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Anglerboardspinnsystem, die zweite
Nachdem ich in der letzten Ausgabe vom Magazin das Anglerboardspinnsystem vorgestellt hatte, gings diesmal nicht mit meinen selbst zusammengepfriemelten sondern mit dem Equipement das Holger vom Anglers - TopShop dafür bereitgestellt hatte in die Praxis. Zudem hatte ich eine neue geflochtene Schnur zu testen, davon aber in einem anderen Artikel mal mehr, nur soviel: Ich denke da habe ich ne interessante Entdeckung gemacht.
Zurück zum Spinnsystem. Ausgerüstet mit fertig montierten Kopytos in 7 und 12 cm auf passenden Einzelhaken, dazu einige der Anglerboardspinnsysteme schon vorbereitet, Blei in den verschiedenen Gewichtsklassen parat, dazu ein paar Wirbel und NoKnots als Reserve (schliesslich sind bei uns im Neckar Hänger vorprogrammiert) sollte es Zander, Barsch, Waller, Döbel oder Rapfen an den Haken gehen.
Auch deswegen habe ich einfach Shads in "gängigen" Allroundgrössen genommen und mich nicht auf den Fang eines bestimmten Räubers konzentriert, sondern wollte einfach mal gucken was am Wasser so geht. Denn Sinn und Zweck der Geschichte sollte ja sein, die Variabilität des Systems aufzuzeigen, indem man einfach Gewicht und Köder je nach Situation wechseln kann. Und noch nie konnte ich mit so einer kleinen "Gummibox" angeln gehen, wenn ich auf alles eingestellt sein wollte.
Statt einer Menge verscheiden grosser Jighaken in verschiedenen Gewichten nur zwei Handvoll Bleie in unterschiedlichen Gewichten, dazu die vormontierten Shads, und die Ersatzteile. Ist schon klasse, wenn man statt einer Riesenbox mit Zubehör nur eine kleine Plastebox braucht, um für alle Fälle gerüstet zu sein.
Die erste angelaufene Stelle war eine meiner Winterzanderstellen, wo aber eigentlich immer Räuber zu erwarten sind. In diesem nur ca. 10 Quadratmeter grossen Kehrwasser an einem Brückenpfeiler habe ich auch schon schöne Barsche (und ne Menge kleinere), Hechte, Döbel und auch Waller (kleinere) gefangen. Bereits an der Stelle konnte ich die Vorteile des Systems voll ausspielen. Denn zum einen ist am Rand der Stelle kaum Strömung, aber oft viel Fisch. Genauso oft stehen die Fische aber auch direkt an der Strömungskante mit richtig harter Strömung.
Montiert hatte ich nen kleineren Kopyto, ich wollte ja nur irgendeinen Fisch, nicht einen bestimmten, da war sicher der kleinere besser geeignet. Wie immer wurde zuerst der kaum durchströmte Randbereich abgefischt. Hier reichte natürlich locker ein kleines Blei von 10 Gramm aus. Und schon beim ersten Wurf hing ein lebensmüder Minizander von kaum 30 cm am Haken, dem natürlich wieder die Freiheit geschenkt wurde. Der nächste Wurf brachte einen Döbel der gleichen Grössenordnung, der auch wieder entlassen wurde.
Da also scheinbar die Fische nicht im ruhigen Randbereich standen, hiess es angeln im Strom. Das heisst zwangsläufig schwereres Blei. Da der Shad funktioniert, brauche ich nicht wie sonst einen komplett neuen Jig montieren, sonder nur das Gewicht austauschen - statt der 10 Gramm kamen jetzt 30 zum Einsatz. Einwerfen, absinken lassen - und die 30 Gramm waren richtig gewählt. Man konnte den Shad so fast ohne Bewegung direkt an der Stromkante "entlangschleifen" lassen. Dies hat sich schon oft bewährt, eher als zu bewegte Köderführung. Der Nachteil: Die vielen Steine sind Köderfresser.
Da beim Anglerboardspinnsystem das Blei beweglich unten dran hängt, waren wesentlich weniger Hänger als mit festen Jigköpfen zu verzeichnen. Hatte man mal einen Hänger, hatte man aber auch ne grössere Chance ihn wieder loszubekommen. Auch das dürfte am beweglichen Blei und beweglichen Haken liegen. Das war aber an dieser Stelle auch der einzig positive Aspekt, denn Fische liessen sich dort leider nicht mehr zum Biss überreden. Auch nicht als ich den Kopyto zuerst durch andersfarbige, dann durch ein grösseres Modell austauschte - was auch wieder einfach durch einhängen in den Karabiner geschah.
