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Uschis Angelerlebnisse Teil 2

Eine neue Krankheit hat mich befallen: Das „Angelfieber“

Als wir das nächste Mal zum Angeln fuhren, war es noch wärmer. Auch dieses Mal packte ich meine Badesachen und etwas zum Lesen ein, falls es langweilig werden sollte. Doch das wurde es nicht, denn als Achim alles aufgebaut hatte, meinte er zu mir, dass die eine Rute jetzt meine sei und ich darauf achten müsste. „Kein Problem. Ich achte darauf und wenn sich etwas tut sage ich dir Bescheid“ antwortete ich ihm.

„Nein, so war das nicht gemeint. Du sollst sie auch auswerfen.“ Ich glaubte nicht richtig gehört zu haben. Ich sollte die Rute auswerfen? „Das kann ich nicht. Ich habe noch niemals eine Angelrute in der Hand gehabt“ war meine Antwort. „Das ist nicht schwer. Komm, probier es mal. Das hier ist für heute deine Rute“, sagte er und drückte sie mir in die Hand. Es war ein komisches Gefühl, so ein langes Ding in der Hand zu halten. Die Rute, mit ihren 3 Metern, kam mir ellenlang vor. Gottseidank hatte Achim den Haken schon mit einer Made bestückt, so dass ich das nicht machen musste.

Anfangs stellte ich mich recht blöd an, als ich versuchte die Rute auszuwerfen. Mehrmals landete die Schnur in den Bäumen und Büschen hinter mir. „Nein, das kann ich nicht“, meinte ich nach einigen vergeblichen Versuchen. Da Achim jedoch viel Geduld hatte und mir immer wieder zeigte, wie man wirft, klappte es dann doch einmal richtig gut. Als der Köder endlich dort im Wasser lag, wo ich ihn hinhaben wollte, sagte er zu mir: „Nun musst du gut aufpassen, denn wenn die Pose untergeht, ist ein Fisch dran. Dann nimmst du sie hoch und schlägst an.“ „Anschlagen? Wie soll ich das denn machen?“ fragte ich zurück. Er erklärte es mir genau und schilderte mir sogar noch, was sich dabei unter Wasser abspielte.

Eigentlich hatte ich ja vorgehabt mich zu sonnen und auch ein bisschen zu lesen, aber daraus wurde an diesem Tag nichts. Wie gebannt starrte ich auf „meine“ Rute bzw. auf „meine“ Pose.

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Nach einiger Zeit ging sie wirklich unter. „Die Pose ist weg... nein, jetzt ist sie wieder da. Das gibt’s doch nicht, jetzt ist sie wieder weg!“ rief ich aufgeregt. Ich konnte mir die Situation nicht erklären.

„Psst! Du musst still sein. Du verscheuchst ja die ganzen Fische. Jetzt nimm die Rute in die Hand und schlag an“ antwortete Achim mir. „Ich kann das nicht! Mach du das für mich“, war mein Kommentar. „Doch! Du kannst das. Schlag endlich an, bevor der Fisch wieder abgeht“. Nun wurde Achim doch etwas ungeduldig.

Ich stand am Ufer, starrte dorthin, wo die Pose eigentlich sein sollte und tat nichts! Als Achim das sah, nahm er die Rute aus dem Halter und schlug an. Langsam holte er die Schnur ein. Aber der Haken war leer. Auch die Maden, die Achim zuvor am Haken angebracht hatte, waren ab. Also war doch ein Fisch dran gewesen? Aber wo war er jetzt? Während ich noch grübelte, warum die Maden weg und trotzdem kein Fisch am Haken war, meinte Achim zu mir: „Mach neue Maden an den Haken und wirf sie wieder aus.“ Was? Ich sollte diese kleinen ekeligen Dinger anfassen und auch noch auf den Haken spießen? Das meinte er doch nicht ernst! „Igitt, die kann ich nicht anfassen“, war meine Antwort. „Wenn du einen Fisch fangen willst, dann musst du das aber können. Ohne Köder kann man nichts fangen?“ „Dann fange ich eben keine Fische!“ brummte ich trotzig wie ein Kind vor mich hin. Doch dann nahm ich die Madendose in die Hand und starrte auf diese kleinen quirligen Dinger. Dann überwand ich meinen Ekel und nahm ganz vorsichtig eine Made zwischen die Finger und schaute sie mir erst einmal genau an. Sie fühlte sich gar nicht glitschig an, wie ich vermutet hatte.

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So etwas winzig Kleines soll ich jetzt auch noch auf den ebenfalls winzigen Haken stecken. Wie sollte das gehen? „Die sind doch viel zu klein. Die passen nicht auf den Haken“, war meine Antwort. „Quatsch, natürlich passen sie drauf. Dafür gibt es ja extra so kleine Haken. Komm, ich zeige dir noch einmal, wo du einstechen musst“.

