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Nachtjäger
Sommerfischerei auf Meerforellen an der Küste
Die Abenddämmerung ist schon seit geraumer Zeit vorbei, aber immer noch zeigt sich ein schmaler Lichtstreifen in dunkelorange am Horizont. Der Mond hat trotzdem schon die Regie übernommen. Ein paar Tage noch, dann ist er rund und voll. Sterne sind kaum auszumachen, ein dünner Wolkenschleier filtert das Mondlicht und verhindert harte Schlagschatten. Kopflampe überflüssig.
Möwen, Seeschwalben u. Co. halten Nachtruhe. Völlige Stille herrscht trotzdem nicht.
Hinter uns, oben auf der Feuchtwiese, macht eine Laubfroschkolonie Hausmusik und im Wäldchen ruft ein Kauz.
Aber auch fremdartige Geräusche sind zu hören. Fremdartig für Ohren, die nicht am Kopf eines Meerforellenanglers befestigt sind. Neben mir wispert und zwitschert die #8 / WF meines Freundes und seine Trident pfeift leise dazu. Ich untermale das Ganze mit dem Peitschen meiner Harrison und dem Schnurren der Monofilen, wenn sie die Spule meiner Shimano verlässt. Das Finale bildet das "Plopp", mit dem der Wobbler in die spiegelglatte See taucht.
Sommerurlaub in Dänemark.
Wir teilen uns ein Riff, das in tiefes Wasser führt. Es ist die Fortsetzung der Landformation eines "Hoved", ein Kap das sich unter Wasser noch weit in die See erstreckt. Links eine kleine, sandige Bucht mit Seegrasinseln. Rechts Steinfelder mit Exemplaren von Fußball bis Findlingsgröße. Überall im Flachwasser kann man die Spitzen des Blasentangs an der Oberfläche sehen. Vor den Tangfeldern lange Sandbänke. Die Karte zeigte, dass gar nicht weit entfernt, dort draußen im Freiwasser, bereits bis zu fünfundzwanzig Meter Wassertiefe herrschen. Kurz gesagt: Ein perfekter Sommerplatz um feisten, blanken Sommerforellen mittels einer Nachtpirsch nachzustellen. (Bild1)
Mein Kumpel fischt seine Lieblingsnachtfliege, die "Sort Cigar". Ein, wie ein Korken schwimmender, Streamer aus schwarzgefärbtem Rehhaar mit schwarzem Schwänzchen aus Bucktail, Polarfibre oder Marabou. (Bild2)
Er betreibt das "Skating". Die Fliege wird mit kurzen Zügen eingestrippt. Dabei schlittert sie, furchend und mit deutlicher Bugwelle, über die Oberfläche. Bei diesem Ententeich ein tödlicher Verführungstanz. Ich höre ein lautes Glucksen und danach das Geräusch einer durchs Wasser schneidenden Flugschnur......... Anhieb! Das dezente, vornehme Schnurren der Bremse seiner Stenzel gibt Gewissheit.
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Nachtfischen an der Ostsee. Es gibt kaum eine andere Fischerei die für mich mehr Reiz und Spannung hat. Etwa ab Mitte Mai beginnt die Saison für die Nachtpirsch. Nur in sehr heißen Sommern beenden tropische Badetemperaturen, an den meisten Revieren, die Jagd auf Sommersilber.
Das verwendete Spinn/Flugangelgerät unterscheidet sich nicht von der Ausrüstung die im Frühjahr, Herbst oder Winter verwendet wird. Obwohl viele Angler im Sommer gerne das "Ultralight-Fischen" betreiben, warne ich vor Untertreibungen! Besonders in einem, wie oben beschriebenen Revier kann man sehr gewichtige Überraschungen erleben (spreche da aus Erfahrung)! Der Drill einer Kapitalen bei Dunkelheit ist schon heikel genug. Ultraleichtes Gerät erleichtert das Geschäft nicht gerade.
Die Köderfrage. Im Spätfrühling hat Trutta trutta, die silberne Fressmaschine, ihre Topform erreicht. Sie mutiert zum mäkelnden Feinschmecker, der dem Blinker spielerisch/träge nachläuft und Fliegen kritisch beäugt und nicht selten verschmäht.
"Stor och svart, ääähhh wie sagst du in tysk?"
"Groß und schwarz Bo."
"Jepp! Weißt du, wenn es nicht ist schwarz genug, you have to paint it. Du musst ihn pinseln svart, ääääh swarrts.... weißt du?"
Ich höre sie immer noch, die Worte dieses alten Meerforellenfuchses von der südschwedischen Küste. Groß und schwarz sollen sie sein, die Köder für die Nacht.
Groß? Wo doch jeder weiß, dass die Meerforelle in der warmen Jahreszeit, wenn überhaupt, bevorzugt kleine Happen nimmt? Nachts sieht das gaaanz anders aus! Wenn die Blanken nachts in Ufernähe jagen, kennen sie keine Kompromisse! Vorsichtige Bisse habe ich, bei Dunkelheit, noch nicht erlebt. Oft hört man die Attacke, einen Schwall oder ein regelrechtes Rauschen, bevor man den "Hit" in der Rute spürt.
