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Deutschland - Anglerland?!?!?!?


Natürlich träumen (fast) alle Angler vom grossen Fang in Kanada, Norwegen, auf den Malediven oder an sonstigen mehr oder weniger exotischen Orten mit kapitalen Fischen auf der ganzen Welt. Natürlich ist das Angeln in Deutschland auf Grund der Regulierungswut nicht nur der Behörden nicht immer so, wie sich das die Angler selber vorstellen. Aber trotzdem ist und bleibt Deutschland eines der Länder, in denen Angler (zumindest Einheimische) vielfältigste Möglichkeiten haben, an wunderschönen Gewässern ihrer Passion zu frönen.

In Deutschland gibt es eigentlich alle Gewässertypen. Angefangen vom kleinen Dorftümpel über Wiesenbäche und kleinere Flüsse bis hin zu den grossen Flüssen, Strömen und Kanälen, Baggerseen, Stauseen, grössere und kleinere natürliche Seen und ganze Seenplatten runden das Bild ab. Nicht zu vergessen die guten Möglichkeiten an deutschen Küsten den Meeresfischen nachzustellen. Von Aal bis Zander lassen sich in deutschen Gewässern eigentlich alle Fischarten auch in stattlichen Stückzahlen und auch als kapitale Exemplare fangen.

Je nach Gewässer und Bewirtschafter gibt es da natürlich Unterschiede. Aber auch ein Gewässer mit seinen Möglichkeiten zu erkunden, macht für mich den Reiz des Angeln aus. Und ich hatte schon viele Angelerlebnisse an vielen Gewässern in Deutschland, die ich sicherlich nicht mehr missen möchte. Und die auch die Vielfalt der Möglichkeiten zeigen. Dabei bin ich mir bewusst, dass dies nur einen sogar relativ kleinen Ausschnitt aus der Vielfalt an Angelmöglichkeiten darstellt.

Ich möchte hier einfach einige kurze Erlebnisse meiner nicht ganz so kurzen Anglerlaufbahn an den verschiedensten Gewässern in Deutschland vorstellen. Die Reihenfolge habe ich einfach geordnet: Von Süden nach Norden. Nicht dass jemand behaupten könnte, ich würde das eine oder das andere Gewässer vorziehen oder bevorzugen.

Der Starnberger See, ein wunderschönes Gewässer am Rande der Alpen. Zwar vielfach von den Villen nicht ganz armer Zeitgenossen zugestellt, aber es gibt trotzdem viele Möglichkeiten sowohl vom Ufer wie vom Boot aus seine Fische zu bekommen. Als Ortsfremder ist man an so einem Gewässer natürlich verloren. Aber mit einem ortskundigen (witzigerweise auf einem Angelkutter an der Ostsee kennen gelernt) sieht das schon wieder anders aus.

Leider hatte ich nur ein paar Tage, so dass man die Möglichkeiten die der See biete, nur ankratzen konnte. Renkenfischen vom Boot mit ultrafeinen Ruten, als "Beifang" wunderschöne Saiblinge, schleppen auf Hecht, Saibling und Seeforelle war angesagt und auch erfolgreich (von der Seeforelle abgesehen). Wunderschöne Frühsommertage mit herrlichstem Angeln in beeindruckender Kulisse: Angeln in Deutschland!

Der Neckar und seine Nebenflüsse bieten auch vielfältige Angelmöglichkeiten. Zudem bin ich dort zu Hause, welch ein Wunder dass gerade Neckar, Kocher, Jagst und viele kleinere Bäche, aber auch Seen bei Heilbronn durchaus intensiv und durchaus mit wechselnden Erfolgen von mir befischt wurden.

Der Neckar selbst ist über lange Strecken einfach ein Schifffahrtsgewässer mit vielen Schleusen und Wehren, nicht unbedingt der "romantische" natürliche Fluss. Aber auch solche Stellen gibt es, teilweise mitten in den Städten. Was aber der Neckar zu bieten hat: Fisch in Mengen und in kapitalen Exemplaren. Leider nicht auf Bestellung. Auf Grund der vielen Kraftwerke ist der Neckar ein relativ warmer Fluss mit hohem Aufkommen an natürlicher Nahrung. Das bewirkt zum einen das gute Abwachsen der Fische, zum anderen macht es das Angeln natürlich auch schwieriger.

Aber meine ersten Fische fing ich im Neckar, hier lernte ich auch das Angeln. Karpfen, Hechte, Zander, Waller, Barsche, Döbel, Barben, Rotaugen, Brassen: All diese Fische lassen sich mit Ortskenntnis und zur richtigen Zeit im Neckar sicher in "Rekordexemplaren" fangen. Aber auch wenn man keinen Rekordfisch erwischt, bietet der Neckar für fast alle Fischarten und Angelmethoden eine abwechslungsreiche Angelmöglichkeit: Angeln in Deutschland!