Die kleine Made drehte und wendete sich zwischen meinen Fingern, als wenn sie ahnte, was gleich passieren würde. Wie kriegen Männer mit ihren dickeren Fingern bloß diese kleinen Biester auf den Haken, ging es mir durch den Kopf. Dann endlich hatte ich sie am Haken. Und weil es so gut geklappt hatte, packte ich gleich noch weitere drauf. Ich hatte mein erstes Madenbündel montiert!

Nun musste ich den Köder auswerfen. Mehrmals klatschte er direkt vor meinen Füßen ins Wasser und ich musste ihn wieder reinholen. Ab und zu streifte ich auch den Busch hinter mir. Warum müssen dort immer Büsche und Bäume sein, wo man Angeln will? Vielleicht sollte ich es doch sein lassen, ging es mir durch den Kopf. Dann endlich hatte ich den Köder im Wasser. Nun hieß es wieder warten. Ich ging zurück zu meiner Liege und schaute auf meine Pose. Es dauerte gar nicht lange und sie verschwand wieder im Wasser. Dieses Mal zögerte ich nicht so lange. Ich nahm die Rute und schlug an, wie Achim es mir gezeigt hatte. Langsam holte ich die Schnur ein und war gespannt, ob ich tatsächlich einen Fisch dran haben würde. Gemerkt hatte ich jedenfalls nichts.

Und tatsächlich! Ein kleines Fischchen hing am Haken. Ich flippte vor Freude fast aus. „ Ich habe einen Fisch! Einen echten lebendigen Fisch“ jubelte ich. Achim kam zu mir und gab mir einen Kuss. „Gratuliere zu deinem ersten Fisch, mein Schatz “. Ich freute mich, als wenn ich 6 Richtige im Lotto gehabt hätte.

Etwas später sagte Achim zu mir: „Wenn wir jetzt öfter zum Angeln fahren, brauchst du unbedingt einen Thermoanzug, damit du nachts nicht so sehr frierst.“ Oh, er möchte mit mir jetzt öfter zum Angeln.

Dann habe ich mich doch wohl nicht so dumm angestellt, wie ich dachte. Schön!

Die Nacht wurde wieder sehr kalt. Trotz der vielen dicken Sachen, die ich mir angezogen hatte, fror ich immer noch. Auf einmal fiel mir ein, dass ich ja eine Wärmflasche eingepackt hatte. Schnell machte ich etwas Wasser im Gaskocher warm und füllte es in die Wärmflasche. „Wenn das einer sehen würde“, dachte ich. „Die würden denken, ich sei nicht ganz richtig im Kopf.“ Aber jetzt war es im Schlafsack richtig kuschelig warm. Es dauerte auch nicht lange und ich schlief ein.

Achim saß währenddessen wieder auf seinem Angelstuhl und beobachtete „unsere“ Ruten.

Als ich aufwachte, zeigte er mir, dass er wieder einen Aal gefangen hatte. Dieses Mal war ich nicht so enttäuscht, dass er immer noch keinen Fisch gefangen hatte. Das hatte ich ja erledigt.

Ein paar Tage später fuhren wir in den Angelladen und Achim kaufte mir einen schönen Thermoanzug und auch Thermostiefel.

Nun wollte ich unbedingt wieder ans Wasser um zu testen, ob die neuen Sachen auch wirklich warm hielten. Außerdem war ich von meinem ersten Fisch, den ich gefangen hatte, noch so begeistert, dass ich mir einbildete, nun auch größere zu fangen.

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Das andere Mal fuhren wir aber nicht an den Gevattersee, sondern an die Weser bei Porta Westfalica. Im Fluss zu angeln, war noch viel interessanter als am See, fand ich. Christian, Achims Freund (ebenfalls Angler) war mit seinem kleinen Sohn schon vorausgefahren und hatte uns einen Platz freigehalten.

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Als wir ankamen, bauten wir unsere Sachen einige Meter von ihm entfernt auf. Dann sagte Achim zu mir: „Heute stellst du deine Rute allein zusammen.“ „Oh, nein. Nicht auch das noch! Warum kann er mir nicht einfach die fertige Rute in die Hand geben?“ ging es durch meinen Kopf. Aber ich sagte nicht. Stattdessen schaute ich Achim ganz konzentriert zu, wie er seine Rute montierte. Als er damit fertig war, gab er mir die andere Rute, die ich erst zusammenstecken musste.

