 3 m neben ihm und werfe meinen Popper in die gleiche Richtung. Mein Popper kommt mitten im Schwarm an. Noch bevor ich den Bügel umlegen kann, hat ein Yellowfin im Freßrausch meinen Popper inhaliert. Der Ritt beginnt. In einem Affenzahn saust der Thun in die Tiefe, die gleiche Erfahrung macht Robert. Zunächst befürchte ich, daß ich ihn nicht halten kann. Doch nach den ersten 50m heruntergerissener Schnur wird der Gegner spürbar langsamer. Ich kann die ersten Meter Schnur zurückgewinnen. Im Drill gewinnt der Yellowfin aber immer wieder einige Meter zurück. Letztlich gehen Robert und ich aber als Sieger aus dem Kampf hervor. Beide landen wir einen Yellowfin von jeweils 9 kg.
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| Robert und ich mit unseren beiden ersten Yellowfins! |
An Board herrscht riesige Freude. Auch Andreas, der bis dato noch keinen fangen konnte, ist begeistert.
Nach kurzer Suche treffen wir auf eine neue Schule. Wir versuchen es dieses Mal nicht mit Poppern, sondern mit kleinen Pilkern. Der erste Wurf in den Schwarm bringt mir einige Anfasser, richtig haken kann ich aber keinen. Doch der nächste Anwurf bringt mehr Erfolg. Der Pilker ist noch nicht richtig im Wasser, da ist die Rute krumm. Gleiches bei Robert und Andreas. An diesem Tag fangen wir fünf Yellowfins à 9 Kg. Diese Art der Fischerei ist das beste was ich bis dato in meinem Anglerdasein erlebt habe.
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| Eine schöne Strecke! |
An einem anderen Tag sichtet Robert eine Schule Yellowfins noch hinter dem Horizont. Weiß der Geier wie er das gemacht hat. Als er sie erblickt hat konnte ich sie kaum mit dem Fernglas erkennen. Als wir uns dem Schwarm nähern stellen wir fest, daß diese Thune deutlich größer sind als die erstgefangenen. Dem ohnehin schon hohen Puls gibt das den Rest. Das Anwerfen mit Pilkern bleibt ohne Erfolg. Zwei Mal ziehe ich meinen kleinen Pilker durch den Schwarm ohne auch nur einen Anfasser zu haben. Wir wechseln zurück zum Popper. Schließlich ist es Andreas, der den ersten Biß erhält. Er kämpft sich nach hinten, während der Fisch Meter um Meter Schnur von der Rolle reißt. Auch ich habe einen starken Biß. Während des ersten Runs reißt aber meine Hauptschnur. Die Schule taucht ab, Andreas steht am Heck und drillt seinen zweiten Yellwofin des Trips. Der Fisch steht ca. 50 m unter dem Boot und läßt sich kaum bewegen. Andreas flucht. Doch dann gelingt es ihm, den Fisch langsam aber sicher nach oben zu pumpen. Als der Fischgelandet ist, ist die Freude riesig, 18 kg!!!
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| Andreas hält die Rute, während der 18 kg Yellowfin abzieht |
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| Andreas mit seinem 18 kg Yellowfin, Reschpeckt! |
Laut Aussage von Ibrahim, unserem Skipper, war der bis dato größte Yellowfin am Spingerät ein 7,5 kg schwerer, wir haben den Rekord also gleich zwei Mal gebrochen.
Neben diesem absoluten Highlight unserer Reise ist noch auf die weiteren Erfolge beim Popping einzugehen. Ungefähr bei Halbzeit unseres Trips eröffnen wir der Crew, wir würden gerne auch mal einige Red Snapper beim Poppern fangen wollen. Bis dato hatte Andreas diesbezüglich nur einen Zufallstreffer landen können. Beim abendlichen Plausch mit dem Koch hatte dieser aber erklärt, er kenne einige sehr gute Stellen, wo man gut Red Snapper fangen kann. Am nächsten Morgen sagte Ibrahim dann, daß wir nunmehr zu dieser Stelle aufbrechen würden. Als wir gegen 13 Uhr dieses Tages immer noch keinen Fisch gefangen hatten – gepoppt hatten wir bis dato nicht und beim Trolling lief absolut gar nichts, nada – kamen mir die ersten Zweifel. Gegen 14 Uhr erreichten wir dann ein langes Riff und begannen mit dem Poppern. Wir sollten etwas langsamer eindrehen, dann würden die Chancen auf Red Snapper steigen. In der Tat kamen wir zu einem tollen Popperrevier. Bereits nach ein, zwei Würfen hatte jeder einen GT am Haken.
