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Gießen von Pilkern

Nachdem wir uns im ersten Teil dieser Artikelserie eine Gussform gebastelt haben, geht es jetzt um das eigentliche Gießen der Pilker.

Das wichtigste Material, welches wir brauchen ist natürlich das Blei. Blei ist ein Schwermetall und damit auch gesundheitsschädlich. Reines Blei schmilzt bei ca. 330°C und verdampft bei mehr als 1700°C. Blei hat eine relativ hohe Dichte von 11,3 g/cm³ und ergibt damit schwere Köder bei geringem Volumen.

Reines Blei ist aber für unsere Zwecke eher ungeeignet, da es neben der hohen Schmelztemperatur auch noch den Nachteil hat, relativ weich zu sein. Das heißt, unsere Pilker würden sich leicht verbiegen. Wir verwenden daher so genannte Legierungen, dem Blei sind also noch andere Metalle beigemischt, wie Zinn und Antimon.

Diese Legierungen schmelzen bei deutlich geringeren Temperaturen (je nach Legierung um die 250°C) und sind auch deutlich härter.

Als Bezugsquellen für das Blei bieten sich an:

Professionelles Gießblei

Wird z.B. von unserem Boardpartner Hakuma angeboten. Diese Materialien haben den Vorteil, dass die Mischung der Legierung perfekt für unsere Zwecke passt und die Barren keine Verunreinigungen aufweisen. Nachteilig ist natürlich, dass es Geld kostet.

Auswuchtblei

Alte Auswuchtgewichte bekommt man in der Regel kostenlos oder gegen eine kleine Spende in die Kaffeekasse vom Reifenhändler um die Ecke. Die Legierung der Wuchtgewichte passt auch recht gut, Nachteil ist aber die starke Verunreinigung der Teile – neben Bremsstaub und Befestigungsclips finden sich auch noch Klebstoffreste von aufgeklebten Gewichten, ganze Ventile usw. Das Einschmelzen des Rohmaterials wird also zu einer rechten Sauerei.

Dachdeckerblei

Würde sich anbieten, wenn man gute Beziehungen zu einem Dachdecker hat. Bei diesem Material handelt es sich allerdings um relativ reines Blei und sollte daher nicht "pur" verwendet werden, sonder nur in kleinen Anteilen zugemischt werden.
 
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Neben dem Blei benötigen wir noch folgendes:

*Ösen
 Die Ösen kann man sich auch fertig kaufen oder selber biegen.
 Ein günstiges und gutes Ausgangsmaterial zum Selbst-Biegen ist rostfreier Schweißdraht. Diesen bekommt man beim Eisenwarenhändler
 Beim Biegen darauf achten, dass Ihr an den Enden der beiden "Schenkel" der Öse noch eine Ecke reinbiegt. Bei meinen ersten selbst gegossenen Pilkern hab ich die Enden der Ösen gerade gelassen. Zum Glück hab ich vor dem ersten Einsatz noch einen Zugtest durchgeführt. Ohne den Winkel am Ende reißen die Ösen sehr leicht aus dem fertigen Pilker aus. Wenn dies bei einem großem Fisch passiert, beißt man sich in den Allerwertesten

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(Gekaufte Öse und selbst gebogene)

*Hitzebeständige Knetmasse – wird bei manchen Formen zum Befestigen der Ösen in der Form benötigt. Passende Knete gibt´s bei Hakuma unter dem Namen "Superknete"
*Trennmittel, z.B. Superguss (wieder von Hakuma – die haben halt sehr viel für den "Pilkergießer" im Programm.)
*Wärmequelle zum Schmelzen des Bleis.
*Hierzu gibt es spezielle Öfen, die aber ziemlich ins Geld gehen.
*Als sehr gut taugliche Alternative haben sich Gasbrenner erwiesen, entweder Campingkocher mit Kartusche oder gleich die großen Brenner, wie sie die Dachdecker zum Verschweißen von Dachpappe verwenden. Manche verwenden auch elektrische Kochplatten – mit denen habe ich aber noch keine Erfahrungen sammeln können.
*Einen alten Topf, in dem das Blei eingeschmolzen wird und eine alte Suppenkelle, um das flüssige Blei in die Form kippen zu können. Auf jeden Fall hierfür alte Teile verwenden – es sollte jedem klar sein, dass eine Verwendung zum Kochen hinterher nicht mehr ratsam ist.
*Schraubzwingen um die Formhälften zusammen zu klemmen
*Diverses Kleinwerkzeug – Zange, Seitenschneider, Feile ...

