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Klein, aber oho!
Oder von einem der auszog Plötzen zu fangen...
Sehr geehrte Freunde der geschwungenen Rute,
es gibt Geschichten, die geraten entweder in Vergessenheit oder ins Reich der Sagen und Mythen und haben eigentlich beides nicht verdient.
Die Geschichte, die ich erzählen möchte, ist noch so frisch, dass ich sie wahrheitsgemäß wiedergeben kann und in meinen Augen so spannend, dass ich sie euch nicht vorenthalten möchte. Aber zuerst die Rahmenbedingungen.
Zur Person:
Hauptdarsteller ist Uwe H. aus L. (der vollständiger Name ist dem Boardmoderator bekannt). Seit einem Jahr und zum Leidwesen seiner Frau und der Haushaltskasse leidenschaftlich, ja beinahe fanatischer, Fliegenfischer. Seine Leidenschaft geht soweit, dass er sich Mitte Januar an einen nahen Kanal stellt und verzweifelt versucht seine Wurfkünste zu verfeinern, um nach ein halben Stunde hoffnungsloser Versuche die 20m Grenze zu überwinden feststellte, dass die Ringe respektive die Schnur mit einer Eisschicht überzogen sind. Aber das ist eine andere Geschichte und soll hier nur als Beispiel dienen.
Das Gerät:
Im Zuge dieser Leidenschaft war einmal mehr eine Tackle Update fällig, um sich den örtlichen Gegebenheiten und fangbaren Fischgrößen optimal anzupassen. Eine schöne leichte, mittelschnelle und min 9ft lange (wegen des hohen Bewuchses) 4er Rute sollte es sein und zu diesem Zweck mogelte sich der oben genannte mit seinem Töchterchen als Alibi eines (um es genau zu sagen letzten) Samstag morgen zu seinem Local Tackle Dealer. Er rauchte einige Kommunikationszigaretten (das brave Töchterchen schlummerte in ihrer Karre) und schwatzte über dies und das. Unauffällig brachte er das Gespräch auf besagtes Gerät und, welch ein Zufall, ein ebensolches fand sich im Rutenständer des Händlers: Scierra HM2 9ft #4. Mit der rein zufällig mitgenommenen Rollen wurden einige Probewürfe absolviert und sofort entbrannte ein heißes Liebesverhältnis, zwischen dem mit sanfter Kraft führenden Rutenarm und dem korkummantelten Kohlefasergeflecht. Die musste es sein.
Nach einer weiteren Stunde des Aschenbecherfüllens und Anglerlateinplauderns wurde man sich einig und Uwe verließ um 280€ ärmer (aber immer noch ein ziemlich guter Preis, denke ich) mit einem hübschen weinroten Transportrohr unter dem Arm mit der immer noch schlafenden Tochter den Store.
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Das Gewässer:
Ein typisches, norddeutsches Niederungsflüsschen (an den Moderator: ähnlich der Werre bei Detmold). Breite 3-5 m, Tiefe 0,2-1 m. Der besondere Vorteil: dieses Gewässer schlängelt sich genau durch den Heimatort des Uwe H. und somit auch zu spontanen Kurztrips nach absolviertem Familienabendessen und der erfolgreich gewonnener Kinder-ins-Bett-Rallye sehr geeignet. Der Fischbestand setzt sich in erster Linie aus Weißfischen und Barschen zusammen. Vereinzelte Hechte, Aale und Karpfen vervollständigen das Bild. Bemerkenswert ist die einmal jährlich etwa Mitte April auftretende, geheimnisvolle Invasion von Bachforellen in der Größenordnung 25-35cm. Dieses vermehrte Auftreten vermeintlich essbarer Salmoniden führt zu einer von allen, egal ob maden-, blinker- oder fliegeschwingenden Spezies der Gattung Angler durchgeführten Hetzjagd und mündet gewöhnlich in einem etwa 6 Wochen anhaltenden Blutbad. Danach kann man mit Fug und Recht behaupten, dass die Invasion, bis auf vereinzelt auftretenden Irrläufer, wiedereinmal erfolgreich bekämpft wurde und man angeltechnisch wieder zum Alltag, das heißt, zum Fang der oben aufgezählten Fische übergehen kann. Und genau zu diesem Zeitpunkt spielt die Geschichte des Uwe H., die ich euch als geneigte Leser vortragen möchte.
Am Abend des Dienstages und nach Abarbeitung des oben beschriebenen Familienprogramms sollte ein weiterer Versuch gestartet werden endlich mit der teuer erworbenen und heiß geliebten HM2, nach bereits zwei vergeblichen Versuchen, ein Flossenträger an den federumsponnene Haken zu locken. Zielfische waren die bei dem schönen warmen Frühsommerwetter hoffentlich steigenden Weißfische (mit Forellen war zu diesem Zeitpunkt praktisch nicht mehr zu rechnen).
