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Geheimtipp – aber bitte nicht weitersagen!?

„Momentan beißen sie aber besonders gut auf den ... mit dem ... Kopf und... Skirts„ – jeder kennt solche Tipps, die immer wieder unterer uns Meeresanglern die Runde machen. Was ist dran am „Klatsch + Tratsch“, besonders dann, wenn dieser Köder auch tatsächlich erfolgreich war und ist?

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Seit mehr als 20 Jahren kenne ich das Revier an der mauritianischen Südwestküste, glaube mittlerweile sogar, in Sachen Angeltechnik und Köderwahl, dort mitreden zu können. Viele „Wunderlures“ habe ich im Laufe der Jahre erlebt und auch mit Fleiß (mit)laufen lassen. Worin besteht nun das Geheimnis, die Magie solcher Lures, deren „Anziehungskraft“ (leider) meist nach einer Saison erlischt? Nach meinem Dafürhalten ist der „Zauber“ relativ schnell und einfach erklärt: Gehen wir einmal davon aus, dass in der Marlinsaison täglich mehrere Boote raußfahren und jedes Boot eine ungefähr gleiche Anzahl Marlinlures abwechselnd schleppt. Auch kann man annehmen, dass alle Boote ihre Favoriten und auch einige neue Modelle nach und nach alle durchprobieren werden. Jede der Ruten auf den mittleren und hinteren Positionen hat ungefähr die gleiche Chance; will sagen: wenn Marline angreifen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie ein bestimmtes Modell mehrmals nacheinander packen, sehr gering! Wird nun der erste größere Marlin gefangen, bleibt die Farbe, das Fabrikat und die Kopfform selbstverständlich nicht geheim - zumindest über die besten Freunde (über deren beste Freunde...) der Crew und Angler macht sein „Steckbrief“ schnell die Runde! Am nächsten Tag wird garantiert auf vielen Booten ein baugleicher oder ähnlicher Lure aus der Angelkiste gekramt und hingehängt – schaden kann es ja schließlich nie! Jetzt kommt die Stunde des Angelteufels: erneut beißt ein Marlin auf einen solchen Lures oder sogar (noch besser) auf den Selben/Gleichen – ein neuer Stern am „Lurehimmel“ geht auf: „Zwei Marline hintereinander auf den gleichen Lure, so ein Zufall gibt es doch nicht... da muss doch etwas dran sein!?“

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Garantiert laufen in den nächsten Tagen ähnliche oder gleiche Lures auf allen Booten, dazu auch noch auf den Toppositionen und den ganzen Tag über; jetzt ist er zum „Selbstläufer“ geworden und nach und nach wird dieser Lure immer erfolgreicher. Unser Angelteufel lacht sich dabei ins Fäustchen. Meist werden solche Erfolgsgeschichten erst durch eine längere Beißpause oder durch das Saisonende abgeschlossen; wenn keine Marline in der Gegend sind (= Beißpause), kann man hinhängen was man will. Aber, da wir Angler einmal sind wie wir sind, fallen zuerst die Köder (dann die Crew, dann das Boot... und zuletzt das ganze Land) in Ungnade und sogar unser „Glücksstern“ verliert sein „Leuchten“ und verschwindet wieder in der Angelkiste; das Spiel beginnt von vorne. Ich bin auch sicher, dass beim Süßwasserangeln „Glücksköder“ mit solchen „Zufällen“ plus „Tratscherei“ erklärt werden können. Das Feld für Aberglauben ist beim Angeln riesig; viele Angler erklären nachträglich ihr Glück teilweise mit sehr komplizierten, oft recht sonderbaren Zusammenhängen - meist war aber dabei (leider) nur der Wunsch Vater des Gedankens und der Schmarren wird bald über den Haufen geworfen – so, jetzt höre ich auf und überlasse den Rest dem „Anglertratsch“. Trotzdem, etwas Aberglaube (zur Gaudi) schadet nicht, besonders wenn er über die Beißpausen hinweghilft und die Hoffnung auf große Fische am Leben erhält. Ich für meinen Teil sammele Glückslures und eins ist jetzt schon gewiss: beim nächsten Mal sehen die alle wieder Salzwasser und hoffentlich auch eine Menge Marlinschwerte. So, jetzt aber endgültig Schluss mit dem Statistik-Schmarren.

Robert Rein, München im Mai 2005



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