Wers romantischer mag wird sich an Jagst und Kocher, Nebenflüsse des Neckars, verziehen. Hier ist alles ein bisschen kleiner: Die Flüsse, die Wassermenge, die Fische. Wobei auch hier immer mit kapitalen Exemplaren, vor allem mit grossen Hechten, gerechnet werden kann. Aber man sitzt hier oft in wunderschöner Natur, an Wäldern und Wiesen inmitten des Flusstales, bewaldete Hügel umrahmen die Kulisse. Und die Oberläufe bieten beste Möglichkeiten die Fliegenrute zu schwingen. Nicht nur Forellen, auch Döbel, Rotaugen und sogar Barben nehmen gerne einmal die Nymphen, Nassfliegen oder Streamer. In den Unterläufen kommen aber auch wieder die Karpfenangler und vor allem die Barben- und Döbelangler auf ihre Kosten: Angeln in Deutschland!

Und im Einzugsgebiet vom Neckar gibt es auch viele kleinere Bäche, in denen man hervorragend auf Forellen angeln kann. Seltener mit der Fliege, da die Bäche oft so dicht bewachsen sind, dass man selbst mit der kürzesten Fliegenrute und dem Rollwurf kaum einmal werfen können wird. Kleine Wobbler, die man abtreiben lassen kann oder ein Wurm, je nach Tiefe und Strömung mit oder ohne Blei, versprechen aber oft grosse Forellen aus manchmal überraschend kleinen Bächen: Angeln in Deutschland!

Grosse Talsperren gibt es bei uns in Baden - Württemberg weniger, aber mit Erhalt des Führerscheines steht einem ja die Welt offen. Einer meiner ersten Angelurlaube führte mich an den damals noch mehr als heute gerühmten Edersee. Ein Hotel direkt am See, das auch Ruderboote an Angler vermietete und eine riesige Wasserfläche. Da wusste man kaum wo man zu angeln anfangen sollte. Erste Versuche am Bootssteg brachten aber gleich die ersten Barsche und die ersten kleinen Schusshechte. So ging ich beruhigt schlafen, mit der Sicherheit auch am nächsten Tag vom Boot aus meine Fische zu fangen. Leider dauerte es 4 Tage bis zum nächsten Fisch. Und das auch nur dank eines Einheimischen, der mit entsprechende Tipps hinsichtlich der Fangplätze und vor allem der Köderwahl gab. So kam ich auch hier zu meinem Fisch, und einen richtig kapitalen Hecht habe ich sogar am letzten Tag noch verloren: Angeln in Deutschland!

Die Sorpetalsperre war mein nächstes Ziel. Kleiner und daher schien sie mir leichter zu befischen als der Edersee. Und glücklicherweise durfte man auch den Vorstau befischen. Aus den Erfahrungen vom Edersee hatte ich gelernt, und statt "blind" drauf los zu fischen, habe ich mir erst mal das Gewässer richtig angeschaut. Und musste bei einem Spaziergang am Wald des Vorstaus entlang feststellen, das ich definitiv zur falschen Zeit hier war. Die Hechte standen im flachen Wasser des Vorstaus im überschwemmten Wäldchen in teilweise nicht mal halbmetertiefen Wasser!! Und was für Kaventsmänner konnte man dort sehen. Richtigerweise war dies Schongebiet. Aber auch dummerweise, denn bei der Menge an Hechten, die dort standen, konnte man im See selber nicht mehr allzuviele erwarten. Dennoch machte ich mich mit dem Boot auf und klapperte die Buchen ab. Natürlich wieder erstmal erfolglos. Mit dem Boot etwas Schatten suchen fuhr ich ans Ufer unter einen Baum. Und wollte mir eine Zigarette drehen. Als ich im ca. 3m tiefen, sehr klaren Wasser unter mir auf dem Sandboden einen grösseren Fisch stehen sah. Ein Blei vor den Wobbler, diesen etwas abseits auswerfen und ganz langsam am Fisch vorbeizupfen: Und er hat gebissen und konnte gelandet werden. Ein Zander von über 90 cm, am hellichten Tag im flachen, klaren Wasser: Angeln in Deutschland!!

Der Rhein ist nicht nur der Vater der deutschen Flüsse, sondern auch unter Anglern ob seiner guten Angelmöglichkeiten bekannt. Im Gegensatz zum Neckar, der relativ stark kanalisiert ist, bietet der Rhein mit vielen Buhnenfelder, Häfen, Altarmen und Auen ein abwechslungsreicheres Bild. Anfang der 90er Jahre war ich von Jörg Strehlow zum Wallerangeln an seiner Hausstrecke eingeladen worden. Übernachtet wurde im Zelt bei den Buhnen, geangelt ohne Unterlass: Tagsüber mit dem Boot, nachts wurden Ruten mit Wurmbündel oder Köderfisch ausgelegt. Und viele Bekannte und Freunde schauten mal vorbei. Wir fingen unsere Waller, leider haben wir etwas die falsche Zeit erwischt, die grossen waren wohl am laichen. Aber täglich so 2, 3 oder 4 Stück so zwischen 80 cm und 1,20m waren immer drin. An einem der letzten Tage bekamen wir dann doch noch einen der grösseren Rheinwaller zu sehen: Ein einheimischer Freund hatte wegen der "Beissunlust" der grösseren Waller eine andere Stelle ausprobiert und fing prompt einen Waller von knapp 50 Pfund: Angeln in Deutschland!

