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Fliegenfischen in Südtirol o. Fischen 2.ter Klasse


Nachdem meine bessere Hälfte Ihre Fischerprüfung erfolgreich abgeschlossen hat und die ersten Trockenübungen mit der Fliegenrute ihr bis dato sorgsam gehütetes Talent sichtbar werden ließ, entschlossen wir uns zu einem ersten gemeinsamen Angeltrip an unbekannte Gewässer.

Internet zu Rate gezogen, Google fleißig suchen lassen und so auf die Pension Sonnheim zwischen Bozen und Meran gestoßen. Bekannte Flüsse wie Etsch, Eissack, Passer und Talfer versprachen eine gute Fischerei in traumhafter Lage und die Aussage auf der Homepage des Wirtes versprachen ihr Übriges in Bezug auf Unterkunft und Betreuung - insbesondere in Bezug auf die Fliegenfischerei, mit welcher Werbung betrieben wird.

Die schlappen 800 km waren schnell abgespult und bei herrlichem Wetter kamen wir am Urlaubsort an. Erst einmal ein schönes Hefeweizen und mit der Wirtin nett geplaudert. Die Fischerei im Moment wäre ein wenig schwierig, die Wasserstände sind nicht so toll und die Etsch ist trübe. Na das sollte uns doch nicht schrecken, hat ja keiner was von leichter Fischerei gesagt. Der Wirt war im Moment mit einer Truppe unterwegs zum Fischen, prima, der Service stimmt also. An dieser Stelle sollten wir noch nicht ahnen, dass dieser Service kein Allgemeingut - sondern nur für Auserwählte - zum Einsatz kam, wie so manch andere Dinge auch.

Die Wohnung bezogen und ab in den Ort zum Abendessen. Die Pension bot nur ÜF an, aber das wußten wir vorher und machten bewusst Abstriche in der Unterbringung, da uns der Fischerservice wichtiger war als ein Haus mit allem Drum und Dran. Gut gespeist und getrunken kehrten wir in unser Haus zurück - wo zu unserem Erstaunen eine größere Gruppe von augenscheinlichen Fischern beim Abendessen an einem schön eingedeckten Tisch saß und sich gut unterhielt. Da es sich - genauso augenscheinlich - jedoch um eine geschlossene Gesellschaft handelte, beließen wir es bei einem freundlichen "Grüß Gott" und ich wand mich dem Tresen zu um noch eine Flasche Cola zu erstehen. Die bekam ich; auch wenn mein Gegenüber nicht gerade den Eindruck erweckte, ein Gespräch führen zu wollen - stellte ich mich vor und meine Frage ob er der Wirt sei wurde bejaht. Kenne ich eigentlich andersrum aber andere Länder, andere Sitten. Seis drum, jetzt mußte er - ob er wollte oder nicht. Ja, mit den Fischerkarten machen wir morgen, ja mit den Gewässern auch, ok - dann troll ich mich mal. Lecker Cola (mit lecker Whiskey) und meinen Schatz noch ein wenig beim Kartenspiel betrogen.

Am nächsten Morgen beim Frühstück war die Fischertruppe auch schon auf. Fliegenfischergrößen wie Hans Eiber, bekannt durch mehrere Bücher und andere Fliegenfischer, welche auch nicht ganz unbekannt schienen. Die Gruppe wurde auch rührend umsorgt und mit kleinen Anekdoten durch den Wirt unterhalten, wir bekamen Kaffee.
 
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Mittlerweile beschlich uns das ungute Gefühl, Gäste 2. Klasse zu sein, aber noch weigerten wir uns, diesen unschönen Gedanken zuzulassen. Nach dem Frühstück sollte es dann endlich losgehen. Ursprünglich gingen wir davon aus, dass wir eine Unterweisung für die Gewässer bekommen, evtl. eine kleine Rundfahrt zum Zeigen der Plätze - so kenne ich es von anderen - sogenannten - Fliegenfischer-Häusern. Aber den Zahn hatte er mir schon am Vorabend gezogen, keine Zeit, muß dies und das. Ok - fair enough - welches Gewässer würde er denn empfehlen, die Freundin ist noch Anfänger, vielleicht nicht das Schwerste für den Anfang. Also da lässt er sich zu keiner Aussage verleiten, was ist schon schwierig und was nicht. Dann kommen wir vielleicht im Nachhinein und haben eine andere Auffassung von Schwierigkeitsgraden. Gut, hat er Recht, probieren wir es anders. Welches Gewässer eignet sich denn gut zum Werfen, nicht so viel Bewuchs etc. Also gut, werfen kann man eigentlich überall. Ist nicht so viel Wasser im Moment, kann man gut begehen. Die Etsch ist trüb. Talfer, Passer oder Eissack, oder die Falschauer aber das ist Indianerfischen hoch 3! Aha, wir tasten uns so langsam ran an die Infos. Etsch trüb und Falschauer sehr schwierig. Jetzt bleiben nur noch Passer, Eissack und Talfer. Eissack führt am wenigsten Wasser, Passer oder Talfer - Passer! Bingo !