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Also ein kleines Stück flussab, wo auf der gegenüberliegenden Uferseite eine Art Becken ist, wo auch oft gute Fische stehen, da dort auch eine Kehrströmung reinzieht,. Ein schönes Loch ausgespült ist (ähnlich wie bei Buhnen) und zudem eine schöne Stromkante gegeben ist. Also viele verschiedene Möglichkeiten, die man auch mit unterschiedlichen Montagen befischen sollte.
Auf jeden Fall braucht man genügend Gewicht um weit genug werfen zu können. Wirft man fast ganz ans gegenüberliegende Ufer ist es relativ flach und schwächer strömend. Als der Neckar früher noch einen besseren Hechtbestand hatte, war das eine Stelle mit Fanggarantie. Heute erwischt man dort sowohl Barsche, wie auch Döbel und nachts auch Zander und Waller.
Das Problem: Zum weiten Werfen brauche ich viel Gewicht, zum führen im relativ strömungsarmen flachen Wasser wäre weniger Gewicht natürlich besser. Die Lösung war relativ einfach: Ich habe mir ein Blei mit einem Korkkopf rausgekramt, das ich noch in den Tiefen meiner Kiste fand. Alternativ lässt sich natürlich auch ein Tiroler Hölzl verwenden. So konnte ich durch das Gewicht weit werfen, den Köder aber durch den Gewichtsausgleich durch den Kork auch relativ langsam führen - Optimal!!!
Dachte ich jedenfalls. Die Fische leider nicht. Obwohl ich sorgfältigst die Stelle mit mindestens 30 Würfen abfischte bekam ich nicht einen Biss. Allerdings auch keinen Hänger, was mir früher mit normalen Jigköpfen auch an der Stelle öfter mal passierte, da die relativ schweren Jigköpfe eben keinen Kork als Gewichtsausgleich besitzen.
Wenn die Fische nicht im ruhigen Kehrwasser stehen, also wieder ran an die Stromkante. Dort muss man auf alles gefasst sein, vom 10 cm - Barsch bis zum 2 Meter - Waller. Vom Döbel über Zander bis hin zu Rapfen treiben sich dort eigentlich alle Räuber rum. An der Stromkante sammelt sich aber auch immer viel Müll, so dass auch hier Hänger vorprogrammiert sind. Und leider ist auch hier die beste Methode das schleifenlassen des Köders direkt an der Kante entlang. Hier half das im Anglerboardspinnsystem beigelegte Stabblei.
Man hatte genügend Gewicht zum Werfen und für die Strömung, aber durch die längliche Form des Bleis eben auch kaum Hänger, da sich die nicht so leicht wie ein kompaktes Blei festhängt und zudem noch beweglich ist. Leider war wieder ausser einem Döbel kein weiterer Fisch zu holen, trotz einer Menge Würfe.
Also weiter zum nächsten Versuch, zur nächsten Stelle. Hier wollte ich an einem Seerosenfeld das direkt an einer Steinschüttung kurz vor der Hauptströmung liegt, Barsche fangen. Eine sichere Stelle - sofern man es nicht auf Kapitale abgesehen hat. Am besten funktioniert es hier, wenn man stromauf in die Hauptströmung wirft, den Köder auf Grund sinken sinken lässt und mit erhobener Rutenspitze den Jig an gespannter Schnur vor die Steinschüttung treiben lässt und ihn dann hochzupft.
Das war auch bisher immer das Problem: Bei festen Jigköpfen kann man beim hochzupfen an der Steinschüttung fast sicher mit einem Hänger rechnen. Gerade die Barsche stehen aber unten zwischen den Seerosen direkt an der Schüttung, das kann man immer wider sehen, wenn man feste Jigköpfe zwecks Hängervermeidung schnell an der Kante hochzieht. Dann schiessen oft die Barsche hinterher, ohne dass man sie aber haken kann.
Deswegen kam jetzt als erstes wieder ein Versuch mit Korkblei, es funktionierte auch bestens. Einwerfen, absinken lassen, an die Schüttung rantreiben und dann hochjiggen. Man spürte richtig wie der Jig über die Steine hopste, diesmal ohne ich zu verhängen - aber mit Biss. Den konnte ich allerdings nicht verwerten. Also gleich nochmal das Ganze, diesmal kam der Biss schon vordem Hochziehen an der Schüttung, schon unten an der Kante - und wieder konnte ich ihn nicht verwerten. Also der nächste Versuch - und diesmal blieb die Steinschüttung Sieger und ich hatte kein Korkblei mehr. Also das Stabblei aus dem Anglerboardspinnsystem montiert und wieder rein damit.
