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Saltstraumen hin und zurück


Seit vorgestern wieder zurück vom Straumen und jetzt halbwegs wieder munter. Das hing nicht mit dem Alkohol zusammen, mehr damit das wir wieder eine Woche lang die Nacht zum Tag gemacht hatten und dann die 2800 km wieder heim. Das positive waren die 30 Stunden hoch und die 28 Stunden wieder heim , pünklich an der Fähre und keine Rentiere und Elche die unseren japanischen Mietwagen auf den Zahn fühlen wollten.

Ich plante dieses Jahr für 12 Leute den Trip und außer uns drei Fahrern waren da noch 9 die flogen. Den Kopf noch gespickt mit den Erinnerungen vom Vorjahr merkten wir beim ersten tanken dass die "dicke berta" nicht an board war und so kauften wir gleich mal 10 Stück.........

Ausgemacht war dass sie erst ab 20 Pfund aufwärts angebrannt werden durfte. Um nicht so viel vorab zu verraten .......wir brauchten einige davon. Auf der Fähre dann nach Schweden rüber die erste Überraschung. Wir glaubten wir wären auf einem Schmugglerboot. Rings um uns rum standen nur Finnen und Schweden, lediglich ein deutsches Auto fiel inmitten der Nacht auf dem fast leeren Schiff auf.

"Schau mal was die alle geladen haben". Tatsächlich standen da Autos und Transporter die waren bis unters Dach voll mit Bier und Schnaps aller Sorten. Und wir machten uns Sorgen wegen unserer 8 Flaschen Schnaps und den 4 Lagen Bier ( für 12 Leute ) und versteckten unsere Schmuggelware hinter Türverkleidungen und in sonstigen Hohlräumen.

Letztendlich gab es keine Kontrolle, nur einen gelangweilten Zöllner in Schweden haben wir gesehen. Runter von der Fähre Richtung Göteborg über Mora nach Östersund, dann über die roten Straßen nach Storuman, Moi Rana vorbei und stopp am Polarkreis. Da stand der Monolit, der für mich der einzige Grund war diese Strecke mal zu fahren um später mal sagen zu können: "Wir waren auch schon da".

Gerade mal ein Auto stand auf dem großen Parkplatz und wir sahen an der Nummer dass es Landsmänner- und frauen waren. Ins Gespräch gekommen und nach Kundgabe unseres Reiszieles fing der ältere Mann an zu lachen und erklärte uns das er der Chef von Walther`s Angelreisen sei und er geschäftlich hier unterwegs ist. Wie klein doch die Welt ist. Da fährt man 2500 km um am Polarkreis einen deutschen Angelreiseanbieter zu treffen. Nach einer halben Stunde reden und erklären bekamen wir noch einen paar unterlagen von ihm ......man weiss ja nie was die nächsten Jahre so bringen und verabschiedeten uns. Sollte er Zeit haben kommt er bei uns mal durch denn eigentlich war er unterwegs Richtung Lofoten und auf dem Rückweg wollte er noch zum Arctic Seasport. Das ist das Quartier von Kingfisher am Straumen. Allerdings liegt dies ca 30 min Bootsfahrt vom Straumen weg in den Skjerstadfjorden rein.

Wir hatten wieder bei "Vögler" gebucht und waren in TUV, 300 Meter weg vom Hotspot. Auf diesem Weg ein dank an Herrn Kracke für die tolle Betreuung seitens Vöglers Angelreisen. Angekommen sind wir dann abend um acht und Lilian, die Chefin, gab uns auch gleich ein Zimmer obwohl wir eine Nacht zu früh da waren. Sie ist ganz das Gegenteil ihres Mannes. Für jeden der Willi Jan das erste Mal kennenlernt ergibt sich die Erkenntnis: "auch in Norwegen gibt es arsch.......!!!"

Dies muß man bei all unseren Erfahrungen so hart ausdrücken. Keine Freundlichkeit, immer mürrisch, der ist noch nicht mal zur Begrüßung aus seinem Sessel aufgestanden. Zwei Echolote auf dem Boot Nr.131 und 133, die schon letztes Jahr defekt waren sind es immer noch. Und Vorsicht, er probiert immer am Sprit zu mogeln. Versucht immer den vollen Tank von Beginn der Charter am Ende nochmal mit abzukassieren.

