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Fischfinderecholote – die Praxisreihe (Teil 2)

Hier der zweite Teil des Artikels zum besseren Verständnis der Echolote . Wir bedanken uns bei Reinhard Mucha vom Anglerboardpartner ThinkBig, die Lowrance Echolote importieren und daher praktisch an der „Quelle des Wissens“ sitzen:

Sendeleistung

Wie im ersten Kapitel erwähnt ist die Sendeleistung eines Echolots einer der Hauptfaktoren bezüglich der Fischerkennung. Zuerst einmal eine ganz wichtige Feststellung: Die Sendeleistung eines Echolots ist nicht vergleichbar mit der Stromaufnahme, die bei Elektrogeräten oft als Leistung angegeben wird. Will sagen: wenn zum Beispiel ein Heizlüfter mit 2000 Watt Leistung angegeben ist, dann saugt er auch 2000 Watt aus der Stromleitung und der Zähler rotiert. Bei 220 Volt ergibt sich somit eine Stromaufnahme von rund 9 Ampere.

Demzufolge müssten bei Echoloten, die teilweise mit bis zu 8000 Watt Sendeleistung angegeben sind, die Leitung glühen. Bei 12 Volt, mit denen unsere Echolote betrieben werden, wäre das eine Stromaufnahme von mal eben 667 Ampere und wir benötigten zum Betrieb auf dem Boot mindestens ein mittleres Stromaggregat. Im wahrsten Sinne des Wortes herzlichen Glühstrumpf!

Glücklicherweise ist dem nicht so. Die durchschnittliche Stromaufnahme von unseren Angler-Echoloten bewegt sich irgendwo zwischen 0,2 Ampere und 1,5 Ampere, somit bewegt sich die Geräteleistung (nicht Sendeleistung) so bei 2,4 bis ca 18 Watt und wir kommen mit einem kleinen 12 Volt Akku über den Tag. Die geringe durchschnittliche Stromaufnahme kommt daher, dass Echolote nur einzelne sehr kurze Impulse abstrahlen, die maximal den als Sendeleistung angegebenen Wert erreichen. Wenn bei einem Echolot gemeinhin von 3000 Watt Sendeleistung gesprochen wird, dann ist meistens die Impuls-Spitzen-Sendeleistung gemeint.

Schlössen wir ein Echolot an ein entsprechendes Meßgerät an, dann erhielten wir eine Anzeige ähnlich einem EKG beim Arzt. Jedesmal, wenn das Echolot einen Impuls sendet, dann würde auf dem Bildschirm ein steiler Zacken erscheinen. Je weiter dieser Zacken ausschlägt, desto höher ist die Impuls-Sendeleistung. Und wenn ein Echolot maximal 3000 Watt Sendeleistung produziert, dann ist dies eben die Impuls-Spitzen-Sendeleistung. Soviel zur Theorie. Wozu benötige ich in der Praxis auf dem Wasser mehr oder weniger Sendeleistung. Ist mehr Leistung generell besser?

Im Prinzip ja, aber ......
Generell wirkt mehr Sendeleistung wie eine hellere Lampe und bietet auch alle Vorteile, die eine hellere Lampe gegenüber einer schwächeren hat. Natürlich reicht das hellere Licht weiter. Beim Echolot schafft also ein Gerät mit höherer Sendeleistung eine größere Tiefe, wichtig für die Norwegenangler. In den Prospekten der Echolote geht folgerichtig auch mit einer höheren Leistung fast immer eine größere erreichbare Maximaltiefe einher. Schaut man so durch die Prospekte, so schaffen in der Regel selbst die kleinsten Geräte schon weit über 100 Meter Wassertiefe.

Bringt mir ein "großes" Gerät mit hoher Sendeleistung auch in kleineren Tiefen Vorteile, also in Tiefen, die ich mit einem leistungsschwächeren Gerät auch erreichen könnte? Die Antwort ist eindeutig JA !! Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass ein leistungsstarkes Gerät nur für große Tiefen taugt und in den kleineren Tiefen keine Vorteile bringt. Wirklich "einleuchtend" wirkt auch hier wieder der Vergleich Echolot - Lampe. Stellt Euch vor, Ihr hättet in einer Lampe an der Wohnzimmerdecke nur eine 10 Watt Birne. Objektiv betrachtet reicht das Licht ohne Probleme die 2,5 Meter von der Decke bis zum Teppich. Das Licht würde bestimmt sogar noch einige Meter weiter reichen. Trotzdem käme wohl niemand auf die Idee zu behaupten, er könne mit den 10 Watt alles sehen. Spätestens, wenn er nicht nur den Teppich selbst erkennen will, sondern den Krümel auf dem Teppich sucht, ist klar, dass die maximale Reichweite nicht der alleinige Maßstab für die Leistung der Lampe sein kann.