Schwierige Geburt, wir sind aber auch wirklich nicht einfach. Karten ausgestellt und jetzt könnte es eigentlich losgehen. Wo ist die überhaupt und wo dürfen wir fischen? Kein Problem, findet jeder. Gab bisher erst Einen, der hat es nicht gefunden! Handschriftliche Karte mit dem Weg aufgezeichnet, ca. 10 km fahren bis zu dem Gasthof XXX und dann irgendwo ans Wasser runter. Super - das ist doch mal eine klare Ansage!! So stell ich mir eine fischereiliche Einweisung vor. Fliege oder Nymphe, groß oder klein? Ok - lassen wir das.

Wir haben unser Wasser dann auch gefunden, wurden direkt kontrolliert - hatten noch nicht mal die Wathosen an - aber sehr freundlich. Die Passer ist sehr schön, wenn sie Wasser führt. Mit vielen Rauschen und Zügen. Wenn sie wenig Wasser führt, wie jetzt - dann stehen die Fische in diesen Rauschen, heißt schwere Nymphe oder Streamer und ab in die Tiefe. Hier greift auch diese blödsinnige Regel - Blei verboten! Die Nymphe kann aber ruhig 10 Gramm wiegen? Verstehe wer will. Von diesen Regeln gibt es ja einige, die kein Mensch versteht. Oder zumindest wir nicht. Am Rande bemerkt - für Wasserstand, Wetter etc. kann kein Mensch etwas. Dafür machen wir niemand verantwortlich. Das ist halt Glück oder Pech. Für schlechte oder mangelnde Beratung aber schon.

Mein Schatz hat mich dann das erste Mal verblüfft und es sollten derer noch einige folgen. Mit welcher Beharrlichkeit sie jedes Loch und jeden noch so kleinen Zug befischte - Respekt. Wenn ich 200 Meter abhake war sie immer noch bei den ersten 10 Metern. Und der Erfolg sollte ihr Recht geben. Die erste Mamorata war die ihre, eine schöne von ca. 35 cm, selbst gehakt und releast. Da war jemand mächtig stolz und hatte auch allen Grund dazu. Ich war dann auch noch erfolgreich aber so richtig der Bringer zum Fliegenfischen war es nicht. Gekrönt wurde der Angeltag dann noch mit einem Vollbad meinerseits im kalten Wasser (das erste in meiner Laufbahn) und einer Digicam voll Wasser. Das ist auch der Grund warum ich leider keine Bilder beifügen kann. Das gute Stück hat es nicht überlebt.

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Zurück in der Pension das gewohnte Bild. Der Hans Eiber-Gruppentisch bei Speis und Trank. Die kurze Nachfrage seitens des Wirtes wie es denn war, klang nicht wirklich interessiert und der Rest der Truppe war beschäftigt. War wohl ein Workshop?! Aus vergangenen Reisen - insbesondere in Fischerhäusern - zeigten sich die Wirte immer bemüht, ihre Fischer zusammen zu führen oder Kontakte herzustellen. Das war hier nicht einmal im Ansatz der Fall, wie so vieles andere auch nicht.

Vielleicht hätten wir auch offener auf die Gruppe zugehen müssen, aber ich denke ich habe ein ganz gutes Gespür dafür, wer will und wer nicht. Und hier hatten wir nicht das Gefühl, willkommen zu sein. An unseren Tageserlebnissen war auch niemand sonderlich interessiert und so trollten wir uns zu meinem Whiskey und erneuten Kartenbetrugsabsichten.

Am kommenden Morgen - same Procedure - Anekdoten nach links und Kaffee für uns - die Tageskarten für die Talfer und die handschriftliche Wegbeschreibung. Der Verweis aufs Nymphenfischen mit dem Hinweis das Herr Eiber trotzdem oder gerade wegen der schwierigen Bedingungen trocken fischt und seine Fische fängt - aber das ist halt auch ein Profi! Hat uns der Wirt doch heimlich beobachtet oder woher kannte er unsere Fähigkeiten?!

An der Talfer dann das gleiche Spiel wie an der Passer, wenn auch mit mehr Fischen. Mein Schatz wieder mit einer Beharrlichkeit, schade das die Bilder kaputt sind - sie steht im Wasser wie ein Fischreiher, völlig unbeweglich, den Kopf leicht nach vorne gereckt und die Augen hängen an dem Bißanzeiger wie festgewachsen. Ich glaube wenn ein Grizzly durch das Unterholz krachen würde, sie würde ihn mit einer ärgerlich Handbewegung verscheuchen weil er stört - und er würde sich wahrscheinlich völlig verdaddert trollen.

