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Ein vollkommener Tag auf dem Angelkutter
Schon die Reservierung verlief reibungslos: Anfrage per Email, ob für uns (5 Personen) am 23. Und 24. April noch Plätze frei wären. Und ob wir eine Unterkunft in Kutternähe bekommen könnten. Die Mail ging abends nach unserer Besprechung um ca. 22Uhr 30 raus, am nächsten Morgen als ich mein Postfach kontrollierte, war die Antwort schon da:
"Hallo Angelfreunde, zu den genannten Terminen ist es möglich für Euch zu reservieren. Unterkünfte gibt es mehrere zur Auswahl, wir haben Euch eine Liste angehängt, wo die Unterkünfte aufgeführt sind, die zum genannten Zeitpunkt noch für 5 Angler Platz haben. Wir bitten um Verständnis, dass wir bei Reservierungen Vorkasse verlangen, da es immer wieder passiert ist, dass Angel"kollegen" trotz Reservierung nicht gekommen sind. Wir bestehen daher auf Vorkasse, um den Kutter nicht überbuchen zu müssen und bitten afür um Verständnis. So braucht sich aber dann auch keiner zu ärgern, dass er trotz Reservierung keinen Platz bekommen hätte.
Momentan stehen die Dorsche eher noch etwas tiefer, also nicht nur das "LightTackle" - Gerät mitbringen, sondern auch an Pilker zwischen 100 und 200 Gramm denken! Wenn Ihr reservieren wollt, einfach per Mail kurz antworten und die Summe von xx,xx auf das Konto: xxx überweisen.
Wir freuen uns auf einen schönen Angeltag mit Euch."
Die Reservierung per Mail und Überweisung klappte genauso problemlos wie die Buchung der Übernachtung. Nun gingen wir also ans "Eingemachte", sprich die Komplettierung des Gerätes. Dank des Hinweises auf tiefer stehende Dorsche nahmen wir auch etwas schwereres Gerät mit, als wir zu der Zeit normalerweise benutzen würden. Der Tipp war, wie sich später herausstellen sollte, Gold wert!
Am 22.04. kamen wir abends bei er gebuchten Unterkunft an und wurden auch sehr freundlich empfangen. "Der Käpt`n hat schon Bescheid gesagt, dass Ihr mit rausfahren wollt. Ist ja bei Anglern immer das Selbe, daher zeige ich Euch nicht nur die Zimmer, sondern auch gleich unseren Schlachtraum und den Trockenraum".
Die Zimmer waren einfach, aber sehr sauber, es gab noch einen Gemeinschaftsraum mit Fernseher, und der Schlacht/Trocken/Gefrierraum war wirklich ideal für Angler. Von der Wirtin bekamen wir gleich noch einen Tipp, da es am nächsten Abend in einem Restaurant ein Dorf weiter ein grosses Heringsessen geben würde, mit frischem Ostseehering in allen Variationen.
Da noch touristische Vorsaison war, war ausser uns noch niemand da, das gab der Wirtin auch die Gelegenheit zu einem kleinen "Klönschnack" beim abendlichen Bierchen. Sie hat zwar selber keine Ahnung vom Angeln, konnte aber viel erzählen, was sie mit Anglern als Gästen schon so erlebt hat. Und wie froh sie über die Angler ist, die gerade in der Vor/Nachsaison gutes zusätzliches Geld bringen.
Für den nächsten Morgen wurde der Wecker auf 6 Uhr gestellt, auch ein Vorzug des Kutters: Vor 7 Uhr kommt eh keiner rauf, Besenstielanbinden gibts nicht, und es werden 4 mal am Tag die Plätze gewechselt, so dass jeder mal die Chance auf einen Bug/Heckplatz hat. Dieses Verfahren kommt mir als "Langschläfer" sehr entgegen, wenngleich ich auch weiss, dass viele Angler lieber mitten in der Nacht aufstehen, um den ganzen Tag auf einem Bug/Heckplatz angeln zu können.
Als wir am Kutter ankamen (so ca. 15 Minuten vor 7) waren wir nicht die ersten. Kutterangler haben wohl das "frühaufstehen" alle noch irgendwie drin. 2 Kollegen waren schon die letzten 3 Tage raus gefahren und haben die Aussagen der Mail bestätigt: Die Dorsche standen tief, aber es wurde gut gefangen, wenn man entsprechend schwereres Gerät hatte. Das liess sich ja schon mal gut an.