Da die Weser mit einem See nicht zu vergleichen ist – es herrscht eine stärkere Strömung – war Angeln mit Pose nicht möglich. Sie wäre immer wieder abgetrieben. Also hieß es „auf Grund“ angeln. Dafür musste die Montage anders sein. Hm, aber wie? „Ich habe die Schnur durchgezogen. Und jetzt?“ fragte ich ihn. „Nun musst du das Anti-Tangle-Röhrchen auf die Schnur ziehen. Dann steckst du eine Gummiperle davor und knotest den Wirbel an die Schnur.“ Ja, klar. Klang doch ganz einfach. Ich tat, wie er es mir gesagt hatte: Die Schnur durch den Wirbel ziehen, eine kleine Schlaufe legen, das Ende der Schnur siebenmal um die Hauptschnur wickeln, dann wieder durch die Schlaufe und festziehen. Jetzt zur Probe einmal am Knoten ziehen... und patsch war er wieder auf! „Sch...“ entglitt es mir. „Komm, ich zeig dir noch mal wie man einen Knoten macht“. Ich grinste ihn an, denn nun brauchte ich den Knoten nicht zu machen. Dann gab Achim mir ein Vorfach mit dem entsprechenden Haken und ich musste nur noch die Made drauf stecken (das konnte ich ja schon) und auswerfen. Mit dem „schweren“ Blei (20 g!) auf der Schnur war das natürlich wieder ein total anderes Gefühl. Aber irgendwie ging es sogar leichter als mit der Pose. Jedenfalls kam es mir so vor. Als Bissanzeiger hatte ich oben an der Rutenspitze ein Aalglöckchen angebracht und nun wartete ich voller Spannung darauf, dass es bimmelte, was auch schon bald geschah.

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Aals ich an diesem Tag sogar eine Nase und mehrere kleinere Brassen am Haken hatte und sie auch noch alleine landen konnte, hatte mich das „Angelfieber“ gepackt.

Ein paar Tage nach diesem aufregenden Angelerlebnis sagte Achim zu mir: „Mach doch deinen Angelschein.“ Ich guckte ihn ungläubig an. Das meinte er doch nicht ernst?! Ich hatte zwar inzwischen großen Spaß am Angeln gefunden, aber einen Angelschein machen? Nee, das traute ich mir nun doch nicht zu. Aber der Gedanke ließ mich irgendwie nicht los. Ich surfte im Internet und fand auch bald eine Seite in der ich las, dass es ja „nur“ ca. 500 Fragen aus 6 Wissensgebieten gab, die man bei einer Angelprüfung beantworten musste! Und außerdem, so wurde bemerkt, bestanden durchschnittlich 8 von 10 Leuten die Prüfung. „Ganz toll“, dachte ich. „Ich gehöre garantiert zu den Zweien, die das nicht packen!“ Mehr aus Neugier beantwortete ich einige der Prüfungsfragen – und fiel prompt durch. Wie sollte es auch anders sein, schließlich hatte ich ja keine Ahnung von all den Dingen rund ums Angeln.

Abends erzählte ich Achim davon und sagte: „Das schaffe ich nie. Außerdem habe ich im Büro so viel Neues zu lernen, dass ich meinen Kopf dafür gar nicht frei habe. Da geht das nicht auch noch rein.“

Irgendwie sträubte ich mich gegen den Gedanken einen Kursus zu belegen, aber einen Angelschein haben wollte ich schon. Aber wieder etwas Neues lernen? Nein, das wollte ich eigentlich nicht.. Doch der Gedanke einen Angelschein zu besitzen, ließ mich nicht mehr los. Als ich ein paar Tage später in einen Buchladen ging um mir einen Krimi zu kaufen, stand ich zu meinem eigenen Erstaunen plötzlich vor einem Verkäufer und fragte ihn, wo ich Büchern übers Angeln fände. Er zeigte es mir - und statt eines Krimis ging ich stolz mit einem Angelbuch aus dem Laden. Das Buch enthielt sämtliche Fragen aus allen Wissensgebieten. Stolz zeigte ich es abends Achim. Von nun an las ich immer wieder darin. Aber ganz sicher war ich mir noch nicht einen Angelschein zu machen.

Als wir wieder einmal im Angelladen waren, fiel mir sofort der Aushang mit den neuen Terminen für die Fischereiprüfung auf. Mitte September sollte der Vorbereitungslehrgang losgehen. Vorsichtshalber notierte ich mir die Termine. Ein paar Tage später rief Christian an und erzählte, dass Sabine, seine Partnerin, den Angelschein machen wollte. „Das gibt’s ja nicht! Ich auch“ antwortete ich spontan. Und heimlich dachte ich: „Wenn wir Frauen unseren Schein in der Tasche haben, werden wir’s den Männern zeigen.“ Als Christian aufgelegt hatte, wählte ich die Nummer des Angelladens und meldete Sabine und mich an. Der Start war gemacht. Bald würde ich meinen Angelschein haben!



Ursula Kluck


Uschis Angelseiten: http://www.unsereseite.de/uschi



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