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Eine Norwegen-Reise: Smøla
Teil 2

56: unsere groben u. etwas ungenauen Seezeichen |

57: leckere Rotkappen! |
Tags darauf regnete es wieder, aber als wir vormittags mit dem Auto zum Fähranleger losfuhren,
um nach Tustna überzusetzen, hatte Petrus ein Einsehen und stoppte die Wasserzufuhr. Auch die
Sonne kam zwischendurch mal heraus. Rolf, Wilhelm, Monika, Martin und ich wollten Pilze
suchen; am Ende hatten wir 30 kg Rotkappen, Birkenpilze, Pfifferlinge, Reizker, Graspilze und
Goldröhrlinge, lecker! Bis es aber soweit war, hatten wir eine Menge Abenteuer zu bestehen.
Anfangs war es sehr gemütlich, die Pilze aus dem langsam fahrenden Auto auf einem asphaltierten,
öffentlichen Waldweg bequem zu suchen, anzuhalten und einzusammeln. Auch eine Erdkröte
begrüßte uns auf unserer Pilzsuche.

58: der Steinpilzspezialist |

59: norwegische Pfifferlinge |

60: Ærdgrøde |

61: schmackhafte Himbeeren (Blaubeeren gleich nebenan) |

62: Pilzmahlzeit fürs ganze Angelzentrum |

63: hier fing der Dschungel an … |
Nachher wurden uns aber artistische Höchstleistungen abverlangt, als wir einen sehr steilen
Berghang empor an einem malerischen Wasserfall äußerst unwegsames Gelände erkunden mussten.
Das war der norwegische Dschungel! Die Sache hatte außerdem noch einen weiteren Haken (besser
gesagt, viele Hörner): Diese Gegend war gleichzeitig eine Berghang-Waldweide für Jungbullen,
schluck! Mit etwas mulmigem Gefühl schnitten wir die schönsten Pilze in diesem steilen Urwald,
immer gegenwärtig die Trampelpfade und frischen Dungfladen der vermuteten Bullen um uns
herum. Boah eih, das waren Adrenalin-Pilze, die wir da sammelten! Wir unterhielten uns nur sehr
leise. Monika und ich hatten neben der Pilztasche sicherheitshalber immer einen langen
Birkenknüppel in der Hand.
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64: Wasserfall der Entscheidung |

65: bewaffneter Pilz-Indianer |
Das Terrain wurde immer steiler und unbegehbarer, je mehr wir den Berghang empor krochen.
Dann ging gar nichts mehr, und wir mussten in abenteuerlicher Art und Weise einen stark
strömenden und wirklich gefährlichen Wasserfall überqueren. Wir hielten uns gegenseitig an den
Händen fest, und glücklicherweise ging es gut; wir kamen ohne Unfall auf die andere Seite des
Wasserfalls. Drüben wieder hoch in den Wald geklettert, traf uns fast der Schlag: Uah, da stand er
da, der Jungbulle, keine 20m vor uns, und starrte uns verdutzt und ungläubig an! Die langen
Knüppel zur Abwehr vorbereitet, gingen wir langsam und vorsichtig zwischen dem Abgrund des
Wasserfalls und dem Bullen wie die Mäuse vor der Schlange im Unterholz einfach weiter,
verhielten uns leise und versuchten, das Tier nicht zu provozieren.
Das Tier hatte aber anscheinend die Hosen genauso voll wie wir, musterte uns nur argwöhnisch und
ließ unsere merkwürdige Karawane ungeschoren an sich vorüberziehen, uff. Wir waren aber auf der
Hut, denn das war sicher nicht der einzige Wikinger-Stier hier in diesem Wald. Irgendwann
gelangten wir pilzbepackt an einen Zaun, über den wir erleichtert kletterten und auch bald wieder
das Auto erreichten. Kaum losgefahren, stellte sich uns ein wunderschöner, großer Fuchs in den
Weg, so dass wir das Auto wieder stoppen mussten. Da es hier keine Tollwut gibt, wunderten wir
uns sehr über so wenig Scheu dieses prächtigen Tieres. Die Kamera konnten wir leider erst
abdrücken, als er schon fast im Wald verschwunden war.

66: mit heiler Haut zurück … |

67: neugierige Pferde |

68: Gevatter Fuchs
Gleich darauf passierten 2 Hirsche unseren Weg. Dies vermittelte uns erneut den Eindruck, dass die
Natur hier wirklich noch weitgehend intakt und unberührt ist. - Auf der Rückfahrt nach Smøla
regnete es zwar wieder, aber das war uns völlig egal. Wir waren immer noch ganz beeindruckt von
den Erlebnissen in dieser sagenhaften Wildnis. Das einzige, was uns an diesem Tag noch gefehlt
hätte, wäre die Begegnung mit einem Troll gewesen. Abends war dann stundenlanges Pilzeputzen
für das Abendessen am nächsten Tag angesagt, bevor wir erschöpft in die Betten fielen.