Bedingt durch unsere Unkenntnis der Strecke und der schlechten Einweisung sowie der teilweise schwierigen Einstiegsmöglichkeiten, haben wir uns an einem schönen Abschnitt an einer Mauer über einen Pfahl nach Feuerwehrmanier nach unten gehangelt und einen Gumpen befischt. Meine bessere Hälfte pirschte sich katzengleich an den Gumpen heran und ich sag noch "mach langsam" da war es auch schon zu spät. Platsch - und heute hatte sie ihr Vollbad. Wir haben dann ca. 20 Minuten über einen Ho-Tschi-Minh Pfad durch tiefstes Dickicht einen Ausstieg gefunden (überall Mauern) und sie hat noch einen heißen Strip am Auto hingelegt. Es kam glücklicherweise zu keinen Auffahrunfällen.

Tag 3 sollte dann die Eissack folgen, Etsch ist unter der Woche immer trüb, aber heute wollten wir uns das gute Stück erst einmal anschauen bevor die Teuros den Besitzer wechseln. Beschreibung wie gehabt, müssen Sie in die Schlucht absteigen und dann irgendwo wieder raus, müssen Sie halt mal schauen! Haben wir - und haben dort nicht gefischt. Dann soll es irgendwo noch einen tollen See geben, da war er auch am Wochenende mit Herrn Eiber, schöne Salmoniden, er kann uns den Weg aufmalen. Jo, danke, nur keine Umstände.

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Wir haben dann einen wirklich wunderschönen Tag in der Altstadt von Bozen verbracht. Ich habe erfolgreich beim Minigolf betrogen, und wir beschlossen das wir unsere knappen Urlaubstage auch woanders verbringen können. Der unschöne Ansatz - Gäste 2.ter Klasse -hatte sich mittlerweile für uns bestätigt. Wir hatten zwar die ganze Woche gebucht aber das Geld war uns jetzt auch egal. Mein Schatz war mittlerweile wirklich sauer ob der Behandlung oder besser Nichtbehandlung und ein Anruf bei meiner Lieblingsadresse an der Weißen Traun war erfolgreich. Ein Zimmer noch frei und fischen können wir auch.

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Gesagt, getan - mußten noch 2 Übernachtungen bezahlen. Gründe für unsere Abreise wurden nicht wirklich hinterfragt, man tat zwar verwundert aber wir denken, dass sie schon wußten wo der Hase begraben liegt. Hatten dann noch ein interessantes Gespräch mit einem Stammgast, welcher unsere Einschätzung voll und ganz bestätigte und für sich selbst weitere Aufenthalte dort in Frage stellt. Er kennt den Wirt recht gut und hat ihm schon einige Male gesagt, dass er so nicht mit neuen Stammgästen rechnen kann. Gerade um die neuen Gäste müßte er sich kümmern und sich etwas Zeit nehmen, die Gewässer sind zu weitläufig und die Zuwege schwierig als das man jemand mit einem Zettel in der Hand einfach los schickt.

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Nun gut - Hans Eiber und Co. hat es mit Sicherheit gut gefallen. Die Betreuung war auch wirklich top. Gibt bestimmt gute Empfehlungen und vielleicht kommt unser Wirt auch ins neue Buch. In unserem Bekanntenkreis gibts mit Sicherheit keine Empfehlung und er kommt auch nur ins Internet. Um Mißverständnissen vorzubeugen. Evtl. handelte es sich bei der Gruppe um H. Eiber wirklich um ein Seminar oder Workshop und die erbrachten Leistungen wie Guiding etc. wurden gesondert bezahlt.

Zitat von unserem Wirt Hr. Pegoretti:
"Als Fliegenfischer und Gastwirt im Tourismusland Südtirol, auf der Sonnenseite der Alpen, möchte ich mein Hobby mit dem Job verbinden! Das geht jedoch nur, wenn viele meiner Gäste zu Fliegenfischern werden, oder besser noch, wenn viele Fliegenfischer meine Gäste werden"

sowie der Auszug aus seiner Homepage:
"Der Wirt, selbst ein begeisterter Fliegenfischer, steht Ihnen mit Rat und Tat bei der Besorgung der Karten und der Auswahl der Gewässer zur Seite."

Das - und nichts anderes - war unser Anspruch, aber dieser Service blieb uns zumindest vorenthalten. Oder er kostet Geld, hat uns aber auch keiner verraten.

Wir haben dann noch drei super schöne Tage an der Traun verbracht, eine fette Regenbogen - 55 cm trocken und zig Fische zwischen 20 + 45cm - auch alle trocken. Die Abende in der Wirtsstube mit Gleichgesinnten, nettes Beisammensein ohne who is who, eine 82 jährige mit ihrem Mann, welche traumhaft werfen konnte und rüstig im Wasser stand - nette Wirtsleute und gutes Bier. Das Leben kann so einfach sein - wenn man nur will. Die Traun sieht uns wieder, Südtirol bestimmt auch - die Pension Sonnheim mit Sicherheit nicht. Wobei ich der guten Ordnung halber erwähnen möchte, ein schönes Haus mit gutem Frühstück und für Nichtfliegenfischer oder für Fischer welche sich dort auskennen bestimmt eine gute Adresse.

Tight Lines
Peter & Esther
(Peter1)



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