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Skarnsundet-Tour 2004


Ich beginne am besten mit der Überfahrt nach Norge mit der Colorline MS Princess Ragnhild. Auf dem Schiff waren neben unseren AB-Skarnsundis und vielen namenlosen anderen Anglern auch die Gruppe, die für 14 Tage an die Küste nach Titran aufgebrochen waren. Und Thema Nr. 1 war natürlich erstens das Wetter (Skarnsundet O-Ton: "Ihr fahrt doch sowieso nicht raus...") und die zu erwartenden Fänge (Titran O-Ton: "Wir sind ja nicht zum Köderfischfangen hier, so wie Ihr..."). War `ne lustige Runde, die da in der Pianobar zusammengekommen war. Nicht nur Boardis, sondern auch alte Bekannte, wie AndreasBln und einige weitere NAFis saßen ganz ohne Groll und Messer in der Tasche um den Tisch und redeten und flachsten über das, was uns alle verbindet, das Angeln!

Einer, der ganz besonders flachste und "redete" #g , war unser Andreas Michael, der die Fahne (im wahrsten Sinne des Wortes!) des AB hochhielt. Besonders erfreut hat alle Anwesenden sein ausführlicher Bericht über einen mißlungenen Selbstmordversuch mit einem 250g Brandungsblei! :

Somit ging auch diese Überfahrt nicht ohne Pianobar-Absturz vonstatten.

Damit bin ich schon beim nächsten Morgen und mir war ziemlich mulmig bei dem Gedanken zumute, dass die Leute im Auto von Andi Michi ja bei der Paßkontrolle die Scheiben herunterkurbeln müssen...

Aber erwischt hat's DinTur Matze mit Dorsch1, Kl. Nordlicht und Ficky Minn (dazu später mehr!!) im Auto. Sie wurden herausgewunken! Das Auto wurde mit einem Spürhund auf Rauschgift untersucht... aber nichts gefunden, außer Angelfieber!

Nun ging's los auf die letzte Etappe quer durch Norge und nach 7 und einer halben Stunde schlugen wir in Vangshylla auf.

mai2004_skarnsund_1.jpg Wer den Anblick, den die Brücke bietet, wenn man oben vom Berg um die Kurve kommt und den ersten View auf die Anlage, die sozusagen mitten im Wasser liegt, je vergisst, sollte zum Arzt gehen oder gleich in Harald Juhnkes Klinik anrufen! Wow!

Aber die Ersten waren wir leider nicht, Palometta war wahrscheinlich gefahren, wie ein Henker, jedenfalls packten die Jungs bereits ihre Sachen aus.

Auch wir warfen bei 4 °C und Nieselregenschneesonne unsere Klamotten in die schöne, gut ausgestattete Ferienwohnung und drehten erstmal ne Runde.

An der Steganlage, die gleich unmittelbar neben dem Haus liegt, bestaunten wir die geräumigen 5,30 m langen Boote, die vertäut in einer Reihe lagen, hinten mit 25-30 PS Viertaktern ausgerüstet und mit Texflex-Lenkung, Echolot und viel Stauraum versehen.

Jetzt kommt Klaas-Jan, der Guide und Manager der Anlage zu uns in die Wohnung und bringt als erstes 'ne Hiobsbotschaft, zur Zeit nicht viel los mit Fisch! :c Aber sofort siegt unsere Zuversicht, dass die Boardies das ändern werden.

Zuversicht erhalten wir durch Kjell, einem der Besitzer der Anlage, quasi die Graue Eminenz und Großmeister in einem früheren Thread. Er kam gerade rein als wir noch mit dem Auspacken beschäftigt waren und hatte in seiner Fischkiste einige schöne Köhler, die sofort bestaunt wurden. Einer der Seelachse hatte satte 14 Pfd.! Von wegen keine Fische..

MatzeDinTur war trotz der langen Anreise noch den ganzen Abend unterwegs und teilte die Boote auf die Wohnungen auf und stand mit Rat und Tat jedem zur Seite, der Fragen hatte.

Ostersonntag beginnt für die meisten Boardis um ca. 10.00 Uhr, denn ab da schwärmen die Boote (besetzt mit drei oder sogar nur zwei Mann!) in alle Richtungen aus. Das Revier ist unglaublich vielseitig. Man kann im Gezeitenstraumen genauso angeln wie an Felskanten, draußen auf dem Fjord, auf einer der zahlreichen Dorschwiesen oder an den vielen seichten oder tiefen Plateaus.