Bevor es jetzt aber an das Gießen geht noch einige Sicherheitshinweise:

*Blei ist ein Schwermetall, diese sind giftig und werden vom Körper nicht abgebaut. D.h. das Blei, welches wir in uns rein lassen, bleibt da und sammelt sich solange an, bis es irgendwann zu viel ist. Wir werden es zwar kaum schaffen, Blei zum Verdampfen zu bringen, aber auch festes Blei kann in Form von feinen Stäuben in den Körper gelangen. Daher Handschuhe tragen, direkten Kontakt mit offenen Wunden, Schleimhäuten usw. vermeiden. Beim Arbeiten nicht Essen, Trinken, Rauchen oder am Daumen lutschen ?
*Beim Einschmelzen von Auswucht-Gewichten verdampfen viele der enthaltenen Verunreinigungen. Dabei handelt es sich um einen richtigen Cocktail aus Chemikalien, der unter Garantie nicht gesund ist. Daher nur im Freien oder sehr gut belüfteten Räumen (offene Garage) arbeiten und die Nase nicht unbedingt über den Bleitopf halten.
*Flüssiges Blei und Nässe vertragen sich überhaupt nicht. Der Kontakt von Feuchtigkeit mit dem flüssigen Blei führt zu einer explosionsartigen Verdampfung der Flüssigkeit und Euch fliegen die flüssigen Bleitropfen um die Ohren und schlimmstenfalls in die Augen. Daher peinlichst darauf achten, dass nichts in den Topf tropft und die Formen trocken sind. Hört sich jetzt blöd an – ist aber so – flüssiges Blei ist seeehr heiß und bleibt es auch nach dem Aushärten noch eine ganze Weile. Daher auch den fertig ausgehärteten Pilker nicht mit den Händen aus der Form nehmen – gibt böse Brandblasen. Zur Handhabung der heißen Teile Zangen verwenden und erstmal zum Auskühlen beiseite legen. Das Tragen von Handschuhen und Schutzbrillen (gegen Spritzer) schadet unter Garantie auch nicht.
*Achtet auf einen festen Stand des Brenners und des Topfes mit dem Blei
*Verwendet eine Kelle, die keinen Plastiküberzug am Griff hat – die Plaste schmilzt bei längerem Einsatz.

Nun aber zum Gießen:

Zunächst müssen wir unser Blei einschmelzen. Verwendet man bereits gereinigtes Blei, wie die Barren von Hakuma, geht dies ganz einfach. Bei Verwendung von Auswuchtgewichten muss das Schmelzgut erst gereinigt werden. Da in dem Material, welches wir vom Reifenhändler erhalten haben, neben dem Blei meist auch andere Materialien enthalten sind (z.B. Ventile, Kippen und ähnliches) macht es Sinn, das Ganze erst einmal vorzusortieren.

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Die Gewichte kommen nun in den Topf und werden erhitzt. Nach einer Weile schmilzt das Blei und die daran anhaftenden Fremdstoffe schwimmen auf der Oberfläche des flüssigen Bleis auf. Dort sammeln sich die Stahlklammern, wie sie bei Gewichten für Stahlfelgen zu finden sind, verkohlte Klebereste von Alufelgengewichten und der an den Gewichten anhaftende Schmutz.

Das Zeug muss vor dem Gießen aus dem Topf raus. Die Stahlklammern kann man mit einem Magnet heraus ziehen, die restliche Schlacke kann mit der Kelle am Rand des Topfes zusammen geschoben und vorsichtig abgeschöpft werden.

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Bei diesen Reststoffen handelt es sich um Sondermüll – bitte nicht in den Hausmüll kippen, sondern getrennt zur Deponie bringen.

Vor dem Guss muss die Schmelze und die Form nun nur noch auf eine für den Guss passende Temperatur gebracht werden.

Hierbei sind Unterschiede für die verschiedenen Formentypen zu beachten.

Metallformen leiten die Hitze des Bleis schon beim Einfüllen sehr schnell ab. Ist die Form oder die Schmelz zu kalt, kann es vorkommen, dass das Blei bereits hart wird, bevor die Form komplett voll ist. D.h. Metallformen müssen vorgewärmt werden. Dies kann mit dem Gasbrenner erfolgen oder man stellt die Gussform eine Weile auf eine Kochplatte. Nach dem 3. / 4. Guss hat sich das Thema erledigt, da dann die Form schon durch das heiße Blei auf Temperatur gehalten wird. Man muss nur darauf achten, die Pausen zwischen den einzelnen Güssen kurz zu halten, damit die Form nicht wieder auskühlt.

Bei Verwendung von Silikonformen sieht die ganze Geschichte anders aus. Silikon leitet die Hitze des flüssigen Bleis nur sehr langsam ab, das Blei härtet also auch deutlich langsamer aus. Wir können also mit niedrigeren Temperaturen der Schmelze arbeiten. Für die Lebensdauer der Silikonform sollte man im Gegenteil darauf achten, dass die Form nicht zu heiß wird. Man sollte hier also eher nach einigen Abgüssen eine Pause einlegen und die Form etwas auskühlen lassen.

Einen Anhaltswert für die Temperatur der Schmelze kann man recht einfach beurteilen. Nach dem Schmelzen des Bleis bildet sich nach einer Weile eine Art dünner Haut auf der Schmelze, die sich farblich verändert.

