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Fischfinderecholote – die Praxisreihe

 

Wir freuen uns besonders, dass unser Partner „Think Big“, als Importeur von Lowrance – Echoloten dazu sicher auch kompetent genug, sich bereit erklärt hat, eine Artikelserie über Funktionsweise und vor allem immer wieder gemachte Fehler bei der Benutzung von Echoloten für das Anglerpraxis – Magazin zu schreiben.

Als Autor wurde dazu Reinhard Mucha von Think Big auserkoren. Es gibt wohl nichts, was er über Echolote nicht weiß. Dass er für uns schreibt, wissen wir vor allem deswegen zu schhätzen, da er dies alles neben seiner „normalen“ Arbeit zusätzlich macht.  In loser Folge werden wir ab der heutigen Ausgabe von Reinhard Mucha die Funktionsweise und Unterschiede verschiedener Echolottypen erklärt bekommen. Dafür herzlichen Dank und jetzt geht’s los:

 

 

Damit das ganze Unterfangen „Echolot“ nicht in ein heilloses Chaos aus zusammenhangslosen Fragmenten mündet, versuche ich gleich von Anfang an eine gewisse, hoffentlich nachvollziehbare Systematik zugrundezulegen.

Genau genommen sind es zu Echoloten nur zwei Hauptfragen, die immer wieder auftauchen:

1.) Bei zukünftigen Echolotbenutzern: Wo sind denn die Unterschiede bei den -zig verschiedenen Modellen, worauf kommts an, bzw. wie finde ich in das richtige Gerät für mich?

2.) Bei aktuellen Echolotbenutzern: Was genau zeigt mir das Gerät überhaupt, was sehe ich auf dem Bildschirm, bzw. wie deute ich die Anzeige meines Echolots richtig?

 

Beide Fragen sind eng miteinander verknüpft. Wenn man die richtigen Antworten auf Frage 1 kennt, dann hilft das enorm bei der Beantwortung von Frage 2. Obwohl im Grunde genommen alle Echolote das gleiche tun, nämlich uns die Unterwasserwelt zu zeigen, wird die Abbildung selbst durch die unterschiedlichen Fähigkeiten der einzelnen Modelle stark beeinflußt.

Im wesentlichen unterscheiden sich alle Modelle aller Hersteller und von ganz klein bis ganz groß jedoch nur durch wenige, aber entscheidende Merkmale:

·        weniger oder mehr Sendeleistung (wichtig für das Erzeugen der Echos)

·        größeren oder kleineren Abstrahlbereich unter Wasser  (der sogenannte Sendewinkel)

·        schlechtere oder bessere Auswertung der Echos durch die Elektronik

·        den Bildschirm (Größe, Auflösung, schwarzweiß oder farbig)

Dies sind die Faktoren, die letztendlich für die Anzeige von Fischen, Boden, Pflanzen, Sprungschichten, Treibgut, kurz allem Geschehen unter Wasser verantwortlich sind. Daneben haben die Hersteller natürlich noch Unmengen an Zusatzfunktionen eingebaut. Schließlich sollen die Modelle für die verschiedensten Situationen passend sein, auch wenn man im Einzelfall nur einen Bruchteil der Möglichkeiten nutzt. Während z. B. ein Flachwasseralarm für ein Segelboot mit tiefem Kiel und großem Tiefgang überlebenswichtig sein kann, benötigen wir ihn zum Angeln in der Regel nicht.

 

Bevor wir uns den oben erwähnten Hauptmerkmalen und deren Bedeutung für das Echolotbild im Einzelnen zuwenden, schauen wir uns zunächst einmal kurz an, wie ein Echolot generell arbeitet. Die meisten werden es bereits wissen, aber für alle Fälle ...

 

Das Echolot wurde im Zweiten Weltkrieg zur Ortung von U-Booten entwickelt und war in dieser Hinsicht bekanntermaßen auch überaus erfolgreich. Das Echolot war sozusagen der Anfang vom Ende der deutschen U-Bootflotte. Vorher war es nämlich extrem schwierig, ein getauchtes U-Boot aufzuspüren und zu bekämpfen. Wer den Film "Das Boot" gesehen hat, kann sich bestimmt an das "PING" erinnern, dass die Jungs im Boot gehört haben, wenn Sie von einem Echolot geortet wurden.

Copyright 1999, Lowrance Electronics, Inc.Das englische Wort "Sonar" ist eine Abkürzung für "SOund, NAvigation and Ranging" (Schall, Navigation und Reichweite). Ein Sonar / Echolot besteht im Prinzip aus dem Geber im Wasser und dem Bildschirmteil mit eingebautem Sender/Empfänger.

Einfach ausgedrückt wird ein elektrischer Sendeimpuls durch den Geber in eine Schallwelle umgewandelt, die ins Wasser geleitet wird. Trifft sie dort ein Objekt, wird sie daran reflektiert. Dieses Echo gelangt zum Schwinger, wird dort in einen elektrischen Impuls zurück verwandelt und vom Empfänger an die Anzeigeeinheit (heutzutage meist ein LCD-Bildschirm) weitergeleitet.

Da die Schallgeschwindigkeit im Wasser nahezu konstant ist (etwa 1440 m pro Sekunde), kann die Zeitspanne zwischen gesendetem Signal und empfangenem Echo gemessen und zur Entfernungsmessung genutzt werden. Dieser Vorgang wiederholt sich mehrmals pro Sekunde.

