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Haben Angelkutter eine Zukunft???

Das Angeln vom Kutter, sei es an der Ostseeküste auf Dorsche oder in der Nordsee, da vorwiegend auf Makrelen, erfreut sich immer noch großer Beliebtheit.
Obwohl die Bestände an fangbaren Fischen eher abnehmen, dadurch auch immer mehr Angler mit Ausfahrten unzufrieden sind, ist die Ausfahrt mit einem Kutter für viele Angler ohne Bootsführerschein und ohne Erfahrung auf dem Meer oft die einzige Möglichkeit überhaupt dem Angeln auf Salzwasserfische nachzugehen.

Gerade wenn die Fangergebnisse mal nicht so berauschend waren, fallen dem Angler immer wieder die Dinge auf, die ihn an einem Kutter stören:
Das "Besenstielanbinden", ein als schlecht empfundener Service, Sauberkeit an Bord oder mangelhaftes oder teures Angebot was Speisen oder Getränke angeht.

Gerade das Anglerboard, das von vielen Anglern von der Basis getragen wird, wollte aus diesem Grund einmal den Reedereien und Kutterkapitänen die Möglichkeit geben, sich über ihr schwieriges Geschäft zu äußern.

Daher haben wir folgende Reedereien/Kutter angefaxt und gebeten, die Fragen zu beantworten. Wir hofften, damit vielleicht einen Dialog zwischen Anglern und den Reedereien in Gang bringen zu können:
So daß beide (immerhin von einander abhängenden Seiten) vielleicht etwas mehr Verständnis bei der jeweils anderen Seite finden könnten.

Hier die Liste der Reedereien/Kutter:

MS Südwind
MS Klaus - Peter
MS Seeteufel
MS Tanja
Reederei Stengel
MS Antares
Reederei Häfner
Reederei Lüdtke
Reedrei Bruhn
MS Wiking
Reederei Schuld
Reederei Sprenger
MS Einigkeit
MS Blauort
Seetouristik Warnemünde
MS Hai
MS Vorpommern
Alte Liebe

Diesen hatten wir das folgende Fax geschickt

Sehr geehrte Damen und Herren,
an unserer Ostseeküste sind Angelkutter oft die einzige Möglichkeit für viele Angler, dem Meeresangeln zu frönen. Daher sollte man den Reedereien den Rücken stärken. Leider graben sich manche Reedereien auch selbst das Wasser ab, indem sie oft als schlecht empfundenen Service bieten. Also auf der einen Seite betriebswirtschaftliche und behördlliche Zwänge, auf der anderen Seite erwartungsvolle Angler, das ist der Spagat in dem die Reedereien ihr Auskommen finden müssen. Wir möchten Ihnen daher die Gelegenheit geben, folgende Fragen zu beantworten. Die Antworten werden dann im Anglerboard - Magazin veröffentlicht. Selbstverständlich werden wir auch veröffentlichen, von welchen Reedereien wir keine Rückmeldung erhalten haben.

1.: Sehen Sie auch langfristig die Möglichkeit den Anglern Ausfahrten in der jetzigen Art und Weise zu ermöglichen, oder sind alternative Konzepte gefragt??

2.: Welche Möglichkeiten sehen Sie, auch in Zusammenarbeit z.B. mit der Fachpresse, weitere Beschränkungen und neue Vorschriften seitens der Behörden zu kippen oder zu verhindern??

3.: Von vielen Anglern hört man immer wieder Klagen wegen Platzreservierung/Besenstiele anbinden etc.. Warum können die Reedereien hier kein allgemein gültiges System schaffen, so daß ihre Kunden nicht schon mitten in der Nacht auf die Kutter müssen um einen vernünftigen Platz zu erhalten???

4.: Was halten Sie von der Möglichkeit, Plätze zu numerieren und verschiedene Preise zu verlangen (höhere Preise für die begehrten Bug/Heckplätze, niedrigere für die Plätze an der Seite)??

5.: Warum wird auf vielen Kuttern nicht eingeschritten, wenn untermaßige Dorsche abgeschlagen werden??

6.: Warum schließen sich Reedereien nicht in einem öffentlichkeitswirksamen Verband zusammen, um die sowohl ökologischen wie auch ökonomischen Vorteile von Angeltourismus gegenüber der Berufsfischerei besser dar zu stellen??

Sie können uns Ihre Antworten am einfachsten per Email: Magazin@anglerboard.de oder auch per Fax: 07062 - 936760 zukommen lassen.

Wir würden uns freuen, wenn auch Ihr Unternehmen an dieser Umfrage teilnehmen würde. Sollten Sie weitere Fragen oder Anregungen haben, können Sie uns dies gerne mitteilen.

