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Friedfische eiskalt überlisten
Wer im Winter auf Friedfische angeln will, sollte sich nicht zu viele
Gedanken über Gerät, Montage, Futter und Köder machen. Nach meinen
Erfahrungen kommt es in erster Linie auf genaue Gewässerkenntnis an. Wer am
richtigen Platz angelt, muss kein Friedfischexperte sein, um zu fangen.
Zumeist beschränkt sich das Angeln auf Flüsse, da stehende Gewässer oft
zugefroren sind.
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Auf bestimmte Friedfische ist das Winterangeln ganz besonders lohnenswert.
Dies sind vor allem Döbel, Nasen und Zährten, Brassen und Rotaugen. Der
Döbel ist "König" der Winterfische. Er ist selbst bei Frost noch hungrig und
liefert einen spannenden Drill. Ich habe festgestellt, dass die Dickköpfe im
Winter oftmals auch an Flussstrecken mit starker Strömung gut fangbar sind.
Dies sind vor allem die Bereiche unterhalb von Wehren und Bacheinmündung.
Man sollte seine Montage jedoch nicht direkt in die Hauptströmung werfen,
sondern an Strömungskanten oder Kehrströmungen.
Da eine Posenmontage durch die hohe Fließgeschwindigkeit zu schnell
abtreibt, sollte mit der Feederrute geangelt werden. Je nach erforderlichem
Wurfgewicht kommt dabei eine Heavy- oder Medium-Feederrute zum Einsatz, in
deren Rollenhalter eine mittlere Stationärrolle mit 0,18er bis 0,22er
Monofilschnur geschraubt wird. Als Montage hat sich bei mir eine Laufmontage
mit Anti-Tangle-Boom bewährt. Das Vorfach sollte maximal 0,14 mm stark sein.
Wenn man gezielt Döbel fangen will, sollte auf das Anfüttern mit
Flockenfutter verzichtet und stattdessen ein geschlossener Futterkorb für
eine Madenfüllung benutzt werden. Der Köder für die Döbel darf nicht zu
klein sein. Mit einem großen Madenbündel am 6er Haken liegen sie richtig.
Sind jedoch nur wenige Döbel am Platz, ist es besser doch auf einen
Drahtfutterkorb zurückzugreifen, der mit einer dunklen Futtermischung
gefüllt wird, welche einen fischigen Geruch hat.
Allerdings habe ich festgestellt, dass man dann auch öfters Beifänge in Form
von Zährten oder Rotaugen hat. Will man diese Arten gezielt fangen, ist es
allerdings empfehlenswert einen kleineren Haken zu benutzen. Größe 12 bis 16
ist optimal. Beim Fang der beiden Arten habe ich gute Erfahrungen mit
herkömmlichen Rotaugenfuttermischungen gemacht. Diese sollten dunkel sein.
Es ist im Winter lohnenswert, Salz in die Futtermischung einzubringen. Auch
Hanfmehl ist insbesondere für Rotaugen ein guter Futterbestandteil.
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Eine andere Topp-Stelle im Winter ist die Einmündung eines Kanals in den
Fluss. Wer einen solchen Platz kennt, der kann sich auf reiche Beute freuen.
Es bildet sich eine Drehströmung, in der oft massenhaft Nahrung herumtreibt.
Dazu können die Fische bei großer Kälte jederzeit in den Kanal hineinziehen,
wo es kaum Strömung gibt. Ich habe an diesen Angelstellen mit denselben
Montagen, Ködern und dem selben Futter gefangen, wie beim Feedern am Wehr.
Oft reicht es aber an der Kanalmündung aus mit einer Winklepickerrute zu
angeln, da aufgrund der geringen Strömung keine sehr hohen Wurfgewichte
erforderlich sind und die Rute außerdem noch etwas feinfühliger ist.
