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Nordkapptour 04.05. - 19.05.2005
Teil 1
04.05.2005
Für dieses Jahr haben wir uns entschlossen, eine Tour zum Nordkapp über Angelreisen Palm zu buchen und am 04.05.2005 ging es denn auch endlich los. Wir wurden von Martin, unserem Fahrer Koch und Ansprechpartner während der gesamten Tour, in Möhlau (Dessau) abgeholt und sind um 19.20 Uhr in Rostock an der Fähre angekommen. Wir haben nicht lange warten müssen und die Fähre hat um 21.15 Uhr abgelegt. An Bord der Superfast Ferries (Superfast VIII) haben wir erst mal bis um 22.30 Uhr das Skandinavienbuffet (22,00 EUR/Person) gestürmt und haben uns anschließend in der Bar noch ein zwei Bier zu Gemüte gezogen. Die Kabinen sind für 4 Personen, wir waren mit Fahrern 14 Personen, somit waren Ingo und ich aus dem Schneider, 4 x 3 = 12 und Ingo und ich als Ehepaar haben als Mitreisende Nr. 13 und 14 dann eine Vier-Bett-Kabine für uns gehabt. Zum Glück, denn es gab einige Schnarcher unter uns, die Kabinen sind 10 m² groß und das kleine Bad zu viert benutzen, war für die Anderen recht "unruhig". Um 0.40 Uhr ging es dann frisch geduscht und zufrieden ab in die Koje.
05.05.2005
Gegen 9.00 Uhr sind wir ausgeruht aufgestanden, und uns für sage und schreiben 7,90 EUR einen Kaffee, einen Tee und ein Sandwich an der Snackbar zum Frühstück besorgt, denn zum Mittag sollte es wieder in das Buffetrestaurant (18,50 EUR/Person) gehen. Die Preise kann man allerdings verschmerzen, wenn man die Vielfalt der angebotenen Speisen betrachtet, es ist einfach himmlisch lecker.
Die Fähre haben wir dann in Finnland/Hanko um 18.20 Uhr verlassen können (19.20 Uhr Ortszeit), zwei Elche haben am Straßenrand gestanden und uns die Ehre gegeben und wir haben dann 12 Std. in das finnische Li gebraucht.
06.05.2005
Dort hat eine kleine aber vor allem saubere Unterkunft auf uns gewartet. Dort um 6.30 Uhr angekommen, gehen Ingo und ich sofort ins Bett, die Fahrt war anstrengend, im Bus läßt es sich halt nicht so gut schlafen, falls es mit dem Schlaf klappt, hält dieser nicht lange an und ist auch nicht sehr tief. Wie Mikadostäbchen sind wir also ins Bett gefallen und haben noch nicht mal mehr mitbekommen, dass kurz vor sieben an unsere Türe geklopft wurde, es sollte noch ein leckeres Lachsfrühstück geben. Macht aber nichts, wir haben erst mal 5 Stunden tief und fest geschlafen, haben geduscht und uns ein bißchen Li angesehen. Martin und Dirk, unsere Fahrer der beiden Busse, mußten ja noch etwas mehr schlafen, zum Nordkapp ist es halt noch eine lange Strecke. Nachdem wir nun die ersten knappen 700 km geschafft haben, starten wir gegen 16.00 Uhr auf die letzte Etappe von 900 km nach Komöyvaer auf die Nordkappinsel. Mal sehen, wie wir diesen Ritt überstehen. Alle 2 - 3 Stunden eine Raucher- und Pipi-Pause, es ist einfach nur anstrengend, die ganze Zeit über zu sitzen und die Kilometer zu zählen.
Gegen 19.00 Uhr sind wir am Polarkreis angekommen - leider hat um diese Zeit schon alles geschlossen -, haben etwas warmes getrunken, das Büro und das Postamt vom Weihnachtsmann fotografiert und natürlich den gekennzeichneten Polarkreis; nach Berlin sind es von hier noch "mickrige" 1.789 km. Je höher wir fahren, desto kälter wird es. Am Polarkreis sind die Seen noch zugefroren und es liegt Schnee, bei 2 Grad fahren wir durch den Regen, es ist jetzt 21.35 Uhr, mal sehen, wann es anfängt zu dämmern.
