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Bauanleitung für eine Heilbutt-Landungshilfe

("Haliharpoon")

Es gibt wohl kein Seegebiet auf der Welt, in dem mehr Heilbutte von Anglern gefangen werden als die kanadisch/alaskanische Pazifikküste.


Namen wie Kodiak Island, Homer oder Big Spring River- Inlet, um nur drei zu nennen, tauchen immer wieder in der Fachpresse auf.


Es zeigte sich schnell, dass nicht der lange, harte Drill das Hauptproblem beim Fang mit Rute und Rolle ist, sondern die Landung.


Einen, an der Oberfläche tobenden, großen Butt am Gaff zu halten, erwies sich als schwierig, gefährlich bis unmöglich.


Nicht nur Fischverluste durch missglücktes Gaffen, sondern auch, z.T., schwere Verletzungen des Anglers und verwüstete Bootsausrüstungen waren die Folge von Ringkämpfen mit kapitalen Hippos.


Nun waren die Jungs, jenseits des großen Teiches, schon immer pragmatische Menschen, und so wurden alle Halibuts, ab ca. 50lb Gewicht, schlicht und einfach an der Oberfläche erschossen!


Ein Revolver, ein aufgeregter Fischermann, ein mies gelaunter Heilbutt und ein schwankendes Deck harmonieren nicht immer optimal.


So kam es zur "Erfindung" der Heilbutt-Harpune, die so neu nicht war, da die indianischen Tinglit ,- u. Haidastämme seit ein paar tausend Jahren ihre Butte mit Landungs-Harpunen in die Kanus holten.


Wie auch immer, das Ding erwies sich als äußerst effektiv und hat das Schiesseisen fast völlig verdrängt.


Die meisten deutschen Meeresangler verbringen ihren Angelurlaub eher in Norwegen als am nordamerikanischen Pazifik.


Aber auch hier kann man der atlantischen Ausgabe des Großen Bösen Butt begegnen - wenn auch nicht mit Fanggarantie, wie drüben im anderen "Großen Wasser".


Trotzdem bleibt er, neben dem Grönlandhai, der größte, mit Sicherheit der wildeste und stärkste Fisch dem man im Nordmeer begegnen kann (darf)!


Also, warum sollte man nicht gerüstet sein, wenn Petrus lächelt und eine graubraune Tischplatte an der Oberfläche erscheint?


Benötigtes Material

Alle Metallkomponenten sollten aus seewasserbeständigem Stahl bestehen!

  • 1 Rundstab/Stahl Ø 8mm / Lg. 70cm (Harpunenschaft)
  • 1 Rundstab/Stahl Ø 12mm / Lg. 100mm ("fliegende" Spitze)
  • 1 Rundstab/Hartholz Ø ca. 25mm / Lg. 100-150cm (Griffschaft je Körpergr.)
  • 1 Stahlseil Ø 2mm / Lg. 80cm
  • 1 weiches Kunststoffseil Ø ca. 18mm / Lg. ca. 400cm
  • 1 Seilöse oder Ring Ø passend zum Kunststoffseil, mind. 25mm

Werkzeug: Bohrer Ø 4 u. 8mm, Feile, Senker zum Entgraten der Bohrungen, Schmirgelleinen/fein und eine Schleifscheibe für die Bohrmaschine o. ä.

Die "fliegende" Spitze:

In eine Stirnseite des kurzen 12mm Rundstabes eine Bohrung Ø8 x 30 mm setzen und entgraten. Von der gebohrten Seite aus auf 45 mm Länge eine 4 mm Durchgangsbohrung quer zur Längsachse setzen und beidseitig entgraten. Den Sitz der Spitze prüfen! Sie sollte noch auf dem Harpunenschaft halten, aber leicht, mit zwei Fingern abzuziehen sein.


Jetzt die andere Seite scharf anspitzen - fertig.


Harpunen,- u. Griffschaft:

Die Verbindung der beiden Schäfte ist am einfachsten, wenn man eine Werkzeugmaschine (Dreh, -o. Drechselbank) zur Verfügung hat.


Einfach stirnseitig eine ca. 250mm tiefe Bohrung Ø8mm setzen, den Stahlstab mit Schmirgel anrauhen, entfetten und einkleben.


Im Bereich des Sitzes im Griff, den Holzschaft mit zwei Schraubschellen, einem Stück Schrumpfschlauch oder auch ein paar breiten Kabelbindern gegen Aufreißen sichern.


Freihändig mit der Bohrmaschine ist die Bohrung kaum sauber u. axial zu setzen.

Die zweite Version ist etwas aufwendiger, aber ohne Werkzeugmaschine zu machen.


Den Harpunenschaft an einem Ende in einem Schraubstock auf 90° abwinkeln. Das abgewinkelte Ende sollte etwas länger als der Durchmesser des Holzschaftes sein.


Im Griffschaft bei 200mm Länge eine Ø8mm Durchgangsbohrung quer zur Längsachse setzen.


Mit einem halbrunden Stechbeitel o.ä., von der Bohrung aus, eine Nut setzen. Die Tiefe der Nut sollte etwas geringer als der Durchmesser des Stahlstabes sein. Die Breite dem Durchmesser entsprechen.


Das abgewinkelte Ende in die Bohrung stecken, den Stahlschaft in die Nut einpassen, zwei rostfreie, kräftige Schraubschellen drüber - fertig.


So bekommt man übrigens auch Gaffhaken problemlos und "Dickdorschgeeignet" an Holzschäfte. (s. Abb.2)


Abschlussarbeiten:

Jetzt schnappt man sich die Spitze und sucht einen Boots/Schiffsausrüster auf.


Dort erwirbt man das rostfreie Stahlseil und bittet artig darum an einem Ende die Spitze und am anderen die, ebenfalls dort erworbene, Öse in der Werkstatt zu befestigen zu lassen.


Das wird i. d. R. mit schweren Quetschhülsen erledigt, wie man es von den Stahlvorfächern kennt.


Nun wird das Kunststoffseil an die Öse geknotet und fertig.


Man sollte ein weiches, geflochtenes und damit griffiges Seil verwenden.



Abbildung 1 Spitze und Schaft




Abbildung 2 So sollte das Stahlseil befestigt werden




Abbildung 3 Die ganze Harpune mit Seil



Funktionsweise:

Einfach aber genial!


Wenn Hippo endlich an der Oberfläche ist, die Harpunenspitze mit kräftigem Stoß komplett durch den Körper bringen.


Es wird, im allg., der Bereich hinter dem Schädel, rechts oder links der Wirbelsäule empfohlen.


Beim sofortigen Zurückziehen "verliert" der Schaft seine Spitze ("Flying Point"), die sich dann quer unter die Blindseite des Fisches legt.


Halbstarke Butte werden, per Hand, aussenbords an der Oberfläche gehalten. Bei großen Exemplaren wird das Seil einfach an einer Ruderdolle oder einer Ankerseil-Klampe belegt.


Der Butt wird immer erst dann ins Boot geholt, wenn er komplett kapituliert hat!!


Unter http://www.halibut.net/halibut-harpoon-pictureshow.htm kann man sich überzeugen, dass die Sache ausgezeichnet funktioniert.


Viel Spaß beim Basteln und möge sie zum Einsatz kommen!


Torsten Schulz Anglerboard-Magazin 2003


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