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Die Stelle hatte unsere Hauptfigur bereits am Nachmittag inspiziert. Hier war das sowieso schon recht schmale Flüsschen in zwei Arme geteilt, und genau wo sie wieder zusammentrafen bildete sich ein ruhiger Kolk, von dem Uwe vermutete, dass er am Abend einige Fische zum Steigen nach schüpfenden oder toten Insekten einladen würde.
Das Getackle wurde auf die feine Fischerei abgestimmt. Natürlich die 4er WF mit der HM2. Eine 12er Vorfachspitze (Stroft GTM selbstverständlich) sollte einem feinen Insektenimitat die nötige Bewegungsfreiheit geben und zugleich gegen den Fluchten auch eines größeren Weißfisches oder (ein bisschen Hoffen wird jawohl erlaubt sein) eines der letzten Überlebenden der Forelleninvasion bestehen können.
Am Wasser angelangt wurde aufgetackelte, in die mit 16.000 notwendigen Utensilien gefüllte Flifiweste geschlüpft und die steile Böschung zum schmalen Bächlein heruntergerutscht und gestolpert.
Der hoffnungsvolle Petrijünger startete seine Versuche 50m oberhalb des beschriebenen "Zusammenflussgumpens". Hier plätscherte der Bach munter über eine flache Rieselstrecke und rollte vor des Fischers Füßen mit wütendem Gemurmel über eine Schwelle in ein 10m langes Kehrwasser.
Geübte Finger strippen einige Meter Cortland von der Vosseler DC3 und mit zwei False Casts gleiten 3-4 Meter der grünen Schnur durch die Ringe der Rute. Gemäß der Lehren der alten Meister erst den ufernahen Bereich abzufischen (hier fiel ihm die Entscheidung nicht leicht, da beide Ufer sehr nahe waren...) fallen Schnur und Vorfach sanft auf das schnell strömende Wasser des Baches.
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Beinahe vergesse ich zu erwähnen, was am Ende des Tippets die Schuppenträger zum Anbiss verführen soll. Da er trotz der Jahreszeit und des schönen Sommerwetters kaum Ringe ausmachen konnte, fiel die Wahl auf ein totes, getauchte abtreibendes Insekt imitiert durch eine Variante einer üppiger behechelten P&O.
Sofort ergreift die Strömung die Fliege und drückt sie unter Wasser. Dem alten Indianerritual folgend wird die Rute zwischen die Beine geklemmt, um Zigarette und Feuerzeug in einer der unendlich viele, tiefen und ausschließlich mit notwendigen Dingen vollgestopften Taschen der Anglerweste zu suchen, zu finden und schließlich, nachdem der beruhigend rauchende Glimmstängel im Mundwinkel des Anglers positioniert wurde, wieder an den Ursprungsort zurück zustecken.
Nach einem tiefen Zug des wohlschmeckenden und (angler-)glückbringenden Rauches (ich speche hier von Tabak!!) überträgt die Rute ohne Schlackern und Wippen eine leichte Drehung des Handgelenks auf die Schnur und das beabsichtigte Menden legt die Fliege genau hinter die Rausche an den Rand des Kehrwassers.
Der Blick schweift bereits in Richtung des angestrebten großen Gumpens und die freie Hand macht sich auf den Weg zur Zigarette, um diese aus dem Mund zu entnehmen und dem Angler einen klaren Blick auf des Wasser zu gewährleisten.
Sie sollte diese Bewegung nie zu Ende bringen!!
Ansatzlos schoss die, zwischen Zeige- und Ringfinger der Rutenhand geführte, Schnur durch seine Finger. Schnell war der lose auf dem Grase liegende Schnurrest durch die Ringe verschwunden und zum ersten Mal in seiner Laufbahn als Fliegenfischer gab die Bremse der Rolle mit sanften Schnurren Schnur für einen Fisch frei. Die Zigarette war vergessen und alle Sinne konzentrierten sich auf die steil nach unten ragende Rutenspitze und den Punkt, wo das Vorfach die Wasseroberfläche durchbrach. Die schnelle Fluch war zum Stillstand gekommen und der Fisch stand wie in Stein gemeißelt am Grunde des Gumpens.
"Der ist größer", war sein erster Gedanke, allerdings dicht gefolgt von dem zweiten, der sich intensiv mit dem 12er Vorfach auseinander setzte. Vorsichtig versuchte er Druck auszuüben, um den Fisch zum Schwimmen und damit zur Ermüdung zu bewegen. Der Fisch beantwortete diese Bemühungen nur mit dumpfen Stößen kam jedoch der angestrebten Zugrichtung in keiner Weise nach. Er befand sich mittlerweile in etwa 10m Entfernung am anderen Ende des Gumpens. Zum Glück wurde das Wasser dort sehr flach, so dass des Fischers Gegner diesen Bereich mied und keine schnelle, weite Flucht unternahm, die zwangsläufig zum Vorfachbruch geführt hätten.
Die stetigen Bemühungen und die Geduld zahlten sich aus und der Fisch folgte, unterbrochen von kurzen hektischen Fluchten, die dank der sanften Spitze und des erstaunlich kräftigen Rückgrades problemlos abgefangen werden konnten, dem Zug der Rute Richtung Angler und befand sich mittlerweile beinahe vor seinen Füßen.
