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Hardangerfjord 2002-Der wahre Bericht
Nun, wie ist es zu diesem Urlaub gekommen? Letztes Jahr war ich das erste mal im gelobten Land und war überwältigt. Nach kurzer, weil nicht vorhandener Diskussion habe ich gemeinsam mit meiner damaligen Freundin und jetzigen Frau Caren entschieden, daß es 2002 nach Norwegen geht. Nur wohin, daß wußten wir noch nicht.
Anfang July 2001 klinkte Caren sich kurzfristig aus dem Umzug in meine Wohnung aus, weil sie sich kurzerhand das Bein brach. Da Sie dadurch über 3 Monate aus dem Verkehr gezogen wurde und es mit Spaziergängen etwas umständlich war, besorgte ich Ihr kurzerhand mehrere Kilogramm Reiseprospekte und einen Haufen Post-It´s.
Der Auftrag lautete: "Haus aussuchen." Allerdings gab es einige Vorgaben: Boot und Motor mit mind. 10 PS dabei und Fjordnähe. So haben wir uns schließlich und endlich für das Haus Nr. 92 In Rosendal/Uskedal entschieden. Der Anbieter war Mach-Nordferien. Um dem ganzen hier schon einmal vorweg zu greifen. Das Haus war ein Traum. Sehr schön und komplett eingerichtet. Es fehlte dort so gut wie nichts. Eine ausführlichere Beschreibung werde ich in die Reiseanbieterdatenbank einstellen. Zudem werde ich auch noch einige Fotos nach dem Entwickeln dem Fotoalbum zur Verfügung stellen.
Die Reiseunterlagen kamen pünktlich an, hatten aber nicht mein 100% Wohlwollen errungen. Zu einen hatte ich die Fährbuchung vertrauensvoll in die Hände von Mach gelegt. Heraus kam dann eine Kabine ohne alles auf dem Autodeck. Aber das konnten wir dann direkt mit Color-Line noch korrigieren. Das andere, was mich etwas verwundert hatte, war die Anfahrtsbeschreibung. Da wir die Fähre via Oslo gebucht hatten, hatte ich auch erwartet, daß die Beschreibung auch just von diesem Ort ausgeht. Tat sie aber nicht, sondern begann artig in Kristiansand. Aber auch diese Klippe lies sich dank des käuflich erworbenen Autoatlas für Skandinavien sowie eines Routenplaners aus Norwegen relativ leicht umschiffen. Außerdem verlief die Stecke dann ab einem gewissen Punkt dann gleich.
Dermaßen vorbereitet fuhren wir dann am 30.8. gen Norden. Die Fahrt nach Kiel verlief absolut genial. Kein Stau bei Kassel, keinerlei Probleme bei Hannover und ich habe es zum ersten Mal geschafft, vormittags durch den Elbtunnel zu fahren ohne auch nur den Ansatz einer Verkehrsbehinderung zu entdecken. Einziger Wermutstropfen war das kleine Malheur, welches aus einer Kanne Kaffee und einem unglücklichen Zusammenstoß von Caren und mir bei einer kurzen Pause bestand. Jedenfalls habe ich noch nie zuvor gesehen, wie eine Frau sich in einer so kurzen Zeit umziehen konnte.
Jedenfalls hatten wir nach der Ankunft in Kiel somit mehr als genug Zeit, uns die Mitreisenden vor der Fähre zu betrachten. An Bord konnten wir uns dann am Heck zwei Liegestühle sichern und das anthropologische Studium fortsetzen. Zunächst war es erstaunlich und dann nur noch peinlich, wie sich erwachsene Menschen benehmen können. Egal, ob es sich um eine Anglergruppe oder einen Damenkegelclub handelte. Aber lassen wir das. Die Überfahrt verlief bis zum Abend sehr ruhig und wir begnügten uns mit unseren selbst mitgebrachten Speisen. Danach gab es für uns einen Auffrischungskurs in norwegischer Preisgestaltung: Wir suchten den Duty-Free-Shop auf und verliessen diesen auch wieder unbepackt.
Danach war es Zeit, ein wenig an der Matratze zu horchen. Ich muß gestehen, daß ich selten so schlecht geschlafen habe. Mehrfach mein eh lädiertes Knie angeschlagen und an einen tiefen Schlaf war nicht zu denken. Dazu frischte es in der Nacht ganz hübsch auf und auch der Wellengang war deutlich zu spüren. Das fing ja gut an. Von daher waren wir lange vor dem Weckruf auf den Beinen. Und jetzt auf zum Frühstücksbüffet. Vor dem Buffetrestaurant bereits eine Schlange, also ab Richtung á la carte Restaurant, in welchen man ebenfalls ein Frühstücksbüffet attackieren konnte. Und das auch noch zum gleichen günstigen Preis wie im eigentlichen Buffetrestaurant. Ich habe selten erlebt, daß die Bedienung so besorgt um das Wohlergehen der Gäste ist. Damit niemand Gefahr lief, sich an den zubereiteten Speisen die Lippen und den Gaumen zu verbrennen, hatte man wohl vorsorglich Rührei, gebratenen Speck und die Fleischbällchen sorgfältig auskühlen lassen. Aber egal, bezahlt ist bezahlt und der Hunger treibt es rein.
