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Gezielt auf grosse Dorsche
Wer auf einem Angelkutter an der Ostsee unterwegs ist, hat ja selber keinen
Einfluss auf die Grösse der Fische. Mit dem eigenen Boot oder vom Ufer aus
kann man dagegen einfach die Stelle wechseln, wenn man zu viel "Kleindorsch"
fängt. Nach über 20 Jahren Dorschangeln, sowohl vom Kutter, wie auch vom
Boot, mit der Brandungsrute, mit der Spinnrute sowohl an der Ostsee wie in
Norwegen und nach ungezählten gefangenen Dorschen ist mir etwas
interessantes aufgefallen.
Bei einer Kuttertour ist man ja gerade am Anfang bemüht, erst mal die
Fischkiste "voll zu kriegen". Man angelt konzentriert und sehr aktiv und
fängt so auch stückzahlmässig seine Fische. Viele Neulinge auf dem Kutter
verlieren schnell die Lust, wenn rund herum gefangen wird, sie aber nichts
oder nur wenig von den Dorschen abkriegen. Oft halten sie nur noch die Angel
ins Wasser ohne aktiv zu angeln. Dennoch sieht man gerade bei diesen
Neulingen, dass sie am Ende des Angeltages vielleicht nicht die meisten, oft
aber die grössten Dorsche gefangen haben.
Ein interessantes Erlebnis auch vom Spinnfischen auf Fehmarn. Nach 2 Stunden
blinkern mit nur 6 Kleindorschen verlor ich die Lust und vor allem die
Konzentration. Statt wie bisher weiterhin aktiv den Blinker zu führen,
kurbelte ich nur noch "lustlos" ein. Und siehe da, innerhalb der nächsten
Stunde fing ich zwar nur noch 2 Dorsche, die aber beide gut massig
waren.
Auch zwei Erlebnisse aus Norwegen: 2 Ehepaare angelten vom Kutter aus, die
Männer geübte Angler, die Frauen mehr so nebenbei. Dort keinen Fisch zu
fangen, ist fast nicht möglich, interessant war der Grössenunterschied: Die
Frauen, die ihre 20 lbs - Ruten praktisch kaum bewegten, fingen durchweg die
grösseren Dorsche. Das Amüsante: Die Männer wollten bis zum Schluss ihren
Frauen das "richtige Pilken" beibringen, obwohl die die grösseren Dorsche
fingen.
Auch vom Ufer aus machte ich die selbe Erfahrung. Da ich auf Smöla meine
Stellen kenne, sind Fänge von 20 - 40 Fischen in 3 - 4 Stunden eher die
Regel als die Ausnahme. Durch die Vielzahl der gefangenen Dorsche an den
verschiedensten Stellen kann man hier auch gut vergleichen. Und fast immer
fing ich die grösseren Dorsche auf Jigs, die ich einfach mit der Strömung
abtreiben liess oder leichte Pilker, mit denen ich genauso verfuhr. Angelte
ich jedoch wie gelernt aktiv, auch mit den gleichen Ködern, hatte ich im
Schnitt die deutlich kleineren Fische.
Beim Angeln vom Boot hatte ich im kleinen Belt immer zwei Ruten eingesetzt:
Eine zum aktiven Angeln in der Andrift, beködert mit Pilker oder Jig. Eine
in der Abdrift, entweder mit der Dorschautomatik (Grundblei mi8t ca. 1,50m
Vorfach, daran 3 - 4 Seitenarme mit 2/oer Haken ohne Bleikopf und normnalen
Twistern daran) oder mit einem hinter dem Bot hergezogenen etwas schwereren
Jig. Und auch hier bissen die grössten Fische meist auf den einzelnen
hinterhergezogenen Jig, deutlich mehr Fische fing ich an der aktiven Rute
auf der Andrift und auf die Dorschautomatik. Aber die Grössten des Tages
brachte immer der einzeln gezogene Jig.
Wo keine 10 Kilo - Dorsche sind, kann man natürlich auch keine fangen, das
ist klar. Aber auch ein Schwarm mit fast gleich grossen Exemplaren ist fast
immer auch von einigen grösseren Artgenossen durchsetzt. Und wenn man keinen
Schwarm hat, sondern eine bestimmte Stelle, die für Dorsch gut ist,
schwimmen dort meist auch Fische unterschiedlicher Grösse. Es geht mir also
nicht darum gezielt kapitale Dorsche zu fangen, sondern aus dem jeweiligen
"Angebot" die möglichst grössten. Egal ob vom Boot, vom Kutter oder vom Ufer
aus.
