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Die „Angelschule“
"Theorie ist gut, das Angeln selbst einfach spitze..."
...meinte der elfjährige Lukas, als er stolz wie ein Kaiser seinen ersten selbst gefangenen Fisch präsentierte. Zwar war der Barsch, gemessen an Größe noch nicht rekordverdächtig, doch wen stört's, es war der erste für Lukas und noch dazu selbst gefangen. Vorsichtig vom Haken gelöst, wurde das kleine Flossentier ganz sanft in sein feuchtes Reich entlassen. Was lediglich wie Anglerglück erscheint, war jedoch der erste leicht verdiente "Lorbeerkranz" im Unterricht, im praktischen Teil der Kinder-Angel-Schule, die neben Lukas noch acht weitere Schüler der Werderaner Förderschule an den Plessower See zog. Das deutschlandweit einmalige Projekt der Angelschule, vor drei Jahren an der Neuseddiner Friedrich-List-Schule aus der Taufe gehoben, zählt nicht nur unter Mittelmarks Schülern als der Renner in Sachen Projekttage. Die Schulbank mit dem Angelhocker, den Füller mit der Rute zu tauschen, ist offenbar der Weg, um Schulalltag etwas aufzupeppen. Doch ganz ohne Theorie geht es doch nicht. Ehe die Angel das erste Mal ausgeworfen wird, erfahren die Kinder so manches über die heimische Tier- und Pflanzenwelt, lernen warum es so wichtig ist die Umwelt als schützenswert und nicht als "übergroßen Abfalleimer" zu betrachten. All dies ist es, was Heinz Bohlmann, Angler und Lehrer in einer Person, den Kids der Kinder-Angel-Schule vermitteln möchte. "Wenn wir mit der Angelschule ein wenig dazu beitragen, den Kindern die Augen zu öffnen für all das Phantastische und Reizvolle, was direkt vor ihrer Haustür auf sie wartet, ihnen zu zeigen wie reich und unterhaltsam die Natur sein kann, dann hat der Unterricht etwas bewirkt", meint Bohlmann selbst, der noch im August diesen Jahres seinen Beruf als Lehrer der List-Schule offiziell an den Nagel hängt. Auf seine Arbeit in der Kinder-Angel-Schule hat dies jedoch keine Auswirkungen, vielmehr entstehen Freiräume, für all das, was sich der 62-jährige "Angellehrer" noch vorgenommen hat. "Die Schule geht weiter. Ich habe viel zu viel Spaß mit den Kindern, als dass ich ans Aufhören denken könnte", meinte er und erntete dafür prompt ein breites Lächeln auf dem Gesicht von Maria Tippe, Lehrerin an der Förderschule, die sich sicher ist, dass die "Kinder-Angel-Schule" auch im kommenden Jahr ein heiß begehrtes Projekt an ihrer Schule sein wird. Wie die Kinder selbst, so ist auch sie von dieser Art Unterricht voll überzeugt. "Gerade für unsere Kinder, die motorisch unruhig sind, deren Verhaltensauffälligkeit nicht selten in Aggression und Kraftausdrücken endet, ist dies hier Balsam für Nerven und Seele." Von all den Problemen, die die Kinder wohl sonst mit sich herumtragen, war am See nichts zu merken. Vielmehr saßen dort neun Jungs unterschiedlicher Altersgruppen, die sich gegenseitig halfen, die Köder tauschten, sich über die Fangerfolge der anderen freuten und letztlich keinen Zweifel daran ließen, dass ganz sicher jedes Kind Harmonie und Ruhe sucht, Verhaltensauffälligkeit und Rivalität im passenden Ambiente letztlich in Bedeutungslosigkeit verschwindet. Am Ende des Angeltages warteten auf die Kinder der Förderschule noch weitere Überraschungen. Neben leckeren Rostbratwürsten vom Grill verteilte Heinz Bohlmann noch sechs schicke Angeltaschen, die der Schule vom Gröbener Angelverein gespendet wurden. So wie die Petrijünger aus Gröben, sind auch die "Teltower Knicklichter" und mittlerweile Vereine aus der ganzen Region bemüht, die Kinder-Angel-Schule zu unterstützen, da sich alle einig sind, dass nur Kinder, die die Natur kennen, diese auch als etwas Besonderes, Einmaliges betrachten und letztlich zu deren Erhaltung beitragen werden. fdk
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Auch so kann Unterricht sein: Lehrerin Maria Tippe (Mitte) sitzt mit ihren Schützlingen am Plessower See und hofft auf den großen Fang. (Foto: fdk)
Der "alte" Mann und der See: Wie einst Hemingway, so schafft es auch Heinz Kohlmann den Menschen, gerade den Kindern, auf spannende und einfühlsame Weise die Augen für die Besonderheiten der Natur und den Reiz des Fischens zu öffnen. Der kleine Sebastian jedenfalls ist sich sicher: "So schön soll die Natur immer bleiben!" (Foto: fdk)
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