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| Robert und ich mit schönen GT´s. In der Mitte Salim die Stimmungsrakete! |
Die Zweifel weichen, wenngleich auch noch kein Red Snapper in Sicht war. Schließlich ist es Andreas, der den ersten Red Snapper bei "Red Snapper Island" fängt. Ibrahim hatte recht, wenn man mit vollem Speed weiterkurbelt, so haben die Red Snapper Mühe den Köder zu fassen. Im kristallklaren Wasser erkennt man bereits bei der Attacke, wenn ein Red Snapper angreift, so daß man dann die Geschwindigkeit reduzieren kann. Teilweise attackieren mehrere Red Snapper den Popper, dann kann man das Kurbeln gänzlich einstellen. Der Futterneid ist so groß, daß einer der Angreifer den Popper nimmt.
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| Einige unserer Red Snapper |
Einmal sind einige Red Snapper Andreas Popper bis unmittelbar vors Boot gefolgt. Ca. 10 m vorher hat Andreas dann aufgehört zu kurbeln. Einer der Red Snapper hat dann den Popper aus dem Wasser geköpft, in der Art eines dressierten Delphins, der einen Ball aus dem Wasser schubst. Wir haben herzhaft gelacht über diese filmreife Einlage.
Neben den Red Snappern hatte Ibrahim auch "größere" GT angekündigt. Wie so oft sollte er recht behalten.
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| Robert und die Crew mit dem größten GT unserer Reise, 18 kg! |
Insbesondere am Ende der Riffe würden die Großen stehen. Bei einem der letzten Würfe am Ende eines Riffs wurden Roberts und mein Popper, die beide parallel liefen, dann auch von zwei großen GT´s attackiert. Der meinen Popper attackierende kam von der Seite regelrecht angeflogen, verfehlte aber leider den Drilling. Robert bekam kurz Kontakt, verlor den Fisch aber kurz darauf wieder.
Neben den GT und Red Snapper Attacken wurden unsere Popper an diesem Riff zwei Mal von Sail´s angegriffen. Zunächst war es Robert, der verdutzt aus der Wäsche guckte, als er erkannte wer da sein Gegner war. Beim zweiten mal schaute ich nicht minder überrascht, als nach einer Attacke ein großer schwarzer Schatten ca. ein Meter versetzt meinem Popper folgte, der sich bei genauem Hinsehen als Sail herausstellte. Beide konnten nicht gehakt werden, leider.
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| Robert und ich mit zwei brauchbaren GT´s! |
An anderer Stelle hat ein Baracuda meinen Popper attackiert. Der erste Run war gewaltig, die Ratsche kreischte auf. Die Geschwindigkeit läßt die GT´s alt aussehen. Allerdings ist der Baracuda erheblich schneller ausgedrillt als ein GT. Dummerweise geht der Fisch beim gaffen verloren, insbesondere deshalb bedauerlich, weil es der einzige unserer Reise war.
Andreas gelingt es noch einen 8,55 kg schweren Rainbowrunner beim Poppern zu überlisten. Wirklich ein statthafte Leistung.
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| Andreas mit seinem stolzen Rainbowrunner! |
Den einzigen weiteren Rainbowrunner der an Bord kommt wird von mir gelandet, er hat satte 2,5 kg! Doch bevor ich ihn fotografieren konnte, da hatte ihn die Crew schon angeködert und als Bait verwendet. Kurze Zeit später erhalten wir einen guten Biß darauf. Zum ersten mal greift Ibrahim ein. Wie von der Tarantel gestochen stürzt er zur Rute und schlägt an. Eine großer Sail schraubt sich aus dem Wasser und spuckt den Rainbowrunner wieder aus. Da hätte es noch einiger Geduld bedurft, Ibrahim erkennt das selbst.
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| Andreas mit ordentlichem GT! |
Ein lustiges Anekdötchen zum Abschluß: Am letzten Tag Poppern Andreas und ich uns schon die Hände wund, als Robert uns nur zuschaut. Nach ca. 5 Minuten rafft sich der alte Badenser dann doch auf, bestückt sein Rute, wirft und fängt. Andreas und ich waren kurz davor ihn über Bord zu werfen. Schließlich hatten wir noch nicht mal eine Attacke bis dahin. Wir konnten aber trotzdem über die Situation lachen.
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| Robert mit "schönem" GT! |
Insgesamt bleibt festzuhalten: Es war eine tolle Reise mit den richtigen Leuten. Nur die Gesamtumstände, sprich Wetter, Crew, Fische und Harmonie innerhalb der Gruppe, können einen solchen Trip so erfolgreich machen. Wir hatten viel Spaß und sind alle gut erholt. Insbesondere sind wir nach diesem Trip satt, wenngleich der nächste bereits in Planung ist.
Ein gut gemeinter Rat zum Abschluß: Sofern Ihr auch mal einen solchen Trip vorhabt, indem Ihr für längere Zeit mit einigen Leuten auf einem Boot zusammen auskommen müßt, so sucht Euch Eure Mitreisende gut aus. Hört Euch vorher um, was über etwaige Mitreisende/Veranstalter bekannt ist. Auch bei mir hats erst beim zweiten mal richtig hingehauen.
Tight lines, Euer
Kai Jendrusch
alias
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