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Angelpech – oder: ist Big Game ein Glücksspiel?
Teil II
Interessierte Angler baten mich um eine Erläuterung zu der Abschlussformulierung in Teil I: „Rückschlüsse für die Bootskosten und umgekehrt, von den Kosten auf die Fangaussichten, sind in diesem Zusammenhang sehr oft von Nutzen!“. Soll sagen, zum Beispiel für die drei Fanggebiete M, K und A gilt:
| Fanggebiet | Ausfahrten für 1 Marlin | Euro pro Ausfahrt |
| M | 6 : 1 | 250 |
| K | 3 : 1 | 500 |
| A | 2 : 1 | 1000 |
Fanggebiet M ist vom Bootspreis her das günstigste Reiseziel, hat aber die schlechtesten Langzeitauswertung 6 : 1. Fanggebiet K hat tatsächlich eine Auswertung von 3 : 1, somit gehen die 250 Euro Mehrkosten gegenüber M in Ordnung. Bei Fanggebiet A müssten die Mehrkosten von 750 Euro gegenüber M aber mit mindestens einer Langzeitauswertung von 1,5 : 1 begründet sein! Beispielrechnung zu M: an den 2500 Ausfahrten (20 Boote ausgewertet) der letzten Saison (6 Monate) wurden 417 Marline gefangen, 2500/417 = 6 : 1; der Wert 6 : 1 ist auch im Mittel über alle Jahren (seit dem gerechnet wird) gleich.
Bei der ganzen Rechnerei, sollte man aber immer die Zusatzkosten für Flug, Quartier, Essen + Trinken, Transfer und andere Nebenkosten nie aus den Augen verlieren; oft lassen sich mit den höheren Nebenkosten viele Ausfahrten bezahlen.
Wie schaut es eigentlich aus, wenn nicht nur die statistischen Daten für 1 Marlin (egal welches Gewicht) sondern auch die Daten für größere Marline z. B. schwerer 300 lbs interessieren? Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein gefangener Marlin auch schwerer als 300 lbs sein wird, eine Tabelle dazu; wichtig ist die jeweilige Anzahl der Ausfahrten zu den Prozentsätzen, 50 % bedeutet „fifty : fifty Chance“:
| Anzahlen der Ausfahrten | Ausfahrten für 1 Marlin, egal welches Gewicht | und dann noch größer 300 lbs | ergibt Wahrscheinlichkeit in % für Marlin > 300 lbs |
| 10 | 5 : 1 | 5 : 1 | 0,... |
| 10 | 3 : 1 | 6 : 1 | 1 |
| 10 | 7 : 1 | 2 : 1 | 45 |
| 10 | 7 : 1 | 3 : 1 | 20 |
| 10 | 7 : 1 | 4 : 1 | 5 |
| 15 | 5 : 1 | 5 : 1 | 15 |
| 15 | 3 : 1 | 6 : 1 | 45 |
| 15 | 7 : 1 | 2 : 1 | 70 |
| 15 | 7 : 1 | 3 : 1 | 40 |
| 15 | 7 : 1 | 4 : 1 | 20 |
| 20 | 5 : 1 | 5 : 1 | 40 |
| 20 | 3 : 1 | 6 : 1 | 75 |
| 20 | 7 : 1 | 2 : 1 | 80 |
| 20 | 7 : 1 | 3 : 1 | 60 |
| 20 | 7 : 1 | 4 : 1 | 35 |
Ablesebeispiele dazu:
| • | Bei 10 Ausfahrten im Fanggebiet mit: egal welches Gewicht = 5 : 1 und dazu noch schwerer 300 lbs = 5 : 1 geht die Wahrscheinlichkeit, dass der Marlin schwerer als 300 lbs ist, gegen Null; bei 15 Ausfahrten gerade mal 15 %, bei 20 Ausfahrten 40 %. |
| • | Bei 3 : 1 (egal welches Gewicht) und 6 : 1 (schwerer 300 lbs) und 10 Ausfahrten gerade mal 1 %; bei 15 Ausfahrten noch nicht einmal fifty : fifty, bei 20 Ausfahrten aber 75 %. |
| • | Bei 7 : 1 (egal welches Gewicht) und 2 : 1 (schwerer 300 lbs) und 10 Ausfahrten liegt die Wahrscheinlichkeit bei 45 %, bei 15 Ausfahrten schon bei 70 % und bei 20 Ausfahrten sogar bei 80 %! |
Jetzt zusätzlich zurück zur Tabelle aus dem Teil I: Die Kosten für die Ausfahrten sind, bei einem Restrisiko „keinen Marlin“ von 10 %:
a) 3 : 1 = egal welches Gewicht bei mindestens 6 Ausfahrten, 6 : 1 = schwerer 300 lbs und
b) 6 : 1 = egal welches Gewicht bei mindestens 13 Ausfahrten, 3 : 1 = schwerer 300 lbs und die Wahrscheinlichkeiten einen größeren Marlin (schwerer 300 lbs) zu fangen ungefähr gleich! Trotzdem werde ich immer das Reiseziel mit den 13 Ausfahrten vorziehen: zum einen, weil mehr Ausfahrten auch den Erfolg beim Beifang steigert und ich selbstverständlich (wenn ich mal dort bin) auch lieber auf See als an Land bin; zum anderen, weil mein (gesundes) Misstrauen gegenüber statistischen Langzeitauswertungen mit (zu) vielversprechenden Werten (z. B. 3 :1 und kleiner) auch überproportional anwächst. Nochmals meine Meinung dazu zusammengefasst:
| • | Der gesunde Menschenverstand muss beim Angeln immer vor Statistikdaten stehen! |
| • | Traue nur den Daten, die Du selbst gesammelt hast oder die Du von Anglern, Crews Deines (absoluten) Vertrauens stammen! |
| • | Öfters Rausfahren fürs gleiche Geld (für alle Ausfahrten) und gleicher Chance ist immer vorzuziehen! |
| • | Stimmen die Gewichtdaten bei den „Catch + Release Marlinen“? Hier helfen nur Fotos von tatsächlich gefangenen und gewogenen Fischen als Vergleich oder tatsächlich gemessene Länge und größter Umfang bzw. die IGFA-Gewichtsformel! Meine Faustformel dazu: Geschätztes Gewicht x 2/3 = tatsächliches Gewicht. |
Literatur: Fahrmeier, Künstler, Pigeot, Tutz , Statistik - Der Weg zur Datenanalyse, Springer Verlag 2001
Robert Rein, München im April 2005
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