DinTurMatthias, Palometta und ich (als Norge-Neuling) fahren zusammen mit der Aluschüssel, einem ca. 5m Aluboot mit 30 PS Tohatsu, zu einer Untiefe, die Steinbeisserstelle genannt wird. Aber vorwiegend soll's hier Dorsch und Schellfische geben, denn in 2003 wurden im ganzen Jahr lediglich 3 Seewölfe hier gefangen, insofern irritiert die Bezeichnung etwas.

Kurze Zeit später durchreißt Palomettas Freudenschrei das Schneegestöber, ein feister Steinbeisser von ca. 60 cm Länge zappelt am Gaff! Petri Heil!

Sonst beissen auf der Stelle kleinere Schellis und Wittlinge, die gleich wieder released werden. Auf dem Weg zum ca. 7 km entfernten Rossegrunnen, wo zur Zeit die Megadorsche wohnen sollen, zieht von Westen ein Tief auf, dass Matthias Sorgen macht. Nach kurzem Abwarten im Landschutz entschließt er sich, den Rückweg anzutreten. Es wird eine Tortur über starke Dünung, die meinem Rücken noch zwei Tagen Freude bereiten wird...

Warum Frauen an Bord Unglück bringen (nicht an Board).

Am Ostermontag wollten wir`s ruhig angehen lassen, schließlich sind wir im Urlaub und nicht auf der Flucht. Mir liegt das morgens um 7.00 Uhr Aufstehen sowieso nicht so im Plan, wie es die meisten anderen praktizieren.

Wir haben uns um 14.00 Uhr mit Matthias verabredet, um in den Beistadtfjord zu eiern um auf Dorsche zu angeln und so bleibt Zeit, das Equipment auf Vordermann zu bringen und dem einen oder anderen Gespräch der Profis zu lauschen. So wie Gisela, die morgen abreisen wird und schon mehrmals hier war. Sie schwört zum Köhlerangeln im Straumen auf Circle-Hooks mir Federverzierung oder einfach mit Schlauch geschmückt an dem von Klaas verwendeten langen (bis zu 20m langen) Vorfach. Und die Haken sollten dünndrähtig und stabil sein.

Die Angelei in der Gezeitenströhmung ist kein einfaches Unterfangen, denn es müssen mindestens zwei Angler auf dem Boot sein, damit einer das Boot in der Ströhmung halten kann und einer angelt. Außer Klaas und Kjell, die schaffen das auch ohne Steuerhilfe, aber die haben ja auch Dieselkutter.

Die Kunst besteht darin, in den ströhmenden Wassermassen das Boot auf einer 200 mal 30m großen Stelle zu halten und mit einem schweren Blei (bis 1200g) an straffer Schnur so Bodenkontakt zu halten, dass die am Vorfach befestigten Köder verführerisch im Wasser spielen. Bewegen des Köders ist dabei genauso verboten wie Hänger, so Klaas. "Es sei denn, du kannst gut schwimmen!".

Nicht anschlagen, sondern nur kurbeln! Sonst drehen sich die Haken aus dem Fischmaul.

Aberr vorrsischt! Hinter dem Plateau steigt der Grund bis auf ca. 35m an und da liegt ein Korallenriff, wo schon mehr Blei versenkt wurde, als in der ganzen Ostsee wahrscheinlich zusammen!

Die Boardis und auch wir opfern diese Woche über reichlich Haken, Schnur und Köder dem Wassergott. Also ich würde mich über ein Bleiverbot in Norge nicht wundern, obwohl's die Norweger mit dem Müll in bezug auf in's Wasser kippen nicht so genau nehmen.

Den Matthias hatte das Rotbarschfieber ereilt und er war zusammen mit Dorsch1 losgeschossen, den Tiefseefischen das Fürchten zu lehren.

Uns blieb nichts anderes übrig, als den Bandscheiben-Zerstörer aus Alu zu greifen. Also allein den Anker geliftet, die Stöpsel ins Ohr und ab in den Beistadtfjord gedröhnt.