Lange habe ich überlegt, woher es kam, dass ich mit bestimmten Methoden eher
die grösseren Dorsche erwischte. Das hat sich dann langsam zu einer Theorie
verfestigt. Dann habe ich mal lange mit Franky drüber gesprochen und im
Anglerboard auch eine entsprechende Frage gestellt. Die Antworten und
Gespräche schienen meine Theorie zu bestätigen.
Der Dorsch ist ja hauptsächlich ein aktiver "Augenräuber", der aber auch
gerne mal Muscheln, Würmer und Krabben aufsammelt. Und der Dorsch ist
gesellig. Selten einmal, dass man an einer Stelle nur einen einzelnen Fisch
fängt. Und gesellige Fische neigen auch zum Futterneid - man muss ja sehen
wo man bleibt. Ein grösserer Fisch braucht dazu im Verhältnis zum
Körpergewicht weniger Futter, da er nicht mehr so schnell wächst wie die
kleineren Artgenossen. Also dürften auf Grund dessen die kleineren Dorsche
auch die futterneidischsten sein.
Führt man also einen sehr auffälligen Köder - z. B. Pilker mit Beifänger -
auch sehr aktiv, dürfte er schnell den Dorschen auffallen. Und wenn er erst
mal aufgefallen ist, werden wohl die schnellen, futterneidischen kleineren
Dorsche schneller "am Ball" sein als diegrösseren Kollegen. Und somit haben
wir wieder den 40cm Dorsch am Haken hängen statt seines 60 cm
Kollegen.
Fischt man dagegen einen nicht so auffälligen Köder - einen dunkel gefärbten
Jig - relativ passiv am Grund, wird er sicherlich nicht so schnell von en
Fischen wahrgenommen. Da oft gerade die grösseren Dorsche aber oft lieber
Muscheln, Würmer und Krebse sammeln statt kräftezehrend aktiv zu rauben,
wird ein solcher Köder gerade ihnen "maulgerecht" präsentiert. Und es wird
nicht wie beim aktiven Angeln der Kleindorsch den Köder so schnell erkennen
und sich futterneidisch drauf stürzen. Das meine Theorie zu den oben
genannten Beobachtungen.
Selbstverständlich habe ich dies auch im Versuch umgesetzt. In den letzten
beiden Jahren auf Smöla, wo ich genügend Dorsche fangen konnte, um wirklich
vergleichen zu können. Und das an den verschiedensten Stellen: An Straumen
mit kräftiger Strömung und Tiefen um 10 m, an einem "Kleinstraumen" mit ca.
2 - 3m Wassertiefe, zwischen den Schären bei ca. 15 - 20 m Tiefe und
Grundströmung, an einem Hafenbecken mit ca. 40 - 50 m Tiefe. Und das
Ergebnis war immer das Gleiche: Jigs und Pilker in gedeckten Farben langsam
und gleichmässig gezogen brachten die Grösseren.
Einmal ist es mir sogar passiert, dass ich auf aktive Pilkerführung über
eine halbe Stunde nicht einen Zupfer bekam. Das war am Straumen. Allerdings
war ich genau zur Niedrigwasserzeit da, also einer Zeit, zu der kaum ein
Angler rausgehen würde. Mir blieb an diesem Tag nichts anderes übrig, da ich
ja arbeiten musste. Als ich dann schon überlegte, wieder den Heimweg
anzutreten, wollte ich trotzdem noch kurz die Jigs ausprobieren. Also leicht
gegen die Strömung einwerfen und den Köder absinken lassen. In der Zeit
nebenher eine Zigarette drehen. Dabei wird die Rute zwischen die Beine
geklemmt. Kaum war der Jig unten angekommen und fing an mit der Strömung ab
zu trudeln, kam auch schon der Biss. Natürlich blieb der Dorsch mangels
Anschlag nicht hängen, aber das Jagdfieber war wieder geweckt. Und so fing
ich in den nächsten 2 Stunden auf jeden Wurf einen Dorsch - und alles
ausnahmslos Fische über 60 cm. E9in Unterschied zu meiner Theorie: Diese
Dorsche waren wirklich am Krabbenfressen. Sie hatten nur Krabben im Magen,
teilweise handtellergross.
