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Test AVET sx 5:1.0, keine Rolle für Anfänger
Ich setze ja schon seit langem gerne Multis auch beim Spinnfischen oder beim leichten Pilken auf der Ostsee ein. Bisher waren das meine „alten“ Abus, teilweise über 20 Jahre alt. Die Vorteile gegenüber Stationärrollen: Auch wenn mal ein paar Meter Schnur fehlen (durch Abrieb, Abriss etc.) verliert man nicht so schnell Wurfweite wie mit der Stationären, man hat einen wesentlich kleineren Schnurbogen beim werfen, da das Ködergewicht beim „abziehen“ die Schnur straffer hält, man kann (beim pilken) sehr schnell und einfach Schnur nachgeben, die meisten Multis haben bessere und robustere Bremsen als Stationärrollen.
Viele Gründe also, die für die Multi sprechen. Bisher waren das bei mir die sogenannten Baitcastmultis mit Schnurführung und Auslösung durch eine Taste an der Seite der Rolle oder mit einem „Heckauslöser“ und einer Sternbremse. Nun bekam ich von Nick Baehr, der die AVET Rollen in Deutschland vertreibt, die SX 5:1.0 zum testen, eine vollkommen anders aufgebaute Rolle. Keine Schnurführung, Schiebe- statt Sternbremse, nichts „oben“ auf der Rolle, was die Arbeit mit Daumen oder Finger behindern könnte, Schnurauslösung über den „Schieber“ der Bremse. Da war ich schon mal gespannt, ob eines der Systeme Vorteile haben könnte und welche.
Der erste Eindruck: Goldfarben lag die Rolle vor mir, und sie wog ein paar Gramm. Die Rolle ist komplett aus Metall, nicht nur Gehäuse und Getriebe, selbst der (Gott sei Dank große und solide!) Kurbelgriff war aus Alu gedreht. Ich fand die mickrigen Doppelkurbeln an vielen Baitcastmultis schon immer nicht so toll, daher war das für mich ein Pluspunkt, wenngleich auch viele andere Angler vielleicht zum spinnen eher die kleinere Doppelkurbel bevorzugen würden. (liegt vielleicht daran , dass ich als „Grobmotoriker“ gerne stabileres Gerät verwendeJ). An der Rolle war auch alles mit Schrauben zusammen gehalten, keine Nieten oder sonstige „verdächtigen“ Befestigungsmethoden, um ein paar Cent zu sparen.
Also zuerst mal die Schnur drauf machen. Eine 20er geflochtene (Hyperstrong von Ron Thompson, Tragkraft 13,2 kg, auch gerade auch im Test) sollte gut zur geplanten 4er Sportex passen. Mit dieser Zusammenstellung konnte man sowohl auf Zander gehen, wie auch Waller beangeln oder leichtes Pilken/Jiggen auf Ostseedorsche betreiben. Dank der für eine Multi großen Übersetzung dauerte das aufspulen nicht lange. Wer bis dahin eine Schnurführung gewohnt war, muss sich nun natürlich umstellen: Es liegt an einem selber wie sauber die Schnur aufgespult wird.
Nachdem die Schnur so sauber wie möglich aufgespult war, kam die Rolle an die 4er Sportex und wurde zusammen mit dem „kleinen Spinnequipement“ ins Auto gepackt, um damit schnellstmöglich an den Neckar zu kommen. Am Wasser wurde dann zuerst mal die Bremse eingestellt. Den Schieberegler nach vorne auf die maximale Bremsleistung, die Schnur gegen die volle Krümmung der Sportex gezogen und so lange mit dem Drehknopf reguliert, bis bei voller Belastung gerade noch Schnur freigegeben wurde. Mittels des Schiebereglers kann man nun sehr leicht sowohl die Bremskraft schnell vermindern wie auch durch nach vorne schieben in die “Strike“ – Position diese um ca. 30 % erhöhen.