Aber schwarz? Nachts!!?? Ja! Es herrscht in den Sommernächten immer Restlicht. Im Juni wird´s, bei wolkenlosem Himmel, an der See kaum richtig dunkel. Mond und Sterne tun ein übriges. In der oberen Wasserschicht, unter der Oberfläche, herrscht also eine Art Zwielicht, während es nach unten zunehmend dunkler wird. Unten patrouilliert unsere Freundin auf Kaperfahrt und beobachtet scharf, mit Augen und Seitenlinienradar, was oben denn so los ist. Ein Sandaal, Junghering oder Seestichling ergibt jetzt nichts anderes als eine schwarze Silhouette die sich deutlich in der helleren Oberflächenschicht abzeichnet. Ein schwarzer Köder wird, bei diesen Lichtverhältnissen, also besser eräugt als ein heller.
Ein paar praxisbewährte Köder
Fliegen: Sort Cigar, Nightdiver, Nightsurfer und natürlich alle anderen Matukas, Zonker, Muddler, etc.. Alle in nachtschwarzer Ausführung, flach bzw. auf der Oberfläche geführt und nicht zu klein.
Spinnköder: Pauschal gesagt eignet sich alles was die, oben genannten, Bedingungen erfüllt.
Ich habe früher einfach konkrete, möglichst dünnblechige Lachslöffel, wie z.B. den "Toby Salar" oder "Storlaksen" verwendet. Heute gibt´s für mich nur noch den Küstenwobbler! Genauer gesagt einen Küstenwobbler. (Bild3)
Natürlich eignet sich jeder Wackler. Wichtig ist, dass er gute Schwimmaktion zeigt und eine flache Führung ermöglicht, ohne den Turbo an der Rolle einschalten zu müssen........ und nicht vergessen: Black is beautiful!
Noch ein paar Tipps
- Fremde Küstenstrecken unbedingt bei Tageslicht erkunden und auch ruhig mal "probewaten".
- Schwierige bis halsbrecherische Watreviere, und seien sie auch noch so verlockend, sollte man meiden. Nächtliches Baden in Wathose ist zwar nicht so "erfrischend kühl" wie im März, allerdings nicht gerade fangfördernd. Außerdem kann man sich bei Stürzen auf, bei Dunkelheit unsichtbaren, Steinen böse verletzen. Auch an solchen Abschnitten gibt es oft günstige Passagen, die man sich einprägen, ggf. auch ruhig den "Einstieg" markieren sollte.
- Sparsam mit dem Licht der Kopflampe sein! Keinen Xenon - Flakscheinwerfer benutzen, eine kleine Diode reicht zum Knotenbinden, etc. völlig aus. Vor dem Einschalten in Richtung Ufer abwenden.
- Sparsam und möglichst leise waten. Stationär fischen. Wenn sie unter Land kommen, dann kreuzen sie auch irgendwann dein Riff.
- Wenn möglich mit einem guten Freund losziehen. Man kann sich gegenseitig helfen wenn "Holland in Not ist".
- Ohren auf und leise sein! Manchmal hört man Trutta schlagen, wenn sie draußen auf den Bänken Tobse jagt und kann den Fisch nach Gehör anwerfen. Nebenbei bemerkt habe ich, nicht nur einmal, jagende Forellen auf Rutenlänge vor mir erlebt. Also, pssssst.....
- Am Abend einsetzende Strömung über´s Riff ist, besonders im Sommer, immer erfolgversprechend. Es findet ein Wasseraustausch statt, und ich konnte oft feststellen das kühleres Wasser nachströmte. Mit diesem "Stream" kommen sie.......... oder auch nicht.
- Längere Perioden mit großer Hitze und wenig Wind sind nicht so günstig. Das kann sich aber schlagartig ändern wenn, für ein paar Tage, auffrischende, besser noch starke, ablandige Winde einsetzen. Das warme Wasser wird rausgedrückt und kühleres und damit "schweres" Tiefenwasser strömt von unten nach. Eine Situation, die im Frühjahr alles andere als günstig ist, verbessert nun die Bedingungen.
Der Freund hatte seine Beute an Land gebracht und versorgt. Ich höre sein Zippo klicken........ er bringt sein "Rauchopfer". Da! Halbrechts, auf der ersten Sandbank! Ein Geräusch, als ob jemand eine Handvoll kleiner Kiesel ins Wasser wirft. Tobiasfische die um ihr Leben schwimmen! Ein verhaltener Wurf bringt den Schwarzen etwas oberhalb des Geschehens ins Wasser. Eins, zwei,......sechs Kurbeldrehungen. Schlag mit unmittelbar folgendem Ruck, peitschende Schwanzflosse! Voll genommen!
"Hast sie, Vaddi?"
"Werden sehn, is ´ne Gute."
Knappe drei Kilos hat die Forelle, die ich wenig später abschlage. (Bild4)
Als ich, nach dem Ausweiden, meine Hände in der Ostsee abspüle, perlt das Wasser von der Haut, so feist war der Fisch. Nachdem Klara ihre schöne Morgenröte verloren hat, machen wir uns auf den Weg zum Auto. Brötchen holen, Sippe wecken, frühstücken, ab an den Strand und erst mal ´ne Runde abpennen.
"Watt is? (Gäääähn) Heut Abend?"
"Klar Mann!"
"Havkat" Torsten Schulz |