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Uschis Angelerlebnisse Teil 5
Barbenfang in der Weser
An einem Wochenende im Oktober fuhren wir nach Minden, um in der Weser zu angeln. Wir entschieden uns für die Uferstraße, wo die Weser in den Mittellandkanal floss. Kurz dahinter kam die Schleuse. Hier wollten wir unseren Platz aufschlagen. Auf der gegenüberliegenden Spitze, wo Kanal und Weser zusammentrafen, saßen schon mehrere russische Angler. Es schien eine heißbegehrte Stelle zu sein, denn immer wieder kamen Leute dorthin, die dann leider feststellen mussten, dass die Stelle schon besetzt war. Auch wir wollten es dort einmal probieren - falls die Stelle einmal nicht besetzt war - was leider sehr selten vorkam.
Aber dort, wo wir waren, gefiel es uns ebenfalls gut. Achim angelte wie meistens mit totem Köderfisch auf Raubfisch. Er war auf Zander aus. An einer anderen Rute hatte er Maden als Köder angeboten. Mir war es im Grunde genommen egal, was ich fing, hauptsächlich es biss überhaupt ein Fisch an. Natürlich hätte ich auch gerne mal einen Zander gefangen. Aber irgendwie lag es mir (noch) nicht, tote Fische als Köder anzubieten. Wichtig war mir, wie gesagt, dass ich überhaupt einen Fisch an den Haken bekam.
Ich bot Maden und Tauwürmer an, da, wie ich inzwischen wusste, auf diesen Köder die verschiedensten Fische bissen. Ich hoffte sehr, dass es dieses Mal auch so sein würde. Achim hatte mir erzählt, dass er mit Maden sogar einmal einen Aal und einen Zander (!) gefangen, obwohl das bei letztem etwas mehr als ungewöhnlich war.
Ich fütterte schon eine ganze Weile mit Weißbrotstückchen und Maden an, als ich eine Meldung bekam. Statt eines Bleigewichts hatte ich mich für ein Futterkörbchen, gefüllt mit Weißbrot und Maden, entschieden. Als das Glöckchen einen Ton von sich gab, hämmerte mein Herz wie wild und mein Puls raste. So ging es mir jedes Mal. Sofort war ich bei meiner Rute und girff sie mit zitternden Händen. Dann schlug ich an. Und ich machte trotz meiner Nervosität sogar alles richtig, denn der Haken saß im Fischmaul. Beim Drillen spürte ich auch gleich, dass ich einen größeren Fisch als bislang, am Haken hatte. Er zog reichlich Schnur von der Rolle und wollte ständig fliehen. Immer wieder musste ich ihn Schnur nehmen lassen und dann warten, dass er müde wurde. Wenn er nicht mehr zog, drillte ich vorsichtig weiter. Der bis dahin noch Unbekannte war ein starker Kämpfer. Ich vermutete, dass es ein Karpfen sei. Wie sich ein Karpfen beim Drill verhielt, wusste ich bereits, denn im Altmühltal hatte ich das erste Mal eine Begegnung mit ihm.
Je näher der Fisch zum Ufer kam, umso mehr schlug er im Wasser um sich. Einige Minuten dauerte es schon, bis ich ihn endlich am Ufer hatte. Erst da erkannte ich im Licht meiner Kopflampe, dass es kein Karpfen, sondern eine Barbe war. Dann lag sie im Kescher. Die große Barbe sah mit ihren kurzen Barteln rechts und links vom Maul sehr interessant aus. Irgendwie sogar niedlich.
Es war der zweitgrößte Fisch den ich in meinem kurzen Anglerinnenleben gefangen hatte. Und der Drill war so aufregend und toll, dass ich am liebsten gleich eine weitere gefangen hätte.
Kaum hatte ich die Barbe versorgt, füllte ich das Körbchen wieder mit Maden und Brot. Dann warf an die gleiche Stelle wie vorher aus. Wo eine ist, da sind doch bestimmt noch mehrere, dachte ich. Aber so sehr ich auch hoffte, dass eine weitere meinen Köder nahm, es tat sich einfach nichts mehr. Eine Stunde nach meinem wunderschönen Fang, ging Achim ebenfalls eine Barbe an den Haken. Seine war - wie eigentlich bei jedem Fisch, den er fing - ein paar Zentimeter größer als meine. Irgendwie fand ich das schon komisch, aber ich freute mich natürlich für Achim.