Dann saß er fest. Deutlich übertrug die empfindlich Kohlefaser, dass die Schnur sich an etwas rieb. "Sch..e!!", schoss es ihm durch den Kopf. Was tun? Druckausüben und einen Schnurbruch riskieren oder locker lassen und hoffen der Fisch befreit sich von allein, mit dem Risiko, bei geringem Druck den widerhakenlosen Haken aus dem Fischmaul zu verlieren. Die blitzschnelle, interne Diskussionsrunde entschied sich für eine vorsichtige Variante von Plan B. Langsam senkte der angespannte Fischer die Rute und tatsächlich es erfolgte der ersehnte Zug und der Fisch war frei.
Wieder schoss der Fisch mit aller Macht zu Ende des Gumpens und beendete die Flucht mit einem beeindruckende Sprung, als wollte er sagen "Sieh mich an, ich bin groß und du hast mich noch lange nicht.". Durch das Gegenlicht der mittlerweile tiefstehenden Sonne konnte er die Größe des Gegners nur erahnen.
Allerdings ließen die Kräfte des Fisches nun spürbar nach. Die Fluchten und das Stoßen zum Grund konnten jedes Mal abgefangen werden und der Fisch kam nun wieder näher und einige Schnurklänge befanden sich wieder im Grase neben des Fischers Füßen.
So leicht wollte der Kontrahent sich jedoch nicht aus seinem nassen Element entreißen lassen. Ansatzlos setzte er zu einer wütenden Flucht zum Gumpenende an und wieder schoss die abgelegte Schur, sanft von der Schnurhand gebremst durch die Ringe Richtung Fisch. Gleich müsste die seidenweiche Bremse der Rolle wieder die Arbeit übernehmen, doch unerwartete wurde der Abzug der Schnur blockiert und die Rutenspitze nach unten gerissen. Sofort antwortete der Fisch mit einem wütenden Sprung und dem geschockten Fischer blieb für eine Sekunde das Herz stehen. Die Fliegenschnur hatte sich im die Kurbel der Rolle gelegt. Doch das hauchdünne Vorfach meisterte auch diese Belastung. Schnell löste er die Verwirrung und dankte Petrus dafür, dass der Fisch noch am Haken bzw. an der heilen Schnur war.
Jetzt konnte er den Fisch langsam aber konstant vor seine Füße führen.
Vorsichtig kletterte Uwe an einer ruhigen Stelle bis an die Wasserkante. Der Fisch war jetzt schon sehr nahe, wenn auch nicht an der Oberfläche. Unser Angler löste den Watkescher aus der Magnethalterung am Rücken und legte ihn neben sich ans Wasser. Der Vorfachknoten saß mittlerweile vor dem Spitzenring und die weit nach hinten gezogen Rute ließ den großen Kopf einer Forelle die Oberfläche durchbrechen. Den bestehenden Schwung der Bewegung ausnutzend schob der Fischer den Kescher unter den Fisch und er war sein.
Schnell zwei Schritte die Böschung hoch und Kescher mit Fisch ins Gras gelegt.
Vor ihm lag eine prächtige Bachforelle, wie er sie in seinem Leben noch nicht zu Gesicht bekommen hatte.
Eine schnelle Betäubung gefolgt von einem Herzstich erlösten den Fisch von allen Belangen dieser Welt.
Das anschließend angelegte Maßband zeigte 50cm goldbraunen Forellenkörper mit großen weißen und rötlichen Punkten.
Und er war glücklich!!!

Ich hoffe, ich konnte Euch mit dieser Anekdote aus dem Flifi-Leben des Uwe H. ein paar unterhaltsame Minuten verschaffen. Und ihr konntet ein wenig von der Spannung und dem Glück nachempfinden, das unserem Fischer zuteil wurde.
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Nachtrag:
Sicher gibt es unter den geneigten Lesern mehrere, die bereits das Glück hatten einen solchen Fisch zu fangen. Ich gebe hier jedoch die vorliegenden Umstände zu bedenken, die diesem Fang eine besondere Bedeutung beimessen. Das beangelte Gewässer ist kein regelmäßig mit Großforellen besetzter Vorgebirgsfluss an dem die Tageskartenpreise beinahe den Jahresbeitrag des Vereines, der den besagten Bach bewirtschaftet, abdecken. Die Rute hatte vorher noch keinen Fisch gesehen - was für ein Einstand. Die Vorfachstärke war fast verantwortungslos dünn, aber wer ahnt (oder hofft) schon solch ein Erlebnis.
Ach ja, der Forelle folgten an diesem Abend im übrigen noch einige von den anvisierten Plötzen, welche den Abend abrundeten.
So, jetzt genug mit dem gestochenen Gequatsche
Los, an die Ruten damit ihr auch mal so was erzählen könnt!!!
Uwe Holzkamp
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