Pünktlich um 17.00 Uhr waren wir zurück vom erfolglosen Pilker- und Naturköderbaden und freuten uns schon auf unsere erste Ausfahrt zum Seelachsangeln mit dem berühmt berüchtigten Fischmörder der Oberklasse Klaas-Jan, unter deutschen Tierschützern besser unter dem Namen Jack The Seelachsripper bekannt.

Klaas ist ein freundlicher, vier Sprachen sprechender, hünenhafter, gutaussehender Fischexperte, der das ganze Center am Skarnsundet mit aufgebaut hat und extra dort angestellt ist, um für die Angler da zu sein. Egal, ob man Sprit benötigt, eine Stelle wissen will, Montagen bauen oder Gerät reparieren möchte, Klaas hilft, wo er kann und wem er kann. Dabei ist nur wichtig, dass man sich auch helfen lassen will. Und das ist bei uns Deutschen oftmals genau das Problem, so der Holländer. Zu viele, für die es scheinbar unter der Ehre ist, mal `ne Frage zu stellen oder sich was zeigen zu lassen. Aber der sympathische Wahlnorweger nimmt`s mit Humor, von dem er übrigens eine Menge hat.

Und uns vier, Kl. Nordlicht, Micky Finn, Fjordbutt und mir wird gerade dies in den nächsten Tagen zugute kommen...

Gegen 17.00 Uhr also ging die Fahrt in den Straumen los und Klaas warnte schon vor zu großen Erwartungen. Der Tidenhub hatte bereits merklich nachgelassen und die Köhler beißen dann am besten, wenn die Gezeiten kräftig wechseln, was aber heute gerade nicht der Fall sei.

Aber uns ging's vor allem, um das Erlebnis an sich, mit einem Guide unterwegs zu sein und sich neues zeigen zu lassen. Eben Klasse statt Masse. Dies war leider nicht bei allen Anglern der Fall, die im Center wohnten. Es sollte mehr Petrijünger geben, die nicht bei vermeintlichen Misserfolgen gleich das Revier und das Wetter kritisieren, ohne erst mal bei sich selbst zu schauen, was sie vielleicht falsch machen.

Wir jedenfalls machten etwas falsch, denn kein Köhler fand den Weg an die insgesamt ungefähr 40 Haken die wir an Edelgerät im Wasser hielten (Shimano Ultegra Boat Ruten mit je einer Penn Formula und einer Shimano TLD).

Alle männlichen Bootinsassen begannen sich die Frage zu stellen, ob die uralte Seefahrerweisheit, dass Frauen an Bord Unglück bedeuten, vielleicht auf uns zutraf??

Eine erste Erkenntnis war, dass ein Rückengurt bei dieser schweren Fischerei nicht nur dann angebracht ist, wenn einem DinTurMatze am Vortag die Wirbelsäule demoliert hat, sondern generell sehr zu empfehlen ist. Auch wenn dies bei einigen zu optischen Irritationen führen kann, Denn so wie Micky Finn mit gekonntem Hüftschwung die über 2m lange steife Shimanolatte verführerisch wippen ließ, dass hatte schon was...

Kein Wunder, dass Mareen keine große Lust verspürte, selbst zu angeln, sondern nur beim Wippen zusah. Ich meine natürlich hier die vollkommne Fischlocktechnik, die Andreas anwandte, um große Fische zu verführen. Kl. Nordlicht war quasi Beifang. (Tschuldigung Mareen..)

Ich hatte meine Köder noch gar nicht lang am Grund gehalten, da ruckte es schon! Blitzschnell angehauen und ... verkackt. Ach ja, Anhieb verboten.

Zweiter Versuch und es passte, wie bereits Micky vor mir fing ich einen feisten Seelachs. Die spätere Messung ergab 6 Pfd. bei 70cm Länge.

Abwechslung. Jetzt war Fjordbutt dran und kl. Nordlicht. Würde sie ins Wasser fallen, das Vorfach abreißen, jemanden der unschuldigen Männer mit ins Verderben nehmen? Dunkle Gedanken bemächtigten sich unser.

Aber nicht geschieht, noch nicht... außer dass die beiden auch je einen schönen Seelachs verhaften. Tolle Angelei, kurzweilig, aufregend aber auch kräftezehrend.

Wieder wird gewechselt, wir sind wieder dran. Und da passiert`s.

Klaas Boot ruckelt, muckert und bockt - und geht aus.