*keine Haut auf der Schmelze – für Metallformen zu kalt, für Silikonformen reicht die Temperatur unter Umständen schon (ausprobieren)
*Gelbgold schimmernde Haut auf der Schmelze – Temperatur reicht auf jeden Fall für Silikonformen, bei Metallformen reicht es meist auch schon. (ausprobieren)
*Blau-schimmernde Haut auf der Schmelze – Temperatur reicht auf jeden Fall für Metallformen aus, für Silikonformen kann es zuviel sein (Lebensdauer der Form wird schlechter)

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Bevor es zum eigentlichen Guss geht, muss die Form vorbereitet werden. Als erstes muss hierzu die Form mit Trennmittel behandelt werden. Verwendet man Superguss von Hakuma, wird dieses nur auf die heiße Form aufgepinselt. Vorheizen kann man die Form, indem man zuerst einige Güsse ohne Ösen durchführt.

Das flüssige Trennmittel muss auf jeden Fall vor dem ersten Guss getrocknet sein, sonst kommt es beim ersten Abguss zum schlagartigem Verdampfen des Trennmittels. Eine Behandlung der Form mit Trennmittel ist nicht bei jedem Guss notwendig, es reicht nach jedem zehnten bis zwanzigstem Guss.

Bei den Silikonformen verwende ich meist Graphitpulver (gibt es im Autozubehör zur Pflege der Mechanik von Schlössern) Dazu pudere ich die Form mit dem Pulver ein und schüttele überschüssiges Pulver ab. Auf dem Bild habe ich die rechte Formenhälfte schon behandelt, die linke ist noch im "Urzustand"

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Nun kommen noch die Ösen in die Form. Bei manchen Formen müssen die Ösen noch mit einem kleinen Stückchen Superknete gesichert werden, bei gut gemachten Silikonformen geht es meist auch so.

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Nun nur noch die beiden Formhälften schließen und mit mindestens 2 Schraubzwingen zusammenspannen. Bei Verwendung von Silikonformen muss man kleine Holzbrettchen dazwischen legen, damit sich der Druck der Schraubzwingen gleichmäßig auf die Form verteilen kann.

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Mit der Kelle schöpft man nun ausreichend Schmelze aus dem Topf und füllt es langsam und gleichmäßig in den Einfülltrichter der Form.

Bis man die passende Einfüllgeschwindigkeit hat, muss man eventuell einige Güsse üben. Arbeitet man zu schnell, fließt die Schmelze nicht schnell genug durch die Einfüllöffnung und schwappt über, ist man zu langsam, kühlt das Blei in der Form eventuell schon aus, bevor man mit dem Einfüllen fertig ist und man erhält dann Lunker (d.h. Löcher) im fertigen Pilker.

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Zum Auskühlen des Bleis lässt man die Form einige Minuten geschlossen stehen bis das Blei fest geworden ist. Nach dem Auskühlen kann der fertige Pilker-Rohling mit einer Zange entnommen werden.

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Nachdem die Pilker vollständig ausgekühlt sind, kneift man nur noch mit einem Seitenschneider den Anguss ab und feilt eventuell entstandene Grate ab.

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Bevor es im nächsten Teil ans Lackieren geht, reinige ich die Pilkerrohlinge noch mit Seifenlauge, damit die Haftung des Lackes nicht durch anhaftende Reste von Trennmittel oder Schmutz beeinträchtigt wird.

FERTIG!

Hier nun nur noch eine Liste von Fehlern, die eventuell entstehen können.

FehlerMögliche UrsachenAbhilfe
Öse fehlt
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Öse vergessen einzulegen

Öse ist vor oder während des Gusses in der Form verrutscht
Einlegen

Öse mit Superknete sichern
Starke Gratbildung
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Fremdkörper zwischen den Formhälften

Form verzogen (Metallform)

Formhälften nicht stark genug zusammen gespannt

Bei Silikonhälften – Form durch zu starken Druck der Zwingen verformt
Form reinigen

Normalerweise keine Abhilfe mehr möglich – die Form ist Schrott

Schraubzwingen fester anziehen

Schraubzwingen bei Silikonformen nicht zu fest anziehen, wenn sich das Silikon zwischen den beiden "Spannbrettchen" ballig nach außen wölbt, ist es zu viel
Blei läuft aus der FormSiehe GratbildungSiehe Gratbildung
Form ist nicht vollständig gefüllt
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Form und/oder Schmelze war zu kalt

Schmelze zu schnell eingefüllt

Luft kann bauartbedingt nicht aus der Form entweichen
Stärker aufheizen

Langsamer einfüllen

Form überarbeiten – Entlüftungslöcher einbringen
EinfallstellenForm und/oder Schmelze zu heißTemperatur reduzieren



Viel Spass beim Basteln und bis zum nächsten und letzten Teil

"Pulverbeschichten von Pilkern"

Robert




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