Mit freundlichen Grüßen vom Anglerboard - Team

Leider kamen auf unser Fax nur 2 Antworten!!!!!

Scheinbar wollen die Reedereien zwar (gut?) von den Anglern leben, scheinen aber weniger bereit zu sein, sich mit ihren Kunden auch auseinander zu setzen.
Wir bedauern dies außerordentlich.
Um so mehr freuen uns die Antworten, die wir erhalten haben.
Und diese kamen von Kapitän Reese, dessen Reederei unter anderen die MSS "Alte Liebe" im Programm hat, und von der MS "Blauort", von Kapitän Jasper, die über den Sommer in der Nordsee und ansonsten in der Ostsee versucht, Angler an den Fisch zu bringen...



Hier die Antworten der Reedereien:
Frage:
Sehen Sie auch langfristig die Möglichkeit den Anglern Ausfahrten in der jetzigen Art und Weise zu ermöglichen, oder sind alternative Konzepte gefragt??

Antwort Reese:
Ja, in unserem Bereich der Mehrtagesangelfahrten, wenn die Angler keine Kochtopffischer sind, sondern den Erholungswert durch Angeln ohne Hast, weil bei uns bis ca. 8:00 Uhr geangelt wird, bzw. sogar des Nachts am Anker, erkennen

Antwort MS Blauort:
Ich sehe immer noch die Möglichkeit, Ausfahrten in jetziger Art und Weise zu gestalten.

Frage:
Welche Möglichkeiten sehen Sie, auch in Zusammenarbeit z.B. mit der Fachpresse, weitere Beschränkungen und neue Vorschriften seitens der Behörden zu kippen oder zu verhindern??

Antwort Reese:
Gute, wenn mit einem Wort gesprochen wird

Antwort MS Blauort:
Ich sehe keine Veranlassung, Beschränkungen zu verhindern oder zu kippen, da wir mit den Gegebenheiten zufrieden sind.

Frage:
Von vielen Anglern hört man immer wieder Klagen wegen Platzreservierung/Besenstiele anbinden etc.. Warum können die Reedereien hier kein allgemein gültiges System schaffen, so daß ihre Kunden nicht schon mitten in der Nacht auf die Kutter müssen um einen vernünftigen Platz zu erhalten???

Antwort Reese:
Entfällt bei Mehrtagesfahrten, es sind nur max. 12 Personen, die sich meist alle gut kennen (Angelvereine usw.). In einigen Fällen wechseln die Angler täglich um 2 - 3 Plätze im Uhrzeigersinn.

Antwort MS Blauort:
Auf der MS Blauort werden schon seit 1996 Plätze für Angler reserviert. Das bedeutet, dass jeder Angler sein Namensschild auf dem für ihn gebuchten Platz vorfindet. In der Regel bedeutet es, dass die Angler eine halbe Stunde vor Anfahrtsbeginn sich an Bord einfinden und ohne Stress und Hektik ihren Angeltag beginnen.

Frage:
Was halten Sie von der Möglichkeit, Plätze zu numerieren und verschiedene Preise zu verlangen (höhere Preise für die begehrten Bug/Heckplätze, niedrigere für die Plätze an der Seite)??

Antwort Reese:
Entfällt für uns

Antwort MS Blauort:
Halte ich nicht für notwendig

Frage:
Warum wird auf vielen Kuttern nicht eingeschritten, wenn untermaßige Dorsche abgeschlagen werden??

Antwort Reese:
Weil bei den meisten Kapitänen (Fischmeister!) die Stückzahlen das Wichtigste sind.

Antwort MS Blauort:
Die Besatzung sorgt dafür, dass bei uns so etwas nicht passiert

Frage:
Warum schließen sich Reedereien nicht in einem öffentlichkeitswirksamen Verband zusammen, um die sowohl ökologischen wie auch ökonomischen Vorteile von Angeltourismus gegenüber der Berufsfischerei besser dar zu stellen??

Antwort Reese:
Einige Verbände bestehen ja schon

Antwort MS Blauort:
Wir sind einem Verband angehörig


Da sich die Reedereien/Kapitäne scheinbar nicht mit ihren Kunden auseinandersetzen wollen, von oben genannten 2 rühmlichen Ausnahmen abgesehen, können wir nur empfehlen, die Kutterliste im Anglerboard zu nutzen, um Positives wie auch Negatives über Kutter und Besatzungen zu berichten - als Anreiz oder als Warnung für die Angler, die gerne mit Kuttern raus fahren wollen.

Denn wenn nur von 2 Reedereien Antworten kommen, kann sich damit der Leser des Anglerboard - Magazins kein richtiges Bild über die Situation machen.



Anglerboard-Magazin April 2003


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