Trotz intensiver Reparaturversuche bleibt die Defekthexe hartnäckig. Wir müssen abbrechen. Zum Heulen! Gerade jetzt setzt die Flut richtig ein und wir sind überzeugt, dass gerade jetzt die metrigen Supermonsterseelachse begierig auf unseren Superköder, den weißen Gummimakk von COOP warten. Immer wieder wird kl. Nordlicht mordlüstern aus den Augenwinkeln beobachtet, denn 80% der anwesenden Mitfahrer und sogar 100% aller männlichen Bootsinsassen sind sich zu 1000% einig, wer für dieses Waterloo der Köhlerangelei verantwortlich ist. Nur die Bestrafungsmethode ist fraglich. Kielholen, teeren, federn und auf`s Rad mit ihr sind nur einige Vorschläge, die mir sofort einfallen...

Wenigstens müssen wir nicht paddeln. Mit einem Strick als Provisorium kommen wir mit Mühe und Not in den Hafen. Klaas wird bis in die Abendstunden mit der Reparatur zu tun haben, die sich als Defekt des Gasbowdenzuges herausstellt.

Am nächsten Morgen beschließen Fjordbutt und ich, zu zweit im Straumen Naturköderangeln zu versuchen. Eine Frau wird bewusst in der Insassenplanung "vergessen".

Was soll ich sagen, das Ergebnis ist mehr als dürftig, nicht einen Biss in 3 Stunden Stellen abklappern. Dazu noch ein geschenktes Tiefseevorfach von ATS-Holger abgerissen (sorry Holger). Ich bin drauf und dran, bei Fjordbutt zu prüfen, ob er mir was verheimlicht hat...

Aber Frauen können nicht im Stehen pinkeln und Torsten liefert genau damit den Beweis, dass ich mir unbegründet Sorgen machte..

Wir fahren wieder rein und beschließen, am Nachmittag zum COOP nach Straumen zu fahren, um den Superköder zu kaufen, den weißen Gummimakk von COOP.

Als wir reinkommen, hören wir, dass Klaas für heute noch Leute sucht, die mit ihm zum Spaßangeln mit leichtem Gerät auf den Fjord wollen. Kurzentschlossen sagen wir zu. Was haben wir auch nach dem Vormittag zu verlieren.

Einiges denke ich, als ich mitbekomme, dass die selbe Unglückscrew rausfahren wird wie gestern abend inclusive der gestern aus Zeitmangel nicht geteerten und gefederten Mareen. Na toll!

Also tuckern wir auf der inzwischen reparierten MS Monsterfisch von Klaas auf die andere Seite des Fjordes. Das Wetter ist klasse, wenig Wind und fast keine Drift, so dass man ideal mit leichtem Gerät wird angeln können. Jetzt muß ich an unsere Kollegen in Titran denken, sie sind angeblich noch nicht einmal rausgekommen. Die geschützte Lage des Skarnsundet Centers bewahrt uns die ganze Woche vor solch einem Desaster.

Start mit 45g Pilker und Heringsvorfach bei nur ca. 30m Wassertiefe. Ablassen, bum bum, und schon hängen drei schöne Wittlinge an den Haken. Keine Riesen aber Spaß pur.

Nachdem ich dies drei Mal gemacht hatte, flog das Heringsvorfach ab, zuviel Fangstress!

Wir stellten auf einzelne Pilker und auf Shads (!) mit 40g Jigkopf um. Diese fangen selektiver auf größere Flossenträger. Das behauptet jedenfalls unser Guide.

Er behält recht, wie im übrigen meistens. Jetzt kommen schöne Wittlinge, Schellfische und Tangdorsche an Bord. Sogar eine kleiner Leng, ein "Kurz" sozusagen wird erbeutet aber gleich wieder freigelassen. Er soll bitteschön seine Oma vorbeischicken...

Fjordbutt, seines Zeichen ja nunmehr dreifacher Norgetourist fängt hier seinen mit 68 cm langen persönlichen Rekorddorsch. An der Millenium Spin ein richtiger Kampf! Auch ich habe Gelegenheit mit einem schönen 78cm 6 Pfd. Dorsch die Familienkrone zurück zu erbeuten, denn meine Frau hatte im letzten Dänemarkurlaub mit 65cm die Meßlatte hochgeschraubt und das Brechen dieser war mein Minimalziel bei unserer Norgereise.

