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U-Boote im Fluss
Und wieder singt der Bissanzeiger sein Lied, schon zum vierten Mal am heutigen Tag. Aber leider hat man jedes Mal den Eindruck, die Schallplatte des Piepsers hätte ein paar Kratzer, denn die Töne sind nur stockend. Und richtig, nach sehr kurzem Drill hängt zwar ein Karpfen am Haken, diesen Namen hat er allerdings nicht wirklich verdient. Der kleine Schuppi stammt genau wie die anderen Fische, welche ich zuvor schon landen konnte aus dem Besatz des letzten Jahres. Auch von großen Ködern lassen sich die gefräßigen Schlingel heute nicht abschrecken.
Selbstverständlich lassen sich an stehenden Gewässern auch große Karpfen fangen, ja sogar sehr große. Aber leider werden gerade kleine bis mittelgroße Vereinsseen teilweise regelrecht mit Satzkarpfen vollgestopft und diese unerfahrenen Burschen stürzen sich dann auch auf Köder, die eigentlich für Großkarpfen gedacht sind. Durch zu starken Besatz kann es im schlimmsten Falle sogar zu einer Verbuttung des Karpfenbestandes kommen. Die Hoffnung auf Großkarpfen kann man dann erst recht aufgeben. Eine Alternative für Großkarpfenjäger stellen große Seen dar, allerdings erfordern solche Gewässer meist jahrelange Erfahrung mit ihrer selbst um dort regelmäßige Erfolge zu erzielen.
Darum kann ich jedem, der möglichst schnell und relativ einfach an gute bis kapitale Karpfen kommen will, einen Ansitz am Fluss nur wärmstens empfehlen.
Das wichtigste ist es im Fluss eine gute Angelstelle zu finden, von der man weiß, dass sich dort regelmäßig Karpfen aufhalten oder zumindest vorbei ziehen. Flusskarpfen ziehen in der Regel sehr viel umher und lassen sich nur schwer an eine Futterstelle gewöhnen, wo sie dann längere Zeit verweilen. Der Vorteil ist allerdings, dass man innerhalb relativ kurzer Zeit mit vielen Bissen von Großkarpfen rechnen kann. Auffällig ist, dass die Beißzeiten immer genau die gleichen sind. Erstaunlicherweise sind sie nach meinen Erfahrungen auch völlig unabhängig von der Jahreszeit. Ein effektiver Karpfenangler beachtet das und fischt immer nur während der heißen Zeit. Ich selbst musste so auf die Bisse von Karpfen in sehr stattlichen Größen manchmal nur wenige Minuten warten.
Als interessante Angelplätze sollten sie vor allem die Bereiche oberhalb und unterhalb von Wehren, große Außenkurven und Schleusenausfahrten unter die Lupe nehmen. Man darf sich nicht täuschen lassen und erwarten, dass die Flusskarpfen nur in schwacher Strömung unterwegs sind. Dies ist völlig falsch, man kann sogar in starker Strömung hervorragende Fänge machen. Auch mögen Flusskarpfen schlammigen Grund eher nicht. Ausgeprägte, überdurchschnittlich tiefe „Löcher“ mit steinigem Grund sind ihnen an liebsten.
Um die Flusskarpfen auch erfolgreich landen zu können, ist starkes Gerät erforderlich. Stabile Karpfenruten mit einer Testkurve von 3 lbs, kombiniert mit hochwertigen Freilaufrollen sind am besten geeignet. Bespult werden die Rollen mit einer mindestens 0,30 mm starken Monofilschnur, die vor allem sehr abriebfest sein sollte. Wo sich Muschelbänke und Steinschüttungen befinden, sollte man allerdings auch auf eine Schlagschnur nicht verzichten.
Die Montage wird sehr einfach gehalten, da die Stromkarpfen den Köder ohnehin nicht erst lange prüfen können. Sehr gute Erfahrungen habe ich zum einen mit dem Saftey Bolt–Rig gemacht, da es damit aber regelmäßig Hänger gab fische ich mittlerweile nur noch mit Anti-Tangle-Flossenbleien. Diese setzen sich nicht so schnell zwischen Steinen fest und steigen beim Einholen der Montage sofort zur Wasseroberfläche auf, so dass die Hängergefahr sofort gebannt ist. Die Bleie, welche ich benutze, haben einen flexiblen Anti Tangel-Schlauch. Man zieht sie einfach auf die Hauptschnur, knotet einen entsprechend großen Wirbel an und steckt diesen dann ins untere Ende des Schlauchs. Etwas Sekundenkleber kann an dieser Stelle nicht schaden. Nun wird nur noch das Vorfach an den Wirbel gebunden. Geflochtene Vorfachmaterialien verwende ich im Fluss gar nicht mehr. Stattdessen setze ich ausschließlich auf 0,35 mm starke Vorfächer aus Fluocarbon. Da das Material sehr abriebfest ist, können ihm auch Muscheln und Steine wenig anhaben. Meinen Köder biete ich stets am Haar an, welches ich aus dünner geflochtener Schnur binde. Als Haken kommen nur stabile, hochwertige Modelle in den Größen 2 nach 6, je nach Ködergröße, in Frage.
Die besten Karpfenköder im Fluss sind Frolic und Boilies. Da man Frolic regelmäßig wechseln muss, weil es sich im Wasser schnell auflöst, ist dieser Köder nur für kurze Ansitze geeignet. Wer mit Boilies fischen will, sollte größere Kugeln benutzen, da besonders Großdöbel sich auch gerne an den Karpfenködern vergreifen und einem mitunter schlaflose Nächte bereiten können. Auf Frolic beißen die Dickköpfe ohnehin sehr gerne.
Wer im Fluss eine neue Stelle befischen möchte, der muss anfangs eine große Menge Futter einbringen um die Karpfen an den Platz zu locken, zumal auch ein Schwarm Döbel oder Brassen schnell einen Großteil des Futters abräumen kann. Kommen jedoch erst einmal regelmäßig Karpfen an den Futterplatz, dann lassen die Besuche und somit auch Fänge der Weißfische nach meinen Erfahrungen deutlich nach. Auch reicht es dann völlig aus nur noch ein paar Hände voll Futter pro Tag einzubringen. Aus diesem Grund kann ich jedem Karpfenangler nur raten sich eine Angelstelle zu suchen, die er langfristig beangeln und befüttern möchte.
Veit Wilde
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