69: kapitale Makrelen! |

70: Angeln ist Sport |
Samstag fuhren wir wieder mit unserem Kutter hinaus. Da die 2 vergangenen Tage ziemlich windig
waren, hatten wir noch eine See von ca. 1½ Meter. Aber es war eine langgezogene Dünung, so dass
es sich mit dem seetüchtigen Kutter einigermaßen gut fahren ließ. Nur das Angeln hatte etwas von
einem Eiertanz, aber auch das ging noch. Wir fingen als Fetzenköder für die Pilker und Beifänger
Makrelen und anschließend hauptsächlich Schellfische um die 60cm, 2 schöne Dorsche mit ca.
80cm und ein paar Köhler und Lumbs. Als sich eine Regenfront mit starkem Wind darunter
bedrohlich näherte, machten wir aber kehrt, versorgten unsere Fische im geschützteren Fjord und
kehrten wieder ins Angelzentrum zurück.

71: Lohn der Mühen: 2 gute Dorsche … |

72: … und ein ordentlicher Schellfisch |
An unserem 2. Sonntag war Kanutag! Wir wollten einfach nur das wieder zurückgekehrte schöne
Wetter und die Windstille genießen. Deshalb spannten wir Rolfs Anhänger mit den 2 Kanus an
unseren Wagen und los ging's nach Jøstølen, um dort eins der beiden "Schiffe" in den von vielen
kleinen Inselchen durchzogenen Fjord zu setzen und einfach in die Wildnis drauflos zu paddeln.
| Kanu-Impressionen: die ganze Zeit hörten wir Indianertrommeln... |
Die Kanus waren so groß, dass eins davon für uns vier ausreichte. Angelruten kamen natürlich mit.
Während der Fahrt wurde ein Wobbler auf Meerforellen geschleppt, was aber nicht von Erfolg
gekrönt war. Während unserem Mittagspicknick auf einer malerischen, kleinen Insel blinkerte
Martin dann aber doch noch einen Schellfisch und einen Dorsch. Unterdessen unternahm ich mit
Christian eine "Extra"-Kanutour um unser Inselchen herum. Auf der Rückfahrt hatten wir ein
besonderes Erlebnis: Zeitweise kreisten über uns in 100m Höhe 5 Steinadler, was vor der Kulisse
der fernen Berge und der Fjell-Landschaft mit der blühenden Heide und den Nadelbäumen einen
atemberaubenden Eindruck hinterließ.
Abends wollte Christian unbedingt noch Smølas Badestrand und insbesondere auch überhaupt erst
mal dessen Zugang ausfindig machen, was uns nach einigen nautischen und topografischen
Schwierigkeiten dann auch mit einigen Mühen gelang.
Tags darauf starteten wir früh bei sonnigem Wetter mit 2 Inselhopper-Fährüberfahrten zu einem
längeren, ganztägigen Ausflug nach Aure. Auf dem Hinweg machten wir einen Zwischenstop am
Straumen des Foldfjord auf Ertvågøy und versuchten unser Glück mit schwerer
Brandungsposenrute und Spinnrute. Martin fing auf Spinner aber nur einen kleineren Pollack. Wenn
wir länger gefischt hätten, wären wir wohl mit fetzenbestückten Ködern erfolgreich gewesen.

79: Foldfjord |

80: kleiner Pollack |
Aber da wir noch weiter wollten, packten wir nach einer Weile wieder ein und machten uns auf den
Weg in die Berge. Auf Aure ging es auf den Klakkan, der neben dem noch größeren Berg
Storklakkan liegt. Es ist keiner der ganz hohen Berge, aber die Landschaft dort ist hinreißend schön.
Nach dem ersten steileren Stück der Schotterpiste, für die wir gerne eine Erhaltungsmaut in ein
Kästchen zahlten, schalteten wir sicherheitshalber den Allradantrieb unseres Autos hinzu. So kamen
wir doch sicherer und angenehmer auf dem teils staubigen, rutschigen Schotterpfad voran.

81: In den Bergen |

82: Gebirgsbach |
Die Vegetation ist sehr abwechslungsreich und oft überraschend, wenn sich plötzlich gleich neben
der Piste ein dunkelblau scheinender Bergsee mit jedoch leicht moorbraunem Wasser zeigt. Es gibt
dort 1 kleinen und 2 große Bergseen. Bäche ziehen sich mitunter am Wegesrand entlang, ab und zu
sieht man eine kleine, einsame Hütte. Als die Straße nach 9km plötzlich an einer Art
"Aussichtsparkplatz" mitten in einem Hochtal, umrahmt von noch viel höheren, grün bewachsenen
Berggipfeln, unvermittelt endete, kehrten wir wieder bis zum oberen Bergsee um.

