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Mitteilungen der DGzRS
Zwei Fischer gerettet: Seenotretter im Großeinsatz vor Kühlungsborn (27.11.03)
Zwei 65 Jahre alte Fischer sind in der Mecklenburger Bucht vor dem Ostseebad Kühlungsborn am Mittwochabend, dem 26. November 2003, kurz nach 20.30 Uhr aus Seenot gerettet worden. Auf dem Trollergrund hatten sie Dorsch, Plattfisch und Heringe gefangen. Bei ablandigem Wind war ihr Boot nach Ausfall des Antriebs in die Ostsee vertrieben worden. Die Besatzung des Seenotrettungsboots WOLTERA der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) fand die zwei Schiffbrüchigen im Rahmen einer groß angelegten Suche, bei der außerdem der Seenotkreuzer ARKONA/Station Warnemünde, Schiffe von Wasserschutzpolizei, Bundesgrenzschutz, der Marine sowie ein SAR-Hubschrauber beteiligt waren. Die beiden aus Bad Doberan stammenden Geretteten wurden um 21.30 Uhr in Kühlungsborn an Land gegeben, wo sie von Angehörigen empfangen wurden.
Die Tochter eines der beiden Fischer hatte gegen 19.00 Uhr die Männer zunächst bei der Polizei als ermisst gemeldet. Die von hier aus alarmierte SEENOTLEITUNG BREMEN informierte eigene Rettungseinheiten, das Küstenwachzentrum und über Funk die gesamte Schifffahrt im Revier. Der Suchverband wurde vom Seenotkreuzer ARKONA koordiniert. Als besonders hilfreich erwies sich angesichts dichter Seenebelfelder der Einsatz eines Nachtsichtgerätes an Bord des Minenjagdboots "Weilheim", mit dem die beiden Vermissten auf einer Position ca. vier Seemeilen (7,5 km) nordwestlich Kühlungsborn aufgespürt wurden.
Das Seenotrettungsboot WOLTERA mit Vormann Rainer Kulack, Lothar Guhlke und Jörg Jäger wurde an den Fundort herangeführt, übernahm die zwei unterkühlten Männer und brachte sie nach Kühlungsborn. Das Fischerboot wurde eingeschleppt. Während der Suche herrschten südöstliche Winde mit Windstärken um vier Beaufort (28 km/h Windgeschwindigkeit); die Wassertemperatur betrug neun Grad.
"Alle Jahre wieder..." oder: Seenotretter kennen keine Feiertage
Die in Gedanken mitgesummte Melodie ruft bei den Besatzungen der Seenotkreuzer und Seenotrettungsboote auf den 54 Stationen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) in Nord- und Ostsee und bei en Wachleitern in der SEENOTLEITUNG BREMEN der DGzRS nicht nur weihnachtliche Gedanken hervor. Sie gehen ihren ganz normalen Wachtörn. Im Advent, Heiligabend, an den Weihnachtsfeiertagen, Silvester und Neujahr.
Natürlich steht da ein kleiner Weihnachtsbaum in der Messe oder wird im Masttop vom Wintersturm geschüttelt. Die Kaffee- oder Teestunde am Nachmittag wird mit Selbstgebackenem "aufgewertet". Immer wieder aber, so bestätigt der Blick in die Einsatzberichte, werden die Seenotretter auch dann zum Einsatz gerufen, wenn gerade die Kerzen angezündet worden sind und einige Augenblicke der Besinnung und Nachdenklichkeit zu ungewohnter Stille m Schiff führen. Wenn da nicht das Rauschen und Knacken der Funkgeräte wäre ...
Zum Beispiel am zweiten Weihnachtstag 2001 ...