Denke wenn er nicht so eine gute Lage hätte, könnte er seinen Laden zu machen so schlecht ist der Service. Wenigstens sind die Zimmer o.k. Und eine Gefriertruhe ist jetzt auch dabei. Kein Wunder, denn das große Gefrierhaus ist defekt. All unserer Erfahrung aus den letzten Jahren nutzte uns scheinbar wenig. Denn es gab bei auflaufendem Wasser keine Mövenschwärme, die zu tausenden oftmals unter der Straumenbrücke kreisten und sich ihre Mahlzeiten aus den Strudeln holten. Und somit bestätigt sich auch das was wir bei Anreise bei den anderen Gästen gesehen hatten: "Unser größter Ddorsch diese Wwoche war 8 kg", sagte uns ein Österreicher leicht verlegen. "Aber es geht überall nicht viel" klang es als Entschuldigung hinterher.

Tatsächlich , alle Fänge die wir sahen waren nicht das Bild das wir vom letzten Jahr her kannten. "Egal", sagten wir uns. Wir haben noch eine Woche" Aber die "dicke Berta" wurde immer kleiner. Fahren wir mal zu Thor hintern Tor, fragte ich und die anderen sahen mich fragend an. Wir hatten Thor Lekang im letzen Jahr kennen gelernt und er war das Eebenbild eines Fischers. Er kennt Wasser und Stellen, Löcher und Berge wie kein anderer hier am Straumen. Und von ihm bekommt man jede Info. Und äh...er wohnt halt hinterm Sportplatz, seitdem ist er "Thor hinterm Tor.
 
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Ne flasche "Jonny" im Gepäck fuhren wir auf seinen Hof. Und da kam er auch schon. Ein herzliches "Hallo" und beim Anblick der Flasche war das Eis natürlich gebrochen. So erzählte er uns seine Fänge und Erfahrungen seit wir uns das letzte Mal gesehen hatten. Und er sagte zum Schluß "Du weist , das Wasser spinnt hier. Es kann sich innerhalb einer Stunde alles ändern und wenn sie kommen, die Möven und streiten, dann mußt du draußen sein". Na ja, das war nichts Neues aber aus seinem Munde klang es wie eine Offenbarung auf das was noch kommen sollte.

Erster gemeinsamer Tag , 4 x 17 Fuß Boote zogen los wie eine Armarda. So schauten wenigstens alle am Steg als wir 12 gemeinsam ablegten. Und weil gerade Flut war, verkrochen wir uns Richtung Fjordinneres, rein in die kleine Bucht und hinten an die zwei Felswände. Rotbarsche bis 5 kg hatten wir hier schon gefangen. Naturköder an der Schleppmontage mit floureszierenden Bleien und Schläuchen und auch ohne, schönste Pilker in allen gängigen Farben und Beifänger. Aber außer 5-6 Dorschen und Schellfischen interessierte das niemanden. Der Butt dieses Jahr, sollte doch mal einer drin sein, weiss denn der nicht dass wir ein ganzes Jahr von ihm geträumt hatten ??

Na ja eine viertel Stunde am Filetiertisch war der Abschluß des ersten Tages und Walter, unser Neuling, telefonierte schon am ersten Abend heim, seine Frau solle aus der Gefriertruhe nicht so viel verschenken. Es sollte aber noch ein erneutes Telefonat geben. Von Sonntag auf Montag ging es uns nicht viel besser: Ein paar Seelachse, ein paar Dorsche, ein paar Schellfische und den zweiten Sonnenbrand: Das war alles was der Straumen für uns ausspuckte.

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Und immer noch keine Mövenschwärme bei Flut. Hoffentlich kommen die noch. Auch wenn ihr Geschrei uns in den letzten Jahren immer mal wieder genervt hatte, heute sehnten wir uns nach ihrem Geschrei. Der Zeitplan für den Dienstag stand. Morgens ausschlafen, dann 3-4 Stunden zum testen und gegen 22:30Uhr, wenn die Flut fast durch ist, raus. Dann Fischen bis morgens um 4. Bei Ebbe fischt es sich dort besser. Man kann sich genau zwischen die kleine Insel (Rundholmen) und dem weißen Haus auf der anderen Seite stellen und sich langsam mit der Drift zur Brücke treiben lassen.

In 90 Meter geht es los und ganz vorne sind es dann noch so um die 40 Meter. In diesem Staubecken hängt die Nahrung nämlich wenn die Flut kommt auch drin. Und somit die Fische. Man kann dann schön mit 300-400 Gramm den Tiefenbereich bearbeiten. Als wir uns dann abends richteten, Overalls an, Stiefel rein, Handschuhe für alle Fälle (ne Flasche Feuerwasser auch), Funkgeräte usw. Die Flut war eine Stunde nach Höchststand, jetzt sahen wir sie: Möven.