22.15 Uhr nach einer kurzen und kalten Zigarettenpause mitten in der Pampa von Lappland geht's weiter. Es ist um 0 Grad kalt, der Himmel ist noch hell, von Dämmerung keine Spur, leider auch nicht von Elchen oder Rentieren, obwohl wir durch ein ausgewiesenes Rentierzuchtgebiet fahren. Es liegt inzwischen eine geschlossene Schneedecke (1/2 Meter), wann nur kommt der Frühling nach Lappland?
23.00 Uhr Die Dämmerung setzt ganz laaaangsam ein, der Himmel ist so grau, als ob es noch mehr Schnee geben soll. So eine Landschaft zu Weihnachten, ein Traum. Die Rentiere haben nicht lange auf sich warten lassen, sie trotten ganz gemächlich am Straßenrand und eines lief über die Straße, blickte uns an und hat sich mit dem Überqueren richtig Zeit gelassen. So langsam sind auch die Straßen mit Schnee bedeckt, Schneehasen, Füchse, Rentiere und Schneehühner haben wir inzwischen auch schon gesehen.
23.50 Uhr nach Murmansk sind es von Ivalo noch 303 km. Das Tageslicht reicht noch immer zum Schreiben aus, wenn es nur nicht so wackeln würde.
07.05.2005
0.30 Uhr Wir haben in Inari (Inarisee) zum letzten Mal in Finnland getankt und wurden von einem sternhagelvollem Mann "belästigt". Obwohl es immer später wird, wird es immer heller (trotz schneeverheißungsvollem Himmel), je weiter wir nach Norden kommen. Jetzt kommen wir auf die Grenze nach Norwegen zu und fahren ins Gebirge. Hochachtung vor unserem Fahrer Martin, Bus mit 8 Personen besetzt, Kofferraum und Anhänger voll beladen bis zum geht nicht mehr. Überall liegt Schnee, sogar auf der Fahrbahn. Schnee, wohin das Auge reicht. Wie wird der Urlaub? Werden wir frieren?
1.30 Uhr es ist nicht zu fassen, es ist fast taghell, wir fahren sprichwörtlich Berg und Tal, wenn man auf einer Kuppe steht, sieht es wie ein Schanzentisch aus. Bergab muß Martin im Schrittempo fahren.
1.40 Uhr der zweite Bus ist einen der Berge nicht hochgekommen, er mußte die Schneeketten aufziehen, der Bus muß einen viel größeren Hänger ziehen als unserer, die anderen haben noch das Gepäck der Flieger dabei und sind daher um einiges schwerer als wir unterwegs. Wir haben zwar auch welche dabei...aber die sind kaputt..
2.15 Uhr wir müssen noch immer auf den anderen Bus warten und es fängt an zu schneien. Durch die Schneewolken wird es zwar ein bißchen dunkler aber so richtig will die Nacht hier doch nicht mehr einkehren.
2.45 Uhr der zweite Bus hat zu uns aufgeschlossen. Wir fahren nun etwas voraus um zu sehen, ob die anderen mit Schneeketten weiterfahren müssen oder nicht. So langsam kommt Unruhe in der Truppe auf. Um 15 Uhr müssen die Flieger in Alta abgeholt werden und wir haben noch ca. 400 km vor uns und unsere Fahrer sitzen dann auch schon viel zu lange hinterm Steuer.
3.40 Uhr Wir haben die Grenze zu Norge endlich erreicht. Na toll, nur weil ich eben diesen Satz geschrieben habe, habe ich auch die Überquerung der Grenze verpaßt, Schwups.... und wir waren durch....PUH.
Endlich, gegen 7.30 Uhr sind wir in Kamöyvear angekommen und haben unsere Unterkunft in Augenschein genommen. Erst habe ich einen kleinen Schreck bekommen: Baustelle - Gerüst vorm Haus. Aber innen ist alles neu und sehr sauber. Unser Vermieter, Thor-Sverre Hansen, hat noch bis 3.00 Uhr zusammen mit seiner Frau die Fassade des Hauses gestrichen, wir sind die ersten Gäste nach der Renovierung des Hauses und fühlen uns sofort wohl und freuen uns auf das was kommt. Hans, Uwe und Sven sind in einer Wohnung im Haus des Vermieters untergebracht. An unserem Boot wird noch gearbeitet, es liegt in der Bucht direkt vor dem Haus im Trockenen. Das Boot ist aber bald fertig, Ingo, Andreas, Mathias (Fishman1), Thor-Sverre und der "Holländer" Frank sowie noch ein Mann versuchen, es ins Wasser zu schieben. Nach ein paar Metern geht es aber nicht weiter. Aber das ist nicht so schlimm, wir warten ca. 30 Min. auf die Flut und dann ist alles O.K. Die Sonne läßt alles warm erscheinen, aber das täuscht, der Ausblick von der Mole ist einfach phantastisch.
