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Kleine Köder für große Fänge
Wahnsinn! - Das Wasser ist voll mit kleinen Brutfischen. Tausende der kleinen „Kommas“ tummeln sich in den Fluten. Da sage noch einer, unsere Gewässer wären nicht fischreich. Mit der Spinnrute will ich heute den Räubern nachstellen und schon kommt Hoffnung auf als ich einen großen Schwall erblicken kann und die kleinen Fischchen zur Seite spritzen. Schnell knote ich einen Wobbler an, der einer knapp handlangen Ukelei sehr ähnelt.
Nach einer halben Stunde ist meine gute Laune jedoch gewichen. Obwohl sich andauernd Raubfische bemerkbar machen, konnte ich keine Biss registrieren. Wo bleibt mein Hecht bloß? Entnervt knote ich einen kleinen Blinker an. Vielleicht noch ein paar Barsche ärgern, denke ich mir. Schon nach wenigen Würfen schießt plötzlich ein schöner Hecht aus dem Kraut an der Uferkante heraus und schnappt zu.
Wieder mal ein klassisches Aha-Erlebnis, denn ein Zufall war das nicht. Der kleine Blinker passte viel besser ins Beuteschema des Räubers. Er war genau wie die zahlreichen Brutfische nicht mal fingerlang, während der davor verwendete Wobbler deren Größe deutlich überstieg.
Wer im Sommer Hechte oder auch andere Raubfische fängt und diese zwecks einer Verwertung mitnimmt, wird beim Ausnehmen der Räuber feststellen, dass ihr Mageninhalt fast nur aus den kleinen Brutfischchen besteht. Handlange oder gar noch größere Beutefische findet man selten.
Eigentlich logisch, warum sollte ein Hecht denn auch großen Rotaugen nachjagen, wenn er praktisch nur sein Maul öffnen muss um mehrere kleine zu erbeuten. Als Spinnfischer kann man aus diesen Tatsachen natürlich Kapital oder besser gesagt Kapitale schlagen. In der Sommerzeit lohnt es sich ganz gezielt mit kleinen Ködern auf die gesamte Palette unserer heimischen Räuber zu fischen, auch große Exemplare beißen jetzt häufiger auf Mini-Köder.
Die schweren Hechtruten kann man dafür natürlich im Keller stehen lassen. Mit einer Spinnrute, deren Wurfgewicht um die 40 Gramm liegt lassen sich auch leichte Köder recht gut auswerfen, aber dennoch hat eine solche Rute genügend Reserven, falls statt einem Barsch ein guter Hecht den Mini-Spinner nimmt. Von Spinnruten mit weniger als 20 g Wurfgewicht halte ich hingegen nichts. Diese Ultraleicht-Gerten ermöglichen es häufig nicht einen vernünftigen Anhieb zu setzen. Das Resultat sind viele Ausschlitzer im Drill.
Eine kleine bis mittelgroße Rolle mit guter Bremse und ordentlicher Schnurverlegung ist zum „Sommerspinnen“ optimal. Diese sollte mit einer geflochtenen Schnur bis maximal 0,15 mm Durchmesser bespult werden. Niemals sollte der Köder direkt an die Hauptschnur geknotet werden, weil so bei Hängern immer ein Stück Schnur eingebüßt wird, was bei kleineren Rollen schnell zum Problem wird. Außerdem ist Geflochtene vergleichsweise auffällig. Daher benutze ich stets ein etwa meterlanges Fluocarbon-Vorfach zwischen 0,20 und 0,30 mm Stärke, wenn hauptsächlich Barsch, Döbel oder Zander als Zielfische zu erwarten sind. In Gewässern mit gutem Hechtbestand sollte man auf ein Stahlvorfach hingegen besser nicht verzichten. Für kleinen Spinnköder kommt nur das sehr flexible 7x7-Matarial in Frage. An einem zu steifen Stahlvorfach wird der Lauf kleiner Spinnköder zu stark beeinträchtigt. Um insbesondere bei kleinen Wobblern einen optimalen Lauf zu sichern, kommen als Karabiner zum Einhängen des Köders nur Cross Lock-Modelle zum Einsatz.
Nun zu den eigentlichen Ködern für das Spinnfischen im Sommer: Klein sollten sie sein und ihre Farben sollten der Fischbrut nahe kommen. Wo also viele kleine Barsche vorhanden sind, sind Köder mit Streifen nicht fehl am Platz. Wo viele Ukeleis und Rotaugen vorhanden sind machen silberne oder kupferfarbene Köder eine gute Figur. Bei den Ködertypen setze ich am liebsten auf Wobbler, Spinner und Blinker. Mit Wobblern im Naturdekor lassen sich die Beutefische am besten imitieren, während Spinner und Blinker durch ihre starken Druckwellen auch träge Räuber aufwecken.
Am Tage führe ich den Köder vor allem bei Sonnenschein und hohen Temperaturen gerne eher tief, während in den Dämmerungsphasen ein flach laufender Köder oftmals am besten fängt. Der frühe Morgen sowie der späte Abend einschließlich der Nacht sind im Sommer in der Regel auch die erfolgreichsten Zeiten zum Spinnfischen, zumal bei 30 Grad und Sonnenschein in der Mittagszeit ein Schwimmbadbesuch auch deutlich angenehmer als Blinkern ist.
Veit Wilde
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