So erreichten wir dann den Oslofjord. Je weiter wir diesen befuhren, desto mehr klarte das Wetter dann auf. Da haben wir aber Glück gehabt. Wenn Engel reisen.....
By the way, wir überholten noch einen italienische Minenräumer, der wohl zu einem Besuch nach Oslo lief. War schon recht amüsant, zu beobachten wie die Jungs dort ihrem Dienst bei Frühsport und Reinschiff versahen. So ein Chaos habe ich noch nie gesehen. Wenn man einen Film dabei gedreht hätte, hätte der Titel nur folgendermaßen lauten können: " Denn Sie wissen nicht, was Sie tun."
Das war aber nicht unser Problem, sondern nun konzentrierten wir uns darauf, da wir so ziemlich zuerst an Bord der "Prinzeß Ragnhild" gefahren waren, eben diese wieder ziemlich zuletzt zu verlassen. Schnell die Durchfahrt mit dem grünen Schild gewählt und dem uns lässig durchwinkenden Zöllner genau lässig (insgeheim aber doch sehr dankbar) zugenickt. Die Blickrichtung wieder geradeaus und was sehen wir: Sowohl die Box mit dem kleinen blauen Rolltor auf der rechten Seite als auch die Box mit dem großen blauen Rolltor auf der linken Seite in der berühmt berüchtigten Garage waren mit PKW´s besetzt, die ein deutsches Kennzeichen trugen. Ich kann es nicht beschwören, aber ich meinte von den Reisenden den einen erkannt zu haben, der kurz nach Beginn der Überfahrt am Vortag partout nicht davon ablassen konnte, auf Deck den reichlichen Genuß alkoholischer Getränke durch Ablegen seiner Bekleidung zu feiern. Wenn Bengel reisen.....
Raus aus dem Hafen und ab auf die E18 nach Drammen. Dort auf die 134 und grobe Richtung Westen eingeschlagen.
Die 134 war für die nächsten Stunden die Strecke, die uns durch anmutige Täler, wilde Karstlandschaften, steile Anstiege und noch steilere Abfahrten führen sollte. Vorbei an größeren Ansiedlungen wie Notodden und unzähligen kleineren Ortschaften, durch grüne Wälder und wilde Flüsse führte unser Weg stetig weiter. Die Fahrt war schon beeindruckend. Vor allen Dingen war kein einziger Starenkasten auszumachen.
Unterwegs rief der Hausbesitzer an und fragte, wie wir so vorankommen und wann mit unserem Eintreffen zu rechnen sei. Schließlich wolle er uns nicht warten lassen. Klang sehr nett und sprach recht gut Deutsch, allerdings mit einem Akzent, den ich damals noch nicht so recht einordnen konnte. Endlich konnten wir die 134 verlassen und uns Richtung Odda bewegen. Das bedeutete, daß der erste Blick auf einen Fjord geworfen werden konnten. Die Straße (13) Richtung Odda ist ja an sich schon nicht besonders breit. Durch Umbaumaßnahmen wird sich künftig ändern. Momentan jedoch schränken die Baumaßnahmen den Fahrspaß doch recht deutlich ein. Auch eine sehr optimistische Fahrweise der entgegen kommenden Einheimischen sorgte für einen hohen Adrenalingehalt im Blut.
Schließlich wurde Odda erreicht und auch zügig passiert. Irgendwie merkte man, daß es Samstag nachmittag war. Die Stadt wirkte beinahe ausgestorben. Lag aber vielleicht auch am Wetter, denn leider hatte es mittlerweile heftig zu regnen angefangen. Vom Regen bekam man am Ende des Folgefonntunnel zunächst nichts mit. Im strahlenden Sonnenschein durften wir unsere 55 NOK für die Passage von 11.150 Metern geballter Tunnelbaukunst entrichten. Ab jetzt führte unser Weg stetig auf der 48 zunächst am Maurangerfjord bis zum unserem Ziel in Uskedal weiter. Diese Straße ist bis Lofallstrand auch sehr interessant zu befahren. Langeweile kommt nicht auf. Aber nicht nur wegen der Streckenführung: Am Fusenbergsfossen führt eine Holzbrücke über das Bett des zu Tale stürzenden Wasser, das praktisch direkt neben der Straße aufkommt. Inzwischen kann man trotz des immer wieder einsetzenden Regens großartige Blicke auf den Hardangerfjord erhaschen.
