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Norwegens Schätzchen


Wer zum Angeln nach Norwegen fährt, hat sie sicher schon einmal gesehen oder ist mit ihnen sogar selbst auf den Nordatlantik hinausgefahren: Die alten "Schätzchen" Norwegens! Es sind von Berufsfischern ausgemusterte kleine Dieselkutter aus Holz, die teilweise mit Metallplatten oder Holzausbesserungen verstärkt oder durch Umbauten für neue Nutzungszwecke verändert wurden.

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Viele Jahre fleißigen Fischerbootlebens haben sie bereits auf dem Buckel, doch sind sie immer noch absolut seetüchtig und meistens noch zuverlässig wie eh und je. Nachdem sie den Ansprüchen der einheimischen Fischer an Größe und Ausstattung nicht mehr genügten, wurden und werden sie heute noch an Angelzentren entlang der ganzen norwegischen Küste verkauft. Dort werden sie für ihre neue Bestimmung hergerichtet, anschließend in den Dienst als Selbstfahr-Angelkutter gestellt und an in- und ausländische Angeltouristen vermietet.

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Umbauten sind insoweit erforderlich, um Teile der Fischereigeräte, die noch an Bord übrig geblieben waren (z.B. Langleinen-Rollenstände, Netzwinden, Masten etc.), zu entfernen, eine durchgehende, sichere Reling anzubringen oder allzu große Kajüten zu verkleinern, um mehr Angelplätze und freien Platz an Deck zu erhalten.

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Dabei mutet einem manch ein Kahn schon recht prähistorisch an, wenn die Dieselmotoren dieser kleinen Schiffe teils noch mit Luntenanzünder in Gang gesetzt werden! Doch zumindest diese ganz alten Veteranen verschwinden mit der Zeit tatsächlich nach und nach. Der große Vorteil der alten Kutter liegt in ihrer absoluten Seetüchtigkeit, mit denen kaum ein gleich großes, modernes Sportboot mithalten kann. Auch der sichere Bewegungsraum und die gute Standhaftigkeit in hohen Wellen und unangenehmer Dünung wissen viele zu schätzen.

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Nicht umsonst sind an der norwegischen Küste zahlreiche solcher Boote in reger Nutzung bei der Bootsangelei zu erleben. Dagegen werden in unseren heimatlichen Ostseegefilden mit meist zahmerem Wetter und gemäßigter See fast ausschließlich schnittige Sportboot-Gleiter an angelnde Motorboot-Charterkunden vermietet. Natürlich gibt es auch in Norwegen viele gute GFK-und Alu-Sportboote, doch machen die altehrwürdigen "Diesel-Opas" einen nicht unbeträchtlichen Anteil der in Küstengewässern genutzten Boote aus.

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Es hat schon ein besonderes Flair, in einer in all den Jahren tiefdunkel gewordenen Holzkajüte am wirklich alten Holzsteuerrad zu stehen, den dumpfen, satten Dieselton tuckern zu hören und zu fühlen und seinen Blick über den neben sich stehenden (abgeklemmten) vorsintflutlichen Dieselofen schweifen zu lassen! Diese nostalgischen Dieselöfen mit einem Außenkamin sind eigenartigerweise noch in fast allen diesen Booten vorhanden, vermutlich begründet aus melancholischen Gedanken der jeweiligen Besitzer an die gute alte Zeit. Sieht man die Boote zu Wartungsarbeiten an Land aufgebockt, ist man beeindruckt vom dickbauchigen, breiten und tiefen Verdrängerrumpf. In diesem Augenblick wird dem Betrachter auch die hohe Seetüchtigkeit verständlich.

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Fährt man nach Norwegen und chartert sich solch einen Kahn für ein oder zwei Wochen zum Angeln (immer nur für Tagesfahrten mit abendlicher Rückkehr an den Liegeplatz), sollte man jedoch kein gewienertes Parkett-Bötchen der Jet-Set-Klasse erwarten: Die Norweger haben eine pragmatische Einstellung zu Alltags- und Nutzungsgegenständen. Alles ist zwar meist in Ordnung und "besenrein", aber hier und da holt man sich doch schon einmal ölige Finger an Bord. Wir haben es jedenfalls nicht bereut, unser Leben auf See bereits zum zweiten Mal solch einem "Schätzchen" anzuvertrauen und werden dies auch künftig tun.

Auf die Mitnahme unserer eigenen "Laksos", einem trailerbaren Kajütboot, haben wir aus diesen Gründen einfach verzichtet. Für den hohen zusätzlichen Fährpreis von Kiel nach Oslo konnten wir ebenso gut für zwei Wochen einen solchen Holzkutter in Norwegen mieten und hatten nicht das Problem, ab Oslo noch ein schweres Trailerboot zweimal 650 Kilometer über Norwegens Berge ziehen zu müssen.

Norbert Wiercimok
laksos@anglerboard.de



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