Alle Fische, die sicher andere mitnehmen würden, müssen auf Weisung von Naturschutznordlicht schonlichst behandelt werden und werden zurückgesetzt und bei denen die so groß sind, dass wir uns standhaft weigern, weil wir auch was verwerten wollen, achtet sie mit Argusaugen, dass jeder einzelne Fisch nach den deutschen Regeln betäubt, abgestochen und dann erst gekehlt wird. Die am meisten gestellte Frage ist an diesem Nachmittag sicher: "Ist der auch wirklich tot?".

Die ganze Zeit, während wir eine Drift nach der anderen machen, umkreist uns eine Schule von Schweinswalen, die teilweise unter dem Boot durchtauchen und nur 3m entfernt von der Reling ihre Kreise ziehen. Phantastisch! Es scheint, als ob sie uns begleiten würden, denn jedes Mal, wenn Klaas das Boot umsetzt, folgen sie uns.

Zusammen mit der klaren Luft und dem guten Fangergebnis beschert uns dieser Nachmittag somit ein unvergessliches Naturschauspiel. Aber es soll noch besser kommen..
mai2004_skarnsund_2.jpg

Wie schon betont, macht das Fischen mit dem Gummifisch/Shad besonders großen Spaß, weil es so selektiv auf die etwas größeren Dorsche und Schellis bei diesem Wetter ist.

Einige Zeit später hat sich wieder ein schöner Portionsdorsch (schätzungsweise 45cm) meinen Gummifisch geschnappt. Ich drille ihn an meiner Prion Pilk nach oben und kann ihn bereits im glasklaren Wasser sehen.

Plötzlich taucht aus dem Dunkel der Tiefe ein Hai auf! Er ist über 1m lang und verfolgt den Dorsch der an meinem Gummifisch hängt! Ich bin so geschockt, dass ich den Fisch instinktiv hochziehe, schließlich ist das mein Abendessen!!

Aber Klaas, der das mitbekommen hat läuft jetzt zur Hochform auf. Sofort bellt er Kommandos übers Boot wie: "Sofort runter mit dem Dorsch! Naturköderrute fertig! Köderfisch zu mir!"

Hektische Betriebsamkeit verbreitet sich auf den nunmehr MS Haihunter getauften Boot und binnen 45sec ist erstens der Hai Nr. eins mit meinem Abendbrot verschwunden und zweitens Nordlichts Pilke auf Naturköder umgebaut und ausgelegt.

Nun warten wir gespannt, während sich unser Guide nicht nur als Superangler sondern auch noch als fähiger Dozent in Biologie erweist. Wir lauschen mit ungläubigem Erstaunen seinem Referat über die Blödheit der Dornhaie. Denn, so Klaas, wo einer von den Viechern schwimmt, sind noch mehr. Und wenn man sie in einen Fressrausch bringen kann, fängt man binnen kürzester Zeit mehrere von ihnen.

Und tatsächlich nur 5 min später zappelt der erste Dornhai von ca. 1m in unserem Boot und kurz darauf fangen auch Micky Finn und kl. Nordlicht ihre ersten Dornhaie. Da man von einem Dornhai nur sehr wenig verwerten kann, die Bauchlappen als "Schillerlocke" und den Schwanz als "Seeaal" werden unsere Haie nach einer kleinen Fotosession wieder freigelassen. Mareens Sorge ist es sowieso, dass "ihrem" Hai wie auch allen anderen Fischen, die sie nicht selbst essen mag, wirklich kein Leid geschieht. Wie schon gesagt ist ihre häufigste Sorge: "Und der ist auch wirklich tot? Der bewegt sich doch noch!" Unsere Antwort:" Er ist mit einem Fischtöter aus Eschenholz abgeschlagen, ihm wurde das Herz durchstochen mit einem Messer die Kehle durchgeschnitten und zum Schluß noch das Genick gebrochen, wir glauben nicht, dass er noch lebt."

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Dies war bisher der schönste Nachmittag hier im Skarsundet-Center. Nicht 10 kg Filet, keine Fischmonster (außer der Haie) aber kein Stress, Erholung pur und Spaß dabei.

