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Spontane Entscheidungen sind oftmals......die besten Entscheidungen...


...dachte ich mir am Samstagabend und entschloss mich kurzerhand einen erneuten Versuch zu starten, den Renken in der Sorpe-Talsperre ein wenig näher auf die Schuppen zu rücken. Ach ja, ich vergaß: natürlich vom Bellyboat aus. Letztes Jahr hatte ich insgesamt drei Versuche gestartet, wobei es mir gelang immerhin ein paar Renken zu schnappen. Das sollte sich dann Sonntag ändern, schließlich war ich hoch motiviert. Ein Blick auf die Homepage vom Angelgeschäft de Koning in Sundern/Amecke jedenfalls unterstützte diese (ich will es mal) Euphorie (nennen). Stand da doch im aktuellen Wochenbericht: "...auch Nichtprofis fangen teilweise beachtliche Stückzahlen...".

Teilweise? Hm, na gut, dieses Wort überlese ich mal einfach. Bin ich noch "Nichtprofi"? Auf jeden Fall bin ich kein Renkenspezialist, eher doch der Allrounder, der es wagt mit einer kleinen Winkelpickerrute und kleiner Stationärrolle ausgerüstet diesen Coregonen nachzustellen... und dann auch noch vom Bellyboat aus. Schon letztes Jahr sind mir die unterschiedlichsten Meinungsäußerungen zuteil geworden:

Vom echten Interesse (Was ist denn das für ein Ding? - Ein Bellyboat! - ? - Ein BELLYBOAT! - Ein Belliboht?! - Genau, ein Bellyboat! - Aahja... das weitere Gespräch entwickelte sich dann... aber gaanz laangsam!), über Skepsis (Ob das mit dem Ding gut geht? Ist das nicht zu kalt? Mit Schwimmflossen? Da ist ja ein Echolot montiert!), bis hin zu Unverständnis und total ablehnender Haltung (wenn du kein Boot hast, Renken kann man auch vom Ufer aus fangen! (Ja, nee, ist klar!), guck mal, was ist das denn für ein Verrückter (oder war es Bekloppter?)), egal, das überstehe ich auch dieses Jahr. Positiv denken!

Gut, jedenfalls war ich noch vor dem Wecker wach und brachte ihn mit einer geraden Linken zum Schweigen, noch bevor er überhaupt den ersten Ton richtig getroffen hatte. Heute Morgen hat er sich dafür ganz fürchterlich gerächt! Nein, nicht das er seine Arbeit verweigert hätte, nur etwas leise war er, schön - vielleicht war ich auch noch etwas zu müde, eine viertel Stunde dieses Düdeldü wahrzunehmen. Die Thermoskanne mit Tee hatte ich Samstag schon abgefüllt. Als feste Nahrung sollte mir über den Tag eine Dose Thunfisch helfen, schließlich ging es ja zum Angeln und da soll man sich von nichts ablenken lassen. Um viertel nach fünf saß ich im Auto und legte die lächerlichen 146 km bis Amecke in 95 Minuten zurück. Das Angelgeschäft öffnet auch sonntags um 7:00 Uhr. Schnell den Tagesschein gekauft (immer noch 5,- €, wie im letzten Jahr) und ab ans Wasser.

Auf dem See war schon reichlich Bootsgetümmel vor dem Setmeckestollen, da war es mir dann doch etwas zu voll. Deshalb blieb ich auf halber Strecke zwischen dem Stollen und dem Vordamm. Dort kurz die Lage gepeilt - aha, ein Bootsangler drillt eine Renke, Fisch gibt es auch hier. Gut ist auch: das Wasser ist hier auch nur 12 bis 15 m tief und ich kann gut ankern. Schließlich muss ich ein ordentliches Gewicht auch später wieder nach oben hieven. Ein 750-g-Anker hält hier nicht auf dem relativ festen Grund. Fünf Pfund sind hier schon angebracht. Man soll den, wenn auch nur schwachen, Wind nicht außer acht lassen. Selbst wenn man nur ganz langsamen Vortrieb über Grund macht - den Renken kann das schon zu schnell sein...

