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Aale unter Strom


Endlich sind die Wassertemperaturen wieder so weit gestiegen, dass auch der letzte Aal sich aus seinem Loch begibt. Das bedeutet für uns Angler wieder spannende und erholsame Nachtansitze bei denen die Knicklichter an der Rutenspitzen zucken, harte Aaldrills auf Biegen und Brechen stattfinden und mancher Pullover mit Schleim beschmiert wird. Der Aal läuft!

Ich persönlich stelle den Aalen am liebsten in Fließgewässern nach. Vom kleinen Forellenbach bis hin zu großen Strömen wie Elbe, Rhein oder Donau kann man mit Aalfängen rechnen. Gerade kleine Bäche und Fließe werden häufig übersehen, was jedoch meist ein Fehler ist. Leider sind die Aalbestände in den letzten Jahren rückläufig, so dass man gute Angelstellen wählen muss um die Räuchertonne noch gut füllen zu können.

veit_aale_01.jpg Zum Saisonstart am Fluss sollte man sein Glück oberhalb von Wehren, oberhalb und unterhalb von Schleusen oder in ruhigen Flussaußenkurven versuchen. Auch an Altarmen lohnt es sich jetzt auf Aal zu angeln. Im Hoch- und Spätsommer dagegen kann man in harter Strömung unterhalb von Wehren oder an Bacheinläufen gut fangen. In kleinen Fließgewässern sollte man grundsätzlich immer nach den tiefsten Stellen suchen.

Die beste Aalzeit ist in der Regel natürlich die Nacht, doch muss man die genaue Beißzeit der Aale für sein Gewässer selbst herausfinden. An "meinem" Fluss liegt sie momentan zwischen 23 und 0 Uhr, später im Jahr zwischen 0 und 1 Uhr. Ich habe nicht selten erlebt, dass es davor und danach keinen einzigen Zupfer gab.

Der Aal ist ein sehr wetterfühliger Fisch und oft wird gesagt, dass die Aale nach oder vor einem Gewitter am besten beißen würden. Nach meinen Erfahrungen kommt es aber darauf an, ob dieses Gewitter mit einem Wetterwechsel verbunden ist. Sollte das der Fall sein, dann werden sie Aale kaum beißen. Handelte es sich hingegen um ein klassisches Wärmegewitter, dann stehen die Fangchancen sehr gut. Wichtig ist allerdings in erster Linie, dass die Wetterlage konstant ohne große Luftdruckschwankungen ist. Dann wird man beispielsweise auch während einer Schönwetterperiode mit Ostwind gute Aalnächte erleben.

Als Ruten zum Aalangeln eignen sich 3 bis 3,6 Meter lange Karpfen- oder Spinnruten sehr gut. Bei schwacher Strömung kann man auch Feederruten verwenden. Die Rute wird mit einer robusten und mittelgroßem (Freilauf-)Rolle kombiniert. An hängerträchtigen Stellen oder bei starker Strömung ist eine geflochtene Schnur zum Aalangeln sehr empfehlenswert. Ansonsten setze ich auf eine abriebfeste 0,25 mm starke Monofilschnur. Viele Aalangler benutzen meiner Meinung nach zu starke Schnüre. Man sollte bedenken, dass in Flüssen kaum Aale beißen, die der Metermarke überhaupt nahe kommen, weil sie in dieser Größe bereits zum Laichen ins Meer abwandern. Daher sind 0,20 bis 0,22 mm starke Vorfächer auch ausreichend. Bei der Vorfachlänge müssen sie häufig ein wenig experimentieren. Beißen die Aale sehr "spitz", also vorsichtig, sollte man lange Vorfächer von 60 bis 80 cm Länge verwenden. Jedoch muss dann den Wurm, sofern er Köder der Wahl ist, mit einer Ködernadel auf den Haken gezogen werden, da bei anderen Anköderungsvarianten ein verdralltes Vorfach droht. Wenn die Aale kräftig beißen und man kaum Fehlbisse hat, vor allem aber wenn die Strömung sehr stark ist, verwende ich nur etwa 40 cm lange Vorfächer. In Sachen Haken benutze ich meist Modelle mit langen Schenkel und schmalem Bogen in den Größen 6 oder 8. veit_aale_02.jpg


veit_aale_03.jpg Keine großen Experimente kommen für mich bei der Montage in Frage. Es wird ein Abstandhalter auf die Hauptschnur gezogen an dem man das Blei einhängt, dann folgen eine Gummiperle und ein Karabinerwirbel zum Einhängen des Vorfaches. Zum Flussangeln verwende ich grundsätzlich flache Wirbelbleie, die so gewählt werden dass sie sofort am Grund liegen bleiben. Eine Ausnahme: Stellen, wo eine scharfe Abfallkante vorhanden ist, an der sich die Tiefe um mehrere Meter ändert. Hier benutze ich sehr leichte Birnenbleie in 10 oder 20 g Gewicht. Die Montage wird dann in die Flussmitte geworfen und durch die Strömung wieder zum Ufer hingetrieben. Sie bleibt dann ideal an der Kante liegen.

Bester Aalköder ist und bleibt für mich der gute, alte Tauwurm. Allerdings kommen bei mir meist nur halbe Würmer zusammen mit einigen Maden auf den Haken. Auch Mistwürmer sind fängig. Auf Köderfisch fängt man in Flüssen kaum Aale, da auch die räuberischen Breitköpfe hier meist auf Wurm beißen.

Nach langem Testen bin ich mittlerweile der Meinung, dass Lockstoffe beim Aalangeln fangfördernd seien können, da ich im Vergleich zu Angelkollegen, die keinen Lockstoff auf ihrem Köder hatten, nicht selten wesentlich mehr Bisse bekam. Wichtig ist das man den Köder nie direkt mit dem Lockstoff besprüht oder ihn gar darin einlegt. Stattdessen gebe ich einen Tropfen des Lockstoffs auf einen Stein oder den Deckel einer Madendose und ziehe den Köder nur kurz durch. Für die menschliche Nase ist dieser Geruch dann kaum mehr wahrzunehmen, doch der Aal kann ihn mit einer unvorstellbaren Geruchsleistung wittern. Mit einigen Lockstoffen habe ich gar keine guten Erfahrungen gemacht. Gute Ergebnisse konnte ich hingegen mit dem "Aalkiller" und erstaunlicherweise auch dem süßen Scopex-Aminodipp (eigentlich für Boilies gedacht) von Top Secret erzielen. Ein hervorragender Lockstoff ist auch das Krabbenöl der Firma Die Dresdner.

Zur Bissanzeige befestige ich ein Knicklicht an der Rutenspitze und spanne nach dem Auswurf die Schnur. So wird jeder Zupfer übertragen. Sicherheitshalber sollte man die Rollenbremse aufdrehen oder den Freilauf einschalten, falls sehr kräftige Bisse erfolgen.

Wenn nun endlich ein Aal beißt, sollte man nicht sofort anschlagen. Stattdessen nimmt man die Schnur zwischen die Finger und öffnet den Rollenbügel. Wenn der Aal am anderen Ende zieht, gibt man ihm noch etwas Schnur und schlägt dann erst an.

Im Drill versucht man den Aal so schnell wie möglich vom Grund hochzukurbeln, da sonst die Gefahr besteht, dass er sich zwischen Steinen oder Ästen festsetzt.
 
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Veit Wilde



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