Aber auch im Hafenbecken konnte ich mit der "ruhigen" Führung die grösseren
Fische überlisten. Oft stehen die Dorsche dort bei über 40 m Tiefe nicht
immer direkt am Grund. Daher hatte ich es mir zur Gewohnheit gemacht, die
gesamte Wassersäule aktiv abzusuchen, um zuerst einmal die Fische zu finden.
Auf Grund der grossen Wassertiefe setze ich hier lieber Pilker ein, da die
nicht so lange brauchen um den Grund zu erreichen. Allerdings ersetze ich
den Drilling durch einen grossen Einzelhaken. Zum einen weil die Dorsche
besser hängenbleiben und weniger im Drill abkommen, zum anderen weil man mit
dem Einzelhaken doch wesentlich weniger Hänger hat - gerade beim "Ziehen"
über Grund.
Die ersten Bisse beim aktiven Pilken erhielt ich ca. 3m über Grund. Also
versuchte ich mit dem bis dahin verwendeten 50 - Gramm - Pilk diesen Bereich
abzufischen. Der Pilker war aber zu leicht, so dass auch beim langsamen
Einziehen der Pilker zu schnell aus dieser fängigen Tiefe nach oben kam.
Erst als ich auf einen 80 - Gramm - Pilk wechselte, konnte ich den Köder
lange genug in der fängigen Zone halten, um die Dorsche zu erwischen. Ich
liess den schwereren Pilker einfach bis auf en Grund absinken, um ihn dann
sehr langsam und gleichmässig einzuholen. Meist nach ungefähr 10 - 15
Kurbelumdrehungen kam der Biss.
Das Interessante dabei: Wenn ich versuchsweise zwischendurch den leichteren
Pilk aktiv fischte, fing ich auch meine Fische, die dann im Durchschnitt um
die 50 cm lagen. Beim langsamen Ziehen dagegen lag der Schnitt bei knapp 70
cm. Also wieder ein Argument für meine Theorie. |
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Auch zwischen den Schären das gleiche Spiel. Ur ca. 3 m vom Ufer entfernt
verläuft dort eine steile Abbruchkante, an der fast immer Dorsche zu finden
sind. Auch wenn weiter draussen an der anderen fängigen Stelle dort
"Fischruhe" herrscht. An der Kante kann man in ca. 7 - 10m Tiefe auch gut
mit sehr kleinen Jigs fischen. Die meisten Fische bringt es, wenn man den
Jig aktiv die Kante entlang hüpfen lässt. Nun probierte ich auch hier etwas
schwerere Jigs und eine langsame Führung direkt am Grund. Und siehe da: Beim
aktiven Angeln fing ich kleine Dorsche zwischen 30 und 50 cm. Beim Ziehen
erwischte ich nicht mal ein Drittel der Menge gegenüber dem aktiven Angeln,
aber alle hatten um die 50 - 60 cm. Und auch weiter draussen: Amngelte ich
aktiv mit hochreissen des Pilkers, hatte ich meist schon nach dem 2. 0der 3.
Anreissen einen Biss, meist eines kleinen Dorsches. Beim ziehen musste ich
oft über 10 m einkurbeln - dann hing meist aber auch ein grösserer
Dorsch.
Also auch hier: Dorsche unterschiedlicher Grösse stehen zusammen, die
grösseren davon erwischt man mit der langsamen, in der Strömung sogar
passiven Führung. Und wenn ich die ganzen Jahre an der Ostsee an mir
vorbeiziehen lasse, muss ich sagen dass ich meine grössten Dorsche meist auf
der Abdriftseite fing, wenn ich den Pilker nur "ins Wasser hängen" liess und
mir nebenher eine Zigarette drehte.
Dennoch werde ich als bekennender Kochtopfangler, der zudem fern der Küste
wohnt und nicht so oft zum Dorsche angeln komt, immer zuerst einmal mit
aktivem Angeln versuchen die Kiste zu füllen. Aber immer wenn die Dorsche
gut beissen, werde ich auch zukünftig versuchen mit langsam geführten Ködern
dann eher die grösseren Dorsche zu erwischen.
Thomas Finkbeiner
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