Mir kam nunmehr der Gedanke, dass ich wohl nicht das letzte Mal hier sein werde. Denn die Fischerei hier ist sehr vielseitig. Spinnangelei und Fliegenfischen ist genauso möglich wie Tiefseeangelei und Angeln im Straumen. Gepilkt haben wir hier ebenso erfolgreich, wie mit Naturködern auf Haie gefischt und das Schleppen auf Meerforelle und Lachs ist ebenfalls erfolgversprechend.

Am Abend gibt's für uns die Möglichkeit, unsere Filetierkünste zu beweisen, denn auch die Familien daheim sollen ja was von unserer Reise haben. Auch unsere AB-Kollegen haben gefangen, dass beweist nicht zuletzt die köstliche Fischpfanne, zu der uns AndreasM am Abend einlädt. Lecker.

In die leichte Angelei mit Ostseegerät haben wir uns sofort verschossen, weil sie so einen Spaß gemacht hat. Wir beschlossen auch an den nächsten Tagen mit dieser Methode weiterzumachen bis auf eine Ausnahme, aber dazu später mehr.

Am Mittwoch fuhren wir dann wirklich nach Straumen, um endlich die so fängigen weißen Gummimakks zu erwerben und auch die weißen Köhlersysteme zu kaufen, die es in Deutschland nicht gibt. Der nette Verkäufer verstand zwar kein Wort deutsch und wir keins norwegisch, aber es wusste genau, was wir wollten, denn er hielt uns die richtigen Vorfächer gleich hoch. In der Lebensmittelabteilung noch schnell Bamse Mumsen (eine norwegische Nascherei, die süchtig macht) und Moltebeermarmelade gekauft und zurück ins Basislager, denn für 11.30 Uhr hatte sich die Kl.-Nordlicht-Bringt-Doch-Glück-Crew zum gemeinsamen Spaßangeln verabredet.

Da das Wetter etwas schlechter war als am Vortag gestaltete sich die leichte Angelei schwieriger als erwartet und auch unsere Haimontagen bekamen leider keinen Besuch. Und so entstand aus akutem Fischmangel(Quappe) und Langeweile (Mareen) gepaart mit Weibergeilheit (Fjordbutt) der Lockruf der durchgeknallten AB-Norgefanatiker: KOOMMT IIHHR FISCHI FISCHIII !!!, den Mareen kreierte und die gesamte Besatzung bis zur Vergasung übte. Um es an dieser Stelle klar zu stellen, Alkohol war auf unserem Boot nie ein Thema, denn wir hatten genug mit, ha ha, nee im Ernst, die gute und teilweise ausgelassene Stimmung auf der MS Fischi Fischi kam von meiner Geheimwaffe, Pfefferminztee mit Honig und heißer Zitrone. Probiert`s aus, it works!

Siehe da, der Lockruf funzte, denn schöne Wittlinge und Schellis sowie Dorsche und sogar ein Roter Knurrhahn (diesmal wirklich!!) wurden gefangen.

Abends ließ dann der Wind nach, so dass Torsten und ich sogar noch einen Schleppversuch starten konnten und mit 25g Silda-Blinkern auf Mefos spannen.

Nach der traumhaft schönen Hafenankunft im letzten Licht des Tages um 21.40 Uhr wurde noch der Angeltag ausgewertet und das entstandene Foto- und Videomaterial gesichtet und Anglerlatein gesponnen...

Die Schubkarre

Torsten hatte versprochen, um 5.30 Uhr aufzustehen, um nachzuschauen, ob das Wetter ruhig sei, denn eine zeitige Flut erforderte an diesem Donnerstag zeitiges Aufstehen, um erfolgreich zu sein. Gesagt, getan. Der Körper von Fjordbutt ging zur besagten Zeit auf den Balkon und tauchte gleich darauf wieder im Schlafzimmer auf, mit der Hiobsbotschaft:

Ja, es war ruhiges Wetter. Keine Wellen. Super Angelaussichten. Der Morgen versprach viel...

Aber das Bett versprach nach nur 3 Stunden komatösem Schlaf auch nicht wenig und so war der Geist willig aber das Fleisch schwach als wir uns wieder hinlegten..

Wieder drei Stunden später machte ich das Frühstück und warf einen übel gelaunten, leicht migränierten Fjordbutt aus dem Bett.

