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Uschis Angelerlebnisse Teil 8
Der kleine Dieb
Allerheiligen 2002 entschlossen wir uns einmal wieder zu Peitschen. Schon seit langem wollte ich gerne mal wieder eine Barbe am Haken haben, denn so ein Drill ist immer sehr aufregend. Außerdem schmeckte das Fleisch der Barbe auch sehr gut. Die erste Barben hatten wir einer Bekannten geschenkt, die zweite hatten wir zu Fischstäbchen verarbeitet.
Die letzte Oktoberwoche hatte es so sehr gestürmt und geregt, dass ein Angeln in der Weser nicht möglich war. Lediglich am Mittellandkanal war der Boden einigermaßen trocken. Deshalb führte uns der Weg dorthin. Außerdem hatten wir dort schon mehrmals Zander und auch viele Barsche gefangen. Köderfische bekam man dort manchmal sehr schlecht an den Haken, deshalb nahmen wir ein paar eingefrorene Rotfedern mit. An der Weser durften wir nur mit 2 Ruten fischen, aber am Kanal waren 3 erlaubt. Das bedeutete jedoch nicht, dass man mehr fing als mit nur einer Rute.
Aber so bestand die Möglichkeit verschiedene Köder gleichzeitig anzubieten. An einer Rute bot ich ein paar Maden an, an der anderen einen Tauwurm. Meine Schwingspitzrute bestückte ich mit einem Köderfischchen. Dann hieß es geduldig auf einen Biss warten. Achim hatte an einer seiner Ruten ein kleines Stück des eingefrorenen Aals, den wir ebenfalls mitgebracht hatten, angeboten.
Gespannt schaute ich immer wieder auf meine Schwingspitze in der Hoffnung, dass sich darauf etwas tat. Nach einer gewissen Zeit holte ich sie wieder rein, kontrollierte den Köder und warf erneut aus. Aber es tat sich nichts. Auch an den beiden anderen Ruten konnte ich keinen Zupfer bemerken.
Dann überlegte ich, dass ich meine Zander bisher immer auf einen Fischfetzen gefangen hatte. Also holte ich die Schwingspitze wieder rein. Das Köderfischchen hing noch genauso unversehrt dran, wie ich es ausgeworfen hatte. Ich nahm es ab und legte es vorerst zur Seite. Vielleicht würde ich es noch gebrauchen. Dann nahm ich ein anderes, etwas größeres Rotauge und zerschnitt es auf dem Holzbrettchen, welches neben meinem Stuhl auf dem Boden lag. Einen der Fischfetzen steckte ich auf den Zanderhaken und warf erneut aus. Es war kurz nach 21 Uhr als Christian anrief. Immer, wenn er hörte dass wir angeln gingen, erkundigte er sich nach unseren Fängen. „Nein. Hier ist tote Hose. Es tut sich absolut nichts. Nicht einmal einen Zupfer hatten wir bisher“ erzählte ihm Achim.
Achim hatte gerade sein Handy weggelegt, da piepste mein elektronischer Bissanzeiger. Sofort war ich bei meiner Rute und schlug an. Einen Moment später landete ich einen kleinen, aber maßigen Zander.
Nun wollte Achim es auch mit Fischfetzen probieren. Außerdem, so meinte er, sollten wir es einmal mit Anfüttern probieren. Ich zerschnitt also noch weitere Köderfische und auch den Rest vom eingefrorenen Aal. Bis auf ein paar größere Fischfetzen, die ich auf meinem Brettchen liegen ließ, gab ich alles an Achim weiter.
Er warf die Fetzen dorthin, wo unsere Köder im Wasser lagen. Als sich längere Zeit nichts tat, holte Achim die Rute, die mit den Aalfetzen bestück war, wieder rein um ein Fischfetzen dran zu machen. Als er zu mir kam und sich ein neues Stückchen vom Brett nehmen wollte, schaute er mich erstaunt an und sagte: „Hattest du mir alle Fischfetzen gegeben? Du wolltest doch ein paar übrigbehalten.“ „Nein. Da liegen doch noch 3 oder 4“, antwortete ich ihm. Aber als mein Blick auf das Brettchen fiel war nichts mehr drauf. Es war absolut leer. „Das kann doch gar nicht sein! Ich habe extra einige größere Stücke übrig gelassen“, meinte ich verwundert. Ich stand auf und schaute um mich herum, wo die Köder wohl geblieben sein könnten. Sie waren einfach verschwunden. Verdutzt setzte ich mich wieder in meinen Stuhl, um im Licht meiner Kopflampe meinen Krimi weiter zu lesen. Ich konnte mir einfach nicht erklären, wo die Fischfetzen abgeblieben waren. Während ich noch grübelte, fiel mein Blick auf die Steintreppe, die in den Kanal führte. Plötzlich schaute ich in die roten Augen einer kleinen Ratte.
„Ich glaube, das Rätsel ist gelöst. Schau mal wer mich hier besucht“, sagte ich zu Achim. Die kleine possierliche Ratte rannte schnurstracks an mir vorbei in Richtung Brettchen. Als sie sah, dass dort nichts mehr zu holen war, drehte sie sofort wieder um und rannte weg. Doch einen Moment später war sie wieder da. Dieses Spiel ging einige Male so. Weil ich sie so niedlich fand, ging ich zu unserer Kühlbox und holte ein Wurstbrot, welches von unserem Abendessen übrig geblieben war, raus. Dann legte ich ein paar Brocken auf das Brettchen und wartete. Kurz darauf war unser kleiner Dieb wieder da und holte sich das Brot. „Die legt sich bestimmt einen Vorrat an“, meinte Achim. Und weiter: „Wollen wir die nicht mitnehmen? Die ist ja so zutraulich und auch hübsch. Schau mal, was für einen schönen hellen Bauch sie hat.“ Ich ging auf seinen Spaß ein und antwortete: „Wie willst du die denn fangen?“ „Ganz einfach. Du holst einen Köderfisch, machst einen Haken mit Vorfach dran und legst ihn dann aufs Brettchen. Wenn sie wiederkommt und den Fisch im Maul hat, schlägst du wie beim Angeln an – und schon haben wir sie.“
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Unser kleiner Dieb hatte uns, bis wir gegen 1.30 Uhr einpackten, immer wieder besucht und sicher geglaubt Weihnachten wäre vorverlegt, als er, nachdem wir eingepackt hatten ich ihm auch noch die restlichen Köderfische hinlegte.
Bis auf meinen Zander ging uns kein weiterer Fisch an den Haken, aber es war trotzdem ein besonderes Angelerlebnis. Aber ob ich es noch so schön gefunden hätte, wenn der kleine Dieb unsere letzten Köder geklaut hätte, glaube ich doch nicht.
Den Zander bereitete Achim einen Tag später zu. Er hat uns beiden und auch Heike sehr gut geschmeckt.
Ursula Kluck
Uschis Angelseiten: http://www.unsereseite.de/uschi
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