Um 14.00 Uhr werden wir von Thor-Sverre und Frank, der perfekt deutsch spricht, in das ganze Geschehen eingewiesen und wir können die erste "Schnuppertour" machen. Wir fangen recht schlecht und nach ca. 2 Stunden werde ich fürchterlich seekrank, die Männer müssen mich wieder reinfahren, mir geht es einfach zu schlecht. Wir sind schon lange auf den Beinen, der Wind ist recht stark und wir haben den Fjordausgang Richtung Barentsee angesteuert, hier ist keine vorgelagerte Insel, die uns schützen kann. Ich bin enttäuscht, hätte gerne weiter geangelt, aber es geht wirklich nicht mehr. Ingo, Andreas und Mathias fahren wieder raus, gefangen haben sie nicht viel, einen kleineren Lumb, einen Rotbarsch und ein paar Dorsche. Um 22.10 Uhr fallen wir ins Bett und schlafen sofort ein, trotz Megaschnarchen vom Mathias aus dem Nebenzimmer. Wenn Mathias in der ersten Etage im Schlafzimmer schnarcht und wir im Erdgeschoß im Wohnzimmer sitzen, können wir das Schnarchen noch allzu deutlich hören. Aber mit Ohrenstöpsel geht alles.
08.05.2005
Um 8.00 Uhr hat Martin das Frühstück für uns bereitet und wir fahren um 10.30 Uhr zur ersten großen Tour raus. Auch heute war der Wind recht stark, aber es hat trotzdem Spaß gemacht. Unser 90 PS Benzinmotor bringt uns überall hin. Wir angeln zu viert auf dem Boot und der Platz reicht aus. Zu dritt wäre es perfekt, aber es haut gut hin.
Kaum haben wir vier unsere Montagen abgelassen, krümmten sich die Ruten und es ging endlich los. Ich habe den ersten größeren Dorsch gefangen, den wir auch mitgenommen haben. Hier waren aber ansonsten nur kleinere Exemplare, also haben wir umgesetzt. Es ging zur Landspitze von Helnes Feuer und haben gefangen wie die Meister. Wegen der Dünung war es anstrengend, sich länger als 15 Sekunden auf einen Fleck zu stellen, ständig mußten wir die Schläge der Wellen ausgleichen.
Dann auf einmal dachte ich OH JA, hier funzt es aber gewaltig. Ich habe zum Glück zur Vorbereitung meine Muskeln auf Vordermann gebracht, denn das war auch echt nötig. Ein fetter Biß und ein richtig anstrengender Drill brachten einen Dorsch von 85 cm und einen großen Köhler in die Fischkiste. Man haben die einen Trubel gemacht. Ich habe mich entschlossen, den Beifänger abzunehmen und nur noch den Pilker mit Drilling in die Tiefe zu lassen. War auch ganz gut so, die Männer haben sich nach einer Weile auch dazu entschlossen. Ingo fing einen Dorsch von 93 cm und Mathias einen von 92 cm. Ingo´s hat 6,7 Kg gewogen, der von Mathias war bestimmt auch nicht viel leichter. Nachdem ich ein paar Dorsche und 3 Köhler gefangen habe, ging bei mir gar nichts mehr. Sobald ich den Fisch gelandet hatte und zum K.O-Schlagen und kehlen meinen Oberkörper Richtung Bootsboden neigen mußte, wurde mir elendig übel und alles drehte sich. Ich bin wieder dermaßen seekrank geworden, so daß mich die drei nach ca. 3 1/2 Std. wieder reinbringen mußten. Bei diesem Wellengang haben wir heute 45 Min. von Helnes in den Hafen von Kamöyvear (ca. 8 km) gebraucht, bei ruhiger See dauerte die Fahrt nur 20 Min. Die Jungs wollten die Fische eigentlich kurz filetieren und wieder rausfahren, sind dann aber auch drin geblieben. Nach dem Abendessen sind Mathias, Andreas, Uwe und Hans gegen 21.00 Uhr doch noch mal rausgefahren. Ingo und ich sind mit zum Bootssteg um unsere Ausrüstung aus dem Boot zu holen. Der Fischabfall vom Nachmittag hat 3 Fischotter angelockt, diese haben sich von uns nicht stören lassen und sich ganz frech die Abfälle aus der Kiste geklaut. Wir standen nur 1,5 Meter neben ihnen, man waren die süß.