Vor allem die Nasen und Zährten kommen an dieser Angelstelle in großen
Mengen vor. Genauso darf aber auch mit guten Döbeln und vereinzelt Brassen
gerechnet werden. Je weiter man in den Fluss hineinwirft, desto größer sind
meist die gefangenen Fische, weil sie dem Strömungsdruck besser standhalten
können. An manchen Tagen beißt es so gut, dass man bedenkenlos einen
größeren Köder benutzen kann. Ideal sind Mistwürmer, die durch Beweglichkeit
und intensiven Geruch glänzen. Damit kann man dann die größeren Exemplare
aus dem Fischschwarm herauspicken.
Wo ein Altarm oder Mühlgraben in den Fluss mündet, haben sie beste Chancen
auf prächtige Brassen. Die Grätenkönige sind aber nicht leicht zu
überlisten, da sie nur selten den Köder nehmen. Es wird wiederum mit Feeder-
oder Pickerrute gefischt und der Köder darf maximal an einem 14er angeboten
werden. Bewährt hat sich der Kombi aus einem Mistwurmstück und einer Made.
Als Futter für den Futterkorb eignet sich eine nicht sättigende Mischung mit
süßlichem Geruch, deren Farbe dem Gewässergrund angepasst ist. Die Brassen
beißen ausgesprochen vorsichtig, so dass man sehr konzentriert fischen muss.
Der Anhieb erfolgt beim kleinsten Zupfer an der Feederspitze. Mit
Massenfängen von Brassen ist aber kaum zu rechnen.

Da Wehre für Schiffe nicht zu überwinden sind, wurden Schleusengräben dafür
gebaut. Dort ist die Strömung sehr schwach und daher ist es auch nicht
verwunderlich, dass sie im Winter beliebte Rückzugsgebiete für Friedfische
sind. Gerade direkt am Schleusentor konnte ich manchmal schon regelrechte
Massenansammlungen von Döbeln, Zährten, Rotaugen und Brassen beobachten.
Dort bietet es sich an mit Matchrute und Posenmontage zu fischen. Als Köder
kommt dann am besten ein Tauwurm zum Einsatz, um möglichst nur größere
Fische zu fangen. Anfüttern ist in der Regel unnötig, denn es gibt am
Schleusentor so viele Fische, dass man sich der Bisse sicher sein kann. Wer
nicht direkt am Schleusentor angelt, wird in erster Linie Döbel fangen. Sie
jagen in der Schleuse nach kleinen Rotaugen und Ukeleis.
Mit einem kleinen Köderfisch der an der Posenmontage durch den
Schleusengraben gezupft wird, kann man selektiv auf große Döbel fischen.
Alternativ ist auch das Spinnfischen mit kleinen Wobblern in Weißfischdekor
und silbernen Spinnern möglich. Dabei sollten sie aber unbedingt relativ
dünne Monofilschnur verwenden, denn ich habe festgestellt, dass die
Dickköpfe ausgesprochen schnurscheu sind. Wo aufgrund der Raubfischschonzeit
Köderfische und Kunstköder nicht benutzt werden dürfen, kann man auch mit
einem Tauwurm gut fangen, muss dann aber den einen oder anderen kleineren
Döbel und manchen Beifang einplanen.
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Nicht nur an großen Industrieflüssen lohnt sich im Winter das Angeln. Auch
an kleinen Bächen darf mit guten Fängen gerechnet werden. Vor allem dicke
Rotaugen kommen dort häufiger vor, als mancher glaubt. Außerdem gibt es
Zährten und Döbel, welche aber meist nicht sehr groß werden. Mit einer
feinen Posenmontage an der Matchrute kann man an den Kleistgewässern entlang
wandern und an jedem tieferen Gumpen sein Glück versuchen. Hier kann man
dann die gesamte Palette der Friedfischköder durchprobieren. Wenn es
beispielsweise auf Maden nicht mehr gut beißt, weil bereits einige Fische
aus dem Gumpen damit gefangen wurden, wechselt man einfach auf einen anderen
Köder und wird dann schnell wieder Bisse bekommen.
Wie man sieht, kann Friedfischangeln im Winter durchaus kurzweilig sein.
Wenn sie an den richtigen Stellen fischen, dann ist es möglich sogar besser
zu fangen als in der warmen Jahreszeit. Dies liegt daran, dass die Fische
nicht so verstreut sind, sondern sich punktuell
konzentrieren.
Veit Wilde
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