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BellyBoot Ruten

Friedliche Nächte

Der Ton meines elektronischen Bissanzeigers bricht die trügerische Stille dieser lauen Frühjahrsnacht an dem kleinen Kanal, wo wir heute die ersten Aale des Jahres fangen wollen. Meine Angelkollege neben mir konnte in dieser Nacht schon zwei Schleicher erbeuten und ich hoffe nun auch an der Reihe zu sein. Gerade kann ich im Licht meiner Kopflampe erkennen wie sich die Schnur wieder strafft nachdem der Bissanzeiger kurz verstummt war. Ich nehme die Rute in die Hand, gebe noch etwas Schnur, die der Fisch mir bereitwillig abnimmt und setzte dann den Anhieb. Doch sofort ist klar, dass da kein Aal am Haken hängt. Stattdessen liegt kurze Zeit später ein strammer Aland im Kescher. Allerdings ist die Überraschung über diesen Fang bei mir gar nicht allzu groß. Denn Friedfischangeln in der Nacht ist nicht selten eine äußerst lohnenswerte Sache.

     


Man sollte sich vor Augen führen, dass nachts die Chancen auf einen großen Friedfisch an vielen Gewässern deutlich besser stehen als tagsüber. Die zahnlosen Schuppenträger verlieren in der Dunkelheit ihre Scheue und kommen selbst in großen Gewässern in ufernahe Bereiche, wo sie sonst nur selten anzutreffen sind. Ein weiterer Vorteil ist, dass man meist nur wenig Ärger mit kleinen Rotaugen hat, da diese im Gegensatz zu ihren Eltern auch tatsächlich schlafen gehen.

An stehenden Gewässern fische ich nachts ganz besonders gerne auf Schleien und Karpfen. An einem meiner Lieblingsgewässer muss man sich tagsüber oft durch viele Giebel durchangeln, um auch mal eine Schleie zu erbeuten. Vor einigen Jahren fischte ich darum dort einmal nachts. Es sollte nicht der einzige Nachtansitz bleiben, denn es bissen erstaunlich viele und auch für dieses Gewässer große Schleien. Bei weiteren Ansitzen war es nicht anders. Es fiel mir auf, dass die Fische bei der Nahrungssuche sehr nah am Ufer entlang zogen, wobei sie sich durch Platschen und Schmatzen an der Wasseroberfläche bemerkbar machten. Es reichte meistens aus einige Maden oder Wurmstücke an verdächtigen Stellen einzuwerfen.


Danach verschwand das Knicklicht auf der Pose meist schnell unter Wasser. Wer jedoch nachts nicht mehrmals den Angelplatz wechseln möchte, der sollte sich in der Abenddämmerung einen großen Futterplatz mit einer speziellen Grundfuttermischung anlegen. Um in der Nacht nicht nachfüttern zu müssen, sollte das Futter extrem viele Partikel wie Hanfkörner, Maisschrot, eingeweichten TTX Mais (Maisölkuchen) und Pellets enthalten. Maden und Wurmstücke dürfen natürlich auch nicht fehlen. Dieses Futter hält die Fische über viele Stunden am Futterplatz. An stehenden Gewässern sollte sie nachts stets mit Pose fischen, weil diese eine sensible Bissanzeige ermöglicht und dem Fisch wenig Widerstand beim Biss entgegensetzt. Ich verwende Wagglerposen und stecke mit Hilfe eines Gummischlauchs ein Knicklicht darauf. Wenig Gedanken muss man sich über Schnurstärke, Hakengröße und Köder machen. Selbst scheue Schleien verlieren nachts ihr Vorsicht und beißen gerne auf einen fetten Tauwurm am großen Haken. Doch natürlich sind auch Maden und Mistwürmer geeignete Verführer. Wichtig ist, dass der Köder auch den Geruchssinn der Fische reizt. Deshalb ist es sinnvoll den Köder mit Lockstoffen zu behandeln.



Auch an Flüssen kann ein Friedfischansitz zu später Stunde lohnen. Meine Zielfische sind dabei vor allem Brassen, große Rotaugen und Döbel. Diese Arten befische ich mit einer Feederrute, an deren Spitze ich mit Klebeband ein Knicklicht befestige. Eine einfach Durchlaufmontage ist jedem Aalangler recht und kann dem Friedfischangler nur billig sein. Der einzige Unterschied besteht darin, dass statt einem Grundblei ein Futterkorb, welcher mit einer einfachen Fertigfuttermischung gefüllt wird, als Wurfgewicht zum Einsatz kommt.

Bei meinen Nachtansitzen habe ich festgestellt, dass Friedfische bei Vollmond eindeutig am besten beißen. Für den Fall, dass es den Aalen demnächst einmal zu hell ist, sollten sie also vorsorglich eine Tüte Futter mitnehmen.

Veit Wilde


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