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Wir blieben nicht, wie wir es ursprünglich beschlossen hatten, die ganze Nacht, sondern fuhren gegen 2 Uhr nach Hause. Gleich Zuhause angekommen, nahm ich die Barben aus und legte sie in die Tiefkühlruhe. Zwei Tage später schenkte Achim eine der Barben seinem Arbeitskollegen. Dessen Frau ist eine tolle Köchin und fragte schon seit einiger Zeit, wann wir wieder einmal einen Fisch für sie übrig hätten. Wir hatten bisher noch keine Barbe zubereitet und waren gespannt, wie sie ihnen schmecken würde. Da Barben sehr viele kleine Gräten haben, trauten wir uns nicht so richtig daran. Aber als Achim Kollege sagte, dass sie sehr gut geschmeckt hätte und sie gerne wieder eine nehmen würden, probierten auch wir es aus. Das Filet drehten wir durch den Fleischwolf um dann Fischstäbchen daraus zu machen. Noch nie zuvor hatten wir solche leckeren Fischstäbchen gegessen! Die Fischabfälle bekam wieder der Kollege, denn seine Frau wollte daraus einen Fischfond zubereiten.
Noch ganz happy von dem schönen Fang, fragte ich Achim ein paar Tage später, ob wir nicht am Wochenende erneut nach Minden fahren könnten.
Er schaute mich grinsend an und meinte: "Du bist ja verrückter auf's Angeln als ich. Meinetwegen können wir noch einmal nach Minden fahren. Wir können ja mal schauen, ob die Spitze frei ist. Dann setzten wir uns dort hin."
Am Samstagnachmittag stellten wir den Wagen ein paar hundert Meter von der Angelstelle ab und schleppten unsere Sachen den weiten Weg dorthin, in der Hoffnung, dass wir der Platz frei sei. Aber er war schon wieder von anderen Anglern besetzt. Da wir nun schon einmal alle Angelsachen bei uns hatten, suchten wir uns auf diesem Gelände eine andere Stelle. Der Platz, den wir schließlich auswählten, war zwar nicht so schön, weil er auch sehr schräg war, aber da wir nicht alles wieder zurückschleppen und erneut einige Kilometer fahren wollten, blieben wir trotzdem da. Diese Angelstelle lag genau gegenüber dem Ufer, wo wir eine Woche zuvor gesessen hatten.
Ich baute meine Rute auf und schon bald lag der Köder in der Strömung der Weser. Es war herrlich still und während ich meine Rute beobachtete, hörte ich dem Gesang der Vögel zu. Doch plötzlich vernahm ich ein Geräusch, dass sich wie ein Schuss anhörte. Was war denn das? Wer sollte denn hier auf dem Stück schießen? Ich glaubte mich verhört zu haben und wendete mich meinen Ruten zu. Doch die Knallerei hörte nich auf. Es waren tatsächlich Schüsse, wir wussten aber nicht woher sie kamen.
Inzwischen war die Sonne untergegangen und es wurde kälter. Als ich fror, machte ich mich auf den Weg zum Auto um mir meinen Thermoanzug zu holen. Unterwegs begegnete ich Jägern und jetzt konnte ich mir auch die Schüsse erklären. Neugierig fragte ich nach, auf was sie hier schießen würden. "Auf Füchse und Rebhühner" bekam ich als Antwort. Mehr im Spaß sagte ich zu ihnen: "Passen Sie bloß auf, wo Sie hinschießen. Mein Mann und ich sitzen ein Stückchen weiter am Ufer und angeln."
"Keine Bange., junge Frau Wir schießen in die Luft und nicht ans Ufer. Da passiert schon nichts", antwortete ein Jäger.
Na gut, dachte ich und ging weiter. Als ich wieder bei Achim war, erzählte er mir, dass er vor einigen Minuten geglaubt hätte, es wäre am Hageln. Dann hätte er aber gemerkt, dass es kein Hagel, sondern Schrotkörner waren, die vom Himmel prasselten. Ein paar davon waren ihm sogar auf den Kopf gefallen!
Es dauerte nicht lange und die Jäger kamen mit ihren Hunden immer näher an unsere Angelstelle heran. Eine kleine Rotfeder, die ich vorher gefangen hatte, lag hinter mir im Gras. Dafür interessierte sich einer der Jagdhunde. Ich dachte schon, dass er damit weglaufen oder sie vielleicht sogar auffressen würde, aber er schnüffelte nur daran. Erst als sein Herrchen rief drehte er sich um und rannte weg. Es dauerte fast eine Stunde bis wieder Ruhe herrschte und die Jäger endlich abzogen.
Sicher lag es an den Schüssen, dass sich lange Zeit nichts tat. Fische können ja bekanntlich auch hören und bestimmt hatte sie der Lärm vertrieben.
Trotzdem gab ich die Hoffnung nicht auf, eine Barbe zu fangen. Aber das Glück war mir nicht hold.
Achim hatte jedoch wieder einmal Glück. Er fing etwas später doch noch eine große Barbe, worüber ich mich sehr freute. Noch mehr hätte ich mich jedoch gefreut, wenn auch ich wieder einen Bartelträger gefangen hätte.
Ursula Kluck
Uschis Angelseiten: www.unsereseite.de/uschi
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