Nach dem Frühstück zeigte sich, dass die Entscheidung Torstens vom zeitigen Morgen Gold wert sein würde, denn unser Master Of Travelmanagement DinTurMatthias suchte noch Leute für eine Köhlertour mit Klaas-Jan. Da wir ja die erste Tour etwas voreilig abbrechen mussten und von den anderen Boardis niemand mitfahren wollte, nahmen wir gern die Einladung an und Klaas begrüsste und mit den Worten. "Nicht schon wieder diese Idioten!" Somit nahm die neue eingeschworene "Seegurkenmafia" an einem neuerliche Abenteuer teil.

Auf unseren Wunsch hin fuhren wir zuerst zum Straumen, um bei auflaufendem Wasser auf Seelachse zu angeln, da wieder was gehen sollte auf Köhler und die Angelei ohne Guide ziemlich kompliziert ist.

In den drei folgenden Stunden erlebten wir eine Sternstunde in unser aller Anglerleben!

Mit der Jonkmann-Technik fingen wir vier zusammen vierzig Seelachse zwischen 3 und 7 Pfd.! Dies hatte so noch keiner von uns erlebt. Außer vielleicht Micky in den warmen Gefilden, denn er ist Big-Gamer. Die Ereignisse überschlugen sich fast. Und dies, obwohl wir zu Beginn sogar eine Fischkiste mitzunehmen vergessen hatten! Wenn uns nicht Matthias und Dorsch1 eine Kiste mitten auf dem Straumen über die Bordwand gereicht hätten, gar nicht auszudenken.

Als wir zu einem kurzen Stopp in den Heimathafen fuhren, war die Kiste bis oben voll mit Fisch! Wer soll das alles filetieren?

Die Pflicht hatten wir nunmehr erledigt. Es folgte die Kür auf der Steinbeisserstelle. Dort, mit leichtem Gerät, wurden noch mal 8 schöne Dorsche und Schellis (alle über 50cm) erbeutet. Umrahmt wurde dieser wunderschönen Tag mit den üblichen Fischi, Fischi Rufen von Mareen, Torsten und Micky sowie den holländisch/norwegischen Binsenweisheiten a la Klaas-Jan Jonkmann. Kostprobe: "Regen im Mai - April vorbei!" Brüll!

Als wir heute heimwärts fahren, sind 48 Fische zu filetieren, die meisten von Fjordbutt, der am Vormittag sogar vier Köhler mit einem Mal fangen konnte.

Tosten meinte dazu: "So viel, wie heute, habe ich noch nie filetieren müssen!"

Werbung für Klaas-Jan, Werbung für DinTur, Werbung für`s AB.

Mittlerweile sind wir und alle einig, hierher kommen wir zurück!

Die mittlerweile zwei Fischkisten sind so schwer, dass Klaas eine Schubkarre besorgt, damit wir die Fische zum Filetierhaus bringen können. Noch schnell ein Foto und ab damit rüber. Mareen schiebt, um mit der Binsenweisheit von dem Unglücksbringen aufzuräumen. Unser Guide sagte noch, schiebt die Karre ruhig ins Filetierhaus rein, da ist ne Stimmung, wie nach ner Beerdigung. Und so ritten wir unter lautem "Fischi Fischi"-Gejohle ein . Torsten hat bis in den späten Abend filetiert...

Die Reise ist bis dato ein voller Erfolg, aber leider zu kurz. DinTurMatthias hat aber versprochen, eventuell in September eine neue Skarnesund-Reise für 2005 vorzuschlagen, die dann vielleicht ein paar Tage länger sein wird. Selbst das Wetter wird von tag zu Tag besser.

Hoffentlich haben unsere Kollegen in Titran auch solch Glück mit dem Wettergott, immerhin ist die Außenküste im April unberechenbar, was das Wetter angeht.

Am Abend folgte noch die Verlosung der Reise für ein Boardie. Ja, einer wird nicht nur den Spaß hier haben, nein, er wird es nicht mal bezahlen müssen!

Die Herzdame gewinnt und in alphabetischer Reihenfolge ziehen die Member je eine Karte. Ich mit dem Buchstaben Q bin ziemlich zum Schluß an der Reihe, mache mir also keine großen Gewinnhoffnungen. Aber nicht da, bis zum P wie Palometta sind sie schon gekommen, denke ich gerade und nach P kommt bekanntlich das Q. Aber aus die Maus, Palometta hat nicht nur den ersten Steinbeisser 2004 hier erbeutet und den, soweit ich weiß, einzigen Lumb der Woche, er gewinnt auch noch die Reise. Herzlichen Glückwunsch noch mal dazu und Petri Heil!