... als ein Flugzeug auf dem Flug von Bremerhaven nach Wangerooge in die eser abstürzte. An Bord: Gäste aus dem Binnenland, die zum Jahreswechsel gen Urlaub auf der Nordsee-Insel verbringen wollten und ein junger Koch auf dem Weg zu seiner Arbeitsstätte. In Zusammenarbeit mit zahlreichen anderen Schiffen suchen die Seenotkreuzer HERMANN RUDOLF MEYER und VORMANN STEFFENS nach den Vermissten. Immer wieder erschwert Schneetreiben die Rettungsmaßnahmen; in der Weser bei Bremerhaven werden Wassertemperaturen um 3 Grad gemessen. Am Abend des 26.12.2001 steht fest, dass lediglich eine Frau aus Franken gerettet werden konnte.
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Zum Beispiel am 22. Dezember 1999 ...
... als gleich drei Einheiten der DGzRS-Rettungsflotte in den Einsatz gerufen werden, bei starken Winden aus nordwestlicher Richtung und Temperaturen um den Gefrierpunkt. In Höhe der Schlei-Mündung schleppt das Seenotrettungsboot ARTHUR MENGE von der Station Schleswig ein 20 Meter langes Segelschiff frei, das in einem Eisfeld fest gekommen war. Bei extremem Niedrigwasser wiederum vor der Insel Amrum war die Fähre "Schleswig-Holstein" auf Grund gelaufen.
Dem Seenotkreuzer Eiswette gelingt es, das Schiff in das angestiegene Fahrwasser zu ziehen. Vor Sylt treibt unterdessen ein niederländischer Fischkutter manövrierunfähig in der See, der von dem Seenotkreuzer HANS LÜKEN auf den Haken genommen und in den Schutzhafen eingeschleppt wird.
Zum Beispiel Heiligabend 1997 ...
... als um 5 Uhr in der Frühe die Besatzung des Seenotkreuzers HERMANN HELMS zu einem russischen Frachter in der Elbmündung gerufen wird. An Bord war ein Kind erkrankt, das dringend in ein Krankenhaus an Land gebracht werden musste. Trotz bewegter See gibt es bei der Übernahme des kleinen Patienten und seiner Mutter keine Probleme. Das Weihnachtsfest verbringen beide in ungewohnter Umgebung: im Cuxhavener Krankenhaus.
Zum Beispiel am zweiten Advent-Wochenende 1995 ...
... als "wir von Jade Traffic, der Revierzentrale, Info bekommen" erinnert sich der Vormann: "Fischkutter brennt - sechs Leute an Bord!" Der Seenotkreuzer VORMANN STEFFENS von der Station Hooksiel läuft durch pottendicken Nebel zur angegebenen Position. Die Zeit drängt: An Bord des Havaristen drohen Gasflaschen zu explodieren. Und von See in die Jade einlaufend befindet sich ein Großtanker. Der brennende Kutter treibt manövrierunfähig auf eine Ölpier zu. Im letzten Augenblick kann eine Schleppverbindung hergestellt werden. Die Seenotretter - und die Geretteten - atmen auf. Keiner verletzt, Schaden in Grenzen gehalten.
Zum Beispiel in der Nacht vom 1. auf den 2. Januar 1995 ...
... als der Seenotkreuzer ALFRIED KRUPP von einem Einsatz für einen vermissten niederländischen Kollegen kommend Kurs auf den Heimathafen Borkum nimmt. Im orkanartigen Sturm wird das Boot von mehreren ca. 15 Meter hohen Grundseen erwischt und kentert durch. Zwei Seenotretter der vierköpfigen Besatzung der ALFRIED KRUPP verlieren bei diesem Unglück ihr Leben.
Zum Beispiel am 5. Dezember 1994 ...
... als auf dem Seenotkreuzer VORMANN JANTZEN am Liegeplatz in Warnemünde das Telefon klingelt: "Mein Mann ist noch draußen!" Seine Frau hatte ihn vormittags mit Gästen in einem offenen Fischerboot auslaufen sehen. Später stellt sich heraus, das wegen unsichtigen Wetters und nicht vorhandenem Kompass und Radargerät das Boot den Kurs auf die offene See genommen hatte - dorthin, wo auch die großen Passagierfähren verkehren. Die Seenotretter finden die Vermissten und geben dem verirrten Boot Sicherungsgeleit. Gegen 23.30 Uhr ist der Einsatz beendet.
