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Karpfenangeln vor 20 Jahren
In meiner Jugend ging ich gerne zum Karpfenangeln. Ich fuhr dazu meistens mit dem Fahrrad zu einem der vielen Kolke in unserer Gegend. Mein Lieblingsgewässer war dabei schon immer ein See am äußersten Stadtrand von Emden, der Uphuser Kolk. Er lag etwas abseits der Straßen und war von vielen Bäumen und Büschen umringt, so das es nur wenige freie Uferangelplätze gab. Meine Lieblingsstelle war ein Platz gleich am Anfang des kleinen Sees, rechts und links war dieses Idyll von Bäumen umgeben. Im Wasser lagen zwei große Seerosenfelder, dort gab es Hechte, Aale, Zander, Schleien, Karpfen und viele Weißfische.
An einem Samstagnachmittag fuhr ich wieder dort hin. Ich war spät dran und als ich am See eintraf, kam mir schon ein Angler entgegen. Er hatte einen 5 Pfund schweren Karpfen gefangen, musste aber jetzt nach Hause. Mir war das ganz recht, denn so hatte ich das ca.10ha große Gewässer ganz für mich alleine. Ich setzte mich an meinen Lieblingsplatz und montierte meine Ruten. Eine Angel wurde mit Teig beködert, diese Montage warf ich in die große Schneise zwischen den beiden Seerosenfeldern. Die andere Rute, mit einem Kartoffelstückchen am 8er Haken, legte ich neben das rechte Seerosenfeld. Nun harrte ich der Dinge die da kommen sollten, aber an diesem Abend tat sich nicht viel, lediglich ein paar Rotaugen fanden den Weg in den Kescher.
Es dämmerte bereits und ich beschloss es am nächsten Morgen nochmals zu versuchen, also fütterte ich mit den restlichen Kartoffeln und dem Teig an und fuhr nach Hause.
Am nächsten Tag machte ich mich bereits um 4 Uhr morgens auf den 8 km langen Weg zum Kolk. Wie immer schleppte ich auf dem Fahrrad meine Ruten, Kescher, Sitzkiepe und meinen Proviant mit. Am See angekommen, lud ich vorsichtig meine Utensilien ab und setzte mich leise auf die Sitzkiepe. Ich nahm die Stimmung in mich auf und genoss den Moment. Nebel wallte über den See, hier und da plätscherte es im Wasser, erstes zaghaftes Vogelgezwitscher zeugte vom erwachenden Leben in der Natur. Langsam ging die Sonne auf und ich machte meine beiden Ruten fertig. Wie schon am Vorabend legte ich eine mit Teig in die Schneise und die andere, mit Kartoffel beködert, kam rechts neben das Seerosenfeld. Der Nebel verzog sich langsam und ich trank erst mal eine Tasse Tee. Das Leben am Kolk war jetzt vollends erwacht, eine Entenfamilie schwamm schnatternd durch das Wasser, weiter hinten in einer kleinen Bucht raubte ein Hecht. Blitzschnell stieß er in einen Schwarm Rotaugen hinein und schnappte sich so sein Frühstück. Auf einem Feld entdeckte ich Rehe und Hasen, Meisen, Amseln und Drosseln flogen umher um ebenfalls Nahrung zu finden. Plötzlich legte sich die Stachelschweinpose der mit Teig beköderten Rute flach, ich schlug an und ein schönes Rotauge landete im Kescher. Vorsichtig befreite ich den Fisch vom Haken und setzte ihn in sein Element zurück. Ich beköderte den Haken neu und warf die Rute erneut aus, vorsichtig zog ich den Köder an seinen Platz.
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In der nächsten halben Stunde konnte ich noch weitere Rotaugen landen. Dann bekam ich wieder einen Biss, langsam legte sich die Stachelschweinpose flach und ich schlug vorsichtig an. Sofort krümmte sich meine Rute gewaltig, das war kein Rotauge, ein Karpfen hatte den Teigköder genommen und zog wie eine Lokomotive in die Mitte des Sees hinaus. Es dauerte ein paar Minuten bis der Fisch wieder in Ufernähe kam. Ich legte den Kescher ins Wasser um den schönen Fisch zu landen, doch plötzlich flog mir die Pose entgegen. Schade, der Haken war ausgeschlitzt, ich beköderte die Rute neu und warf sie wieder aus. Als dies erledigt war, sah ich gerade noch, wie die Pose der anderen Rute abtauchte. Vorsichtig nahm ich Schnur auf und schlug an, doch am anderen Ende war kein Wiederstand zu spüren, der Fisch hatte wohl den Haken bemerkt und losgelassen. Ich drückte eine neue Kartoffel auf den Haken und warf auch diese Rute wieder aus.

Nach ein paar Minuten wurde die Pose der Kartoffelrute ruckartig unter Wasser gezogen und die Schnur sauste von der Rolle, sofort schlug ich an und spürte gleich darauf heftigen Widerstand. Kraftvoll marschierte der Karpfen in den See hinaus, die Bremse kreischte laut auf und ein harter Drill begann. Nach 10 langen Minuten hatte ich den großen Fisch bis auf 5 m ans Ufer gebracht, als auch hier der Haken ausschlitzte und die gesamte Montage wie ein Geschoss neben mir im Baum landete. Zitternd vor Aufregung entwirrte ich die Schnur und warf erneut aus. Jetzt folgte Biss auf Biss, viele zum Teil richtig große Karpfen konnte ich haken, doch landen konnte ich keinen einzigen. Es war wie verhext, entweder schlitzte der Haken aus oder die Karpfen schwammen einfach ins Seerosenfeld, wo sie verloren gingen. Oder ich hakte die Fische nicht und der Kontakt kam erst gar nicht zustande. Ich hatte solch ein Beißgetümmel noch nicht erlebt, in 3 Stunden drillte ich über 20 Karpfen, nur mit der Landung klappte es nicht .
So gegen 8 Uhr ließ die Beißfreudigkeit der Karpfen nach, ich kippte den kaltgewordenen Tee weg und schenkte mir frischen ein. Welch ein Tag, ich zitterte am ganzen Körper. Langsam beruhigte ich mich jedoch und freute mich über diese Sternstunde, denn auch wenn ich bisher noch nichts gefangen hatte, solch einen Angeltag erlebt man nur selten.
So gegen 10 Uhr tauchte meine Pose nochmals ab und nach kurzem Drill konnte ich dann endlich den ersten Karpfen des Tages landen, ein schöner 5 Pfund schwerer Spiegelkarpfen war es, der den Tag ausklingen ließ.
Ich packte mein Gerät zusammen und fuhr nach Hause. Diesen Angeltag werde ich nie vergessen, noch heute erinnere ich mich an jedes Detail und denke gerne daran zurück.
Günter Czerlikowski
Anglerboard-Magazin März 2003
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