Morgen fahren Ingo und ich um 5.00 Uhr raus. Wir wollen direkt vor der Mole angeln, dort, wo nicht so hohe Wellen sind und wir auch nicht soweit fahren müssen. Das ich die Wellen nicht vor vertrage, ärgert mich sehr, aber was soll ich machen. Sollen sich die Jungs dann lieber alleine in den Wellen auslassen, so brauchen sie mit mir nicht ewig zurück. Die zusätzliche Fahrerei ist nämlich auch nicht erfreulich. Wenn Ingo mit mir so kleinere Touren von 2 oder 3 Stunden macht, bin ich schon zufrieden.
09.05.2005
Ingo und ich sind um 3.45 Uhr aufgestanden, da wir um 5.00 Uhr raus wollten. Am Bootssteg angekommen, stehen Mathias, Andreas, Hans und Uwe noch im Filetierzelt und bearbeiten ihren Fang von letzter Nacht. Zu viert haben sie fast 120 kg Dorsch und Köhler gefangen, Uwe hat einen Dorsch von 1,04 m mit 9 kg gefangen, der war erst mal happy. Schade, ich würde auch gerne längeren Touren machen zu den guten Fangplätzen vor Helnes Feuer. Seit 3.00 Uhr sind sie am filetieren. Pünktlich um 5.00 Uhr legen Ingo und ich ab und es fängt an zu schneien. So ein Mist aber auch.
Damit ich länger durchhalte, umfahren wir nur die vorgelagerte Insel Kamöy, hier ist es doch recht geschützt und auch trotz einiger Wellen habe ich meinen Spaß, wir fangen einen Dorsch und einen Steinbeißer, aber beide sind uns zu klein und dürfen weiterschwimmen. Wie Gott will, kommt zum Schneefall auch noch mehr Wind auf, es ist kalt, Fische wollen auch keine mehr beißen und wir beschließen, nach 1,5 Std. die Rute aus der Hand zu legen.
Nach dem Frühstück fahren wir mit Martin nach Honningsvåg, kaufen Postkarten und Halsschmerztabletten für Ingo.
Wieder zurück fertigt Ingo noch ein paar Montagen für die geplante Kuttertour mit Thor-Sverre. Danach noch ein Schläfchen bis 15.00 Uhr und Mittagessen. Thor-Sverre kommt vorbei und sagt (Verständigung nur in englisch, er versteht nur wenige Worte deutsch), das Wetter wäre recht schlecht für die 7 Std.-Tour; wenn die Jungs wollen, würde er aber fahren, aber mit einer Hand festhalten und mit einer Hand angeln, kommt nicht ganz so gut, so dass die Jungs dankend ablehnen und sich für den nächsten Abend verabreden.
Gegen 19.00 Uhr fahren Ingo, Andreas Mathias und Martin dann aber doch noch raus, es geht ja nicht in die Barentsee. Ich muß mal wieder kapitulieren, selbst in der gut geschützten Bucht ist es zu wellig und sie wollen ja auch wieder Richtung Helnes Feuer, dem Ausgang zur Barentsee. Ich hoffe morgen auf besseres Wetter und darauf, dass wir eine Tour machen, die nicht so weit hinausgeht. Schließlich fahren die Jungs ja morgen auch mit dem Kutter raus und kommen dort auf ihre Kosten.
Um 22.40 Uhr habe ich mich auf dem Weg zum Bootssteg gemacht und siehe da, ich hatte perfektes Timing bewiesen, die Jungs haben gerade das Boot entladen. Heute war es sehr windig, richtige "Kirsten-Killer-Wellen" waren unterwegs. Zum Glück bin ich nicht mit raus. Gefangen wurde, aber leider nicht so viel wie gehofft, 3 - 4 Dorsche und ein paar Köhler wurden verhaftet. Nach einer Stunde war der Fisch verarbeitet und dann konnten wir um Mitternacht noch etwas warmes trinken und ins Bett fallen.
(weiter geht es im August mit Teil 2)
Kirsten und Ingo Stiehler
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