Punkt 7 traf dann der Käpt`n und die Besatzung ein. Die wartenden Angler wurden mit einem Handschlag begrüsst und an Bord gebeten. Da die Plätze durchnummeriert waren und die Reservierungsnummer die Platznummer für den ersten Törn, fand man leicht und sofort seinen Platz, es gab kein Drängeln und keinen Streit. Der Bootsmann gab die Fischkisten aus, da wir eine 5er Gruppe waren und zusammen standen, fragte er uns, ob jeder eine Kiste wolle, oder ob wir erst mal mit 2 Kisten anfangen wollten. Dann hätten wir mehr Bewegungsfreiheit, und wenn es nötig werden würde, bekämen wir selbstverständlich mehr Kisten. Was klasse war: Es gab so Einschübe, mit denen man die Kisten unterteilen konnte, so dass es wirklich kein Problem war, mit mehreren in eine Kiste zu angeln. Die Kisten waren auch sauber, warum wurde uns auch gleich klar: "Die Kisten werden natürlich von den Anglern vor verlassen des Schiffes gesäubert, hat sich so eingebürgert".
Nachdem wir unsere Plätze eingenommen, Kisten und Angelgerät verstaut hatten, gings in den Salon. Die Auslaufvorbereitungen waren schon im vollen Gange, aber die Frau vom Käpt`n hatte schon Kaffe und Frühstück vorbereitet. Und Frühstück hiess in dem Falle "rustikales" Frühstücksbüffet (also nicht 2 halbe Brötchen, eines mit Aldisalami un eines mit Käse oder Marmelade, sondern schön Aufschnitt, Krabbenrührei, verschiedene Marmeladen, Honig usw.), mit Kaffee oder Tee satt.
Gleichzeitig lief über den Bildschirm eine Einweisung zum Kutter und den Verhaltensweisen auf dem Kutter, zu den Modalitäten beim Platzwechsel. Erstklassiger Service - aber das wurde nach dem ablegen noch besser. Denn dann kam ein Video über die erfolgreichen Angeltechniken und Taktiken, alles gefilmt auf dem, Kutter. So waren auch Anfänger gut vorbereitet vor dem ersten Stopp. Zuvor hatte der Käpt`n nach dem Ablegen noch die "versammelte" Anglerschaft per Durchsage begrüsst und allen einen schönen Angeltag auf hoher See gewünscht.
Nach dem Einweisungsvideo meldete sich der Käpt`n wieder, er sagte uns in welches Gebiet wir fahren würden, wie tief wir beim ersten Stopp angeln würden und wie die Drift vor Ort dort momentan aussah. Und dazu noch welche Seite beim ersten Mal die Abdriftseite und welche die Andriftseite wäre. So konnte jeder für seine Seite schon die optimale Montage zusammen bauen. Er sagte noch, dass er den Platz sehr genau anfahren würde, so dass auch die Luvseitenangler von Anfang an mit Fisch rechnen konnten, die Andriftangler aber dafür nicht so weit werfen sollten.
Der erste Stopp brachte dann die Angler voll Erwartung an die Reling, die Pilker und Montagen klatschten ins Wasser und man sah die Angler erwartungsvoll auf den ersten Biss warten. Es kamen zwar Dorsche hoch, aber bei er Drift leider nur 3 Stück bei 40 Anglern. Dazu noch recht kleine, die gerade so das Mass hatten. Es wurde abgehupt, und der Kapitän machte wieder seine Durchsage: "Es sind Fische auf dem Echolot zu erkennen, und zwar nicht wenig, allerdings scheinen sie etwas über Grund zu stehen, versucht es deshalb mit etwas leichteren Pilkern bei der nächsten Drift und nicht direkt am Grund, diesmal ist die Steuerbordseite die Andriftseite."
Alle rüsteten entsprechend um, da ich diesmal auf der Abdriftseite stand, montierte ich ein Grundblei, ein knapp 2 Meter langes Vorfach mit 4 kurzen Seitenarmen, an denen jeweils an einem 4/0er Haken ein Twister ohne Bleikopf als Köder dran war. Damit konnte ich den Grund und die 2 Meter drüber "abfischen". Wieder ertönte die Hupe, ich liess meine Montage zu Wasser, als ich das Blei unten aufkommen spürte, hielt ich einfach die Rutenspitze in einem Winkel von 45 Grad nach oben. Die Bremse war gut eingestellt, anschlagen musste ich dank der CircleHooks sowieso nicht, also harrte ich der Dinge die da kommen sollten.
