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Der Schlaumeier !
Tja, Freunde wer kennt ihn nicht, den ganz besonderen Kollegen. Völlig unverhofft taucht er am Vereinsgewässer auf, eine Angel hat er nie dabei. Dafür ein scheinbar unendliches Archiv an schlauen Sprüchen.
Ganz genau schaut er dir auf die Finger und beglückt dich mit seinem Fachwissen, das man gar nicht hören will. Nebenbei berichtet er von den 30 pfündigen Hechten und den Meterzandern die er „letztens“ gefangen hat. Dabei wundert man sich dann ein wenig, schließlich sieht man Ihn nie mit Rute am Wasser. Auf die Frage wo es denn solch große Fische gibt kommt die geheimnisvolle Antwort „Ach, das ist weiter weg“!
Eines der schönsten Erlebnisse mit einem dieser Gesellen hatte ich im zarten Alter von 14 Jahren.
Ich war damals wie so oft in dieser Zeit an unserem kleinen Vereinsteich unterwegs. Wieder und wieder warf ich m einen Spinner in die Mitte des Gewässers und kurbelte ihn verführerisch heran.
Dann kam ER. Langsam aber bestimmt schlenderte er auf mich zu. Gut 10 Minuten stand er wortlos neben mir um dann mit einem kurzen hämischen Lächeln festzustellen „Ach Bub, so fängst du nie was“!
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Am liebsten hätte ich ihm jetzt schon meine Meinung gesagt, doch als kleiner Steppke ist man da doch etwas vorsichtig. So ließ ich vorerst gewähren. Lauthals verkündete er seine „Hechtstrategien“. Vom absoluten Köder sprach er, ein Köder mit dem er kürzlich erst 4 Meterhechte an einem Tag gefangen hat. Auf die Frage, was es denn für ein Köder sei antwortete er abfällig: „Ach den kennst du sowieso nicht, den hab ich aus Amerika bestellt“.
In der Hoffnung, dass er mich nun in Ruhe lassen würde schwieg ich. Doch es half nichts. Es ging schon wieder los: „Was willst du denn mit dem Spielzeug da fangen“? (gemeint war meine Ausrüstung)
Höflich antwortete ich „Ich probiers auf Hecht.“
Das veranlasste ihn zu einem künstlich lauten Lacher: „Haaaaaaahaaa damit kriegst du ja noch nicht mal einen Barsch raus!“
Nun war es für mich genug, von meinen paar Kröten Taschengeld und den paar Mark die ich mir durch Autowaschen und Rasenmähen verdienen konnte reichte es halt damals nicht für mehr als eine 5-20g no-Name Spinnrute und eine gebrauchte Okuma-Rolle die schon sehr lädiert war. Aber mich deswegen andauernd von diesem Schlaumeier verhöhnen lassen? Nein Danke! Ohne ein Wort zu sagen schwang ich mich auf mein Fahrrad und fuhr an die andere Ecke des Teiches.
ER hingegen begab sich nun zu seinem Auto, holte seine Sportex/Shimano Kombo heraus, montierte einen dunkelbraunen Doppelschwanztwister und feuerte ihn immer und immer wieder in den Teich. Gekonnt zupfte er den 8 cm langen Gummiköder über den Grund. Das sein 30g Jigkopf dafür wohl etwas schwer war, interessierte nicht. „Auf die Wurfweite kommts an“ war schließlich eine seiner Lieblingsweisheiten.
Es dauerte nicht lange da stand er schon fast wieder neben mir: „Da geht heute nix auf Kunstköder…Ostwind“
Nachdem er noch ein paar mehr oder weniger geschickte Würfe zelebrierte und dabei stets darauf verwies wie toll doch die Schnurverlegung seiner Shimano-Rolle ist schlenderte er wieder zu seinem Wagen. Nun holte er seine Stellrute heraus und köderte ein Laube aus dem Glas an.
Es verging eine weitere Stunde in der wir beide keinen Fisch zu sehen bekamen. Da es nun schon langsam dämmerte musste ich mich auf den Heimweg machen. Ich fuhr mit meinem Fahrrad den Teich entlang, leider blieb mir keine andere Möglichkeit als an IHM vorbeizufahren. Es war klar dass er nun noch einmal was zu sagen hatte: Demonstrativ hielt er mir sein Glas mit den eingelegten Lauben vor die Nase „Da schau, das ist der neueste Trend – die Hechte fahren da voll drauf ab“
Ich fuhr ein Stück weiter um noch meine letzten Würfe zu machen. Doch kaum stieg ich von Fahrrad ab stand er schon wieder neben mir. Aus dem Handgelenk feuerte ich meinen 5er Mepps nochmal hinaus. Bereits nach der 3 Kurbelbewegung meinerseits kam was kommen musste: „Mensch Bub, du musst den doch ganz anders führen…. lest du keinen Blinker oder was?“
Kaum hatte er mir sein Anliegen mitgeteilt war meine Gerte krumm. Schon an den Schlägen bemerkte ich, dass es ein schöner Hecht sein musste. Während ich den Hecht mit meiner leichten Spinnrute Richtung Kescher dirigierte war er schon wieder mit Sprüchen wie: „Ja Bub wie drillst du denn? – Pass auf - der kommt dir ab!“ zur Stelle.
Als ich den Fisch dann im Kescher hatte ließ ich einen Jubelschrei in Richtung Himmel.
Doch nicht einmal das vergönnte er mir „tss.. was freust du dich denn da so – die gibt’s doch hier massenweise“.
Innerlich wäre ich beinahe explodiert, doch ich ging gar nicht auf seine Kommentare ein und bat ihn stattdessen höflich ein Foto von dem Fisch und mir zu machen.
„Was ? den Schusshecht willst du doch nicht auch noch fotografieren?“
Ich drehte mich um, stellte die Kamera auf meine Gerätekiste und schoss per Selbstauslöser ein Foto. Es war schon ein gutes Gefühl einen schönen Hecht gefangen zu haben, aber so richtig freute ich mich erst als ich mich, nachdem ich die ersten 100 Meter mit dem Fahrrad gefahren war, noch mal umdrehte und sah wie er hektisch einen Spinner an seine Sportex montierte.
Franz Hollweck
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