An der Nordsee bei Cuxhaven, genauer in , begann einmal meine "Karriere" als Angler. Als Kind mit chronischer Bronchitis geplagt, wurde vom Arzt empfohlen, mich dem Reizklima der Nordsee auszusetzen. Daher war der jährliche Familienurlaub - meist so um die 4 Wochen in Sahlenburg - immer praktisch schon fest geplant. Was aber sollen Eltern tun, wenn es mal 2 Wochen am Stück regnet?? Die Kinder auf einen umgebauten Krabbenkutter schicken, dessen Käpt`n mit Angelgästen in die Priele zum Aalangeln fuhr. Ein Einheimischer nach mich und meinen Bruder unter seine Fittiche. Jeder von uns bekam 2 Ruten zur Aufsicht. Er selber hatte sicher noch so um die 15 weitere Ruten am Heck im Einsatz, alle mit einfacher Grundbleimontage und Wattwurm. An diesem Tag fing ich den grössten Aal an Board: Und ein Angler war geboren worden! Runter vom Schiff, in den nächsten Angelladen und mein Vater musste mir eine der damals auch schon angebotenen preiswerten Angelkombis kaufen. Danach musste er mich jeden Tag in den Amerikahafen nach Cuxhaven fahren, wo ich mit ungepulten Krabben auf den Buhnen angelte und Aalmuttern und kleine Platte fing. Zum Entsetzen meiner Mutter, die natürlich diese Fische in der Küche zu verwerten hatte, man hat schliesslich seinen Anglerstolz: Angeln in Deutschland!

Und noch einmal Nordsee: Durch das Anglerboard hatte ich den "Seehund" kennen gelernt. Das bescherte mir eine schöne Angeltour mit der Kutteryacht "Seehund" zum Wrackfischen nach Helgoland - über 30 Jahre nach der Tour mit dem Krabbenkutter. Inzwischen sowohl mit etwas mehr anglerischer Erfahrung wie auch mit dem Bootsführerschein gesegnet. Wie viel oder wenig der wert ist, merkte ich auf der "Seehund" auf einer der vielbefahrensten Wasserstrassen der Welt: Der Elbmündung. Extrem viel Verkehr, extreme Tidenströmung und ein schwierig zu navigierendes Revier zeigen einem schnell die Grenzen auf, wenn man bis dahin "nur" die Ostsee und das küstennahe Fahren in Norwegen gewohnt ist. Eine tolle Crew und viele Erlebnisse lassen mich auch heute noch gerne an diese Tour zurückdenken. Daher hier nochmal meinen besonderen Dank an Bernhard! Angeln in Deutschland!

Fehmarn ist natürlich auch immer eine Reise wert! Vor allem für einen Angler. Kein Wunder also, dass eine meiner ersten Angeltouren mit dem frisch erworbenen Führerschein (PKW und Boot!) auf die Insel Fehmarn führte. Ein tolles Revier das man bei fast allen Windrichtungen zumindest vom Ufer aus befischen konnte. Anfangs mit Brandungsrute, kiloweise Blei und Wattwurm, später dann mit der Spinnrute und Wathose und nur einer kleinen Tasche mit Blinkern. Das war immer abends angesagt, tagsüber gings meist mit dem Kutter raus. 90/91 verbrachte ich dann über 4 Monate im Frühjahr/Frühsommer auf meinen Boot auf Fehmarn: Damals lernte ich sowohl viele nette Leute von der Insel kennen, wie auch en sicheren Umgang mit einem Boot auf See und vor allem viele guter Angelstellen auf und rund um die Insel. Danach zog es mich immer wieder zu allen Jahreszeiten auf die Insel: Angeln in Deutschland!

Und falls jetzt jemand meint, ich hätte den Osten Deutschlands mit seinen vielen tollen Angelmöglichkeiten vergessen: Zum einen war das nur eine Auswahl an kleinen Erlebnissen, zum anderen hatte ich bis jetzt noch nicht die Gelegenheit mal richtig in den ostdeutschen Gewässern zu agieren. Vielleicht hilft mir dabei ja auch das Anglerboard, diese geographische Lücke in meinem Anglerleben zu schliessen, beim: Angeln in Deutschland!

Thomas Finkbeiner



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