Schließlich passierten wir Rosendal und nahmen nochmals Kontakt mit Olav, dem Hausbesitzer auf, der uns die letzten Details für die Anfahrt zum Haus beschrieb. Das Ziel lag also greifbar nahe. Kurze Fahrt durch Uskedal und da stand auch schon jemand heftig winkend am Straßenrand, der uns die richtige Einfahrt wies. Wir diese genommen und ein paar Meter weiter stand auch unser Haus. Genau wie im Prospekt, zumindest fast. Doch Caren und ich vereinbarten schnell, erst einmal nicht zu kritisch sein. Schließlich waren wir im Urlaub und den sollten man nicht damit beginnen, dem Hausbesitzer gleich vor den Kopf zu stossen. Außerdem waren wir müde und wenn es regnet, ist es praktisch überall bei der Ankunft erst mal nicht so doll. Was damit gemeint ist, wird von mir später beschrieben.
Jetzt wurden wir erst einmal von Olav sehr freundlich begrüßt und durch das Haus geführt. Hier hatte der Prospekt nicht zuviel versprochen. Das Haus wurde im Mai 2001 das erste mal nach dem Bau vermietet und befand sich dementsprechend in einem sehr guten Zustand. Die Einrichtung war liebevoll zusammengestellt und ließ uns nicht vermissen. Olav übergab uns einige Unterlagen, die er all seinen Gästen zu Verfügung stellt. Unter anderem auch eine laminierte Seekarte des Gebiets. Selber hatte Olav nichts mit Angeln am Hut aber ein Gast hatte auf der Seekarte Markierungen angebracht, die gute Angelstellen markieren sollten. Wir haben dann im Laufe der Zeit etliche dieser Stellen angefahren und ausprobiert. Dabei kam es zu höchst unterschiedlichen Ergebnissen. Doch davon später mehr.Er zeigte uns noch kurz die Rettungswesten und wies uns in den Gebrauch des Echolots ein. Es handelte sich um ein EAGLE FishEasy portable.
Danach sollte es zum Boot gehen. Laut Prospekt sollte das Bootshaus 150m entfernt liegen und deshalb nahmen wir selbstverständlich an, daß wir auch zu Fuß hingehen würden. Auf der Schwelle fragte ich Ihn noch, was das für ein Gebäudekomplex sei, an dem mehrere größere Schiffe lagen und der den direkten Blick auf den Fjord versperrte. Voller Stolz bekamen wir zu hören, daß es sich hierbei um die modernste Fischfabrik Norwegens handelte. So recht darüber freuen konnten wir uns nicht. Ich muß aber sagen, daß seitens der Fabrik keinerlei Geruchsbelästigungen ausgingen. Und da wir nicht nach Norwegen gefahren sind, um den ganzen Tag aus dem Fenster zu sehen, hat uns der Anblick auch nicht weiter gestört. War halt nur der erste Schock. Zielsicher stieg Olav nun mit uns in sein Auto und fuhr los. Erst dachte ich noch, daß er ein bequemer Mensch sei, die kurze Strecke mit dem Auto zu bewältigen. Jedoch ging die Fahrt zurück Richtung Uskedal/Zentrum und dann zum Hafen.
Dort angekommen teilte er uns mit, daß es mit dem Besitzer wegen des Anlegers, wo das Boot in Hausnähe lag Ärger gab und er deshalb den Platz im Hafen angemietet habe. Somit sei der Weg nun etwas länger. Auch gut, statt 150m dann halt etwas über 2km. War ja sowieso mehr ein Familienurlaub denn ein reiner Angelurlaub geplant. Ab dem nächsten Jahr soll dann ein eigener Anleger in der näheren Umgebung des Hauses zur Verfügung stehen. Das Boot erwies sich als gut: Askeladden 535 lite stand auf der Seite. Es war mit einem 10PS (statt der avisierten 15PS) Mariner Motor ausgerüstet und mit einer Selbstlenzanlage ausgerüstet. Der Motor erwies sich aber als völlig ausreichend.

Wenn jetzt einige Kritikpunkte genannt wurden, so geht es uns nicht darum, grundsätzlich zu kritisieren, sondern nur darauf aufmerksam zu machen, daß zwischen Katalog und Realität Diskrepanzen bestehen können. Alle genannten Punkte wirkten sich auf den Erholungswert nicht negativ aus und konnten mit einem C´est la vie und/oder etwas Improvisationsvermögen bereinigt werden. Auf der Rückfahrt bekamen wir noch gezeigt, wo wir laut Olav ganz gut von Ufer aus angeln könnten. Ich habe diesen Holzverladepier erst etwas skeptisch betrachtet, es sollte sich jedoch noch herausstellen, daß diese Auskunft die Untertreibung des Jahres darstellen sollte. Aber jetzt erst mal ins Haus, die Sachen verstauen und sich vorher von Olav verabschieden.
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Karlheinz Symanowsky
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