Womit ich auch schon auf dem Wasser bin. Das Aufrödeln des Bellyboates mit Echolot und allem was dazugehört, beschreibe ich jetzt mal nicht, es hat halt auch seine Zeit gedauert, ging aber allemal schneller als das Aufrüsten und Wassern eines Schlauchbootes. Der Wasserpegel der Sorpe war erfreulich hoch und der Weg vom Parkplatz zum Wasser entsprechend kurz. Jetzt konnte der erfolgreiche Angeltag so richtig beginnen. Meine Winkelpickerrute hatte ich mit einer selbst gebauten Hegene mit roten und schwarzen Nymphen bestückt und schickte diese schon mal bei 10 m Wassertiefe zum Grund, schließlich konnte ich dem Echo meines technischen Equipements nicht widerstehen. Irgendwie kam die Hegene nie so richtig am Grund an, soviel Schnur ich auch gab, es lief, und es lief, und es lief, hm. ???

Rolle zu, wieder hochkurbeln, uups? Na klar, da hat sich doch eine Renke gleich eine Nymphe einverleibt und hatte die Flucht ergriffen, noch bevor die Hegene überhaupt in Kampfposition war, Unverschämtheit (und das zum Thema "minimale Drift kann schon zuviel sein"). Das konnte mir aber nur Recht sein und ich pfiff auf die Regel zu ankern, schließlich bewiesen die knapp 30 cm zukünftiges Räuchergut, das diese Regel nicht stimmen kann...

Glaubte ich zumindest die nächste dreiviertel Stunde. Jedenfalls bekam ich erstmal keine weitere Renke an die Wasseroberfläche. Immer wieder erscheinende Signale auf dem Echolot zeigten schnell durchziehende kleine Trupps von (wahrscheinlich) Renken an. Ich kam dann doch zu der Überzeugung dem Anker seine eigentliche Aufgabe zuzuweisen. Echos waren ab dann keine mehr zu sehen aber die zweite Renke ließ sich durch eine nicht mehr durchs Wasser eilende Hegene sofort überzeugen. Wieder 25 cm Leckerli. Ich hatte festgestellt: minimale Drift ist zuviel und der erste Fisch war der klassische Zufall und Einzelfall, nur um zu beweisen, dass es doch mal anders funktioniert.

 
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Noch mal eine viertel Stunde später konnte ich Renke Nummer drei verhaften, jetzt hatte ich schon mal mein zweitbestes bzw. - schlechtestes Ergebnis eingestellt (ich hatte ja drei Versuche im letzten Jahr!). Jetzt bekam ich allerdings ein Problem, über das jeder Bootsangler lacht, sich aufrichtet und laufen lässt, oder vernünftigerweise ein Eimerchen im Sitzen benutzt. Aufstehen? Eimerchen? Nö, Anker lichten (ächz!) und ans Ufer paddeln, sind ja nur knapp 150 m, aber bis man sich so aus seiner Wathose geschält hat. Ist aber gut gegangen!

Erleichtert und nicht minder motiviert stieg ich wieder beschwimmflosst in mein Bellyboat und machte mich an die zuvor verlassene Stelle. Ein paar unter-dem-Echolot-Umherschwimmer kosteten mich alle Aufmerksamkeit, hoffte ich doch jeden Moment auf ein Zucken in der Rutenspitze (meines Winkelpickers), aber nix war. Dreißig Minuten ohne Fischkontakt fingen an mein Nervenkostüm zu zerfleddern. Und nachdem so einige Fetzen davon so auf dem Wasser vor mir hertrieben, bewies das Sauerland mal wieder die Herleitung seines Namens. Irgendwie scheint sich die Sonne dort vor mir zu fürchten und verzieht sich im Regelfall hinter garantiert regenschwangeren Wolken, die auch ganz bestimmt in den letzten Wehen liegen. Viele fiese kleine Nieseltröpfchen brabbelten leise auf dem Wasser um mich herum und suchten nach einem Weg unter meine Watjacke, fanden aber keinen. Nach einer weiteren halben Stunde hatte ich das Nieseln im Griff und erspähte ein, zwei Beschwörungsformeln später wieder die Sonne.