Drei kleine Schwärme von Möven kreisten dicht über dem Wasser und es kamen immer mehr dazu. Wie Torpedos stießen sie ins Wasser und jeder von uns wußte, was dies heisst.: Seit fast 3 Tagen warteten wir auf dieses Bild und erinnerten uns noch an Thors Spruch "Wenn die Möven streiten müßt ihr draußen sein".

Wir waren die ersten draußen. Ich hatte an meiner Sportex einen grün silbernen Pilker mit 400 Gramm und 3 grüne Makks ( 8/0 ), die Linecounter der Penn zeigte 30 Meter an bei ca. 80 Metern Tiefe, als es das erste Mal an der Angel zerrte. Anschlag, ja und da war das Gefühl warum wir auch dieses Jahr wieder an den Straumen gingen. 30Ibs Magnum BT im Halbkreis und langsam nach oben. Geile Rute dachte ich bei mir und das entschädigt auch für den Preis. 2x 10 Pfund Seelachs an den Beifängern und noch ein 6 Pfünder auf dem Pilker: Das war der erste Wurf....

So waren wir die ersten 10 Minuten damit beschäftigt zum einen die schönen Seelachse abzuhängen und zum anderen zu realisieren was da gerade geschah. Die Fische bissen nach Belieben zwischen 5 und 50 Metern und entgegen den letzten Jahren waren es alles im Durchschnitt Seelasche zwischen 6 - 16 Pfund. Ein Norweger im Nachbarboot fing allein so viel wie wir zu zweit, unter anderem auch einen mit fast 33 Pfund. Es war eine unbeschreibliche Nacht und Walter, der das erste Mal auf dem Meer zum fischen war und den ich zum betreuen mit zu mir aufs Boot genommen hatte, begriff die Welt nicht mehr: "Das gibts doch nicht" hörte ich immer wieder mal zwischendurch.

Allerdings muß ich sagen das ich selbst eine solche Nacht in meinen 6 Jahren auch noch nie erlebt hatte. Nach einer halben Stunde war unsere Wanne an Bord übervoll, so dass wir nun die Fische im Boot liegen lassen mußten. Immer wieder hörte man Lachen und Rufen aus den anderen Booten neben uns und sah Ruten im Halbkreis. "Wir hören jetzt auf" sagte ich um halb 4 zu Walter, "wenn wir nicht die ersten sind, die im Filetierraum anfangen, so kommen wir erst morgen mittag ins Bett."

So fuhren wir Boot für Boot gegen 4 Uhr rein, Adrenalin aufgeladen wie schon lange nicht mehr, denn keiner hatte so was erwartet. Und so fiel mir immer wieder Thors Spruch ein: "Das Wasser spinnt hier, das ändert sich oft von einer Stunde zur nächsten". Wie recht er hatte. Wir begannen um halb 5 mit dem filetieten der Fische und benötigten dazu mit 9 Personen volle 2 Stunden. Wir sahen aus wie die Schw....... Aber glücklich waren alle. 3 Dorsche von 18 / 19 / und 24 Pfund jede Menge Seelachse mit 10-12 Pfund einer mit 16 Pfund usw. Wir hatten in einer Nacht ca. 100 kg Filet zum wässern in Süßwasser gelegt. Dann waschen duschen und ab in die Falle, schließlich war es auch schon um 8 und alle, die die Nacht über geschlafen hatten, schauten betröppelt aus.

 
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Gegen 2 Uhr gab es dann Frühstück und ihr könnt euch vorstellen wie die Geschichten und Gespräche noch voller Emotionen über den Tisch hin und her gingen. Auf der einen Art war es natürlich eine wahnsinns tolle Fischerei, wenn mal die Gelegenheit da ist und man die Schwärme unter sich hat. Aber jeden Tag 2 Stunden filetieren, ne das wäre zu viel. Trotzdem wurde unser Tagesplan wieder gemäß dem Vortag ausgerichtet. 3-4 Stunden heute mittag und dann heute Nacht wieder .Zwischendrin fuhren wir in den kleinen Sundan Fjord an dessen Ende auch der Sundan-Straumen liegt. Hier hat man bei Flut sehr gute Chancen innerhalb große Dorsche und auch Seelachse zu fangen. Auch außerhalb, wenn es die Stömung zuläßt, direkt links um die Felsen und dann ca. 20 m weg von den Steilwänden fängt man gut. Wir hatten wie vor zwei Jahren wieder Jürgen dabei. Und er fing in seinem ersten Norwegenjahr zwei Steinbeißer mit 12 und 17 Pfund in einem Nebenarm des Skerstadfjorden.