Und wieder das gleiche Spiel: Rantreiben lassen, hochzupfen, Biss - Kein Fisch. Ich hatte noch ein paar Minitwister (5 cm) dabei, die ich jetzt an einem 1er Haken anbot. Allerdings nicht direkt in das System eingehängt, sondern mit einem ca. 5 - 6 cm langen Monovorfach. Und siehe da: Jetzt klappte es. 10 - 15 cm lange Barsche waren es, die auf die Köder scharf waren. Nicht das was ich wollte - Aber: Ich konnte sie nur dank des schnellen und einfachen Köderwechsels überhaupt kriegen. 1:0 fürs variable System. Unbd ausserdem hatte ich nur den einen Abriss mit dem Korkblei, während ich sonst in der gleichen Zeit an der Stelle locker 5 - 7 Jigs versenkt habe.
Es gibt zwar kaum noch Hechte im Neckar, da es zu viele andere Räuber gibt, wenn man einen erwischt, ist es aber meist ein sehr guter, meist über 90 cm/1 Meter. Und es gibt eine schöne Stelle, wo ich früher regelmässig Hechte fing. Also das Spinnsystem auch Hecht umgebaut. Will heissen: Ein 23cm - Shad wurde an einem kurzen (10 cm) Stahlvorfachsystem mit 2 Einzelhaken montiert. Früher hatte ich die besten Erfolge wenn man den Köder in den Hauptstrom warf, an der Oberfläche hielt und im Kehrwasser abtaumeln liess - je langsamer desto besser.
Deswegen montierte ich ans System auch nur ein 5 - Gramm - Blei. Auswerfen, mit erhobener Rute rantreiben lassen, absacken lassen. Funktionierte mehr als klasse, durch das leichte Blei wurde der Shad kopfüber langsam und schwanzwedelnd in die Tiefe gezogen. Noch vor 15 Jahren wäre das die Fanggarantie für den Hecht gewesen. Wie gesagt, der Bestand an anderen Räubern ist inzwischen besser als der Hechtbestand, also kein Fisch.
Fische sah ich aber an der Oberfläche direkt an der Stromkante rauben. Normalerweise sind das Rapfen, sah mir aber kleiner aus. Einfach das System mit dem grossen Shad aushängen, einen kleinen Kopyto dran und raus damit und an der Oberfläche einholen. Kein Problem mit dem 5 - Gramm - Blei den Köder an der Oberfläche zu führen - nur waren die 5 - Gramm doch etwas zu leicht, so dass ich wurfweitenmässig nicht an die raubenden Fische rankam.
Das 5 - Gramm - Blei gegen eines von 10 Gramm ausgewechselt, und schon reichte es für die benötigte Weite - und das System liess sich immer noch klasse an der Oberfläche führen. Und die Fische haben gebissen, wieder Barsche der Klasse um 15 cm. Aber immerhin, das Anglerboardspinnsystem funktionierte.
Ein Platschen ca. 10 Meter flussab direkt am Ufer machte mich sofort nervös. Das System (10 Gramm mit kleinem Kopyto) ohne nachdenken Richtung des Platschers geschlenzt und dann wollte ich die Montage Richtung Ufer treiben lassen. Aber wenn man direkt am Ufer fast ohne Strömung in knapp 50 cm Wassertiefe angelt, können 10 Gramm Blei eben schon zuviel sein. Also einfach das Blei wieder gegen ein 5 - Gramm Blei wechseln - Ein 40 cm - Döbel bedankte sich für die Mühe mit einem Biss und einem lebhaften Drill.
Fazit:
Das Anglerboardspinnsystem so wie von Holger ausgeliefert, hat einen Praxistest bestanden und ist bedenkenlos zu empfehlen. Alle Komponenten, die man braucht sind enthalten, man schleppt viel weniger Gerödel mit rum und ist trotzdem für (fast) alle Situationen gerüstet.
Ausprobieren werde ich das auch im Salzwasser, sowohl an der Ostsee wie vor allem auch bei meinem geliebten Uferangeln in Norwegen auf Smöla. Denn dort ist diese Variabilität und die Tatsache, dass man mit weniger Hängern angeln noch fangentscheidender als hier im Neckar. Auch dazu wird dann der Bericht aus der Praxis folgen.
Thomas Finkbeiner
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