Puh, Glück gehabt, dachten sich wohl auch die Renken, und weil man ja sonst mit nichts rechnet, ließ plötzlich die Spannung der Schnur unmerklich nach, ich schnallte natürlich wieder nichts. Um meine Gedanken wieder auf Trab zu bringen, entschied sich der Fisch aber doch ordentlich durchzuziehen. Ein Anhieb erübrigte sich in diesem Fall, der Rums war deutlich zu spüren. Und dann zeigten sich doch tatsächlich zwei (Mini-)Bugwellen an der Wasseroberfläche. Da trieb eine Dublette sein Spiel mit mir. Toll, was eine Renke mit drei noch freien Haken der Hegene anstellen kann, während man den anderen Fisch im Kescher versorgt.

Der dem Kescher am nächsten Haken verbiss sich hartnäckigst in demselben, der folgende schnappte nach der Schwanzflosse des Fisches, was diesen wiederum richtig tobsüchtig werden ließ. Jetzt hatte ich diesen Fisch zwar auch sicher, weil doppelt gehakt, aber warum nur musste die letzte Nymphe und das Blei auch noch der Schnalle meiner Flosse zu nahe kommen? Genau, weil Akrobatik auf dem Bellyboot lustig ist. Also auf meinem Togiak kann man solche Geschichten machen, wenn man gelenkig genug ist, man muss nur... sicher gehen, nicht in einem Original U-Boot von CC oder gar in einem Round-Boat zu sitzen - das klappt garantiert nicht!

Öhem, zum Thema wieder - die Renken waren jetzt für eine kurze Zeit regelrecht beißwütig. Bis kurz vor eins trieben 13 Renken bauchoben in meinem Netz. Und wenn ich nur etwas mehr Konzentration an den Tag gelegt hätte, wären es schon ein paar mehr gewesen. Die Süßwassersilberlinge bissen derart vorsichtig und spitz, das war echt haarsträubend. Komischerweise zeigte sich auf dem Echolot kaum Bewegung und weil ich ja um die 12 m Wasser unter mir wusste konnte ich auch darauf verzichten. Die Renken klebten förmlich am Grund und stellten sich höchstens als etwas dickere Grundlinie auf dem Echolot dar.

Nach einem kurzen Landgang zwecks Verhinderung eines akuten Nahrungsmangels (der Thunfisch aus der Dose) und weil ich mittlerweile die Thermoskanne auch schon ziemlich leer hatte... (ohne Eimerchen - war ja Landgang!). Ein weiteres dreiviertel Stündchen später war ich wieder an "meinem" Plätzchen. Etwas weniger vorsichtig als am Vormittag gesellte sich so alle fünfzehn Minuten ein weiterer Fisch zu meiner Beute, darunter auch zwei Winzlinge, die demnächst als Zanderköder herhalten müssen. Dabei war aber auch eine Renke von 35 cm, die ausgenommen noch knapp über 300 Gramm auf die Waage brachte.

Zwischendurch war ich dann noch einmal an Land (nicht um noch mehr Thunfisch in Dosen zu essen!) (Ha! Falsch gedacht: Meine Nase benötigte dringend eine Lichtschutzfaktordreißigsalbung) und ich hatte am Ende 29 Fische (plus die zwei Köfis) ab 18:30 Uhr zu versorgen. Und da kam mir dann noch eine Erkenntnis, die ich bestimmt das nächste Mal umzusetzen versuche. Es zeigte sich, dass alle Renken prall mit grünen Mückenlarven gefüllte Mägen hatten. Sicher hätte ich besser mit grünen Nymphen gefischt, die gewiss etwas argloser von den Renken genommen worden wären.

Fazit: der erste Fisch wird (sofern er nicht der oben erwähnte Ausnahmefang ist) sofort seziert und entsprechend der Färbung des Mageninhalts die Hegene ausgewählt. Nichts desto trotz warten nun neun Pfund ausgenommener Renken auf den Räucherofen und mir läuft jetzt schon das Wasser im Mund zusammen. Und wer jetzt noch am Donnerstag zum Meschendorftreffen mit Meeresangler_Schwerin kommt, und der Bernd dort seinen Räucherofen einheizt, bekommt etwas zum probieren. So feddich jetzt.



Horst Haggert



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