Und prompt bog sich seine Angel in 70 Metern Tiefe. Beim ersten Blick dachte ich: "Shit, er hat nen Hänger". Aber es kam Leben in die Spitze und einen Steinbeißer kann man schon oftmal während dem Drill erkennen. Kamera raus, an Backbord gestellt und drauf gehalten. Und dann kam er langsam hoch und blieb unter der Wasseroberfläche stehen. Ran holen, Gaff rein, Fisch über die Reling............und alle springen auf etwas hoch: Nur weg von den Zähnen. Auf den Strich genau 20 Pfund wog sein Muschelfresser und irgendwie hatte er einen Vertrag mit den Seewölfen.

Ansonsten würde doch nicht nur er immer welche fangen und er hat diesmal keine spezielle Montage verwendet. Pilker ganz ordinär. Die "dicke Berta" war schon wieder fällig!!! Wieder rein in den kleinen Straumen, fischten wir das Ende der Flut im wallenden Wasser. Jetzt hatte Turan einen Biß und jeder dachte an einen Dorsch als es quer übers Wasser tönte: "Heilbutt". Das ist nicht fair - er ist unser Vereinswirt, hat noch nie geangelt, hat alles aus meine Ausrüstung und fängt ihn. Er war zwar nur 7 Pfund schwer aber es war ein Butt. Er verstand unsere Freude gar nicht und beäugte den Butt mit merkwürdigem Blick: "Ist doch auch nur ein Fisch". Na ja wer solls ihm verdenken.

Wir waren halt "die um den Heilbutt rundrum Angler" und für ihn war das halt auch nur ein Fisch. Wir fingen an diesem Tag 8 verschiedene Fischsorten am kleinen Straumen: Dorsch, Seelachs, Heilbutt, Rotbarsch, Schellfisch, einen kleinen Leng, einen Steinbeißer und einen Lumb. Fast wie in Mittelnorwegen.

Noch zwei stunden auf Ohr und dann um 23:00 wieder raus. Leider oder zum Glück war es eine "normale" Nacht und nicht schon wieder 2 h Schlachtbank zum guten Ende. Bis zur Nacht von Donnerstag auf Freitag lief dann alles planmäßig. Normale Fänge mit Gewichten um die 4-8 Pfund, darunter wieder zwei Butts mit 6 und 8 Pfund, diesmal an der schwarzen Stange vor der Anlage und einer außerhalb des Straumens. Da gibt es an der rechten Seite eine gute Abbruchkante die man bei schönem Wetter von der großen Straumenbrücke aus sieht. Da haben unsere schwedischen Freunde letztes Jahr immer mal Heilbutt gefangen. Unserer hatte 8 Pfund und natürlich gefangen von einem Debütanten.

Wie war das mit den Bauern und den Kartoffeln??? Aber man freut sich auch mit den Kollegen. Von Donnerstag auf Freitag nacht kamen sie dann wieder. Die Bio-Indikatoren, wie wir sie scherzhaft nannten. Und der Tanz begann erneut. Schlag auf Schlag landeten die Doubletten und mehr im Boot. Rasch standen wir wieder mit den Stiefeln zwischen den Fischen. Jürgen fing nicht nur den größten Steinbeißer dieser Woche. Er landete in dieser Nacht noch einen Dorsch mit 27 Pfund und ein weiterer mit 25 Pfund lag bei unseren Franzosen im Boot. Zu zweit bekamen wir fast die vollen Kisten nicht den Bootssteg hinauf, der vom Reif ziemlich glatt war.

Gegen 4 Uhr hörten wir auf obwohl es noch seht gut biß. Aber wir mußten ja den Fang noch versorgen und gut durchfrieren sollten die Filets ja auch noch. So machten wir uns am Freitag einen "schlanken". Schliefen mal aus, säuberten die Boote und begannen mit dem Packen. So schnell war die Woche vorbei und 30 Stunden Fahrt lagen noch vor uns. Wie gerne hätte ich mit den Fliegern getauscht, dachte ich, aber die Fahrt verlief gut und einer konnte immer schlafen. So dass wir nach 28 Stunden inkl. Fähre wieder daheim vor der Tür standen. Die "dicken Bertas" haben wir genüsslich auf dem Balkon mit dem letzten Sonnenuntergang geraucht..............und wir waren uns sicher, wohin wir im nächsten Jahr wieder hin gehen.


P.S.: Wer dieses Jahr noch an den Straumen möchte und Interesse an Infos, Karten und Montagen hat, kann mir gerne mailen: rene.musielik@web.de Würde mich freuen mit den ein oder anderen Tipps zu einem erfolgreichen Urlaub mit beitragen zu können , so wie wir ihn nur schon drei Jahre hintereinander erleben durften.



Rene Musielik



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