83: Wildwechsel |

84: oberer Bergsee |
Auf dem Rückweg dorthin mussten wir uns die Straße mit ein paar Jungstieren teilen, die zum
Trinken an den See zogen. Zum Glück hatten sie Glocken um den Hals hängen, so dass sie uns
beim anschließenden Picknick nicht unvorbereitet überraschen konnten. Am See hielt es Christian
dann endgültig nicht mehr aus, und er sprang zum Baden in das kalte Wasser! Die Rinder waren
zwar noch in Sichtweite, aber doch in relativ sicherer Entfernung, so dass wir im Ernstfall mit
einem Spurt unser Auto hätten erreichen können.

85: mit einem Sprung … |

86: … hinein ins kalte Wasser! |

87: wo sind die Forellen? |

88: weites Land |
Derweil versuchte sich Martin mit der Spinnrute auf Forellen, was aber keinen Biss brachte, obwohl
vereinzelt Forellen an der glitzernden Wasseroberfläche sprangen. Auf der Rückreise machten wir
dann noch einen kleinen Umweg und sahen in naher Entfernung zur Insel Hitra hinüber. Am Abend
kamen wir müde und glücklich über den schönen Tag wieder im Camp auf Smøla an und fielen
nach dem Abendessen in die Sessel vor dem Fernseher, und Monika war schon nach 10 Minuten im
Reich der Träume.

89: Veijholmen: Denkmal … |

90: … und Wohnhaus |
Am Dienstag hatten wir bei Schmuddelwetter zum Meeresfischen mit dem Kutter keine Lust. Mehr
Fisch brauchten wir außerdem nicht, für den Eigenbedarf hatten wir längst genug geangelt. So
machten wir am Morgen erst mal ein paar notwendige Besorgungen und sahen uns anschließend das
alte Fischerdorf Vejholmen im Norden von Smøla an. Der andauernde Regen vermieste unsere
Stimmung nicht. Den Rest des Tages ließen wir zur Entspannung einfach die Seele baumeln und
verbrachten den Nachmittag mit unseren Kids im gemütlichen Aufenthaltsraum.

91: … könnte einen Fisch vertragen! |

92: ein malerisches Dorf |
Am Mittwoch, unserem letzten Urlaubstag, stürmte und regnete es wie wild. Aber Martin und mich
hielt es nicht mehr länger im warmen Haus, wir wollten doch noch einmal raus zum Uferangeln. So
fuhren wir beide alleine an den kleinen Straumen im gleichnamigen Ort Straumen auf unserer Insel.
Bei ablaufendem Wasser kamen wir dort an, der Regen machte eine Pause.

93: ein teil unseres gemütlichen Aufenthaltsraums |

94: Schietwetter! |
Zuerst angelten wir auf der seewärts gelegenen Seite der kleinen Straßenbrücke, was aber keinen
Fisch und 3 abgerissene Blinker einbrachte. Ein Wechsel auf die andere, landeinwärts gelegene
Brückenseite wurde dann aber erfolgreich! Gleich hatte ich den Biss meiner ersten, ca. 40cm großen
Norwegen-Meerforelle, die sich leider nach einem kräftigen Drill 3 Meter vor mir wieder an der
Wasseroberfläche verabschiedete.

95: kleiner Straumen |

96: hier ist noch eine Meerforelle drin |
Danach fingen Martin und ich aber noch eine Handvoll schöner Küchendorsche. Rechtzeitig, bevor
der Himmel seine Schleusen wieder öffnete, packten wir dann vor dem Mittagessen, zufrieden über
unseren letzten Angeltag, unsere Sachen ein. Schon auf dem Rückweg ging ein starker Sturm los,
und es pustete mächtig und schüttete wie aus Kübeln.

97: Christians Abschied von Katze |

98: Regenbogen |
Kleine Regenpausen wurden abends eilig genutzt, um bereits einen Teil des Gepäcks im Auto zu
verstauen. Am Donnerstag ging es schließlich früh um 5 Uhr nach herzlichem Abschied wieder auf
den langen Heimweg - diesmal über die Strecke Oslo-Hirtshals. Dabei bekamen wir einmal zu
spüren, dass auch eine so riesige Fähre wie die "Color Festival" in schwerer See auf und ab tanzen
kann wie an den Tagen zuvor unser 10m-Kutter. - Nach einer knapp 40-stündigen Heimreise kamen
wir wohlbehalten wieder in Köln an.
Fazit: Eines ist sicher; von dieser erlebnisreichen Urlaubsreise werden wir sicher noch lange zu
erzählen haben und uns gerne daran zurückerinnern. Bestimmt wird es nicht unsere letzte Fahrt
nach Smøla gewesen sein - Norge, wir kommen irgendwann wieder!
Norbert Wiercimok
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