Die Schallwellen, die ein Echolot aussendet, liegen allerdings nicht im für uns Menschen und für die meisten Tierarten hörbaren Bereich, sondern im Ultraschallbereich. Fledermäuse und Delphine nutzen Ultraschall bereits lange vor der "Erfindung" durch den Menschen zur Orientierung. Echolote sind also weder Teufelswerkzeug, noch geheime Wundertechnik aus der Weltraumfahrt, sondern wieder mal nur eine der Natur abgeschaute Technik.

Die meisten heutigen Angler-Echolote verwenden hauptsächlich eine Frequenz von 200 kHz, einige Geräte senden jedoch zusätzlich mit den im kommerziellen Fischfang häufig genutzten 50 kHz. Dieses Frequenzspektrum ist nicht nur für Menschen, sondern auch für Fische unhörbar – mit einem Echolot werden die Fische also nicht verscheucht. Ob die Jungs in U-sowieso das "PING" gehört haben, weil der Regisseur uns die Sache veranschaulichen wollte oder der stählerne Rumpf des U-Bootes als Resonanzkörper fungiert hat, möchte ich dahingestellt sein lassen. Vielleicht finden sich ja Leute im Forum, die mehr dazu sagen können. Auf jeden Fall sendeten die damaligen Geräte auf einer sehr viel niedrigeren Frequenz als die heutigen Geräte. Zum Thema Sendefrequenz komme ich noch später zurück.

Wie oben erwähnt, sendet das Echolot Signale und "schreibt" die empfangenen Echos auf den Bildschirm. Während sich das Boot über das Wasser bewegt, geschieht dies mehrere Male pro Sekunde, ähnlich einem Blitzlichtgewitter. Einige von Euch kennen sicher aus der Disco den Stroboskoplichteffekt, bei dem man alle Bewegungen nicht fließend, sondern immer stückweise weiterbewegt sieht. Dieser Vergleich hinkt zwar etwas, ist aber recht anschaulich. Bei jedem "Aufblitzen" zeichnet das Echolot durch die Bewegung des Bootes die Unterwasserwelt ein Stück weiter.

Diese Zeichnung beginnt immer als neue Spalte am rechten Bildrand. Jedesmal, wenn eine neue Bildspalte gezeichnet wird, müssen logischerweise alle bereits bestehenden Bildspalten nach links weiterrücken. Daher läuft das Bild ständig von rechts nach links. So entsteht eine durchgezogene waagerechte Linie unten auf dem Bildschirm, die das Bodenecho darstellt. Auch wenn das Boot steht, läuft das Bild weiter, denn das Echolot arbeitet weiter. Nur nimmt es immer wieder die gleiche Situation auf.

Zusätzlich werden Echos angezeigt, die durch Objekte zwischen Wasseroberfläche und Boden entstehen. Weil Schallgeschwindigkeit und Zeitspanne zwischen Senden und Empfangen der Echos bekannt sind, kann das Echolot die Tiefe des Wassers und der einzelnen Fische errechnen und anzeigen.

Daraus folgt, das sich mein Boot quasi ganz rechts und ganz oben auf dem Bildschirm befindet. Was gerade aktuell als neue Bildspalte ganz rechts erscheint, befindet sich im Erfassungsbereicht (Sendewinkel) des Echolots, während alle anderen Bildspalten "alte" Aufnahmen zeigen. Je weiter links sie auf dem Bildschirm sind, desto zeitlich älter sind sie und bei fahrendem Boot auch weiter hinter dem Boot zurück liegen sie.

 

Allen, die noch einen gesunden Spieltrieb haben, kann ich die "Sonar Viewer PC-Application" empfehlen. Dies ist ein Echolotsimulator für PC, der genau diese Arbeitsweise realistisch zeigt. Zwar ist er nicht ganz einfach zu bedienen (Software nur in Englisch, und ohne Hilfefunktion), aber dafür hat er eine Menge Funktionen, die sogar bei wissenschaftlichen Auswertungen eingesetzt werden können. Er ist kostenlos herunterzuladen von www.lowrance.com

Neben den zum Sonar Viewer mitgelieferten amerikanischen Echolot-Beispielaufnahmen könnt Ihr eine von mir selbst aufgenommene Echolotstrecke von "???Anglerboard???" herunterladen. Es handelt sich um Ortungen auf der Wahnbach-Talsperre im Raum Bonn-Siegburg mit Unmassen von Maränen. Für alle, die jetzt schon fast mit der Rute zur Tür raus sind: Vergesst es und bleibt hier. Die Wahnbach-Talsperre darf nicht vom Boot aus befischt werden, und auch vom Ufer aus gibt es nur eine streng limitierte Anzahl von Jahreskarten. Ich hatte das Glück, mit Herrn Schrewe vom Wahnbach-Talsperren-Verband eine Runde in seinem Elektroboot drehen zu können (leider ohne Angel). Dabei habe ich diese Aufnahmen gemacht mit einem zugegebenermaßen hervorragenden (und teuren) Echolotmodell mit GPS. An dieser Stelle nochmals vielen Dank an Herrn Schrewe.

 

Soviel zur generellen Arbeitsweise von Echoloten.

 

Schauen wir uns nun die wichtigen Merkmale im einzelnen an. In der nächsten Ausgabe geht es dann um die Sendeleistung

 

Reinhard Mucha, Think Big


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