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Die Erft bei Grevenbroich
Das Quellgebiet der Erft liegt südlich von Bad Münstereifel in der Osteifel. Die Erft durchfließt die Niederrheinische Bucht und mündet im Niederrheinischen Tiefland bei Neuss in den Rhein. Das Einzugsgebiet des 103 km langen Gewässers ist 1.828 km2 groß (davon 1.797 in NRW )
Die Erft ist kein normaler Fluss. Im Unterlauf westlich von Köln sprießen brasilianische Tausendblätter und südamerikanische Wasserpest. Hinzu kommen mehr als 300 einheimische Arten, darunter die spitze Blasenschnecke, der gesäumte Plattegel und die gebänderte Prachtlibelle. Grund für das pralle Leben unter und über Wasser sind die außergewöhnlichen Temperaturen der Erft, die an der Wasserscheide zwischen Rhein und Maas entspringt und sich durch die Mittelgebirge schlängelt. Jährlich pumpt die nordrhein-westfälische Braunkohle-Industrie rund 300 Millionen Kubikmeter Grundwasser in den Fluss. Das klare, aber warme Wasser wird aus den Fördergebieten abgeleitet, damit sich die gigantischen Radbagger immer tiefer in die Erde graben können. Durch die Einleitung der Sümpfungswässer aus dem Braunkohletagebau hat die Erft im Winter eine durchschnittliche Wassertemperatur von 15 Grad. Im Sommer wird das Gewässer bis zu 28 Grad warm.
Mein Revier ist die Gegend um Grevenbroich
Piranhas soll es hier vereinzelt geben, was ich nicht bestätigen kann. Buntbarsche habe ich schon mehrere gefangen (manchmal leider auch Wasserschildkröten ). Im Sommer sind die Ufer extrem dicht bewachsen und erinnern schon ein wenig an einen kleinen Amazonas, an dem man sich nachts vermutlich auch nicht alleine hinsetzt ( Ich hab es mich noch nicht getraut )
Durch das ständig warme Wasser gedeihen hier die Welse, die sich in den letzten Jahren stark vermehrt haben ( 30 - 50 PF. keine Seltenheit ). Aber auch Karpfen in gigantischen Grössen ( hab schon mehrere um 30 Pf gesehen) sind in dem 10 - 15 Meter breiten Flüsschen mit unterschiedlicher Strömungsgeschwindigkeit zu finden.
Fangsaison ist praktisch das ganze Jahr, wobei im Winter neben Döbeln und Rotaugen auch immer wieder Karpfen und grosse Brassen in Gewichten von 5- 6 Pfund zu fangen sind. Die meisten Aale habe ich im Winter überlistet und in zahlreichen Sommeransitzen die Erfahrung gemacht, dass der Aalbestand ist in diesem Gewässerabschnitt nicht besonders gross ist. Wer hier den Zander oder Hecht fangen will, muss viel Zeit und Optimismus mitbringen. Insbesondere die Zander sind extrem schwierig zu überlisten , was ich in mindestens 20 fanglosen Nächten erfahren durfte. Und es gibt sie, die Rieserbrummer , denn vor zwei Jahren kam einer halbtot an der Wasseroberfläche vorbeigetrieben, den haben wir locker auf über 20 Pfund geschätzt.
Gezielt auf Karpfen angeln lohnt sich meiner Meinung nach nicht, weil beim Weissfischangeln ( Brassen, Rotaugen ) mit der Posenrute auch immer die Karpfen mit dabei sind. Aus diesem Grund angel ich nicht unter Hakengrösse 6-7. Doch ! Einmal im letzten Jahr :
Schwer bewaffnet mit 3-er-Haken hatte ich nach 2 Stunden den ersten Zupfer in 15 Meter Entfernung. Danach zuppelte es genau an dieser einen Stelle andauernd aber ich konnte keinen Fisch haken.
Nach mehreren Hakenwechseln war ich schliesslich bei Grösse 10 gelandet und zwei Maiskörnern und jetzt kamen auch die Fische. Nach 35 zum Teil riesigen Rotaugen in 5 Stunden habe ich aufgehört zu zählen und ernsthaft darüber nachgedacht, die Stelle zu wechseln.
Schon in Gedanken beim Packen ging der Pose mal wieder ab und nach meinem Anhieb hatte ich den ersten Hänger des Tages, der dann allerdings in Bewegung kam. Nach fast einer halben Stunde Drill und Mitlaufen durch die Büsche am Flussufer habe ich das kleine Schwein sogar kurz gesehen. Ein Karpfen, den ich auf über 30 Pfund geschätzt habe. Er hatte noch einen Speed drauf und mein Supergoldmaishaken war gerade wie ein Streichholz. Ich sah nach der Buschwanderung aus wie Rambo nach einem Einsatz und es war inzwischen nett am regnen. Alles war durchnässt und als ich 10 Minuten später in Unterhose im Auto sass, hab die ganze Heimfahrt darüber nachgedacht, was ich falsch gemacht habe.
Wenn die Erft für mich auch einer der interessantesten Flüsse Deutschlands ist, muss ich einräumen, dass der Fluss nicht immer leicht zu befischen ist. Er ist launisch wie eine Diva und hat viele Angler schon entmutigt. Insbesondere nach starkem Regen mit ansteigender Fliessgeschwindigkeit kommt der Flussboden in Bewegung und man hat ständig irgendwelche Blätter am Haken. Im Mittelwasser kommt dann ab dem Sommer die absterbende , südamerikanische Wasserpest als Angelleid hinzu. Man muss lange üben und die Stellen genau kennen, bevor der Erfolg kommt.
Und alleine ist man dort nie. An jedem Angeltag gibt mehrere der herrlichen Eisvögel zu bewundern und wer dann bis zur Dämmerung wartet, bekommt mit Sicherheit noch Besuch von den Nutrias.
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Ich fahre immer wieder gerne dahin.
Herbert Moisel
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