Genauso ist es beim Echolot. Eine höhere Leistung macht sich in (fast) jeder Wassertiefe positiv bemerkbar, was die Detailerkennung angeht. Genauso wie das hellere Licht einer stärkeren Lampe Details besser erkennbar macht, werden auch durch ein leistungsstarkes Echolot mehr Details sichtbar. Wer es immer noch nicht glaubt: Schon mal versucht, im Halbdunkel eine Mücke oder Fliege zu jagen?

Mit eine der schwierigsten Situationen ist es für ein Echolot, Fische in Bodennähe oder direkt am Grund zu erkennen. Und hier haben wir dann eine Situation, die mit der Krümel-auf-dem-Teppich-Suche vergleichbar ist. Generell werden mit höherer Sendeleistung ALLE Echos wesentlich deutlicher gezeichnet, oder überhaupt erst sichtbar. Natürlich hat das alles seine Grenzen. In ein / zwei / drei Metern Tiefe spielt die Sendeleistung in der Regel noch keine Rolle. In diesen minimalen Tiefen müssen alle Echolote die Leistung herunterfahren, um nicht zu übersteuern. Auch spielt nicht nur die Tiefe eine Rolle, bei der leistungsstarke Echolote im Vorteil sind.

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Hinderlich ist zum Beispiel ein hoher Schwebeteilchengehalt im Wasser. Schwebeteilchen wirken auf ein Echolot wie Nebel auf eine Lampe. Auch der Salzgehalt spielt eine Rolle. Salzwasser hat eine höhere Dichte als Süsswasser, was "bremsend" auf die Ausbreitung des Ultraschallignals wirkt und somit sowohl Tiefe alsauch Genauigkeit kostet. Ebenso bremsend können Sprungschichten sein. Hier ändert sich mit der Wassertemperatur auch die Dichte des Wassers um einen für das Echolot wahrnembares Maß. Weil jedes Mal, wenn sich die Dichte ändert, das Ultraschallsignal ganz oder teilweise reflektiert wird, können Sprungschichten nicht nur angezeigt werden, wenn sie intensiv genug sind (so ab ca. 3 Grad Wassertemperaturunterschied), sondern bremsen das Ultraschallsignal auch beim Weg in die Tiefe und zurück ebenfalls aus. Ein Extrembeispiel für die Wirkung von Sprungschichten ist das Mittelmeer. Es besteht übertrieben gesagt geradezu aus Sprungschichten (da muss man sich fast wundern, dass es nicht bereits aus seinem Bett rausgehüpft ist). In der Praxis ist es denn auch so, dass die Echolote im Mittelmeer allerhöchstens die Hälfte ihrer angegebenen Maximaltiefe erreichen, wenn überhaupt. Eine Rolle spielt hierbei natürlich auch der hohe Salzgehalt des Mittelmeers. Ähnlich wie Sprungschichten wirken auch starke Unterwasserströmungen mit Strudeln und Wirbeln, wie sie z.B. geraden bei Gezeitenströmen auftreten.
Am wichtigsten ist jedoch die Bodenhärte. Während ein harter Felsboden das Ultraschallsignal optimal reflektiert (wie Echo in den Bergen) und somit auch ein durch große Wassertiefen und alle oben genannte Faktoren geschwächtes Ultraschallsignal noch wieder auf den Weg zur Wasseroberfläche bringt, schluckt ein weicher Boden Leistung. Er dämpft sozusagen wie ein dicker Teppich. Das ist auch einer der Gründe, warum gerade in Norwegen, wo viele Geräte an ihrer Leistungsgrenze arbeiten, das Echolot plötzlich "aussteigt", auch wenn es laut Herstellerangaben diese Tiefe eigentlich noch bewältigen sollte: Eben hat es noch über Felsgrund ein gutes Echo bekommen, und nun über einem Schlammfeld ist das Echo "aufgesogen".

