Fischen mit System
In den letzten Jahren hat sich das Angeln mit Gummifischen und Twistern sehr stark entwickelt. Viele Angler fangen inzwischen ihre Hechte ,Barsche und Zander auf Gummi. Dadurch sind viele Gewässer regelrecht "gummiverseucht", so dass hier die Raubfische sehr misstrauisch gegenüber Kunstködern geworden sind und sich entsprechend schwer fangen lassen. In meinen Stammgewässern in Ostfriesland hält sich die "Gummibelastung" zwar noch in Grenzen, aber dennoch habe ich in der letzten Saison sehr oft das Drachkovitch-System auf meinen Lieblingsfisch, den Zander, eingesetzt. Und das mit großem Erfolg.
Das Drachkovitch - System, entwickelt vom Franzosen Albert Drachkovitch, verbindet die Vorzüge des Spinnfischens mit den natürlichen Reizen des Köderfisches. Das System besteht aus einer Körperklammer, die durch das Maul in die Leibeshöhle des Köderfisches eingeführt wird und sich dort verankert. Außerdem wird der Kopfbereich des Fisches mit Kupferdraht umwickelt ,den man vorher durch dessen Kopf sticht. Das Ganze wird mit einem oder zwei Drillingen, die beliebig befestigt werden können, komplettiert. Ein wichtiges Merkmal bei diesem System ist das Gelenk. Ein Spaltblei wird auf einer länglichen Edelstahlklammer befestigt, die wiederum zuvor in die Öse der Körperklammer eingehängt wird. Schlägt das Blei jetzt auf dem Gewässergrund auf, kippt der Köderfisch zur Seite, was einen unwiderstehlich Reiz bei jedem Raubfisch auslöst.
Die Führung des Drachkovitch-Systems kann dabei sehr variabel gestaltet werden. Klassisch ist das Zupfen des Systems, hierbei wird der Köderfisch mit kurzen, harten Schlägen über den Gewässergrund geführt. Dabei entwickelt das Gelenk seine Eigendynamik, die bei gefühlvoller Führung zu Überschlägen des Köders führt. Dieses erreicht man, wenn nach einem harten Schlag mit der Rute sofort ein vorsichtiger Zupfer aus dem Handgelenk folgt. Der Köderfisch sollte danach eine kleine Pause am Gewässergrund machen, bevor er wieder bewegt wird.
Aber auch sanftes Jiggen führt häufig zum Erfolg, besonders im Winter, wenn eher eine langsame Köderführung erforderlich ist. Ich setze das Drachkovitch-System auch oft an Scharkanten in Seen ein. Hier wären allzu große Sprünge des Köderfisches eher von Nachteil, da er dann nicht konsequent den Gewässergrund absucht, sondern lange Zeit durch das Mittelwasser schweben würde. Ich bewege den Köderfisch mit halben oder ganzen Rollenumdrehungen ganz langsam die Scharkante hinunter. Wichtig ist hierbei stetiger Bodenkontakt, Sprünge von etwa 20cm-50cm mit kurzen Pausen sind optimal, im Winter kann es auch ruhig weniger sein.
Die meisten Bisse kommen während der Absinkphase des Köders, aber auch auf den am Boden liegenden Köderfisch habe ich schon Zander gefangen. Das ist der Vorteil der Natürlichkeit, auf einen am Grund liegenden Gummifisch wird kaum ein Zander beißen.
Leider führen viele Fachhändler das Drachkovitch-System nicht und wenn, dann ist es sehr teuer. Deshalb baue ich mir meine Systeme selber, das hat auch den Vorteil, dass ich sie genau auf meine Bedürfnisse abstimmen kann.
Für die Leser des Anglerboardmagazins stelle ich hier eine Bauanleitung zur Verfügung, die natürlich jeder nach seinen Vorstellungen anwenden oder auch verändern kann.
hier das Material, das ich einsetze.
Ich verarbeite in der Regel 1mm Edelstahldraht ,diesen biege ich im ersten Schritt um einen Nagel oder einem 4mm Bohrer wie auf dem Bild gezeigt.
Das kurze Drahtende wird wie Abgebildet gebogen, vorher wird noch ein Sprengring in die entstehende Öse gehängt. Die Größe des Sprengrings bleibt dabei jedem selber überlassen. Ich nehme meistens 8 mm Ringe. Jetzt wird das Drahtende mit einer Flachzange sauber um den Schenkel gebogen, zwei bis vier Wicklungen sind völlig ausreichend. Zum Gegenhalten sollte eine weitere Zange oder ein Schraubstock benutzt werden, der Draht wird dabei an der Öse eingespannt .Einfacher geht es wenn man den zu verbiegenden Drahtbereich mit einer kleinen Flamme heiß macht. Er lässt sich dann sehr leicht verbiegen. Aber Vorsichtig: den Draht erst abkühlen, bevor man ihn wieder anfasst.
Mit einem Seitenschneider wird der überstehenden Rest des Drahtes abgekniffen.
Jetzt wird der Draht so in der Mitte gebogen, dass das federnde Außenteil etwa 1cm kürzer als die Klammerlänge ist. Der letzte Zentimeter wird nochmals mit der Flachzange leicht nach außen abgewinkelt.
Im nächsten Schritt werden die Drillinge angebracht. Auch hier darf und soll variiert werden. Ich nehme für Köfis unter 10cm meistens nur einen Drilling der Größe 6, bei größeren Köderfischen montiere ich zwei Drillinge. Zur Befestigung nehme ich Sevenstrand, das ich mit Quetschhülsen verarbeitete. Wie gesagt, das Material, der Abstand der Drillinge und die Drillingsgröße können hier frei gewählt und auf die jeweiligen Verhältnisse abgestimmt werden. Wichtig für die Beweglichkeit des Systems ist ,dass das Sevenstrand mit dem Drilling an der Öse und NICHT am Sprengring befestigt wird.
Ein Stück Kupferdraht wird an der Öse des Drahtes angebunden. Ich nehme hierfür mindestens 20cm Kupferdraht der höchstens 0,5 mm dick ist. Besonders kleine Köderfische werden durch einen dicken ,steifen Draht schnell beschädigt. Gut geeignet ist der Kupferdraht aus Klingelleitungen oder Telefonleitungen. Es gilt: je dünner desto besser.
Ein Rat noch zur Köderbefestigung: Wenn der Draht wie oft empfohlen im Kiemenbereich eingestochen wird, reißt dort das Fleisch schnell ein und der Köderfisch ist nicht mehr einsatzfähig. Besser ist es, wenn der Kupferdraht durch den Kopf gestochen und dieser auch umwickelt wird.
Aus einem kleinen Stück Edelstahldraht biege ich mir eine solche Klammer. Auf Ihr wird später das Spaltblei befestigt.
Die Klammer wird wie auf dem Bild gezeigt in den Sprengring eingehängt .
Mit einem kleinen Hammer und einem alten Messer spalte ich die Kugelbleie. Ich lege sie auf einen leicht geöffneten Schraubstock ,setze das Messer mittig an und spalte das Blei mit leichten Hammerschlägen. Aber Vorsicht, nicht das Blei ganz spalten. Auch hier kann das Bleigewicht je nach Einsatzgebiet variiert werden.
Das Spaltblei wird mit einer Zange auf die Klammer gepresst ,so das der offene Teil der Klammer ,innen im Blei liegt .
Schon ist der Drachkovitch-Eigenbau fertig .Ich wünsche Euch viel Spaß und viele Fische damit.
Gruss
Günter Czerlikowski
Anglerboard-Magazin 2003
|