Am letzten Tag fischten wir noch mal in der gegenüber liegenden Bucht mit leichtem Gerät auf Schellis, Dorsche und andere. Der Tag hatte gehalten, was die Wetterfrösche versprochen hatten, blauer Himmel und Sonnenschein. Wie schön muß es hier erst sein, wenn alles grün ist und der Wind warm über die Stirn streicht. Mit allen Flossenträgern, die wir noch vor einigen Tagen mitgenommen hätten, wurde Catch & Release praktiziert, bis auf ein paar, die Mareen, ja DIE Mareen selber töten wollte, um lecker Essen zu machen.

Gelegentlich hatten wir auch große Schwärme des Gemeinen Norwegischen Steines auf dem Echolot. Besonders Micky zeigte sein großes Können, denn er verstand es immer wieder, einen der Steine zu haken. Der Drill des Gemeinen Norwegischen Steines ist fast so aufregend, wie der Kampf mir der Seegurke, so Micky Finn. Er kämpft verbissen uns verharrt vehement am Grund.

Mit dem um 1.30 Uhr in der Nacht noch leicht angesäuselt gebundenem 15m-Seelachsvorfach ging es gegen Mittag noch mal an die Köhlerstelle. Heute wollten wir mal unsere eigenen Montagen und Materialien auf ihre Fängigkeit testen.

Und es funzte! Mit der auf dem Norwegentreffen in Berlin erworbenen Hardcore 30 lbs und meiner Senator 113H gelang mir der Fang eines schönen 4 Pfd. schweren Köhlers. Micky hatte an seiner Shimano Exage sogar eine Dublette von 4 und 5,5 Pfd.! Dank Torstens meisterhaften Bootssteuerkünsten hatten wir die richtige Stelle endlich gefunden. Fjordbutt meinte nämlich, er hätte nun den von Klaas beschriebenen Punkt, bei dem man zwischen den Brückenpfeilern nur noch eine Ritze sehen kann, gefunden. Und unser kleines Boardferkelchen hatte natürlich nichts anderes zu tun als zu fragen: "Wie, Du hast die Ritze gefunden? Da sind doch gar keine Haare dran!" Oh, Taatüütataa!!!

Als nun Torsten und Mareen angeln wollten, spannte ein Experte drei Boote weiter mit `nem Hänger eine Schnur quer durch den Sund, so dass drei Angeln hoffnungslos verfitzt wurden. Kann passieren, ist aber ärgerlich für unsere beiden, die gerade ihre letzten Köhler verhaften wollten.

Zwei Stunden später liefen wir gemeinsam das letzte Mal in den kleinen idyllischen Hafen ein und wurden der Tatsache gewahr, dass diese schönen Tage nun schon vorbei waren.

Noch schnell ins Filetierhaus und den letzten drei Seelachsen den "Mantel" ausgezogen, ab in die Gefriertruhe und dann machten wir uns ans Packen.

Um 1.30 nachts hieß es Abschied nehmen von unseren neuen Freunden Mareen und Andreas und von allen anderen Boardis, die man vielleicht erst in Monaten oder nächstes Jahr wiedersieht. Das tat richtig weh. Unser mitgereister Mod Dorsch1 war sogar noch wach und wurde von uns ebenfalls gebührend verabschiedet. Er war, wie es sich für einen AB-Mod ziemt, als letzter noch mal am Abend draußen gewesen und fing auch die letzten Fische. Mit Ausnahme derer, die ja noch ne Woche länger dageblieben sind, so wie Lenga und Andreas Michael. (darum ja auch Lenga)

Das Auto stand um 3.00 Uhr abfahrtbereit, alle Abschiede waren getan 7 Stunden Fahrt bis Oslo lagen vor uns und ich schmauchte noch einletztes Pfeifchen an dem kleinen Hafen der Anlage. Ich ließ meinen Blick über die leicht schaukelnden Boote unter Sternenhimmel wandern, dachte an die vergangenen Tage und plötzlich fiel mir Goethe ein: " ...werd ich zum Augenblicke sagen verweile doch! du bist so schön!.."

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Marcel "Quappenqualle" Bülow



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