Noch ein Wort zu den Herstellerangaben: Weil natürlich jeder Hersteller seine Modelle gut dastehen lassen will, sind die Maximaltiefen oft rein theoretisch ermittelte Werte unter optimalen Bedingungen, also Süsswasser ohne Sprungschichten und Schwebteilchen und harter Grund. Zumindest haben diese Werte den Vorteil, dass man die einzelnen Modelle vergleichen kann.

Werte für die Praxis anzugeben, dürfte für die Hersteller zugegebenermaßen auch unmöglich sein, denn die Gewässer dieses Planeten sind nun mal alle verschieden, was Temperatur, Salzgehalt, Trübung, Untergrund, etc. angeht und somit würde ein Modell überall unterschiedliche Maximaltiefen erreichen. Selbst wenn jemand das Echolot nur als reinen Tiefenmesser nutzen will und ihn keine Details wie Fische, Bodenhärte/bewuchs, etc. interessieren, dann wäre er sich bei der Modellwahl schlecht beraten sich nur an der herstellerseitig angegebenen Maximaltiefe des Geräts zu orientieren.

Dazu kommt noch ein weiterer Vorteil leistungsstarker Geräte: Wie bei einem Scheinwerfer bildet sich um den eigentlichen Lichtstrahl herum eine Zone von Streulicht. Je stärker der Scheinwerfer / das Echolot ist, desto größer ist auch der Streulichtbereich rundherum. Weil das Streulicht von vorn herein deutlich schwächer ist als der "Hauptstrahl", ist es bei schwachen Echoloten nur minimal ausgeprägt und fast wirkungslos. Bei starken Geräten jedoch ist das Streulicht stark genug, um im Nahbereich einige Meter (meiner Meinung nach die entscheidenden Meter) um den Echolotgeber herum auch schon vernünftige Ortungen, sprich Fischechos etc. liefern zu können.

Somit habe ich gerade im Bereich unter dem Boot bei leistungsstarken Geräten einen größeren Sichtbereich unter Wasser, als bei schwachen Geräten, obwohl diese, wenn man nur nach den Prospektangaben ginge, in kleineren Tiefen völlig ausreichen würden. Damit verbessere ich gerade in kleinen Wassertiefen die dort so problematische "Fischsicheldarstellung". Ich möchte dies an dieser Stelle einfach so stehen lassen und werde auf die berühmt-berüchtigten Fischsicheln (die alle sehen wollen und kaum einer sieht) in einer späteren Folge zu sprechen kommen. Es gibt keine festen Werte, wo man sagen könnte, ab dieser Tiefe bringt diese Sendeleistung mehr als jene Sendeleistung. Es ist ein fließender Übergang.

Erfahrungswerte von der Möhnetalsperre zeigen, dass 3000-Watt Modelle ab ca. 25 m Tiefe langsam anfangen ein "fülligeres" Bild zu liefern, als 1500-Watt Modelle. Gegenüber den weit verbreiteten 600-Watt Modellen liegt diese Grenze bei ca. 10 m. Es ist jetzt nicht so, dass diese kleineren Modelle "nichts" anzeigen würden und somit rausgeschmissenes Geld wären. Aber im direkten Vergleich und - ganz wichtig - mit entsprechender Erfahrung fangen bereits bei kleinen Tiefen minimale Unterschiede an. Je größer die Tiefe, desto größer der Unterschied. Bitte dies jetzt nicht überbewerten. Es ist in diesen Tiefen wirklich nur im direkten Vergleich und mit geschultem Auge erkennbar. In diesen Tiefen spielt immer noch die Bildschirmauflösung eine wesentlich größere Rolle als die Sendeleistung.

In der Ostsee zum Beispiel verloren 275-Watt Modelle schon bei 40 Metern Tiefe den Bodenkontakt, wenn durch vorangegangenen Sturm sehr viel Sand im Wasser war, obwohl laut Herstellerangabe bis über 100m Tiefe erreicht werden können. Schon ab 10 m Tiefe waren die bodennah stehenden Dorsche kaum noch zu erkennen.
Alles in allem bringt also mehr Leistung nicht nur mehr Tiefe, sondern auch mehr Genauigkeit. Wie wir oben festgestellt haben, gibt es jede Menge Faktoren, die Leistung und damit Tiefe und Genauigkeit kosten.
Deshalb sollte man sich bei der Echolotwahl nicht nur fragen "Wie tief soll es gehen?" sondern auch und ganz besonders "Wie genau will ich es wissen?".

Reinhard Mucha



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