Und diesmal kamen wirklich schöne(re) Dorsche an Bord. 18 Stück bei dieser Drift und diesmal auch ein paar Grössere. Die Drift war immer relativ kurz, so wurde schon nach ca. 10 Minuten wieder abgehupt, dann wieder Durchsage vom Käpt`n: "Wir machen die Stelle noch 2 mal, dann dürfte nix mehr zu holen sein". Gesagt getan, bei jeder Drift kamen wieder Dorsche an Board, jetzt hatte jeder zumindest seinen ersten Dorsch in der Kiste. Übrigens klappte auch das Gaffen hervorragend, der Bootsmann war schnell und freundlich. Ausser als einer einen unverletzten "Minidorsch" abschlagen wollte. Zwar wurde auch im Einführungsvideo auf das Dorschmass hingewiesen, aber da hatte wohl ein Kollege sein Massband etwas sehr "optimistisch" ausgelegt. Der bekam dann schon deutlich gesagt, dass man sowas auf dem Kutter hier nicht sehen will. Schliesslich würde es ums Angeln gehen und nicht ums Fleisch machen!
Nach dem Abhupen dieser Drift wurden wir vom Käpt`n per Durchsage auf den nächsten Angelplatz genauso gut eingestimmt wie bisher. Zudem wurde nun das erste Mal rotiert, nun stand ich nicht mehr an der Seite, sondern 3 Plätze vor der Bugspitze. Da dieser Kutter auf Grund seines guten Service meist von erfahrenen Anglern genutzt wird, war es aber per Absprache mit den Kollegen da kein Problem, vernünftig angeln zu können, so dass eigentlich 8, ja fast 10 Angler die Vorteile des Bugplatzes nutzen konnte. |
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Aber auf jedem Schiff scheint es immer wieder Leute zu geben, denen der Alkohol wichtiger als das Angeln ist. Da fand ich es gut, dass der Bootsmann (natürlich im Namen des Käptn`s) dem am meisten "bewegunsintensiven" der 3 Durstigen das Angeln untersagte, nachdem schon 2 mal dessen Pilker verdächtig nahe am Kopf des Nachbarn "vorbeizischte". Es wurde zwar nicht berauschend gefangen, aber Dank der genauen Hinweise des Käptn`s konnte jeder seine Dorsche kriegen, der eine mehr, der andere weniger. Und es ging auch langsam auf die Mittagszeit zu. Rinderrouladen, Rotkohl und Kartoffeln gabs, während der Kapitän eine weiter entfernte Stelle anfuhr, um keine Angelzeit zu verlieren eben übers Mittagessen.
Der Bootsmann schnappte sich nach dem Essen 5 Angler und bat sie zum Käpt`n hoch. Ich dachte schon, die hätten was angestellt - so kann man sich täuschen. Das waren die, die am wenigsten gefangen hatten, die bekamen während des Verlegens nochmals ne "Einweisung" vom Käpt`n, damit auch sie bei den nächsten Driften besser fangen sollten. Fand ich klasse.
Auch der nächste Platzwechsel war wieder angesagt, was alles ohne grosses Aufsehen vor sich ging, es wurden Fische gefangen, mal mehr, mal weniger, und immer vom Käpt`n vorher die Stellen, die Tiefe und die Drift angesagt. Auf der Rückfahrt wurden dann die Filierbretter (mit genügend Platz, genügend hoch und mit fliessend (See)Wasser) montiert. Es standen auch Kisten für die Abfälle zur Verfügung. Auch klasse, wenn die Abfälle nicht auf dem Filierbrett rumliegen. Der Bootsmann zeigte auch gerne jedem, der sich nicht so auskannte, wie man vernünftig filierte.
Als wir den Kutter verliessen, wurden alle per Handschlag vom Kapitän verabschiedet. Abends gings dann zum Heringessen, das uns von der Wirtin angepriesen wurde - es hat sich gelohnt. Als wir nach Hause kamen, lag im Emailpostfach schon ein Fragebogen, auf dem wir gefragt wurden, wie es uns gefallen hat, ob und was man evtl. ändern sollte etc. ist mir auch das erste Mal passiert, dass sich dafür interessiert wurde.
Achja, jetzt wollt ihr sicher wissen wie der Kutter heisst und wo er liegt?? Ist eigentlich ganz einfach: Den gibts leider (noch?) nicht. Man könnte ihn aber zum Beispiel "MS Anglerboard" nennen und nach Heiligenhafen legen.
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