Zum Beispiel am 29. Dezember 1992 ...
... wandert ein Ehepaar aus Kornwestheim durch das Borkumer Watt, Richtung Seehundsplate. Es ist ungemütlich, nasskalt, diesig. Unbemerkt läuft das Wasser auf - die Flut kommt, und plötzlich sind die Beiden vom Wasser eingeschlossen. Alarm für den Seenotkreuzer ALFRIED KRUPP. Vor Ort wird das flach gehende Tochterboot GLÜCKAUF zu Wasser gelassen. Den Wattwanderern steht das drei Grad kalte Nordseewasser buchstäblich "bis zum Hals". Schnell werden sie von den Rettern aufgenommen und im Bordhospital versorgt.
Zum Beispiel am zweiten Weihnachtstag 1984 ...
... als 20 Seemeilen nordwestlich der ostfriesischen Insel Borkum der Frachter "Blue Spirit" in Brand geraten ist. Die Seenotkreuzer GEORG BREUSING, Station Borkum und WILHELM KAISEN, Station Helgoland, bringen während eines stundenlangen, mühsamen Einsatzes bis in die frühen Morgenstunden immer wieder auflodernde Brände unter Kontrolle. Ein Schiffbrüchiger kommt ums Leben, die übrige Crew des Havaristen ist in Sicherheit. Umweltschäden größeren Ausmaßes können dank des beherzten Eingreifens der Seenotretter vermieden werden.
Zum Beispiel am 1. Weihnachtstag 1968 ...
... als die Besatzung des in Cuxhaven stationierten Seenotkreuzers ARWED EMMINGHAUS bei 8 Windstärken in die Außenelbe laufen muss. Im Sturm ist der Frachter "Njandoma" gestrandet: Grundberührung, Wassereinbruch. Das Schiff muss aufgegeben werden. In zwei Anläufen gelingt es, die Besatzung abzubergen. Schwere Grundseen, stürmisches Wetter, Schneeböen und klirrende Kälte - trotz widrigster Umstände werden 24 Seeleute gerettet.
Zum Beispiel am 23. Dezember 1949 ...
... als kurz nach dem Mittagessen das Motorrettungsboot NORDERNEY um Hilfe gerufen wird. Ein Schleppdampfer ist auf Grund gelaufen. In der hohen Brandung arbeitet der Havarist schwer. Dennoch gelingt es, zunächst 13 Mann und später weitere drei Mann zu retten. Gezeitenwechsel, eisiger Nordost-Wind und diesige Sicht erschweren die Arbeit. Der Einsatzbericht schließt mit den Worten: "Am 26. Dezember morgens war der holländische Schlepper vollkommen unter Wasser und nur der Schornstein und die Masten ragten heraus."
Zum Beispiel am 26. Dezember 1880 ...
... als die Besatzung des Ruderrettungsbootes VEGESACK von der Station Horumersiel zwei Schiffbrüchige in Sicherheit bringt, die von der gestrandeten Tjalk "Freundschaft" in die kalte Nordsee gestürzt waren. Bei stürmischen Wetter und hohen Brechern dauert die Rettungstat über 24 Stunden. Das Rettungsboot wird dabei mehrfach auf die Seite geworfen und setzt hart durch, sodass sieben der acht Seenotretter in die See geschleudert - und gerettet - werden. Der Vormann berichtet später: "Eine mühevollere und gefährlichere Rettungsfahrt ist wohl noch nicht gemacht worden; gerade im Begriff, zwei Menschen zu retten, wären beinahe sieben Mann verloren gewesen."
Ulf Kaak
DGzRS
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