Als kleinsten für die Wurffähigkeit auszuprobierenden Köder verwendete ich einen 5er Mepps. Der größte waren zwei hintereinander geschaltete 40 – Gramm Effzett. Und noch ein paar Gufis an verschieden schweren Köpfen zum testen. Sollte jetzt zwar zuerst mal um Wurfeigenschaften testen gehen, aber trotzdem hat man ja auch immer die Hoffung auf einen Biss. Als erstes, um ein Gefühl zu kriegen, wurde ein 25 – Gramm Jig mit Gufi montiert und geworfen. Als „Vergleich“ zu den Wurfeigenschaften dienten meine alten Abus, mit denen ich sonst unterwegs bin und die Energy Metal, die ich sonst als Stationäre fische.
Man muss sich etwas daran gewöhnen, die Schnurfreigabe über den Regler der Schiebebremse zu machen, den Bogen hat man aber schnell raus. Das äußerst angenehme ist, dass es keine Schnurführung gibt und dadurch kein Steg oder sonst ein Bauteil das im Wege wäre oder im Ernstfall auch kaputt gehen könnte. Daher kann man mit dem Daumen äußerst feinfühlig arbeiten, so dass auch extreme Würfe für den mit einer Multi geübten Angler kein Problem sind. Nicht nur kein Problem, sondern einfacher und effektiver zu erreichen als mit den bisher von mir verwendeten Baitcast – Multis.
Da ich an von mir oft beangelten Stellen unterwegs war und dies mit den Ködern, die ich dort auch regelmäßig einsetze, konnte ich dies gut mit den sonst von mir verwendeten Rollen vergleichen. Und da kann ich nur eines sagen: Ich habe mich in die Wurfeigenschaften dieser Rolle verliebt. Ab ca. 20 Gramm Ködergewicht zischt die Avet in Kombination mit der Sportex los und will gar nicht mehr aufhören sich zu drehen. Damit sind die gleichen Wurfweiten einfacher zu erreichen, größere Wurfweiten als mit den anderen Rollen bei gleichen Ködern problemlos möglich.
Die Grenze nach unten war beim 5er Mepps erreicht. Dieser ließ sich zwar werfen, war aber wohl in der Kombi Rute/Rolle einfach etwas zu leicht. Mit diesem Köder erreichte ich nicht die Wurfweiten, die ich z. B. mit der Stationärrolle erreichen kann. Ganz anders dagegen wenn man das WG nach oben „korrigiert: Die 2 aneinander gekoppelten 40 - - Gramm Meppse (also gut über 80 WG) ließen sich trotz des eigentlich auf Grund der großen Oberfläche eher schlechten Wurfeigenschaften problemlos über den ganzen Neckar „feuern“ – man musste sogar aufpassen, nicht am gegenüberliegendne Ufer hängen zu bleiben.
Leider war es mir (noch) nicht möglich, die Drilleigenschaften, also vor allem die Bremse, richtig zu testen. Mangelns Fischkontakt. Das werde ich aber auf jeden Fall baldmöglichst nachholen. Zu den hier getesteten Wurfeigenschaften kann man als Fazit nur eines sagen:
Hervorragend, aber nix für Anfänger!
Wer den „weicheren“ Multiwurfstil drauf hat, wer nicht tausend Einstellmöglichkeiten braucht, wer eine absolut solide Rolle auch für wirklich große (Süßwasser)Fische sucht, der sollte sich unbedingt diese Rolle mal anschauen oder noch besser gleich testen. Der Preis von um die 180 Euro scheint mir persönlich für diese Klasserolle nicht nur angemessen , sondern absolut fair und günstig zu sein.
Infos zu den Rollen findet Ihr hier:
http://www.70grad-nord.de/1-gang.html
Sobald ich weitere Fakten zur Verfügung habe, nach weiteren Tests, werde ich wieder berichten.
Thomas Finkbeiner
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